Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-11-08 · Heft 2411 (8.11.1925) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2411 (8.11.1925)
Date
1925-11-08
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981497--24604-3012164
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Skr. «Btt' flöten, Son n tag Wiener Modenzeitung 8. NovemVer IW Ein unbekanntes Tolstoi-Drama. Die Pariser Theater- , zeitung,,Comedia" teilt mit, daß der russische Schriftsteller Serge Melgunow das Manuskript einer unbekannten Tragödie Tolstois besitzt. Das Stück wurde Melgunow von der Tochter Leo Tolstois, Alexandra, zur Veröffentlichung übergeben, konnte aber nicht gevruckt werden, weil die russische Revolution Melgunow zur Flucht zwang. Der Titel des Stückes verrät seinen Inhalt. Leo Tolstoi hat das Stück „Die kranke Familie" genannt, weil er zeigen wollte, wie der Kampf um die neuen sozialen Formen die bürgerliche Familie der alteren Heit zerstören muß. Scholem Alejchems „Menachem Mendel" im Film. Aus Moskau wird berichtet: Wie seinerzeit gemeldet wurde, hat die Sowjetreaiemna die Bewilligung zur Verfilmung von . Scholem Alejchems berühmten Roman in Briefen ..Menachem Mendel" erteilt. Die Aufnahmen für diesen Film stnd bereits vollendet, und in den nächsten Tagen findet die erste Vorführung des interessanten Filmstückes unter dem Titel „Jiddische Glicken" statt. Jüdisches Kunsttheater in Riga. Wie die Warschauer „Literarischen Blätter" aus Riga melden, sind die Vorbereitungen für die Errichtung des jüdischen Kuusttheaters in Riga bereits weit gediehen. Das neue Kunfttheater wird unter der Aufsicht des Departements für jüdischen Angelegenheiten beim lettischen Unterrichtsministerium stehen. Das Mische Kunsttheater nt als ständige Bühne gedacht und wird schon in allernächster Zeit seine künstlerische Tätigkeit ausnehmen. Die „Perez-Gasse" in Warschau. Dem Warschauer Strdtrat liegt ein Antrag vor, die Ceglauagässe in Perez-Gasse nach dem verstorbenen jüdischen Dichter I. Ü. Perez umzunennen, vor. Die kompetente Kommission, welche dieser Tage den Antrag in Beratung zog, hat ihn mit knapper Majorität gegen die Stimmen der jüdischen und sozialdemokratischen Kommissionsmitglieder verworfen. Infolge des Minorrtätsvotnms gelangt der Antrag, in der nächsten Sitzung des Plenums zur endgültigen Beschlußfassung. Die Bibliothek in der Westentasche. Die Leute komm«« auf die verrücktesten Ideen. Hat sich da ein Professor Goldberg (Paris) hingescht und den ganzen Inhalt eines hundertseitigen Buches auf ein Filmstückchen von einem Quadratmillimeter Größe übertragen. Mittels eines besonders starken Mikrüskopes soll man die Sache lesen können. Nachdem ihm dies gelungen war, gab es für Professor GoMerg kein Halten mchr, jetzt will er eine Bibliochek von 200.000 Bäiiden jn einem NotiMchle-in untevbringen, nicht größer als ein kleiner Kalender, den man in die Westentasche steckt. Sohr praktilsch, man bcdenke, die ganze Weltliteratur trägt man flach am Bauch täglich bei sich. Allerdings würde der Bositzer dieses Büchleins — falls er die Absicht haben sollte, darin etwa leisen zu >lvol> len — genötigt sein, ständig ein Mkroffkop von enormen Ausmaßen oder emen Filmprojeiktiousappavat samt Leinwand mit lich henlmguischlchpen. _ Gerichtssaal. Sen Satten erstochen. Freispruch der Täterin. Bor dem Schwurgericht unter Vorsitz des Hofrates Doktor Wüst in ger hatte sich gestern die 22jährige Gastwirtin Marie Marusak wegen Totschlages zu verantworten. Sie hatte am 30. Juni in Gesellschaft eines Stammgastesder seinen Namenstag feierte, sechs bis acht Viertel Wein getrunken. Ihr Gatte, mit dem sie in ständigem Zwist lebte und der sie öfters in roher Weise mißhandelte, ries sie von der Gesellschaft fort, versetzte ihr mchrere Ohrfeigen und traktierte sie mit Fußtritten. Mit den Worten: ,Martt, jetzt zeig' ich dir etwas," sprang die Marusak auf, ergriff «in großes Wurstmesser und rannte es ihrem Gatten in die Brust, der bald darauf starb. Der Totschlägerin sollte bereits am 22. September der Prozeß gemacht werden, doch konnte die Verhandlung damals nicht zu Ende geführt werden, weil die wichtigste Tatzeugin, die Hausgehilfin Jofchne Tlafchek, nicht aufzufinden war. Durch einen Zufall wurde ihr Aufenthaltsort eruiert und die Zeugin gestern zur Aussage verhalten. Die Angeklagte, eine kleine, hübsche Person, erklärt« sich gestern schuldig, doch habe sie ihren Mann nicht töten wollen. Sie erzählte, daß ihre Ehe vom ersten Tage an unglücklich war und daß sie von ihrem Manne, ohne den sie trotz alledem nicht leben zu können glaubte, sehr oft mißhandelt wurde. Außerdem hatte sie ihn im Verdacht, daß er zur Hausgehilfin Tlafchek Bezichungen unterhalte. Die Tlafchek soll sich einmal geäußert haben: „Ich bin die Wirtin und sie ist gar niemand." Die Tat habe sie in maßloser A u f r e gung begangen und könne sich an die Einzelheiten nicht erinnern. Die Zeugin Josesine Tlafchek gab an, daß die Angeklagte sehr oft betrunken Md auch am Tage der T-at stark angeheitert war. Die Zeugin bestätigte die Mißhandlungen der Frau Masuvak durch ihren Gatten und bestritt, mit dem Getöteten in intimen Bezichungen gestanden zu sein. Die Eltern der Angeklagten, das Ehepaar Kriz, sagten aus, daß ihre Tochter nur aus Verzweiflung über ihren Gatten sich dem Trünke hingegeben habe. Die Geschwornen beantworteten die Hauptfrage ans Totschlag mit neun Stimmen Nein und drei Stimmen Ja. Dadurch entfiel die Zusatzfragee auf Sinnesverwirrung. Der Vorsitzende verkündete hierauf den Freispruch der Angeklagten, die ihrer Mutter um den Hals fiel und den Geschwornen mit zitternder Stimme danktet glieder eines. alpinen. Vereines — gelegentlich eines Vereinsausflugcs auf den Änninger Ul Intimitäten gekommen, die nicht ohne Folgen blieben. Der Geklagte bestritt die Vaterschaft und wollte mit. der Kindesmutter keinen anderen als einen sp o r t ko l.l e g ia le n V e r k e h r 'gehabt haben. An dem kritischen Tage, dem 9. März IM, Ware eine | Liebesszene auch gar nicht möglich gewesen, weis an diesem Tage der Änninger tief im Schnee lag. Die jugendliche Mutter behauptete dagegen, daß am 9. März trockenes, mildes Frühsingswetter herrschte. Das Bezirksgericht Fnn'shans holte über das Wetter am 9. März eine' Aeußenmg der Meteorologischen Reichsanstalt ein, ans der hevvovging, daß tatsächlich am 9. März Schneesall.war. Damit war auch der Vakevschasts,Prozeß entschieden und die Klage wurde abgewiesen. Das Berufungsgericht beschloß nun die WiedechÄung des ■ Beweisverfahrens. Zur" gestrigen BerufungsvechaMung waren die Mutter der Klägerin und die des Geklagten erschienen. Die Mutter der. Klägerin, selbst' noch eine junge Frau, trug den Säugling im Arm, der durch kräftiges Schreien sich wiederholt in die Bechandlung einMischte. Heiterkeit erregte die Aussage der Mutter des Geklagten, die erklärte, sie habe seinerzeit ihren. Sohn mit folgenden Worten gewarnt: ,siWenn ich dich noch einmal mit dem g'fchnecklerten Fratzen sehe, kriagts alle zwa von mir v paar Watschen!" Leider fei es zur AusfirhMng dieser Drohung nicht gekommen. Der'Geklagte selbst wiederholte seine Behauptung, daß S ch n e e, N ä s s e u n d Kälte einer Livbestzene hinderlich gewesen wären. Außerdem ' halt« die Touristenpartie eine beschwerliche Tour hinter sich, von der alle.ermüdet und erschöpft waren. Ganz abgesehen davon hätte das Zurückbleiben eines Paares fiir so lange Zeit, als eine Lie'bessyene immechin erfordere, den übrigen AuMu-gsteilnchmern auGallen müssen. Die Klägerin sei übrigens nicht so unschuldig-gewesen, als sie glauben machen wolle. Sie habe schon ein Jahr vorher — damals war sie erst vierzehn Jahve alt — ein Verhältnis gehabt. Auch auf dem Ausflug habe sie sich ziemlich ungeniert benommen. So sei sie nur mit einem Hemd und einer Reformjholse bekleidet, hemmgefprungen. Nun wischte sich die junge Großmutter in die Debatte und warf ein: „Wenn sie im Hemad nmaMndg'rennt ist, dann Vann's net so kalt g'wesen sein!" Der Geklagte erwidert«: „Bein: Klettern wird einem warm." Zwischenruf einer Touristin: „Dann kann es mtfy Ihnen nicht so kalt gewesen, sein!" Geklagter: „Aber Mg erschöpft ist man nach einer achtstündigen Kletterei." Der Berufungssenat bestätigte das abweisende Urteil der ersten Instanz rnit der Begründung, daß der Vormundschaft der Beweis für die Vaterschaft in keiner Weise gelungen sei. Der Prozeß gegen den Massenmörder MarareScu. Aus Bukarest berichtet I. T. A.: Der Prozeß gegen den Kapitän Mararescu, der als Grenzhefchlshaber 33 jüdische Flüchtlinge aus der Ukraine ermordet und beraubt hat, wird am 23. d. in Bukarest beginnen. Die Anklage wird Kapitän Kiriac vertreten. Mchr als 100 Zeugen sind geladen, Radioprograrniir. Sonntag den 8. November. 11 Uhr 5 Min. Orchesterkonzert des Wiener Svmphonieorchesters. — 16 Uhr: Populäres Orchesterkonzert (Kapelle I. W. Ganglberger). — 20 Uhr: Fragmente aus Opern von Gustav Adolf Lortzing. Opernsängerin N. Wagschal, Kammettänaer A. Preuß.' Opernsänger Rudolf Bandler, Opernsänger Karl Rittmann.. Musikalische Leitung Dr. Ludwig Kaiser. Montag den 9. November. 11 Uhr: Vormittagsmusik. —16 Uhr 10 Min.: Nachmittagskonzert. Altwiener Operette. — 17 Uhr 10 Min.: Märchen der Weltliteratur. Liebe im Schnee. ' ' Ein Vaterschafftsprozeß, der gestern in zweiter Jnstaitg das Zivillandesgericht beschäftigte, wurde — der Fall dürste nicht zu oft sich ereignen — durch eine A u s k u nft d er Meteorologischen Reichsanstalt entschieden. Die städtische BeriussvorMlndschaft hatte namens des Säuglings Fvanz Z. gegen den jetzt 18jährigen Musiker und A t hleten Fvanz B. eine Klage aus Anerkennung der Vaterschaft und ^Zahlung von Wimenten eingebracht. Der Klage zufolge war eS vor Jchvesfvift Zwischen dep: damals 17jährigen Musiker nnh pe; löjähriM WM L. beide wMn Mk Vereine, Bortriise und Versammlungen. Zio nische Sektion Prater. Wegen der K e r en - K aj em eth - L anb e 8 fei er entfalt der heutige Heimabend. Ein neuer hebräischer Anfängerkurs für Kinder von 6 bis 8 Jahren ist eröffnet Einschreibungen täglich von 6 bis 9 Uhr abends im Heime, 2. Bez.. Jungstraße 8. — Wiener B et^«- H a midras ch, 2. Bez , Ferdinandsstraße 23. Heute, H Uhr. Lektor Dr. S. Rubin: „Midrasch, nach den Quellen erläutert und interpretiert." 5 Uhr: Lektor Dr. S. G e l b h a u 8: „Stste". — M a i m o n i d e 8- I n ft t.t u t, 3. Bez., Hetzgasse t0. Heute, 3 bis 4 Uhr, Rabbiner Dr. A. Kamiuka, Kommentare zum Pentateuch. Montag, 6 bis 7 Ilhr r Derselbe: „Das Buch Hiob". 7 bis 8 Uhr: „MainwnideS, More Nebuchim". — Ztonistiche Sektion 6—8. Dienstag. 8 Uhr abends, 8. Bez., Bennoplatz 1a., Vortag. Dozent Dr. Felix Deutsch: „DieKrankheiten der Juden". — Zionistische Bezirkssektion Ottakring - Hernals. Morgen Montag, 8 Uyr abends, im Klublokal des Cafe Dubienskh, 16. Bez., Brunnengasse 34, Ecke Thaliastraße, Vortrag Adolf Pollak: „Die Bedeutung und Verwendung des Keren Kajemeth l'Jsrael." — Zionistische BezirkSsektion Alsergrund, Wien, 9. Bez., Liechtensteinstraße 11. Montag, halb 9 U»r abends, im Cafe Metropol, 9. Bez., Berggasse 33, Rabbiner Pros. Dr. A. Kaminka: „Die inneren Wandlungei: im Judentum seit dem Zeitalter der Propheten". Gäste herzlichst willkommen!' Nachher Ansschußsitzung mit wichtiger Tagesordnung. — Astronomische Zentrale. Dienstag den 10. d., halb 8 Uhr abends, spricht Professor Dr. Oswald Thomas im Akademischen Gymnasium über die Ekliptik, und .den Abendstern. Anschließend Sternschau. — Zionistische Bezirkssektion Döbling. Die vierzchntägigm Vortragsabende finden nunmehr jeden zweiten Dienstag (und nicht wie bisher an Montagen) statt. Nächster Vortrag Dienstag den 10. d., 8 Uhr abends,. in: Cafe Döblingerhof, 19. Bez., Bilkrothstraße (Souterrain). Referent: Herr Adolf Pollak, Sekretär des Hauptbnreaus des Keren Kajemeth in Jerusalem. Thema: „28 Jahre zionistischer Bewegung". * ' Hebräische Sprachkurse. Die Zionistische Sektion 16-17 erl öffnet gemeinsam ' mit dem Verein Schewath-Achim hebräische Sprachkurse für Kinder und Erwachsene. Anmeldungen und Auskünfte ab 10. d. täglich von 7 bis 9 Uhr abends im Unterrjchl^ kokal, 16. Uez., MnlerchMOerstraßtz $4, & M W ' MdekMereeWfAe Sskomptegesell. Mast Mionbank. Bedeutende Transaktionen in der Wiener Finanz. — Bevorstehender Majoritätswechsel bei der Unionbank. — Präsident Basel aus der GeschaftsfA)mng ansgeschieden. Aus Genf wird uns gemeldet: In Kreisen, welche der Leitung des Mnser Comptoir d'Escompte nahestehen, der Bank, welche, Ende Juni d. I. die bekannte Transaktion mit den - Aktienbeständen des Unionibankpräisi-denten Bosel durchgeführt hat, verlautet, daß nunmehr weitere Transaktionen bevorstehen. Die Bank hat bekanntlich gemeinsam mit dem Präsidenten Bosel eine Gesellschaft zur Uöbernahme und Verwertung dieser Akttenpakete gegründet, ' deren Hauptzweck darin bestand, den Uobergang der Bestände in andere Hände möglichst reibungslos, ohne Verluste zu bewerkstelligen und die aus diesen Beständen lastenden B^erMchtungen zu bereinigen. Die Gesellschaft, die den Namen Union Trust Soejete Anonyme in Genf erhielt und mit einem Kapital von 5 Millionen Schweizer Franken gegründet worden 'war,, wußte sich einen weiteren Kredit von 5 Millionen Dollar zu verschaffen unh war dadurch in di« Lage versetzt, die Transaktion der Ablösung der Schulden des Bankhauses Bösel glatt durchzuführen. Als Sicherstellung! für. dieses Darlehen war ein Teil dieser Mienpakete, unter anderem die Ümonibankaktien 'des^ Präsidenten Bosiel, begeben worden. Nunmehr ist die^ Notwendigkeit der allmählichen Liquidierung des 6-Millionen-DMr-Kredits entstanden. Der Trust sucht seine Mienbestande zur Befriedigung der Gläubiger möglichst günstig zu placieren. ' "■ Das wertvollste Objekt Hildes >das Bosellschle Mion- 'bankaktienpccket, welches zirka 80 Prozent de's ^gesamten Mienikaprtals der Unionbank ausmacht. . Für diese Aktien kommt in erster-Reihe als ReMant die Medewsterreichische Eskomptegesellschast in Betracht. Hnt itn diese Aktien in den Besitz dieser Bank zu überfuhren^ ist ein neues Schweizer Konsortium in Bildung begriffen, dem das Schweizer Emnptoir d'EseomPte, der Industrielle I osua und die NiedeMerreichische Eskomptegesellschaft angehören. Die Schwierigkm, welche sich der AbwiKung dieser Transaktion entgegenstellt, ibestcht darin, daß däs mue Konsortium Mr 51 Prozent und nicht die ganzen 80 Prozent Unwnbankcrttien übernehmen will, was natütlich aus den Restbestaud und die im freien Verkehr befindlichen Unionbankaktien kursdrückend wirken müßte. -V Sollte die Absicht des muen Kmsortiums zur Durchführung gelangen, dürfte es dann zu einer Fusionierung der beiden angesehenen Wiener Großbanken kommen, welche schon bei Gründung des Union Trust im Auge gehalten wurde. Die Wtwendigen formalen Voraussetzungen stnd hiefür 'bereits geschaffen. Präsident Bosel, welcher seine Verpflichttmg gegenüber der Umonibank durch den Union Trust restlos gelöst hat, ist vor einigen Wochen auch formell aus der Geschästssührung te*'- Unionbank ausgeschiöden. Eine sranzöfische ttoMeurr. Der neue Finanzplan PainlevcS. — Die Gründung einer Amortisationskasse zur SchuldenttlgWg. — Die VeWögenssteuer wird eingeführi. Paris, 7. November. (HavaS.) Der vöN Ministerrat. einstimmig genehmigte Finanzplan PainleveS steht die Errichtung einer autonomen und vollständig unabhängigen Amortjfationskasse vor, die von Vertretern der Verwaltungskörper des Staates und der wichtigsten Zweige des Wirtschaftslebens verwaltet werden soll. Der Amortisationskasse soll hauptsächlich die Aufgabe zufallen, die Dienste für die kur zfristige Schuld, für die Verteidigungsbon^ für die Schatzbons und für die Nationalvertetdignngsobliga.tionen Zn sichern, und zwar in der Art, daß in einem Zeitraum von vierzehn Jahren ungefähr 65 Milliarden amortisteri würden. Die Kasse würde zunächst durch eine K o p ssteuer gespeist werden, der jeder ftanzösische Bürger und jeder in Frankreich kbeche Fremde von seinem 21. Jahr ab unterworfen wäre und die mit zwanzig Frankem jährlich bemessen werden soll. Im Gegensatz 'zur Einkommensteuer soll es Befreiungen von dieser Kopffteuer nicht geben. Des wetteren wich eine antzeMdentNche Made von allen beweglichen und unbeweglichen Werten vorgeschen, die binnen vierzehn Jahren, binnen drei Jahrei: oder binnen einem Jahr abgestattet werden soll. In letzterem Falle tritt eine Reduktion um 26 Prozent, bei Abstattung Linnen drei Jahren eine solche um 15 Prozent ein. Diese Maßnahmen würden der Kasse jährliche Einnahmen von acht. Milliachen verschaffen, von denen etwa drei Milliarden für die Amortisation bestimmt sind. Da der Regierungsplan erst nach einigen Monaten zu voller Wirksamkeit gelangen kann, sind Maßnahmen ins Auge gefaßt, die während der Uebergangszeit ein normales Funktionieren der Kaste sichern sollen. Es sollen daher der Kaste fünf Milliarden kreditiert werden, d. i. der Betrag, der fett Anfang 1925, gut Amortisation der schwebenden Schuld flüssig gemacht. wurde. Ferner sollen ihr die aus der Emisswn von LoSobligationen stammenden Fonds, zufließen und sie soll einen rückzahlbaren Vorschuß von der Bank von Frankreich erhalten. Obwahl nämlich der gesetzmäßig vorgesehene Vorschuß der Bank von Frankreich an den Staat nahezu erschöpft ist, bleibt andererseits füv die Notenemission doch noch eine Marge von drei Mjlliarden übrig, die der Kanj Mattet, de; MoMatioMD Men Kredit j

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.