Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2417 (14.11.1925)
- Date
- 1925-11-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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is Wirrt, Damerag rmener Morgenzerrrttts 14. Nollember 1925 m.mt am Zoo, Berlin, Hardcriöergatr 87 Direktioni N. von Beneaito Treffpunkt der Fremdenwelf Berlins 5-USr-Tee » Soup-r prix fix * bxqaisite Kftche Kapelle » Scala-Sonjj-b&ad, Milano |l 7 Ferner de» Wiener Hint’OilÄ' Ch&tilt Woebea Die Bombe von Lemberg. Bon wo anr wnkdr dk Bombe gesch'euvert? - Nene Steiger entlastende Ansfagm. (von unserem ».-Korrespondenten.) lchen Partei in Karpathorußland jo gut. wie. - sicher. Dadurch^werdM aber auf Gtzmd-Her in den-übriger) Wahlkreisen abgegebenen ' ' ■ ' weitere drei bis vier Mandate natürliche „Verhinderuugskandidatür" der Agudisten wird mit Empörung zurückgewiesen. 'Werden die jüdischen Wählet am Wahltag dieser Entrüstung durch die ' geschlossene Wahl der Liste der jüdischen Partei zum Ausdruck bringen, so wird der 15. November für die posttische Stellung der Juden der Tschechoslowakei ein Tag von historischer Bedeutung werden. Die DezembelkogMg des Völker» bunürate«. Die Entscheidung über die Kontrolle Oesterveichs. Genf- -13. November. (Tel.-Komp.) Am 7. D c z e mbee wird der Völkerbnndrat uüler dem'Vorsitz von Scialoja in Genf Zusammentreten... 3Iuf der Tagesordnung steht der s i n a nzielle Wiederausbau Oesterreichs und die Frage der EinsteIlung der Ko n t rolle. Die B--- rcitungen des Finanzkomitees werden sich vor allem mit den Punkten des Septemberakkvrds zu beschäftigen haben, die gewisse Regelungen versehen, die nach Aufhebung der Konttolle notig sind, insbesondere über die weitere Verwaltung der Pfänder für die Bölkerbundanleihe und die zukünftige Verbindung zum Kontrollkomitee, die gegenwärtig der Generalkommissär besorgt; ferner über die Punkte des Septemberakkords, die die Termine der Aufhebung der Kontrolle statuieren. Das Wirtschaftskomt.tec des Völkerbundes, das bereits am 3. Dezember Zusammentritt, wird sich gleichfalls mit der österreichischen Frage befassen. An seinen Beratungen werden die beiden Sachverständigen Lahton und Rist sowie ein Vertreter der österreichischen Regierung wilnehmen. Beide Komitees werden dem Bölkerbnndrat ihre Berichte vorlegen., Der Völkerbundrat wird in seiner Dezembersession weiters die M o s s u l f r a g e und dm griechischbulgarischen Konflikt behandeln. In der M o f s u l f r a g e dürfte der Rat noch in dieser Session zu einem e n dg ü l i i gen U t tc i l. über die Grenzt regelung zwischen dem Staate Irak und der Türkei gelangen. Was den griechisch-bulgarischen Konflikt betrifft, so. wird der Rat auf Grund eines Berichtes der Enquetekcmriussion die Verantwortlichkeit sestftellen und über all« fällige Entschädigungen entscheiden. .... ' : Aus der Tagesordnung -es Völkerbundrates steht ferner unter anderem die Frage der griechischen und türkischen Minderheiten, der Armenier sowie der j Ü d i s ch e ü Minderheiten in Ungarn. An franWcher AbrNungsvlan. Unterbreitung vor der Wriistungs kommission des Völkerbundes. Gens, 12. November. (Schweiz. Dep.-Ag.) Das zur Prüfung der Abrüstungssrage eingesetzte Sonderkomitee wird einige Tage vor Eröffnung der Dezembersesiion des Völkerbundrates, vorauLsichtüch am 4. Dezember, in Genf znsammenkreten. Belgien wird im Komitee durch Deb,ro u.cke r e, Frankreich durch Paul Boncvur vertreten fein. Mn spricht davon, daß die französische Regierung' dem Komitee einen Abrüstungsplan unterbreiten -werde. Lemberg, 13. NovemE-er. Das Zeuaenverhör im ger-Pr.zetz, ' welches die verschiedenen einander^ widersprechenden' Dahrnehnmngen der einzelnen Personen . Syrien und PalMya. Verstärkung des britischen Grenzschutzes. London, 13. November.' (Tel.-Kontp.) Nach Meldungen aus Jerusalem kam es an,der Grenze Von Nord Palästina zu Zwischenfällen mit ,den «syrischen Aufständischen. Eine größere Anzahl von Drusen versuchte, die Grenze zu überschreiten, wurde jedoch von den lbritis ch e n G r e n z P oft e n zurückgewiesen. Einige' Hunden Christen sind vom Libanon her über die Grenze geflüchtet. 'Bon Haisa wurden Verstärkungen nach dM Norden entsandt, um in.den GrenzdistMen die Ruhe aufrechizuerhalten. Neue Kämpfe bei Damaskus. Beirut, 18. November. GavaS.) Die Aufständischen halben'gestem einen Angriff gegen das Dors Duma in der Nahe von Däma8kns versucht, wurden jedoch zurückgeschlagen. Die Aufständischen, d'ie-aegenwärtig in Hashaya stehen, haben PlündevungeDerübt. ten von m ehre rey P e r s o n e n verübt wurde;-, von denen -wahrscheinlich nur eine sozusagen zu>m Schuß kam. Es scheint, daß von -den Attentätern mit verteilten Rollen gearbeitet wurde, vielleicht auch deshalb, um die Mchsorschungen «.rezuführem Eine'solche „Arbeit"- ionitle nur nach einem genau s e st gesetzt e'n Plan' von einer Rcihe von Personen besorgt werden. Da nun sogar ' ' die Anklage gegen Steiger.Mittäter oder Helfer ausschließt, so scheint eS immer deutlicher, daß die Voraussetzungen, auf chenen sie ausigebaut istdir Ergebnisse der polizeilichen Voruntersuchung — mangelhaft undlückesthaft sind. Es erhält sich auch immer stärker die Ansicht, daß es zu einem Abbruch des Prozesses kommen tverde, damis die Untersuchung ergänzt werde. Darüber hat freilich das Gericht, das souverän und unvoreingenommen die ihm vorliegenden Deiverje und Gegenbeweise zu prüfen hat, die letzte uNbeeinslußbqre Entscheidung. Gegemvärtig wird das Zeugenverhör sortgesührt. Die Angaben deraus Wen gekommenen Lokomotivjührersgattin Viktoria Le dl ivaren für Steiger belastend gewesen; freilich erwiesen sie sich im Kreuzverhör alsnicht allzu solid, weit weniger solid als der Eindruck, den die kleinbürgerlich schivar gekleidete Zengin auf die Gerichtsversammlung machte. Diesem Umstand ist es wohl zuzuschreiben,. daß das Gericht morgen Samstag den in Lolliberg ivohnhaften ' Bruder der Frau Ledl als Zeugen einvernehmen wird, der unter anderem zu bekunden hätte, ob Frau Ledl tatsächlich am kritischen Tag und zur kritischen Stunde am Ort des Attentats anwesend war. In striktem Gegensatz zu den Angaben der vorgestern und gestern gehörten Zeugin stehen nun die Aussagen der' heure' e i nvernommTnen Personen, sowohl was den.Ort des Bombenwurfes als auch ivas die Person des Mittäters deichst Erinnert/.man sich, daß im Verlaufe dieses Prozesses eine Anzahl von Anssagen, so die der Frau. Annette Franzos, des JrMNWW.ilyi i! und noch, in den Wen Tagen einer AnzaA von Zeugen aus : zwei des AtwatvtS tzerdächttge Personen hiMviesen, so gewinnen die Mitteilungen der Zeugen erhöhte Bedeutung. Zunächst wurde - .; Flrnm-rat Rawrattl einv^rnommen. Dieser Zeuge gab. an, daß er Me Müschen Zeit.bei der Familie des pensionierten Geiievalstabs obevsten HarnySz zu Besuch weilte deren Wchnuny sich in einem dem Cafe de la Paix genau geMülbev liegenden Hause befindet. Der Zeuge sah zusammen mit der Familie Harnysz der Auffahrt des Präsidenten zu -und bemerkte, wie er angibt; sehr deutlich, daß di« Bombe gegen den Wagen des Präsidenten vom obersten Stockwerk des Hauses, in dem das Cafe de la Paix sich befindet, geschleudert wurde. Der Zeuge wurde vom Slaatsamvalt ,nnd vom Borsitzenden oingchend befragt und gab sehr präzise Wahrnehmungen wieder. Die nächste Zeugin, - . Frau Tatjana O.rNSba, aus Rowno gebürtig, die Gattin eines in Sem-bertz anässigen Ingenieurs, eine elegant gekleidete Dame, 'deand sich zur Zeit, da das Attentat erfolgte, in der Mhe >es. so viel genannten- Beierschen- Geschäftes und' äh doch Wie sie angich . .. einen kleinen, glattrasierten Mann in einem brannen ' Anzug die Flacht «rgreisen, der eine verdächtige Bewegung gemacht hatte, als der Wagen des GtaatSprä-jideuten vovbelsuhr, woraus sich für die Zeugin','nachdem sie den Rauch der Bombe ihemerkt hatte, die sichere BeMutung ergab, daß dieser Mnn die' Bombe geschleudert' habe. Die Frage des Borsitzen-den, ob der von ihr geschilderte Mann eine B r ille getragen 'habb. verneinte'die Zeuain. Daß Steiget der von ihr beobachtete, des Attentats verdächttge Mann sein könnte, hält die .Zeugin für* voll k o m men ausg«sch l o s s« n, zumal sie Steiger aus drr Kit, da sie — es war ein Jahr lang — im gleichen Hause ivohnte, wie tf sie .vom'Sehen genä« ksiittt, Auch die Higa-öen dieser Zeugin' wiesen in dem daraüssolgen-den schaosett Kwüzperhör keine Mtwrsprüchö auf. ' ' Cs wurden dünn nacheinander die i Gattin des Obersten Harnysz und Oberst Harnysz selbst e-inpernoinmen, weiche die gleichen Angaben ^«achten ioie. Finanzrat Nawratil. Frau Oberst.Harnysz erklärt«, .daß die ganze Familie beim Fenster der Wchnung versammelt war «üd daß das auffällige Paket mit de^r Böm-be von jedem einzelnen der beim Fenster stehenden Familienmitglieder bemerkt wurde. Dies. bestätigte auch GeneralstabSoberst Harnysz in seiner Aussage und fügte hinzu, daß cr den Flug des auffälligen Pakets, der vom zweiten Stockwerk des gegenüberliegenden Hauses seinen Anfang nahm, unwillkürlich genau beobachtet uüd/bemerkt hatte, wie aus dem Paket Rauch aW. steigen begann, daß also ein Irrtum darüber, ob eS sich um die Bombe gehandelt halbe, nicht vorliagen könne. Der Präsident vertagt sodann die Verhandlung auf .morgen.; Ale klänge wird der Steiger-Prozeß dauern? Wie Ihr Kovrchpondent -erfährt, soll nach der bisher festgesetzten Tagesordnung des Steiger-Prozesses das Z.tugenverhör am 19. November abgeschlossen sein. Der 20. Noveurber dürste dann den Abschluß de's gesamten Beweisversahrens (Verlesung schriftlicher Zeugenaussagen, Protokolle ustv., eventuell Lokalaugenschein) bringen und die Plädoyers des StaatSamvalteS und der Verteidiger am 81. November beginnen. Da sie zwei bis drei Tage, zwischen denen ein Sonntag liegt, in Anspruch nehmen dürsten, so ist die Urteilsfällung fruhefkns am 24, oder 2 6. November zu erwarten. . in,», n. yr Hollaixdliraise 14 «ooiidge gegen den Kn-Kinr-Man. Ans New-Dark wird uns berichtet: In einem Rwsenmeeting der American Legion in Omaha hat Präsident Eoolidge Worte geäußert, die eine Weiter- Verbreitung'wohl verdienen.' Er wandte sich gegen das ,-1vvprozentige" Amerikanertum, wie cs zum Beispiel der Ku-Klux-Klan fordert, und meinte, die wahre Größe Amerikas werde nicht erzielt durch den Kult nationaler Bigotterie. An-- Maßung, Eigennutz, .Haß, Eiftchlcht und Argwohn köntlennicht aüfbauend wirten: „Wenn wir auf diesem Kontimmt eine freie Republik Und eine erleuchtete Zivilisation schaffen sollen, so m-üsstu chir alle herrschenden Unterschiede als zufällig und «nwesentlich betrachten. Die Vorsehung hat nicht irgend einer Rasse das Monopol für Patriotismus und Charakter verliehen. Das ZnsaminentrMtt . sämtlicher nationalen, kulturellen, religiösen und Rasstu- Merkmale hat ünser Äa-nd zu einer Welt im kleinen g-cttwcht, und wir können der großen Welt keinen besseren Dienst erweisen als durch das Beispiel einer harmonischen Zusammenarbeit." Der Ku-Klux-Klan in Kanada. Bancouver, 13. November. (Wokff.) Die Orgaulsa-. toren des anrevikanischen Ku-Klux-Klan sind bemüht, Vereinigungen des Ku-Klux-Klan in Kanada zu gründen und -haben in einigen Städten Ostkanadas tatsächliche Erfolge mhu-lvei,sen. Gleichzeitig werden aber Organisationen zur Bekämpfung deS Ku-Klux-Klan inS Leiben gerufen u-nd die kanadischen Einwanderung'sbehörden haben bereits einen Organisator des Ku-Klux-Klan von der Einwanderung nach Kanada ansgeschldssen. Seßler, der KSnigsmacher. Berlin, 13. November. Die „Frankfurter Zeitung" hält aus Nürnberg folgende Erklärung des Ober- LürgedmetsterS 2 u dp e: Der ReichSwehrminister Doltor G e ß l e r kam Ense Oktober 1924 Während der Regierungskrise-zu mir auf mein Bureau und fragte mulj Unter anderem, Wie ich die Verhältnisse in Bayern be-. Urteile. ÄS ich ihm - erklärte, daß. nach meiner Ansicht in Lezug auf einen K ö n i g S p u t s ch der kritische Moment wohl überwunden sei, erwiderte er mir: Nein, die Lage ist absolut.ernst. Nupprecht beabsichtige, vorzugehen. Er wolle mir jetzt, schon sagen, daß, wenn dies geschehen sollte, die Reichswehr nicht eingreisen werde. Ms ich meine Verwunderung und Erregung über Dr. Geßlers Aussassung kundgab, erwiderte er mir: „Sie kennen eben die Bayern nicht. Die Bayern wollen und brauchen einen König, den kann man ihnen , aus die Dauer, doch nicht vorenthalt en." , , 64