Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2415 (12.11.1925)
- Date
- 1925-11-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Geile'% Wen. führende Mi l'i tii v f tcuitsa uAudbeschuldigt, sie hätte ixt ihr genau befa'uuten Mörder c w t f o in m e n lasiert. Der Gerichtshof verurteilte heute Feuyes ivogen Bcrlouulidung zu drei Monat«« Gefängnis, und fünf ÄMionerr Geldstrafe. Wieder eine neue Mouarchiftrnvariei. Das Bekenntnis der unter der Leitung Dr. Schätzers stehenden konservativen Bolkspartei zum Rasseua n t i s c m i t i s ur u s hat auch den Monarch« stensührer Kuno Hoynigg veranlaßt, aus der Schager-Partei aus zu treten. Mit ihm halben sich auch seine Auhanger von Schätzer losgcftgt und sich Meter HoyNMs Führung in der österreichischen Staatspartei vereinigt. Wie die Berliner „Tägliche Rundschau" erfahren haben will, u>ei«lt Schager gegeruvärtig in Berlin, um dorr mit m o n archi st ische n F ü h r e r n Deutschlands zu verhandeln und Geldmittel für ferne Partei auf- ^lkreOen. Die Haieottruzler in ftaaüichrn Gebunden. Gattermayers Sprechstunden. Ein Teil der nationalsl^ialistischett Par^teiangcstellten Acgt nüt der Parteiexokuti-Ve in arger Fehde und hat in diversen Rundschreiben sehr evbaulichc Dinge von Gattermayer und seinen Mtteutoncn Zu berichten gewußt. Im Wochenblättchen der Partei erschien jüngst eine Bekanntmachung, aus der zu entnehmen ist, daß Gattermayer seine Sprechstunden für Parteiangehörige während der Amtsstunbcn in den: Bureau der Bundesbahnen in der Gauermanngasie, wo er sturen suibalterneu Dienst vechohen soll, abhält. Diese Tatsache wurde gestern vom Abgeordneten S chiegl im Budgetaasschrch zur Sprache gebracht. Er wünschte Aufklärung über die den Hakenkreuzlern seitens des Bundes gewährten Begünstigungen. deren Organisationen in staatlichen Gebäuden mitewe bracht sind. Insbesondere beschwerte er sich darüber, daß der Chesredakleur des Organs der HakenEreuzler, Gattermayer, seine Sprechstunden, wie m dem Blatte selbst angcEiuldigt wird, in seinem Amtsbureau ab- 'halte. Minister Tr. Schür ff antwortete, daß wegen Kündigung der Wohnräume der HrkenkrvuKer im Schiller-Hof an die Generaldirektion der Bundesbahnen, der die Verwaltung des Gebäudes obliegt, herangetreten ivorden sei. Nach einem Bericht der Generaldireklion habe sie die Kündigung eingeleitet.und die Regelung der ganzen Angelegenheit der Finanzprokuratur übertragen. In der Sache selbst ist beim Bezirksgericht Innere Stadt die zweite Tagsatzung für den 16. November anberaumt. Der korwtnerzielle Direktor der Genevaldirektion der Bundesibahnen l)abe Gattermayer zur B e r a n t w o r t u n g g e z o g e n; diaier erklärte, daß er mit der Nachricht des Hakewkrellzblattes nicht das geringste zu tun habe. Es haMe sich offenbar unr ein« M y st -i f i k a t i o n. Ae Tariferhöhung der Bundesbahnen. Ter .Hauptausschuß genehmigte gestern die Neusesbsttzung der Grundlagen des Personen- und Gepäckstarifs der Bundesbahnen. Abgeordneter H ei nl eus,uchte den Berkehrsminister, eine Neberprüsung der vielfach übewalorisierten Nebengebühren Wäge-, Zufchubgebühren usw.) in die Woge zu leiten. Es wurde ferner einstimmig beschlossen, die Bnudesbahuvertvaltung aui^u>- fordern, das Freikarten- und R e g i e k a r te nwesen einer Ue'berprüsuug zu unterziehen und. dem Hauptansschuß darüber zu berichten. Bollautomatifierung de« Wiener Telephon« f BekanMich ist im Vorjahre die Einführung des hakba aromatischen Betriebes in sämtlichen Wiener Telephonzentralen beendet worden. Gegenwärtig haben wir acht solche Tclephonzentraleii, die die Möglichkeit haben, fe 10.060 Teilnehmer -aufzunehmen. Die Gchamtanlage in Wien ist imstande, 100:000 Teilnehmer anfzunehmen; gegciMärtig sind 09.000 Teilnehinerstellen belogt. Um eine größere Zahl van Teilnehnnrn aufzunehmen, ist eine Er« Weiterung der Zentrale in Diei-dling auf 10.000 geplant. Die große Zahl der Anmeldungen wird es notwendig machen, schon im nächsten Jahre das Hunderttaustn'dftsitem z-n überschreiten, wofür die nötigen Vorbereitungen bereits getroffen sind, so daß die T e i l n e h m e r z a h l im Jahre 1920 auf 120.000 Abonnenten wird erhöht werden können. Im Jahre 1926 werden, wie gestern im Budgetausschuß emtaeteilt wurde, ungefähr 8000 neue Auifchlüsie hergestellt werden können. Die Einführung des vollautomatischen Betriebes befindet sich im Stadium der Prüfung. Tie Firma Leopold Kolbenheher hat im Vereine mit anderen Fachlonteu den Antrag unterbreitet, d:e Apparate, die sich bei der Pollautomatislerung als notweiDig erweisen werden, nach den Bestimmungen der Generaldirektion anzulschasfen und sie an die einzelnen Teilnehmer zu vevkanfen. Tiefer Vorschlag, der geeignet ist, die Telephonvermaltung entsprechend Kn entlasten und dadurch größere Beträge für IInvestitionen freizumachen, wird genau geprüft werden müssen. ehe man an eine Entscheidung herantritt. Generaldirektor Ho he ist fügte hinzu: Das Projekt Kolbenheyer. das darin besteht, cs möge einer zu gründenden Firma überlassen werden, die 2lpparate für die Vollauwu'.atisiernng den Parteien gegen Entgelt beizustellen. wodurch wir Geld für andere Investitionen erübrigen kbn-inen, wird überprüft. Bei der Voll.nitrnnatisiern'Ng sind gowisse A u f rv e n d u n g e n in den Z e n- Wlener Morqenzeltung 18. November IW- Nr. M« 1-l.VVV ALL< i EMEINE VEßSICHERUNGS-A&TlEN-GESELLSCHAFT § DIREKTION: WIEN, L ASPERNPLATZ 1 TEIBPHON 55 58 50*81 Uebernimmt zu den kulantesten Bedingungen: 1. Versicherung gegen Feuer-, Blitz- und Exy 4. Automobilversicherungen aller Art plosionsschäden Spezialität: 2. Cbomage- (Betriebsstillstands* und Oewinstentgang-) Versicherung 3. a) Land-, See- und Fluss-Transport-Versicherung b) Land-, See-und Fluss-Casco-Versicherung c) Valoren-Versicherung i Auto-Universal-Versicherung 3 : 3 8 8 ■ mniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiBiiaiiiiiiiHiinHiiiiiiiRiiHiMiiiiiii 5. Einbruchdiebatahl-Versicherung 6. Kaution* (Veruntreuungs-) Versicherung - 7. Unfall-Versicherung j & Haftpflicht-Versicherung 8 traten zn machem Diese sind aber keine übermäßigen «nd werben von der Verwaltung bestritten werden. Hin Bnttmuf zur Süelchtenm« de» tBofttmm* ncnltts. Beim österreichischen Nationalem sowie den kompetenten Ministerien wurde seitens drs Herrn Dr. Heinrich Kiwe, der sich mit der Materie des Wohnungsvechtes schon seit tätigerer Zeit sachwisstttschastlich besaßt, ein Gesetzentwurf eingsbracht, welcher ein feit alter Zeit in Tirol und Salzburg bestehendes Institut, das Stockwerkseigentum, in das heutige Rechtssystem einsngen will. In diesem Entwürfe ist die Gründung von sogenannten Hausgemeinschaften vorgesehen. Me Hausgemeinschaft ist nach beim Entwürfe eine Bereinigung von Personen, -welche genreinsam ein Haus erbauen und ideelles Eigentum an dent Haust als solchem und spezielles Eigentum an der Wohnung besitzen. Aus diese Weise wird eine Wohnung Gegenstand des Verkehres, sie ist ein , W e r tobjekt, das jederzeit realisiert werden kann und volkswirtischastlichen Anreiz zn Investitionen für die Erbauung einer Wohnung >bietet. In der Oegvündu'ng wird darauf vertviesen, daß durch Schaffung von .Ha-usgenieinschasten die tttolkswirtschaiftlich schLdliche Ablöse für Wohnungen vermieden werden kann. Der Entwurf befaßt sich eingehend auch mit der Frage der 'Schaffung von Kreditinstituten für ine Ermöglichung der Gründung derartiger Hausgemeinschaften und mit den Modalitäten der Belehnung des ganzen Hause- sowie der Einzelwohnung. HakrukeuAadmtemadim. Schließung der Hochschule für Welthandel. — Ern« verlautbamng des Rektorats. Das RadanftudententM, ist wieder an der Arbeit. Wenn die Vorlesungen an den Hochschulen einige Zeit ruhig ver- -laufen, ermannen sich die Hakenkreugler und entfalten eiNL erhöhte Tätigkeit, bis die Hochjchultore wieder gesperrt werden. So war es auch gestern. Der Rektor der Hochschitle für Welthandel, Professor G r u u tz.e l, der nicht nach der Pfeife der Hakenkreuzler tanzen will, und ihnen die Zlbhaltung von .Hetzvortrögen auf akademischem Boden nicht gestattet, hat gestern solgeivde Knrck- .machuug erlassen: „Das Rektorat der Hochschäle für Welchacwe!. erhielt anr 1t). d. von einem Verein namens „Völkische Arbeitsgemenlschast", 9. Bez., Aechtenswinstraße 23, einen Brief nachstehenden Inhalts: „Wir gestatten uns, das Rektorat davon in Kenntnis zu setzen, daß am Mitttvoch, den 11. November, nur dreiviertel 10 Uhr vormittags, eine Au'fo° vevstnmrlmrg stattsindet." Ein Vechlch zur Erlangung einer Bewilligung für diese Versonlmkung wurde gar nicht unternommen. Da tatsächlich eine lebhafte Agitation für diese BerhEmlung entfaltet wurde, auf der anderen Seite die wirklich studierenden Hörer eine gewaltsame Stvrmtg des Unterrichtes nicht ruhig hinnchnden wollten, tvar die WahrscheiuUchkeit von Zusammenstößen gegeben. Deshalb toutbe die Hochschule für heute geschlossen. Ich richte an die gosaune Studentenschaft die dringende MahMng, sich durch die urit unwahren Behauipttmgen eingeleitete Hetze gegen unsere Hochschule nicht beirren zu lassen und die Ruh« zu bewahren. Wien, am 11. November 1925. Der Rektor." Die deutschvölkischen SruLeuten versammelt-en sich daher gestern in der Felix-Mottl-Straße unter freiem Himmel in der Nähe der Hochschule. Es wurden mehrere Ansprachen gehalten, darunter auch vorn Führer der Studentenschaft, Diplomkatrfmann Korber. Nach der Versammlung formierten sich die Teilnehmer zu einem Zug und marschierten durch die Gynrnasiiimstraße über den Währingergurte! und die Wälhringerstraße. Da ihnen der boabsichti-gte Dmumfftrationszug über die ganze Ringstraße bis zum Ninisterinm für Handel und Verkchr behördlich nicht gestattet war, zogen sie bis zum Platz vor der Votivkirche n>id entsendeten von dort eine Abovdllung in daS Ministerium. Auch ein Umzug um das UniVersttätSgsböUbe iuiirbc veranstaltet. Wie oie Korrespondenz Herzog meldet, wird die Hochschule für Welthandel am Freitag wieder geöffnet. 9r8deneinflm:j in Rrdkerrbnrg. Bei Ui Ankunft Dr. Teipls. Der frühere Bundeskanzler Dr. Seipel und LandeShLUytmann Dr. Rrutelen trafen gestern vormittags im Mtomobil in RadkerSburg ein, um in einer christlichsozialen Berscumnliung zu sprechen. Bei der über den Stadtgraben ffchrenden Brücke an, Eingang der Stadt hatte sich zur Begrüßung eine große Mnschenmenge eingefunden. Mhrend Landtagspräisrdent Kölbl namens der chrvstlichsvzialen Organisation von RadkerSburg Doktor Seipel begrüßte, stürzte ein Teil des Gehsteiges derBrücke unter der Last der Apschaner e i u. Mhreve Personen sielen in den vier Meter tiefen, wasierlosen Stadtgraben. Ein Mann und vier Frauen erlitten Bein- und Rippenbrüche, vier Personen leichte Berletzungen. Dr. Seipel und Landeshauptmann Dr. Rintelen, die knapp neben der Einsturzstelle standen, beteiligten sich an der Hilfeleistung für die Verunglückten. _ Stt letzte Wische Mrgemeister in Mtzre» geßorbrn. Siegmund Kubiu. Wie uns aus Schaffa bei Znaim berichtet wird, ist dort <um 10. d. der Lederhandler Herr Siegmund K u b i n im 59. Lebensjahr einem Herzschlag erlegen. Herr Kubin gehörte dem Gemeinderat de's Ortes als einer der Vertreter der jüdischen Gemeinschaft an. Er bekleidete diese Stelle seit dem Umsturz, in dessen Folge der an der niederösterreichisch-mährischen Grenze gekegem Ort an die tschechoslowakische Republik gekommen war. Durch dieses Ereignis hatte auch Schaffa wie so viele andere Judengemeinden MhrevS die aus den Zeiten Kaistr Jostss stammende Autonomie verloren. Herr Kubin war der letzte Bürgermeister der politischen Gemeinde „'Schafft' Israeliten" gewesen. In ihm verliert die Judenschast Südmährens einen ihrer inarkantesten Vertreter. Ein gerader, aufrechter Mensch von stolzem jüdischem Bewutztstm, war Herr Kubin in der laitgen Zeit seines offeMchen Wirkens der treue Berater und Freund der jüdischen Gemeinschaft in dieser Gegend. Er hat allen BereiniguMn zumeist in leitender Stellung angehört, war Vorstand des jüdischen Spar- und Borschnßvereins, Mitglied des Vorstandes der Kultiusg'emeiNlde, des OrtSfchulrates und war auch einer der ständigen Vertreter de's Gemeinderates aus den Amtstagen der Bezirkshauptmannschaft Znaim. Für das Judentum und das jüdische Leben in Schaffa bedeutet sein Tod einen unersetzlichen Verlust. Durch die Entwicklung der politischen Bechaltnisie dwhte der Judengemeinde, die durch die GreWolliuie von ihxem natiirlichen Hinterland in Niederösterveich abgeschmtben worden war, der Verfall. Siegmund Kubin -war in dieser Krisenzeit ein Führer von Umsicht und von sozialem Verständnis. Insbesondere bewahrte sich seine kernige Natur und seine gesunde Auffassung der Dinge in den trüben Tagen, die die Gemeinde nach dem Zusammenbruch der Monarchie und nach der Besetznug des Ortes durch die tschechischen Truppen durchmachte. Im Kriege war er der natürliche Freund und Treuhänder der galtzlsch-Pidischen Flüchtlinge gewesen, die ihr Schicksal in den entlegenen Ort verschlagen hatte. Sein Wirken in dieser Stelle ist seinerzeit durch den Flüchtlingsausschuß des österreichischen Abgeordnetenhauses rühmend anerkannt worden und es wurde ihm bei dieser Gelegenheit auch der Dank des Parlamentes und der Zentralbehörden für seine musterhafte Pflichterfüllung als Bürgermeister ausgesprochen. Die jüdischen Armen 'betrauern in ihm einen Mann, der stets wie ein Bruder an ihnen gehandelt hat, seine Freunde verlieren in Kubin einen hilfsbereiten Kameraden. Herr Kubin, der sich zeitlebens einer eisernen Gesundheit erfreute, ist plötzlich, ohne vocheMgaugem Krankheit, gestorben. Seine Familie trifft sein Ableibeu besonders schwer, da sie sich eben zur Feier der goldenen Hochzeit, seiner Schtvester, ^der Frau Minna Hirsch, anschickte, dde Samstag hätte stattstnden sollen. Am