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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-09 · Heft 2412 (9.11.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2412 (9.11.1925)
Date
1925-11-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ylr. MZ Wiener Mvdnzeskuns st. November IM Mn, MöMg AUFWKRX BJ IW €3- Hypotheken, Anleihen, Pfandbriefe, Sparkassenguthaben Fachmännische Beratung VERMITTLUNGS-ZENTRALE G.M.B.H., BERLIN W 9 Eichhornstrasse 3, Parterre im« Telephon Kurfürst 5520—2i Sprechstunden von 4—7 Uhr nachm., Sonnabend von 1*80—3*30 Las Schachturnier in Moskau. Heute beginnt in M o s k a u das große internationale Schachturnier, welches Von 10 r u s s i s ch e n und 10 ausländischen Meistern bestritten wird. Die russischen Spieler wurden sehr sorgfältig nach einem AuKwahltuvnier gestellt, bei dem der Großmeister Bogoljubow erster Sieger blieb. Von den übrigen russischen Teilnehmern sind Rabinowitz, Dus-Chotimirsky und Löwen fisch schon aus früheren internationalen Turnieren «bekannt und repräsentieren eine hohe SpiMafse. Die übrigen russischen Teilnehmer kennt man nicht in der internationalen Schachwelt, doch dürfte Rußland angesichts der hohen Stufe, auf der die Schachkunst dort steht, gut abschneiden. Der hervorragendste Vertreter Rußlands in der internationalen Schachwelt, Aljechin, kann freilich an dem Turnier n i ch t t e i l n e h m en, da er den Bolschetoilen „Politisch verdächtig" ist und daher keine Einreisebewilligung erhalten hat. Der 36jährige Bogoljubow, welcher knapp vor dem Krige nach Deutschland kam, um an einem Turnier in Mannheim teilzünehmen und bis heute im Schwar^wald lebt, hat inzwischen große Erfolge bei internationalen Turnieren (erster Preis beim Turnier in Pystian und erster bis dritter Preis in Karlsbad IM) errungen und gilt als einer der aussichtsreichen Teilnehmer am Moskauer Turnier. Besondere Bedeutung erhält dieses Turnier durch die Teilnahme Laskers und Capablancas, die bei ihrem letzten Zusammentreffen in New-Iork 1924 sich vor den übrigen Teilnehmern Placierten und durch ihre Rivalität um die Schachweiltmeisterschast im Mittelpunkt des Interesses stehen. Neben ihnen steht Rubinste i n, der nach zeitweiligem Rückgang im letzten Jahr in Baden-Baden und Marienbad wieder seine volle gefürchtete Spielstark« entfaltet hat, nn Mittelpunkt des Interesses. Mit großer Spannung wird dem „Auftreten* des jungen Mexikaners Tor re entgegengesehen, der in den letzten zwei internationalen Turnieren . von Bedeutung (Baden-Baden und Marienbad) durch seine Spielführung Aufsehen erregt hat und in Marionbad mit Marshall den -ritten und vierten Preis geteilt hat. Auch Mar sh all, hx alte Vorkämpfer -der Vereinigten Staaten auf dem Gebiete des Schachs, dessen Glanzzeit freilich schon einigermaßen zurückliegt, wird an dem Moskauer Turnier teilnehmen. Ueberdies spielen diesmal der starke, durch seine Angriffe gefürchtete Wiener Meister Spielmann, ferner R eti, dessen Sieg über Capablanca. in Nsw-IoUk die Duvmerftnfation war, Dr. Tartakower, einer der interessantesten Spieler der Gegenwart, der Wiener Meister Emst Grünfeld, ein Theoretiker ersten Ranges und der junge Berliner Schachmeister Fritz Sä misch, der in Baden-Baden nach' ausgezeichnetem Spiel hinter Aljechin und Rubrnstein als Driter landete; er ist übrigens der einzige Schachmeister, der aus dem Arbeiterstand hervorMgange» ist. Diese Teilnehmertabelle gibt dem Moskau« Turnier große schachliche Bedeutung. Das österreichische %eam in Bern geschlagen. Sie Schweizer Regen 2:0. Halbzeit 0:0. - Unglücklicher Spiel der Sesterreicher. - Ser Wiener Angriss Kr die robusten Schweizer zn weich. Die Expedition nach Bern endete nun doch mit einer Niederlage. Der Umstand, daß wir nur eine Ersatzgarnitur indie Schweiz schickten, kann über die Schlappe nicht hinwegtrösten, da dieser Umstand «ach wenigen Tagen in Vergessenheit geraten wird und nur dar nackte Resultat bestehen bleibt. Unsere Vereine, für die die Schweiz ein beliebtes Reiseziel ist, wrden bei den nächsten Spielabschlüsse» die Nachwirkungen der gestrigen Niederlage ziffernmäßig zu fühlen bekommen. Die Ausstellung einer derartig schwachen Wiener Mannschaft war auch durch die V:4-Meherlage, die die Schweizer vor kurzem von Deutschland erlitten hatten, nicht zu rechtfertigen, da voranszusehen war, daß die vollkommen neu ausgestellte Mannschaft der Eidgenossen erstens absolut besser spielen würde, und zweitens mit dem größten Eifer in den Kampf gehen werde, um die erste Scharte auszuwetzm. Wie die Niederlage zustande kam. Die Oesterreicher waren ihren Gegnern an Balltechnik bedeutend überlegen und traten auch in guter Verfassung an, da die Mannschaft bereits Freitag in Bern eingetroffen und daher gut ausgeruht war. Sie war jedoch für die hart spielenden Schweizer viel zn weich. Folgende Spieler bestritte» den Kampf. . Schweiz: Pulver; Schneebeli, Ramscher; Oberhäuser, Keller, Fäßler; Ehrenbolger, Mazinger, Paselle, Abeggleu 2, Märki. Oesterreich: Kannhanser; Teufel, Beer; Ritsch, Kurz, Schneider; Eckl, Wessely, Horvath, Häusler, Neufeld. Die drei Sportklub-Spieler, denen die Verteidigung Oesterreichs ««vertraut war, zogen sich im allgemeinen gut aus der Affäre. Edi hätte den ersten Treffer der Schweizer vielleicht verhindern können, aber er hat sich einmal entfchlosien, aus dem Tor zu laufen, ein Wagnis, das ja oft schon geglückt ist. Diesmal mißlang es eben. Teufel und.Beer waren l robuste Zerstörer, sie standen aber deshalb vor keiner besonders I schweren Ausgabe, weil die drei Läufer Oesterreichs geradezu glanzende Arbeit verrichteten. Nitfch hatte einen famosen Tag, Schneider war mit seinen technischen Kunststücken jederzeit Herr der Situation und sog« Kurz, der in den letzten Länderkämpfe« nicht immer ganz befriedigt hatte, hielt das Spiel bis zmn Schluß durch. Das Uehergewicht der österreichischen Läufer gab dem Sturm unausgesetzt MtionSmöglichkeiten. Die Men« Angreifer haben den« auch außerordentlich viel Lauf- und Dribblingsarbeit verricht«», aber der Erfolg wollt« sich leider nicht einstellen. Horvath hatte keinen besonderen Tag. Er verfiel in den Fehler ferner Nachbarn, mit einem herzhaften Schutz immer so lange zu zögern, bis die freie Bahn verstellt war. Auch die Verbindung zwischen den beiden so verschiediu gearteten Flügeln gelang ihm nicht. So operierte jede Seite ans eigene Faust und sie operierte schlecht. Weffelh fand sich in der Verbindung nicht zurecht, Eckl wurde gut gedeckt, »och schärfer bewacht wurde Neufeld, der selbst fast nie zmn Torschuß kam, in Häusler aber einen Nachbar« hatte, der sich im Felde mit ihm z« unvergleichlichen Kombinattonszügen zusammen« .fand, aber vor dem Tor hilflos war wie alle anderen. Die Erneuerungen und Verjüngungen in der Schweizer Nationalmannschaft haben sich gut bewährt. Märki, der neu« Flügelmann ist wohl noch kein Teamspieler, Keller auch kein Zenterhals großen Formates, aber in der Gesamtleistung war die Schweizer Mannschaft doch ausgeglichener und vor allem zielbewusster als die Gäste. Ein ballsicherer, nur etwas robuster Verteidiger war Ramscher, ein guter Hals Fäßler und im Sturm sorgten Abegglen und Ehrenbolger für einen energischen Zug nach vorne. Der Verlauf des Kampfes Die Oesterreicher übernehmen sofort das mando und in flottem Zusammenspiel geht es über die Schweizer Läufer hinweg gegen Pulvers Tor. Doch an den Verteidigern scheitert chre Kunst. Bei dm Gegenangriffen der Schweizer wird von Abegglen eine glänzende Torchance vergeben. Dann gelingt es Neuseld, durchzubrechen, der den Ball an Häusler gibt, doch dieser verschießt. Gleich daraus rückt Eckl gegen das Schweizer Goal vor, aber auch fein Bäl! landet im Out. Die österreichische Deckungsreihe kann den Schweizer Stürmern im Eingelkampf fast immer ohne Mühe den Ball abnehmen. Torlos geht es in die Pause. Mit großer Energie gehen die Schweizer nach Seite,,- Wechsel vom Start. Abegglen, der gefährlichste Mann im Sturm, bringt den Ball gut vor, doch kann Teufel im letzten Augenblick noch rettend eingreisen. Dann beherrschen die Oesterreicher abermals das Terrain. Angriss aus Abriss rollt gegen das Schweizer Tor, aber plötzlich bricht der rechte Flügelsiürmer der Schweiz durch, passiert di« österreichische Deckungsreihe, zentert zu Abegglen, btt den Ball übernimmt, und in der 19. Minute mit einem Volleyschuß den ersten Treffer für die Schweiz erzielt. Kannhcruser hatte das Tor verlassen und versucht, sich Abegglen entgegenzuwerfen, aber der Schweizer wich geschickt aus und trotzdem Teufel und Beer zurückliefen» um das leere Gehäuse zu decken, war das Unheil nicht mehr aufzuhalten. Die Schweiz führte 1:0. Weder griffen jetzt die Oesterreicher an, versuchten auszuholen, mehrmals kommt Neufeü vor, kann sich aber alleil» nicht durchkämpfen, muß de« Ball an die Innenstürmer abgeben, die immer «nd immer Wied« verschießen. Gelingt ihnen aber einmal ein Torschuß, dann ist Pulver zur Stelle. In der 31. Mimte übernimmt Pasello ein«« Ball Kellers, überspielt Teufel und sendet mit flachem Schuß ein. Schweiz führt 2:0. Einmal war Horvath vor das Schweizer Tor gekommen, Pulver wirft sich ihm entgegen und stößt ihn regelwidrig zur Seite. Jvancic, der das Spiel im allgemeinen gut leitet, diktiert einen Copyright 1924 by 60. Fortsetzung Kurt Wolff Verlag XM. Ulla ehe» Nachdruck Verbote«. Hm Scttttirnft. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. Er wurde ausgelacht, aber seine ernsthafte lieber- Zeugung -machte doch Schule. Andere Warchevacheiter nahnren die Botschaft des Herls mtf, gingen tote wandernde Missionäre in alte Winde Md versuchten, die Arbeiter p der Erkenntnis aiufKurütteln, daß sie eine gsmeinfM-e Sache hätten, die in einer großen Gewerkschaft ihren Ausdruck finden müsse ... In -er Weinen KanzleL des Wchlfahrts-zentru-mZ Erzählte Awrunr Esther: ,Ach habe erkannt, daß es noch nicht daL gibt, was man den amerikanischen Arbeiter nennen könnte. Untereinander sind sie „Hunts", Mops", „Sqareheads", ,-Kike's", ,Mcks" md „Hoi nies" (Spitznamen, für Ungarn, Italiener, Schwäden, Inden, Iren und Deutsche). Bon der Höhe ihres Nationalismus schauen sie aufeinander hemnter. Der Amerikaner will nichts mit dem schmierigen AuMnder zu tun haben. Daun wieder existiert ein Klassenibewußtsein anderer Art. Der Mechaniker hält den ungelernten Arbeite^ für tieftvstehend. Jeder einzelne sicht sich als zukünftigen Arbeitgeber, träumt davon, viel Geld zu verdienen und andere zu ^beschäftigen. Die KastesGnlen sind scharf gezogen. Aber das wird schon anders werden, wenn die Arbeiter Amerikas erst eine rassische Einheit sind. Darm werden .sie einander als Brüder erkennen, werden einander sympathisch sein, sich gegenseitig verstehen — alS. Amerikaner. Unterdessen müssen wir hinterher sein, Müssen sie belehren, daß sie sich über ihre Kleinlichkeit, über ihren schmutzigen Ehrgeiz erhöben, die sporadischen KlasftwG kämpft aufgeben und sich vereinigen. Sobald -wir die Klassenunterschtede zerbrochen, den Snobismus des Natlonaldewußtftiins zertreten haben, sie durch den Geist der Gemeinschaft ersetzt halben werden^ -cmn Wird, die Arbeiterschaft in Würde und Wissen sich brüderlich mit dem Kapital in die Reichtümer der Erde teilen." 4. ' Amüsante Gerüchte darüber, daß Barneh Finn mit BoMe konkurriert, kommen mir zu Ohren. Er versucht die ,Doys" mit anderen Attraktionen von ihren Straßenecken wegzulocken. Was kann er bieten? Ein Lesezimmer und einen Turnsaal. Und gute Kohren. BoMe, auf 'der anderen Seite, bietet Abenteuer, leichtverd'ientes Geld, Unterhaltung, Ta.nzsäte, Spelunken. ,/Tough babte's." Arbeit als Totschläger von Streikbrechern. Die sichere und angenehme Beschäftigung als politischer Rmchhold und gutbezahlten Posten in den Kriegen Zwischen pvofefssionellen Spielern und Dordellbesitzern. Sein Loben 'war das ständiger Aufregung . . . BoMes bester Helfershelfer ist die ständige Aroeitsnot. Immer gibt es mehr junge Leute als Arbeit. Und außerdem wurde die Arbeit so schlecht bezahlt und war so abstoßend, daß es kaum lohnte, Dag für Tag zwölf Stünden zu opfern, nur um am Ende der Woche noch nicht vinnmal ein Paar Cents für Alnüiftments übrig zu haben ... Die jungen Leute wollten nicht auch Nadelqrbeiter 'werden — sie sahen, was für ein elendes Leben ihre Väter führten. Und die ehrgeizigen jungen Leute, die nach wirtschaftlicher Erlösung im Gefchäftsleben und im Leben der gelehrten Beruft Ausschau hielten? Nur ein Paarmal brauchten sie gegen die rauhe Welt zu streifen, und auch ihre Haut war schwielig und hart geworden. Sie brauchten nicht lange, um ainzufthen, daß der schmale und gerade Pfad der Tugend laug und Mühselig war und in einer Sackgasse endete, keine van den bekannten Karrieren des amerikanischen Lodens konnte zu etwas ander om inspirieren. Politik stank nach Korruption und Schikane. Das Geschästslchen war noch übler. Täglich konnte man sich au Skandal auf Skandal in Handel, Industrie' und Regierung delektieren . . . Der Tagesbefehl lautete: Tu so, wie cs die anderen tun . . . Die Generation war verderbt, sie kroch aus dom Schmutz in den Schlamm. Aiwrum hatte in einem recht: Roch gab es keinen Amerikaner. Noch gab es keinen amerikanischen Standard.. . . ES war die Zeit des Gich-Suchens, eine Art Evolution, die als kriechendes Gewürm im Kote begann. So redete ich, so dachte ich. Esther freilich sah nichts ein, erkannte nichts an. Ich sprach lange, ernsthaft. Ich glaubtevehrlich, daß ich im Recht sei. Wahrscheinlich argumentierte'ich hauptsächlich, um mich selbst zu überzeugen. ,Fch errichtete mit Hilft der Logik eine Art Bollwerk, um mich gegen die wiederholten Vorstellungen Esthers zu schützen, die sogenannten Kräfte, die das Gute wollen, znsammenAuschließen. Ich hatte wenig freie Zeit. Ich imr ei'mer fcer anerkannten Führer geworden. Da ich Politiker war, mutzte ich jedem zur Verfügung sichen .... Nur manchmal ließ der Ansturm nach und dann dachte ich an Esther. Solange meine Zeit und meine Gedanken in Anspruch genommen waren, tvar .es leicht, sie zu vergessen . . . Dann begann es wir zu dämmern, daß nicht Schicksal das' aller Politiker war; «teilt Loben gehörte nicht mehr mir, es gehörte meiner Partei. Ich steckte schyn zu tief drin, um mich herausreißen zu können. Ich hatte in dem Moraste Wurzel geschlagen und wagte. öS nicht, mich' p verpflanzen. * 6. Wir gingen zusammen zu der Hochzeit Wie h. ftlds und Sam Rakowskhs, der jetzt als Komponist Siü Raleigh berühmt war. Es 'war ein großes Fest in einem «der Säle in der oberen Stadt. Sam war ein berühmter Sohn des Ghettos, der als MmsÄoerleger reich geworden War. Er und Wf Wolff waren auch TheateMrekroren, brachten hauptsächlich musikalische Komödien heraus, du nichts anderes waren als glorifizierte Burlesken. AI erklärte, er wisse genau, was -das Publikum wolle: elgWer Schmutz und eine Menge nackter Beine. Fortsetzung folgt.)

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