Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2415 (12.11.1925)
- Date
- 1925-11-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Men. Dormerslag Wiener M^raemeliimft 12. November IM Nr. 2418'? Diese kaum abschätzbare Arbeit der jüdischen Kinderfreunde wird aber durch den Mangel an finanziellen Mitteln arg erschwert. Der Verein hat ein Budget von 82 Millionen Kronen m o n a t l i ch zu decken. Die Beitragsleistungen der Eltern und die Beiträge der Mitglieder (es gibt ihrer 1200, beschamenderweise. zahlen aber nur 300 regelmäßig ihre Monatsbeiträge) betragen im Monat kaum 20 Prozent dieser Summe. Außerdem erhält der Verein eine sehr geringe Subvention von der Kultusgemeinde. (Die von den Eltern gezahlten Beiträge bewegen sich zwischen 5000 und 40.000 K. wöchentlich, nur ein verschwindender Bruchteil — begüterte Ellern — zahlen mehr.) Das übrige muß durch freiwillige Spenden aufgebracht werden, so daß allmonatlich der Kampf um die Deckung des Budgets ausgefochten werden muß, eine Aufgabe, der sich Frau Franko R i t t e r m a n n immer wieder in aufopfernder Weise unterzieht. Das ist eine traurige Erscheinung, der die Wiener jüdische Oefsentlichkeit Aufmerksamkeit schenken sollte. Geleitet wird der Verein von einem unparteiisch zusammengesetzten Kuratorium, dessen Ehrenpräsident Oberrabbiner C h a j e s ist. Fünf Kindergärtnerinnen, drei Lehrer und zwei Hilfskräfte, durchwegs pädagogisch geschult, sorgen für den Unterricht unter der Aufsicht des pädagogischen Inspektors. Der Verein Jüdische Kinderfeunde kann unter anderem auch den Erfolg auf sein Konto buchen, daß sich nun weitere Kreise mit dem jüdischen Erziehungsproblem zu befassen beginnen, was die wachsende Zahl der jüdischen Elternvereine beweist. Preirftur; bei repvich-Lkendl. Sämtliche Presse wurden infolge Regieverminderung reell -um 20 Prozent herabgesetzt. Okkai ionswaren besonders preiswert. Rotenturmstraße 20 und Flekschmarkt 1. * Selbstmord. Gestern nachts, hat. sich, in dem Gebäude der englisch e n G c sandls chas t in der Mtternichaasse der dort bedienstete 80jährige Haushcxfmessker Mois N udorfer durch Einatmen von Leuchtgas vergifte!. * Eine Benzlnexplopon. In der Stadt Lisfa (Posen) erodierten währerck) des WochenmarkteS, wie' aus B'e r.l i n berichtet wird, auf dem Marktplatz mehrere Bernzinfäsfer/ Die Wirkung der ExpWon umer den, Marktbesuchern war entsetzlich. Bisher wurden fünf-Tote und eine größere Anzahl Schwerverletzter geborgen. - * Ein Raubmord in Graz. Aus GW wird uns gemeldet: Vorgestern um Mitternacht wurde in der -Andrägasse der Mchhändler Alois Fuchs aus Wolsdorf bei' Mttnrannstettcn von zwei unbekannten Burschen erstochen. Da die Nhr und die Geldtasche fehlten, während die in einer inneren. Tasche -verwahrte Brieftasche mit ctwa IM) Schilling von-den Tätern offenbar nicht gefunden worden ist, dürfte ein Raubmord vorliegen. '< * Schwerer Unfall durch ein Laftenanto. Vorgestern nachmitta-gs fuhr der 21-jährige Chan-ß'eur Othm-ar Zaiko lmir einem beladenen Bicrauto durch die Huaeloasse aeaen die Fedberstraße. Bei der Kreuzung Hugolgasse-Golldschlagstraße wollte er einem -zweiten Lasdenavto auStveichen und fuhr auf den Gehsteig. Dabei stieß er einen Gaskrndelaber um und dieser traf im Falle Mi spielende K nber Es sind dies der achtjährige Hans und der vierjährige Friedrich Kreißler. Beide wurden schwer verletzt. Nach Auslagen von Augenzeugen trifft Zaiko insaferne ein Verschulden, als er überaus rasch, ohne Haweirnichen zu aeben. fuhr. * Di« BoUssiingerin Louise Montan irrsinnig geworden. Vorgestern wurde die unter dem Namen Louise Montag bekannte ehemalige Volkssängerin Louise Plechacek. die setzt 76 Fahre alt fit, Äs geistesgestört der psychiatrischen Klinik überstellt. Ihr Benehmen hat schon seit längerer Zeit den Verdacht gerechtfertigt, .daß sie geistig -nicht, normal ie>. Sie trug seit;wer Tagen ihren verendeten Hund ständig herum, küßte ihn a!b und rief immer wieder laut: „Mein 'Han-si ist gar nicht tot!" SW ließ sich von keinem Menschen beruhigen «und als der Wasenmeister kam. um den Kadaver aitstuhÄen, konnte er chn nur mit Gewalt den Händen der Greisin entwinden. Gestern vormittags wurde Lousse Montag ihrem Kurator gegen Revers übergeben. Der 3ttg der Seit! Der moderne Kaufmann muß in Berücksichtigung der Allgemeinen Geldknappheit des konsumierenden Publikums vor allem darauf bedacht sein, die Kauflust seiner Kunden durch besonders preiswerte Angebote anzuregen und durch immer neue Beweise seiner Leistungsfähigkeit'das Vertrauen devsekben zu stärken. Diesem Grundsatz folgend, hat das führende Leopoldstädter Warenhaus Brüder Schiffmann. 2. Bez.. Toborsttaße 48. welches allgemein als billigste Bezugsquelle bekannt sst. folgende Neueinsübrung getroffen: Bei einem Wareneinkauf von 3n Schilling erhält ieder Kunde eine Anwessung an ein eri'Massiges. WnstlerischeS Atelier, gültig für eine photographische Aufnahme und drei Bisitbilder. Erreich^ der Einsam 50 Sck>illina dann ttbält man schon drei Künstlerkarten und bei 100 Schilling überdies noch ein großes Kabinettbild. Da dieses Geschenk nachweisbar ohne Preisaufschlag ausoefolgt wird, kommen die Kursen des Warenhauses Brüder Schiffmänn auk diele Wesse beim Einkauf von guten, und besonders preiswerten-Waren,überdies -noch umsonst zu einem wertvollen Andenken. D'eie originelle Aufmerksamkeit wich dem bestrenommierten llnternehmLN sicherlich viele nene Freunde gewinnen.- ttsrtzs Ghristlner bürgt allein tür Echtheit BACKET UND BRATET II OHNE BRATROHR II auf Gaaiechauds, Herdplatte, Spirltuskodier oder Petroleumofea. Jede Mehl* oder Heischspeiße in 80 bis 30 M nutet) fertig! fl** Vorführung und Kostproben gratis! Wien. 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Die amerikanischen Erdbebenwarten melden das stärkste Erdbeben, das feit Jahren verzeichnet wor den ist. Der Herd des Erdbebens ist noch nicht sestgestellt. * Die Lokalbahn Frirdberg-Vinkafeld, die Steiermark'.mit dem südlichen Burgenlande in Verbindung bringt, wird am 1h, d feierlich eröffnet und am 16. d. dem öffentlichen Verkehr Per geben werden. ' * Redakteur Siegelbanm gestorben. Nach langer Krankheit ist Dienstag nachts der Redakteur der Illustrieren Kronenzeitung" Leo Sie gel-baum im Alter von 66 I-ayren gestorben. F, Kondolenz. Die I. A. V. Jordanw, Wien, kondoliert ihtzen beiden A. H. A. H. Dr. Norbert und Dr. Heinrich Kiwe anläßlich des Ablebens ihrer Mutter, Fran Jeanette Kiwe. * I. A. V. Jordanra, Wie«. Das Präsidium foMvt sämtliche A. H. A. H. und Bb. B'b. auf, am Leichenbegängnis^ der, Frau Jeanette K i w e, welches Freitag den 13. d. um 1 halb 12 Uhr am Zentraffrivichoif, 3. Tor. statffmdet, vollzählig teilzun-chmen. ■■ i ' _ * Jugendgottesdienst. Am Samstag den 14. d. um 3 Uhr nachmittags findet der Jugendgottesdienst für die jüdische Schul-, fügend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen des 1.. 2.. 9. und 20. Bezirkes statt. * Kulturarbeit des Shnagogeuvereins veih Israel (Polnische Schul), 2. B^.. Leopoldsgasse 29. Der Vorstand des Shnagogenvereins hat beschlossen' die im neuen Statut aufgenömmene Bestimmung ^Pflege der jüdischen Lehre und Kultur" in die Tat umzm'etzen. indem er vorläufig folgende drei Einrichtungen in die Wege leiten 1. Montag und Tonnersraa von halb 7 . bis 8 Uhr abends wird Herr Rabbiner Mayersohn im großen Sitzungssäle, 2. Bez., Leopoldsgasse 29, 1. Stock, einen frei zugänglichen talmudischen Schiur halten. Eröffnung heute. 2. In den nächsten Tagen wird eine Brbelschule für schulpflichtige Knaben in demselben Sitzungssaale eröffnet. Der Unterricht wird kn Bibel, Gebeten und hebräischer Sprache von bewährten Lehrkräften entgeltlich erteilt werden Einschreibungen werden Mich von 5 bis 7 Uhr, Sonntags von 10 bis 12 Uhi entgegengenommen. 3. Ab Samstag den-21. d. wird allwöchentlich am Sabbath- Nachmittag präzise 3 Uhr, in der Synagoge, Leopoldsgasse -29, unter Aufsicht von Religionslehrern ein I u g e n v g o t t e S d i c n ji abgehalten werden. Die kantoralen Funktionen wird Herr Oberkantor Frankel versehen. Die Exhorte für die Jugend wild Prof. Breuer halten. E Verlangen Sie in Gast- und Kaffeehäusern, Bortresflich- Bäckereien. Möbelfabrik m JACQUES WALLIS Wien, /., Wollzeile 21 Wohnungseinrichtungen bis znm Jeineien Genre, reithhaltiges Lager u» fünf Stodtmerken ‘ „NOVOPINtt Fichten- und Kiefemadnlnxtrakt, Badakapialn herz-, mu9kel- und nervenst rkertd ' ln a len Apotheken und Diogerten eihS.tlich > »114 Novopin-Fabrik, Wien, XVUI. Wäbringerstr.157^ T.21-5-64 Der jüdische Finanzroman von Lion Feuchtwanger 610 Seiten Preis broschiert S 10, gebunden S 12 der große Bucherfolg Erstens, well die dargeßteUte Epoche der wwigtn so täthcMnd. ähnlich sieht; -; Zweitens, weil der Roman spannend von der ersten bis zur lebten Seite Ist; : *; . Drittens, weil Jud Süss" ein Werk ist, dass als Baustein der epischen Da.stellung der jüdischen Di gpjMgesch chte sicherlich auch für patere Generationen von grosser Bedeutung bleiben wird. Buchhandlung R. L5wit, Wien, I.» Fleischmarkt 1 Rotenturmstrasse 22‘ Ü/J mmnmiiiiimminiiitmtiiiiniiiifimmmiiinmimtiiiimiiimiiiiimii ZUM SIBIRISCHEN ZOBEL Wien, VI. Mariabilter ntrasse 101 -103 Kürschnermeister //!! Nur letzte Neuheiten f I in bester Ausführung!! Oegtündet 18% Telephon Nr. irr RICHTER-UND PREDIGER- TALARE UND BARETTE von S 65 aufwär s vorrätig und nach Mass .beim Spezialisten 13c RUBOLF GOLDSTEIN,Ziv.lnni UniiormsciDeider Oeyrünae< 1666 .. 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Die Rheinlande, besetzt und gckemütigt, die deutsche Jugerch ruft nach der schimmernden .-Wchr, der Geist des Militarismus ist ebenso stark, der des Rassendünkels weit stärker als vor dem Weltkriege —'und Unruh wagt 'es, anno 1925, vom deutschen Volke die selbstüberwindende Liebe;}ü jochern. „ ’. . . .' Heinrich,' der Winzer aus Andernach, tragt das blutige Mal "eines Peitschenhiebes auf der Stirn, den ihm ein Soldat -der Besatzungstruppen, ein Dunkelhäutiger, hinschlug. Die Jugend vön Andernach ist. aufgewühlt und will sich Genugtuung holen. Heinrichs Veib und ein Kriegsblinder schwören ' hie Männer, sich nicht mit Rache xi beschmutzen, von Kriegskrüppeln getragen, erscheint dag Skelett eines naMnlos Gefallenen, den Heinrich damals bei Namur selbst peitschte. „Die Peitsche in uns allen schuf die Peitsche unserer Rot!" ruft her. Blinde „Kann ein Hieb der Hinterlist nehmen, waS du bist?" mahnt das Weib. Der Rachezug unterbleibt. Die Jugend versenkt das Totengerippe in die Fluten deS Rheins, als Symbol, daß sie reif gewogen ist, durch Liebe zu siegen. Eiye tapfere Dichtung. Künstlerische Bedeutung kommt der Gelegenheitsarbeit nur in sehr beschranktem Maße zu; Am besten scheint mir die erste Szene geglückt, das improvisierte Theater junger Menschen auf der nächtlichen Rheinwiese, am wenigstens die Schluhapocheose mit der Peitsche, die sich in. emen Weinstock verwandelt, wie sich weilaud Tannhäusers Stab mit. stischem Grün bebedte.; Daß Spiel wurde von Hans Marr,' Else Wohlgemuth und Franz Herterich herzhaft gesprochen, aus'der Schar'der Mitwirkenden, die, zu Mren gebunden, nicht humet genug deutlich waren, leuchteten die Stimmen der-Frauen Bleib treu» Mayer und Aknay und des Herrn Eidlrtz aus. - -ivnruhs Festspiel stand im Schatten eines , genialischen Torso, und die gewaltige Wirkung.^die vorher die große/Mittlerin eines großen Dichters übte, tat ihm Abbruch. .. > Hedwig Bleibtreu gestaltete dir Marfa im ^Demetrms- Fragment. „ . .. hingestellt hat mich die Zeit zum - Denkmal eines schrecklichen Geschicks!" Unter - einem weiten, - dunkel getönten Himmel — nur ein Lichtspalt durchkreuzt ihn. der Schrei eines halwvüchstgen Mundes sitzt sie, rin Gesäß des Grams. Wer kannheute noch so hohritsvoll den Schmerz gestalten! Das weite Haus, durch eine ansonsten nicht gerade geglückte Aufführung noch weiter und öder geworden, versammelte sich, zu Füßen der gwßen Tragödin. Der liebenswerte Herr-A nder s en ist dem Demetrius auch nicht physisch geLvachsen. RemigiuS-^ G e y l i n g, der Schöpfer der - kongenialen Szene für bis; Wbtreu, hat.das Krakauer Parlament mit buntem, allzu buntem Tuch tapeziert. Mit den Bischöfen, Palatinen, Kastellanen und plötzlich aufbrausenden, aber ebenso-plötzlich "zu Pagoden'.erstarrenden Landboten ergab sich eine Serie kitschiger Abziehbilder.;• Otto Abeles.^ Am den AeatM. Bu r g t h e'a t e r.- Morgen, halb 8 Ihr abends, „Wilhelm LeU". - Akademielheater. Morgen, . halb-8 llhr..abechs, „Die Fahrt ins Blaue". Opcrntheater. Morgen, halb- 8 Uhr abends, in italienischer Sprache ,Iigoletto" mit'Comm; Mattia Bat-