Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2411 (8.11.1925)
- Date
- 1925-11-08
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1 «Verleg Wen, Sonntag Wiener Morsenzeituns 6. November 1685 Lichr traute Winkl, den sie zu jeder Tageszeit auft'nchen fötofeit, sehr zugute. Aber auch die Glücklicheren, die ein Dach über ihrem Kopse besitzen, bleiben tagsüber lieber hier, denn in -er Wohnung dürfen sie nicht bleiben, weil sie ja nur eine Bettstelle innchaben. Hierher gingen sie auch die kärgliche Mahlzeit mit, um sie unheobaAet in einem Winkel zu verzehren. Auf der Suche nach wohlseilen Lebensmitteln hat einer billige Heringe entdeckt. Der Greißler, der sie verkauft, wird rasch Populär und die Ware findet reißenden Absatz. Im Halbdunkel, in der angenehmen Nähe des Ofens, auf dem ununterbrochen ein großer Teekessel, immer von neuem mit Wasser gefüllt, brodelt, gruppieren sich einige im Halbkreis, teilen Brot und Heringe brüderlich unter einander und denken der besseren Tage, die sie gesehen haben. Dann schlürft jeder ein Paar Schalen des ungezuckerten Tees; die Klugen tragen immer einige Stückchen Zucker bei sich und tun sich an dem erwärmenden Trank güllich, der die Stimmung rasch hebt. Im Winkel beim Fenster sitzen einige noch ganz junge Buben, Kinder frommer Juden, die von einem bleichen und brustkranken „Melamed" in der Bibel und ihrem „Rasch!"- Kommentar unterwiesen werden. Die Gesichter der Kleinen umrahmen lange Löckchen, die ihre schmalen, schönen Züge noch deutlicher hervorheben. In seiner Wohnung darf der „Melamed" keinen „Cheder" führen. Das erlauben die ,Hausmeisterischen" nicht; sie glauben damit dem ihnen verhaßten Stamm „beikummen" zu können. Ins Haus der Eltern aber sann der arme Melamed auch nicht, da er, im „Jargon" unterrichtend', von der Mutter des Kindes als überflüssig betrachtet wird; schädigt er doch — so meint der Religionslehrer in der Schule — die deutschen Sprachkeuntnisse des Schülers. So sitzen ne nun beisammen, die Großen, die dem Cheder entwachsen sind, und die Kleinen, die das Leben noch ganz vor sich haben und nicht ahnen^ welche Mühsal eS gerade für einen in 'der Tradition erzogenen jüdischen Müschen birgt. Und während die Körper der Üeinen Schüler sich im Takt , hin- und herbewegen und melodisch das Vorgetragene wiederholen, schauen ihnen die zu, die schon alle Drangsal durchgekostet haben, und beneiden die Sorglosen. Die Glücklicheren unter den Auswanderern finden gelegenüiche Beschäftigung als Taglöhner oder Hilfsarbeiter und geben sich mit dem kärglichsten Verdienst zusäeden. Das auch in der Fremde verdiente Geld ist, besonders in solchen Berhältniflen, doppelt willkommen. Die christlichen Arbeitgeber sind mit diesen gelegentlichen Hilfskräften zufrieden, loben ihren Fleiß und ihre Verläßlichkeit. Tritt wieder Arbeitsmangel ein, so müssen auch diese „Glücklichen" wider ihrem Willen müßig gehen und finden sich wieder öfter in der gastfreundlichen Wärmestube ein. Einen Lichtstrahl gibt es im Leben dieser Erniedrigten: die Post; oft sind es Briese aus der Heimat oder Dokumente und Geld, die das Weiterreisen ermöglichen. Aber trotzdem stranden viele im Sumpfe der Weltstadt, von fasscher Herrlichkeit angelockt und verführt. So liefern sie einen Teil jenes Kontingents an Menschenmaterial, welches die Kloake der Großstadt jahraus jahrein verbraucht... An Samstagen und Feiertagen, wenn die vecklmrgeneri Töne der Heimat plötzlich erwachen, füllen diese Emigranten und Auswanderer die Bethäuser in der Leopoldstadt. Fn der Wärmestube selbst ist ein „Minjan" vorhanden, tos wegen seiner unzeremoniellen Art — auch an den hohen Feiertagen hat man ohne Karten Zutritt — gern besucht wird, um so mehrmals es nach dem Gebet Essen gibt . ., Am nächsten Samstag ist vielleicht' mancher von den Betern in Berlin, Kopenhagen oder Antwerpen — wer kann es wissen? ... Möbelfabrik J. Spira WIED, HL llsMfigaui 1—2 Feine o!9 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl-Sebweighoter-Chsse) pimmnnm Hervorragend bewährt znr Bekämpfangrdeumatsscher, gichtischer» «Eev-terVehiverge» sowie gegen Äoytstjmene«» Ittlkak et,. Dir Olrtnm tfht Mwftttllftf .. . ...... Nkfzilich (obrnk de,«rächtet. - In «He, «poltzek. KUNSTMÖBELFABRIK SA JOH. GRÜNWALD'S WS l., Fleisdunarkl 17 I., Wdhburggass« 11 Wohnungen, Gc«diäÜJlok*le, Colts, Kinos, Theater, n«± eigenen Entwürfen. 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D> se Vereinigung der Berichte seiner Zeitgenossen Ober hre, durch die unmittelbare Gegenwart des Dich ers hexvorgeru enen Eindrücke über de Art, wie er ich menschlich gab, ferner d e mit dem Dichter geführ en Oe* spräche, geben nun dieses zu Bewertung von Heines d ch* terischer Bedeutung notwendige Bild seiner Persönlichkeit. Diese Belichte sind in vier grossen Gruppen nach biographischen Gesichtspunkten eingeteilt: Kindheit, Jagend, Stadenienxeir / Wanderjahr0 / In Paris / D a Matratxengrajt sodass das Ganze eine von Zeitgenossen geschriebene Biographie \ darstellt Die Zelt Heines und Ihre Menschen: Dichter, Kritiker, Politiker, bedeutende Flauen, deren Anseh uungen und Lebensführung ersteht lebendig vor uns Eini wertvoller Beitrag zur Psychologie des Lyriker« Durch Biiclitionoiuns R. Mit, Wien, 1. Fleigchmarkt 1 llotenturmstr. 22 Peizhans O.J.Pipersberff WIEN Praterstrnsse Nr. 9 Telephon Nr. 49«0*fQ Export-Abteilung? ii.. Grosse Mohreagosse Auswahl in nur erstklassigen Pelzmodellen * LONDON LEIPZIG * GEGRÜNDET IM JAHRE )».S fm neurenovierten Ifa-Palast-Kino % der Alteinaufführungs-Schlager Die Motorbraut In der Hauptrolle: Lee Parry 9(74 Sichern Sie sich Karten im Vorverkauf! Monopol; Viktor Micheluzri im Wssti-Konzern ( Spitzbuben, die man mit Süden süugt. Kleine Hilfsmittel -er Kriminalpolizei. List und kleine Mittel sind im Kämpft mit der Per« brechevwelt eine ebenso wertvolle Waffe, wie Stärke und offene Ueibevlegechelt. Zu diesen kleinen Mitteln, mit denen der Kampf gegon das nächtliche Treiben der Spitzbuben aufgenommen wird, gehören die von den Wächtern des Gesetzes quer über die sichernden Schlösser oder Torwege gespannten feinen Baumwoll- oder Zwirnsfäden, deren Be' schäldigung ein sicheres Zeichen bietet. So wurde in London LürMch das Eindringen vpn Einbrechern m eiimn Juwelierladen an der Verletzung einer solchen ,Mutzimvke" ftstgchellt. Der.Polizist benachrichtigte sofort von seiner Wahrnehmung einen zweiten, und die beiden entdeckten zwei Diebe, die sich vergeblich in dem DuM einer Ecke zu verbergen suchten. Bei einem derselben wurde ein Zettel entdeckt, der die Adresse eines der Hehlerei Verdächtigten trug. Der PoilW eilte ftftrt in den bezeichneten Laben, verhaftete den Geschäftsinhaber, und spielte in dessen Kleidung einige Stunden lang die Rolle des Bvchasteten, mit dem EMg, daß er noch vier andere Diebe, die hier gestohlenes Gut verkcmlfen wollten, abfing. We diese Verbrecher hatte er mit einem Zwirnsifaben gefangen. Eine andere, ebenso gute Waffe im Kampf gegen die Wilddiebe, hatte ein Wachmann in einem mgjlischen Docht in einer Spule feiner Seide gefunden, die er zum Eingang des Haulses eines der Wildieberei verdächtigten Mnnes so beifchi'gl hatte, daß der HerauSgchende sie eine Strecke weit mitschleppen und den Faden a'bslpulen mußte, Dadurch war die Richtung, die er einschlug, verraten. « Bisweilen Mich werben auch dich Marlen" von den Einbrechern erkannt, die dann bemüht sind, den Tatort, nachdem sie ihn betreten, wieder genm in den früheren Zustand zu versetzen, so haß der dMßen voMe-vgchende Polizist die Fäden, Hölzchen, Papiechücke oder was sonst ihm als Erkennungszeichen dienen sollte, unverändert findet. Besonders hänffg bedient sich der Wächter in ländlichen Betzirlen, wo er weite Strecken zu Mevwachen hat, solcher Zeichen, ja oftmals hat er sie zu einem wchlüberdachten SystM nusgebikdet. Nsbst anderen BoUsichtsmaßrsgeln hatte sich auch ein solcher Hüter der Ordmng, dessen Gebiet auch zwei große Hallen ennschloß, ausgedacht, bei feuchtem oder Schneewetter einige hundert Meter nach rückwärts zu gehen, ft daß die FuWuren vortäuschten, er habe sich in die Halle begeben und wäre noch nicht wtedevgeikchrt. Ei-nes Nachts, als er gerade dich List wieder ausüben wollte, hörte er Schritte und verbarg sich hinter einer Hecke. Bald näherte sich ein Mann der Stelle, der ihm als ein alter Dieb Wohl begannt war, und murmelte, als er die FuWmren gepvütft hatte: „Er ist heute hier zweimal vorbeigagangen und noch nicht zurückgMhrt." Spvach's, schüttelte sein Haupt und verschwand im Dunkel der Nacht. In dieser Nacht würde nichts gestohlcui' * Die Firma Schuhhaus Dorn, 2, Be«., Daborstrahe 8, hat die weltberühmten Schweizer „Ballv"-Schuhe und die englischen Ha-esichiche in nmester Form fm den Herbst erhalten, welche auch weiter für meine werten Kunden billigst abgegeben werden. * Sie habe» zu viel Geld! Das ist nicht wchr, Wecken Sie sagen! Und doch scheint es so zu sein, sonst würden Sie nicht die Gelegenheit, Milliacken zu gewlMen. vochelachen lassen, sondern noch heute ein Los der 14. östen. KlasseMterie bei der Glücksskelle I. Prokop v, Losversand Kr die Bilndesländer, Baden bei Wien, bestellen. Wersen Sie die beiliegende BosteMarte nicht iftrt! DaS Glück bietet sich Ihnen nur Kinmsll t