Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-11-15 · Heft 2418 (15.11.1925) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2418 (15.11.1925)
Date
1925-11-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981504--24660-3012227
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sekte tz_ Wien, Sonntag d« .1 i uotn-ui ricn CAFfe RUTHMAYR IX., Liechtenstelnstrasse—Kollngasse Neu idapt < t N u adapUeit Vornehmes Fam<U«ncaH einet starken Abteilung unter der. Führung von H a s s a n el K har rat, der es gelungen war, in eine der Vorstädte von Damaskus emzudringen, die Bcschie.ßung von Damaskus wieder aufgenomm e n. Heftige Kämpfe fanden auch bei der Glas- ' fabrik statt, die sich vor den Toren von Damaskus bcfin-. det, wo das Zentrum der französischen Verteidigung ist. Die Batterien der Zitadelle und des Forts el Meyel griffen in bcJt Kamps ein. General Sarrail in Frankreich. ParÄ, 14. November. (Tel.-Kontp.) General Sarvail ist heute in Marseille angekommen. Er wird morgen vom Ministerpräsidenten Painleve empfangen werden. In jüngster Zeit gibt sich in führenden katholischen Kreisen ein ausiallewd erhöhtes Intereffe stir Erez Israel kund. Bisher fühlte aw-n wohl auch schon den Einfluß, Lon die Politische Stelle im Vatikan auf die christlichen Araber im Lande in der Befehdung de's Zionismus und der Bekämpfung der Mischen Aufbaupolitik übt, aber eine offizielle Kampsansage wurde dennoch vermieden. Die christlichen Araber richteten im Wege ihrer Palästinensischen Presse und auch direkt durch Memoranden Klage- und Hilferuse nach R o m, in denen .sie die natürliche Forderung stellten, daß die römische Kirche durch Gründung von Kreditgesellschaften, Bodmentschuldungsftnds und ähnlichen volkswirtschaftlich wichtigen Institutionen den arabischen Gläubigen im Heiligen Lande zu Hilft kommen und sie im kulturellen und 'wirtschaftlichen Konkurrenzkampf, der durch die anlvachfende Mische' Einwanderung notwendig geworden sei, unterstützen möge. Diese immer dringlicheren Bittgesuche wurden in Rom überhört. Dort hörte man aus den aradischchristlichen Ruftn bloß die Aufforderung heraus, politisch und diplonmtisch gegen den Zionismus und gegen die Juden überhaupt vorzugehen. Diesem Wunsche kommt der Vatikan mit einem Eifer nach, der sichet einer besseren und gerechteren Sache würdig wäre. Im übrigen hat die römische Kirche jetzt in Erez Israel Wichtigeres zu tun, als durch zweckdienliche Institutionen, die dem Lande zugute kommen könnten, beruhigend zu wirken. Die Sorgen des Vatikans spiegeln sich in einem Artikel wider, der jüngst in seinem Organ ,si^sservalore Romano" erschienen ist. In dem Artikel werden die Szenen an der K l a g e m a u e r in Jerusalem am Freitag abends beschrieben, wobei der Berichterstatter ironisch «bemerkt, daß man bei diesen religiösen Veranstaltungen „keim Anhänger des zionistischen Landaufbaues antveffen könne"; die jüdischen Einwanderer der jüngsten Zeit hätten den europäischen Rationalismus ins Heilige Land gebracht und seien „bar jeden religiösen Gefühls". Hier — meint nun -das vatikanische Blatt — erlvachse der römisch-katholischen Kirche eine heilige Pflicht und eine dringliche Aufgabe: die Rettung dieser ungläubigen Seelen für die chrisikathvlische Religion. Vorwurfsvoll weist das Kirchenblatt auf die flinkere Konkurrenz der verschiedenen pro testen tischen Missionen hin, die seit der Balfonr-Deklaration angeblich mit Erfolg in Erez Israel tätig seien. Nunmehr sei es Pflicht der katholischen Kirche, den Konkurrenzkampf um den Seelenfang mit verdoppeltem Eifer aufzunehmen — im Heiligen Lande der Apostel, wo die Juden den Völkern der Welt die Religion der Sittlichkeit gegeben und der jüdische Begründer der christlichen Religion geboren wurde. Man kann übrigens bevühigt sein. Das in ständigem Ausbau und aufsteigender Entwicklung befindliche hebräische Schu'lwerk in Erez Israel sorgt schon dafür, daß weder die protestantische, noch die katholische Mission auf ihre Rechnung kommen. Es ist ein unfruchtbares und in keiner Weift lohnendes Unternehmen, zur Zeit des Aufbaues des jüdischen Nationalheimes unter den aus den christlichsten Län'dern Europas nach Erez Israel gewanderten Juden Proftlyten für das Christentum machen zu wollen. Es wäre viel vernünftiger und sicherlich auch gottgefälliger, die sicherlich sehr beträchtlichen Kosten dieser Missionen für die Erziehung. der christlichen Jugend zur Idee -des -Friedens unter den Völkern und Raffen aufzuwenden. J.K r. Lemisfiou des holländischen Kabinet'r. Haag, 14. November. (Havas.) Infolge der durch den. Rücktritt der katholischen. Minister geschaffenen politischen Schwierigkeiten hat düs Kaibmett seine Demission gegeben. * Das Mbinett Coli j n ist ein ans den letzten. Parlamemswahlen heworgegangenes K o a l i t.io it sministerium zwischen den Sozialdemokraten und der katholischen Partei. Diese Koalitionsregierung wurde durch die Einbringung eines sozialdemokratischen Altträges auf Aufhebung der Botschaft beim.Vatikan, den die Zweite Kammer annähm, gesprengt, ba die'dör kathokffchm Partei angehörenden- Minister zmücktraten, _Wiener Morftenzelkuns __ Re volmsche Regierungskrise. Die Demission >es Kabinetts Grabski angenommen. Warschau, '13. November. (Poln. Tel-Ag.) In seinem Demissionsschveiben betont Grab st i die Notwendigkeit, eine Regierung zu bilden, die sich auf das Zusammenarbeiten aller für die Zukunft des Staates Verantwortlichen politischen Elemente sowie auf eine große Parlamentär i s ch e Mehrheit stützen kann, begleitet von der Beendigung der politischen und parlamentarischen Kampfe. Der Präsident der RepMik -hat die Demission des Kabinetts angenommen, den Innenminister Raczkiewicz mit der Fortführung der Geschäfte des Ministerpräsidenten und, wie bereits gemeldet, den Handelsmin-isier Klarner mit der Leitung des Finanzministeriums betraut. ' Im Zusammenhänge mit der Kabinettskrise hat der Präsident der Republik heute vornnttags die Führer der Parteien sowie Marschall Pilfudski empfangen. rer Putschist; amnestiert. Salzburg, das Mvrderdorado. Berlin, 14. November. (Wolsf.) Mia die Blätter melden, ist der Frsikorpssijhrer Roßbach wegen seiner Tätigkeit vor dem Hitler-Putsch amnestiert worden. Eine Amnestierung wegen ftiner Beteiligung an dem Münchener Putsch ist bisher nicht erfolgt. Roßbach soll sich derzeit in Salzburg aufhalton. Ser Mau der Pabvisr. Aufhebung des Visums zwischen Deutschland und der Schweiz. Dem „Berliner Tageblatt" wird aus Bern gemeldet: Im n äch st e n F r ü h j a h r ist die A b s ch a f f n n g des Paßvif ums zwischen der Schweiz und Deutschland zu erwarten. Die Schweiz wird dang nur noch Maßregeln zur Kontrolle der ausländischen Arbeitskräfte treffen. Re StoDMtt „KünnnunistenverMKwng". Das Standgericht oegen Rakosi und Genossen. Budapest, 14. November. (U. T.-K.-B.) Unter dem Vorsitz des Budapester Gerichtshofes Dr. L a n g e r begann heute das standrechtliche Verfahren gegen den seinerzeitigen kommunistischen Volkskommissar Nöatthias Rakosi und Genossen. Der Staatsanwalt betonte in seiner Anklagerede,, daß Rakosi und Genossen sich auf Weisung eines fremden Staates organisierten, um die ungarische Verfassung und die bestehende Ordnung u m z u st ü r z e n. Bela K u n habe in einem „Der neue März" betitelten Aufsatz dargelegt, wie man in Ungatn, wo man mit dem Trianoner Friedensvertrag ohnehin unzufrieden sei, eine Revolution Hervorrufen könne. Die Angeklagten hätten sich zu Aufruhrzwecken miteinander verbündet, weshalb sie bestraft werden müßten. Der Angeklagte Matthias Rakosi erklärte, daß er sich n i ch t s ch u l d i g fühle. Er halte bloß seine vordem Staatsanwalt gemachten Aussagen aufrecht, seine« vor der Polizei gemachten Geständnisse ziehe er aber zurück, da er hiezu gezwungen gewesen sei. Er sei zwar tatsächlich nicht mißhandelt worden, aber seine Gesinnungsgenossen. Er sei nach Budapest gekommen, um hier die kommunistische Partei wieder ins Leben zu rufen. Ueber die Ziele des Wiener Kongresses, ferner darüber, ob Bela K u n daran teilgenommen habe, verweigert er jede Antwort. Auch der nächste Angeklagte Zoltan Weinberger erklärt sich nichtschuldig. Auch er sei nach Ungarn gekommen, nur hier kommunistische Propaganda zu treiben. Weinberger erklärt, daß er auf der Polizei unter moralischcr Pression gestanden sei. Es wird sodann die von Weinberger bei der Polizei gemachte Anssage verlesen, worin Wcinberger unter anderem erklärt, daß der Hauptreferent ans dem Wiener Kongreß Bela Kun gewesen sei. Weinberger gibt zu, das diesbezügliche Protokoll auf der Polizei unterschrieben zu haben, bemerkt jedoch, daß es Dinge enthalte, die er nicht gesagt habe. Der nächste Angeklagte Karoly E ö r i gibh an, daß er sich crtt dem am 18. August in Wien <rbgehaltenen Kongreß beteiligt habe, aus dem die, Gründung der ungarischen sozialistischen Partei beschlossen wurde. Auch Bela K ü n, Landler, Rakosi und Wemberger hätten Vorträge auf dem Kongreß gehalten. (Im Zusammenhang mit diesen Aussagen wird abermals auf die seinerzeitigen Feststellungen der Wiener P o l i z e i d i r e k t i o n verwiesen, daß sich Bela Kun und übrigens auch'andere als Mitglieder des Kongreffes genannte Persönlichkeiten zur kritischen Zeit n i ch t i n Wien, ja nicht 'einmal in O e st e r r e i ch befanden. — Die Red.) Nach Beendigung der Einvernahme der übrigen Angeklagten wird die Verhandlung auf Sonntag vormittags vertagt.. iS. November 1925 %. 9W Arbeit und Arbeiter in km Rrael. Von Dr. Fritz Löwenstein (TellAwiw). s/f *?///</// In diesen Tagen gab es in Haifa einen Streik von symptonmtischem Charakter: arabische Arbeiter 'streiken unb verlangen den achtstündigen Arbeitstag an Stelle des bisher üblichen zwölf- bis vieWhustündWn. Im ganzen Orient besteht bis zum heutigen Tage eine ungeheure AuSbeuturtg menschlicher Arbeitskraft und vor allem der Arbeitskraft von Frauen und Kindern. Auch in Palästtna \m cf damit nicht anders bestellt, bis sich die jüdische Einwanderung stärker bemerkbar machte. Der jüdische Arbeiter, aus Europa stammend, und mit den modernen Arbeitörmchoderr Europas vertraut, lchnte .es ab, sich auf den Standach of life der arabischen Arbeiters hemnterdrückerr zu lassen, und nahm vom ersten Tage an den Kampf um eine menschenwürdige Existenz auf. In einem Lande, wo cS bis heute leine ArbeiterschuWkjetzgebuAg gibt, gelang rs den jüdischen Gewerkschaften, in den meisten jüdischen Betrieben vernünftige Arbeitskiedingungeu zu erreichen und eine Beteiligung der' Unternehmer an den Krankenkassen dirrchzufttzen. Allmählich begannen die Araber von den Juden zu lernen. Schon vor einem Jahre wandten sich streikende arabische Arbeiscr an die jüdische Gewerkschaft mit der Bitte um UntcrMtzung bei ihrem Lohniantps. Langsam entstehen im tatv arabische Arbeiterbildungsvereine unld Klubs, und es scheint, daß die immer wieder gefordert arabisch-jüdische B,erständigung zuech bei der 'beiderseitigen Arbeiterschaft erreich: werden nürd. Inzwischen hat der riimisch-katholischk Bischof von Haifa sin einer viel' bemerkten Sonntagspredigt feine G^ncind: gewarnt, dem zionistischen Beispiel zu folgen, sondern viclmchr wie bisher so lange zu arbeiten, wie es die Unternehmer verlangen würden. Nur so würden sie die Konkurrenz der Zionisten besiegen können. Diese Mahnung ist freilich ergebnislos geblieben: Die Unternehmer haben den Arbeitern den neunstündigen Arbeitstag zü- I g < si a n -d e n. Die Forderung nach einer Arbei it r s ch u tz- | ge setzgebüng wird seit Jahren erhoben,-und die Richtigkeit dieser Forderung ist PrinzipiA immer pon der Regierung anerkannt worden, ohne daß aber bisher die Angelegenheit aus dem Stadium -der Entwürfe und Gegenenttvürse heransgekomnten ist. Umso bemerkenswerter ist es, daß der neue Obttkommissär von Palästina, Lord Plu-mer, bei seinem erft-en Besuch in Tel - Awiw nicht allein auf die Frage nach ftiner Siellung zu einer Avbeiterschutzgefttzgebung sich positiv äußert.», sondern daß er sogar aus freien Stücken Tel-Awiwcr Industriellen gegenüber betonte, .daß in dieser Beziehung schnellstens etwas erfolgen müsse. Dieser Besuch Lord Plumers hat im ganzen einen aus- . gezeichneten Eindruck hi nt erlassen, weil Plumer unter volligenr Verzicht aus die sonst bei derartigen 'Besichtigungen üblichen Roden, und Feierlichkeiten die Stunden , seines Aufenthaltes wirklich bis ins Letzte ausgenützt und sich von' der Tel-Awiwer Iudustrie und von den öfftntlicheu Auftalten der Stadt ein Bild gemacht hat. Er sah die R u t f) c it b c rg s ch e Eüktnsi^'tssicit'nn, d'e Mibelsa^ik Geralskh-Kriuitza» die Seidenisabviik Del* ' p-h i n» e r, die großen T v £ 111 (-a b x t.i t c u sowie die Silikat fabrik und wird danach einen wiMchen j Eindruck der industriellen Bedeutung Tel-Awiws be- . kmnmen haben. ' Die Tel-Aw.iwer Ausstellung und Messedie der O-berkommissär besucht hat, stellt ein großes Ereignis i-m ausblühenden PalMnewsischen Leben, im wirtschaftlichen wie im sozialen dar und ist aus ' vielerlei Gründen bemerkenswert. Ausstellungen palä- - stucensischer PrödMe gab es schon häufig, man veranstaltete sie insbesondere aus propagandistischst Gründen im Auslände, um Interesse an Palästina zu ' erwecken. Dies ist der erste Versuch, dendie palästinensische Oeffentlichkeit unternimmit, vor allent sich selbst Rechenschaft über das bisher Geleisiete a'bznlegen. Ein zweites kommt hintzu: man empfindet in Palästina «in den letzten Jahren deutlicher als früher die Zusammenhänge niit dem Nahen Ost'en, der'? unter ähnlichen' llimaitischen und sozialen Verhältnissen zu arbeiten hat wie Palästina und der vielfach als Abnehmer der jungen pälästinenfischeu Industrie in Frage i kommt. Aus dieseiu Grunde hat man sich an die benachbarten Länder mit dem Vorschlag gewendet, au der ' Ausstellung teilznnehmen. Dioser Vorschlagist durchaus inbemerkenswertem Umfang akzeptiert -worden. ,.K.e» .Kern der Ausstellung bildet die jüd i sch e la ndw i x U schastliche unindusirielle Leistung. In zweiter. Reihe stehen nicht-jüdische a ra b i s ch e, en g- ',,|i[-äct deu tsch e Firnierij die ihren Sitz i-n Paläsbim mmw 8 3409

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.