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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-08 · Heft 2411 (8.11.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2411 (8.11.1925)
Date
1925-11-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Veite 8 Vien. SonMg Wiener Mloegenzcii««- 6. November lOAk «r. MV Lyoner Seidenbaus! Seiden Wicn,!.Kohlme88erg.7 gegenüber Hotel Metropole' bringt dieseWoche I_ Fu?tai'U*kat« ... früher Q 5.Ü0 j[c«a8 E arocaln« in allen Farben 6.50 „ Hn . DßskorskNE. dcctrnclck. . 7.50 „ OelaNvKflcsul ru Orn,'s,nl Lnxrospröiseo! zo 4,80 MO 6.20 Welthaus für Seidenschals (ScOultertQcher) elg. ftziugtütgi Sm Landeslonseren; des Keren Kajemeth. Heute Sonntag den 8. November. Jahreskonferenzen sind sozusagen Bilanzen. Man überblickt die Entwicklung des letzten Jahres, konstatiert, welche Erscheinungen sich bereits klar heranskristallisiert haben, und sanktioniert sie seierlichst. Die Konferenzen haben jedoch auch die Aufgabe, Parolen für die nächste Periode zu erlassen. Die Landeskonferenz des Keren Kajemeth, welche heute stattsindet, hat diese beiden Ausgaben zu erfüllen. In den letzten Jahren hatte sich ein Zustand herausgebildet, wonach der Keren Kajemeth sein Autonomie- Prinzip überspannte. Er arbeitete unabhängig von der Zionistischen Organisation und den anderen zionistischen Institutionen. Dieser Zustand war für beide Seiten schädlich. Der Keren Kajemeth kann nur in einer gesunden zionistischen Atmosphäre gedeihen, er kann seine verläßlichen Mitarbeiter vor allem in den Kreisen der Zionistischen Organisation erhalten; andererseits muß die Zionistische Organisation — will sie nicht eine leer laufende Maschine sein — die von der realen Arbeit in Erez Israel ausgehenden Impulse benützen, um ihre Mitglieder zu verantwortlichen Trägern der zionistischen Bewegung zu machen. Aus diesen Gründen muß die organisatorische Einheit zwischen Keren Kajemeth und Zionistischer Organisation wieder hergestellt werden. Die Landeskonferenz soll in irgend einer Form dieser Erkenntnis Ausdruck verleihen. Die Landeskonferenz, die eine Konferenz der aktiven Mitarbeiter des Keren Kajemeth ist, mutz ferner einen Fehler beseitigen, der in den letzten Jahren gemacht wurde: Der Keren-Kajemeth-Mitarbeiter kann und darf nie ein mechanischer Mitarbeiter sein. Er muß mit den Problemen des Nationalsonds, die sich aus der Idee und der Wirklichkeit ergeben, vertraut sein. Der Keren Kajemeth hat diese Informierung ständig zu besorgen. Die Landeskonferenz ist berufen, eine zusammenfassende Darstellung der Entwicklung der Idee und der Praxis den Teilnehmern zu vermitteln. So wird die Konferenz mit der allmählich sich anbahnenden geänderten Auffassung der Ziele des Keren Kajemeth sich befassen müssen, die sich darin äußert, daß der Keren Kajemeth die soziale Seite seiner Aufgabe besonders hervorstreicht, während er die Rolle als bloßer Bodenerlöser einschränkt. Die Konferenz wird sich auch mit der Frage des Ansiedlermaterials beschäftigen müssen, das ist, inwieweit auch vermögende Elemente bei der Beteilnng mit Boden zu berücksichtigen sind. Freilich kann eine Konferenz in der Galuth sich mit all diesen Fragen - nur zu informativen Zwecken befassen, während die Entscheidung in den aktuellen, praktischen Fragen dem Direktorium im Lande selbst Vorbehalten bleiben muß. Die letzten Jahre haben in den Kreisen der Nationalfondsmitarbeiter den Wunsch gezeitigt, daß den Spendern vom Keren Kajemeth auch etwas geboten werde. Denn es ist nicht nur das Ziel des Nationalfonds, möglichst große Mittel für die Aufgaben in Erez Israel aus den jüdischen Voltsmassen herausznholcn, sondern er verfolgt auch den Zweck, seine Spender mit der sozialen Idee vertraut zu machen. Sie werden dann wirkliche Freunde unserer Sache werden, vom Herzen spenden und reichlich spenden. Die Landeskonferenz wird daher Maßnahmen zu besprechen und zu billigen haben, die es der Leitung ermöglichen, geistige Propaganda in Wort und Schrift unter den Spendern zu betreiben. Der Bericht über das vergangene Jahr soll die' Fehler aufdecken, die begangen wurden, und die positiven erfolgreichen Leistungen unterstreichen, die im nächsten Jahr auszubauen sind. Ein breiterer Raum wird den Methoden der Arbeit gewidmet werden müssen. Es liegen in einer Reihe Von Ländern Erfahrungen über neue Methoden vor. Man wird die Anwendung dieser Methoden hierzulande erörtern. Es steht fest, daß der' Keren Kajemeth seiner Natur nach ein BollSsonds, ein Fonds der breiten Massen ist, und daher müssen die Arbeitsmethoden dieser Tatsache Rechnung tragen, um es zu erreichen, daß die Arbeit für den Keren Kajemeth Sache aller Volksschichten, in erster Linie aber aller zionistischen Kreise sei. Jeder Zionist wird sozusagen Nationalfondskommissär sein müssen, damit alle Möglichkeiten des jüdischen Lebens für den Keren Kajemeth ausgeschöpft werden können. Ch. T. Sie neue Gartenstadt stur-Schalom. Ans Haifa wird berichtet: Am 27. Oktober fand die feierliche Uebergabe des durch die Siedenburg er Jndenlschaft von der Kolonilsationsgchellschast „Haifa Bay Company" erworbenen Bcdens im Ausmaße von 6000 Dunam an die Bevollmächtigten der Städtchmgenosserrfchaft „Zur Schalom" statt. Das für den Blau der neuen Stadt bestimmte Gebiet zicht sich längs der Stliifte hin. Bei dem feierlichen Ue'bevgadsakt, an dem diele Gäste aus Haifa und Tel-Awiw trÄnahmen, betonte der Direktor der „Haifa Bay Company" in seiner Ansprache die historische Bedeutung dieses ersten Schrittes zur Gründung einer neuejüdischen Stadt in Erez Israel und gab seiner Ueberzeurgung Ausdruck, daß au dieser Stelle schon nach wenigen Jahren das Loben einer blühenden Stadt pulsieren werde. Die Bevollmächtigten der Geiwssenschajst „Zur Sch'alom" nahmen dann unter den üblichen Zeremonien das Stadtgebiet in Besitz und schlugen an den vier Ecken der Bodenfläche zum Zeichen der Besitzergreifung Pflöcke in den Boden. In diesem Augenblicke sichren drei mächtige Dampf pflüge vor u-nd pflügten zum Zeichen des Arbeitsbeginnes den Boden in breiten Streifen auf. Die eigentlichen Bauarbeiten werden zu Beginn des nächsten Jahres in Angriff genommen werden. Gegenwärtig wird die Parzellierung uni> Katastrierung des Gebietes vorgenommen. Zwischen der Gesellschaft „Zur Schalom" und der palästinensischen Eisenbahngesellschast ist bereits ein Uebereinkommen getroffen worden, daß die Eisenbahnlinie Haifa—Acco, die gegeMvärtig an der Meeresküste verläuft, hinter die zu bauende Gartenstadt verlegt werde. Sehr viel zur Belebung der neuen Stadt „Zur Schalom" wird auch der Umstand' heitragen, daß die Landstraße Haisa—Beir ut durch die Stadt „Zur Schalom" geführt wird. ' Die bereits vollkommen fertiggestellten Baupläne für „Zur Schalom" find in der A u s st el lu n g des n ah e u Orients in Tel-Awiw zur Schau gestellt und erwecken bei allen Fachleuten das höchste Interesse. Ein Berliner Fabrikant fand an der neuen Gartenstadt so großes Gefallen, daß er um eine Option auf 300 Dunam Boden in „Zur Schalom", um den Preis von 50 äigypt. Pfund pro Dunam angesucht hat. Preissturz Sei Trpvich-Lrendi. E Sämtliche Preise wurden infolge^Regieverminderung reell um AI Prozent herabgesetzt. OVkasionswaren besonders preiswert. Rotenturmistraße 20 und Fledschmiarkt 1. Sie Marabische Ausstellung ln Klfchinew. Bier goldene Medaillen für die Gesellschaft „Ort". Ans K i s ch i n e w berichtet I. T. A-: Ende August wuvd« in Kischineüv die erste deharabtsche Ausstellung eröffnet, an der sich etwa 1600 landwirtschaftliche Firmen, übe: 60 RegierungSiirstitutionen, 16 rumänische Fabriken ufw. beteiligten. Auch das beßaradifche Komitee der,L)rt" beschickt« die Ausstellung. In der „Ort"-Mbteilrmg loa reu Weinunt Obstbau, mannigfache Sämereien usw. zu. fchen. Besonderes Interesse erregte die Abteilung für berufliche Ansbil. düng der Juden. In einem speziellen Flügelbau konzentrierten sich die Ausstellungen der Schule für Tischlerei in Kischi« „ew, der Fachschule für Mädchen, der Fachschule in Orhiew und der Schute für mechanische Schlosserei in Bender. Die „Ort"- Gesellschaft erhielt die höchste Auszeichnung der Jury, vier goldene Medaillen. Beim Besuch der Ausstellung und der ,Lwt"-Abteilmrg durch die rumänische KÄnigsfainilie drückte diese dem Vorsitzenden der beßarabischen ,L)rt", Ing. M. Gott lieb, ihre besondere Zufriedenheit mit den Leistungen der ,Art"-Schulen aus. Die ,F)rt"^Schulen erhielten zahlreiche Aufträge von Unternehmern, so erhielt die Tischlereijchule in Kischincw einen Auftrag zur Herstellung von 100 Schreibtischen. Ende Oktober fand in Gegenwart des Ministerpräsidenten Bratianu, der Minister Wojteanu, Anghelcscu und des Ministers für Betzarabien Jnknli ef die feierliche Verteilung der Prämien statt. Der beßarabische Gouverneur, General Radjann, überreichte den ,L)rt"-Vertretern 1000 Lei als Geschenk des Königs. Die Universität Jassy bat, die Ausstellungsobjekte der agronomischen ,Lwt"°Abt>eiluna dem Museum zur Verfügung zu stellen. Lir Konferenz der nmerikanische« Reformrabbiner. Aus Cincinnati 'berichtet I. T. A.: In Anwesenheit von 200 RaMnevdelegierten wurde in Cincinnati die Konferenz der Rabbiner der reformierten Kongregationen eröffnet.Doktor Abraham Maimon (Washington), der Vorsitzende der Konfevenz, trat für die B e t e i -l i g n n g a n d e r I e w i s h Agency eilt. Tr. Julian Morgenstern, Präsident des Hebrew Union CMege, beantragte, daß die L e h r s ä tz e d e s R esormjndentums in ein populäres Jiddisch übertragen werden, damit die Volksmassen mit den Zielen des Reformfu-denkumS vertrant werden. Ser Zug der Seit! Der moderne Kaufmann muß in BeÄDchtigung der allgemeinen Geldknappheit des konsumierenden Pnbsikums vor allem darauf bedacht fein, die Kauflust seiner Kunden durch besonders preiswerte Angebote anzursgen und durch immer neue Beweise seiner LeistunMWgkeit das Vertrauen derMen zu stärken. Diesem Grundsatz folgend, hat das führende Leopoldstädter Warenhaus Bruder Schissmann, 2. Bez.. Tabo Große 18, welches allgemein als billi'gste Bezugsquelle Mannt ist. folgende NeueinWhmnig getEeru Bei einem Waveneinkauf von 3g Schilling echAt jeder Kunde eine Anweisung cm ein erstklassiges, mnlstilerilsches Atellier, gültig.für eine photographische Aufnahme und drei Visitbrlider. Erreicht der Einkauf 50 Schilling, dann echAt mau schon drei Künstlerlkavten und bei 100 Schilling überdies noch ein großes'Kabinettbild. Da dieses Geschenk nachweisbar ohne PreisaMchliag ausgcholgt wird, kommen die Kunden des Wa-renhaufes Brüder SchMmarm aulf dicke Weife beim Einkauf von guten und besonders preiswerten Waren überdies noch umsonst zu einem wertvollen Andenken. Diese originelle Achmerlksanckeit wird dom «bestronomMierten Unternehmen sicherlich Viole neue Freunde gjewirmen. Viktor Tischler. Bon Oskar Roseuseld. .)lan fährt nach Paris, um zu sehen, wie mau dort „Heuer" malt, und man fährt wach Frankreich, um dort, losgelöst von der Umgebung des heimatlichen Alltags, Pausen zur Selbstbesinnung zu gewinnen. In dieser Selbstbesinnung liegt die schönste Gewähr für die Wiedergewinnung und die. Respektierung der Form, für das, in das immer wieder jede ehrliche Kunstbetätigung mündet. Viktor Tischler, dessen Betrachter in die Gefahr gerieten, ihn in die Vitrine für bourgeoise Eleganz zu stellen, hat jene—er konnte nichts Besseres tun — Lügen gestraft: seiner französischen Reise hastet nichts von einer „malerischen Sommerreise" an,' von der Vergnügungstournee eines Hochzeitsreisenden. Die Resultate «bezeugen es. Laßt die Phrasen von der tänzlerrschen Anmut der Franzosen, von der lyrischen Schönheit der französischen Küste, von silbrigem Dunst und >den anderen Dünsten. Es gehört Charakter dazu, dem ^Interessanten" auszuweichcn, die schöne Pose der Landschaft zu verdammen, sich fernzuhalten von der Goldschniitlyrik der ,Ausschnitte". Viktor Tischler malt auch die Landschaft als — Mt. Er entkleidet sie aller Zufälligkeiten einer malerischen Atmosphäre, das Kulissenhatste, das jedem architektonischen Gebilde anhastet, verdammend und nach Merten strebend, die auch ohne die Bekanntschaft mit dem Modell «bestehen. Wie er nun das Gerippe einer Stadt, eines Strandes, einer 'Schiffsgruppe wieder in Farbe und Ton kleidet, indem er ihm gleichzeitig die — man kann es sagen — transzendentale Dimension gibt, gehört zu den intimsten Reizen seiner Kunst. Hier ist kein Suchen und Tasten mehr,, sondern' eine bewußte Form. Und Bewußtheit ist es, das sich in allen Arbeiten. Tischlers ausprägt. Man verfolge ein-: mal den kubischen Aufbau der ,-Großen Landschaft aus Cannes", indem man ihn gleichzeitig mit der Vorstudie vergleicht. Hier und dort ein farbiges und kompotsrtovjsches Problem, aber nur für den Maler. Der Beschauer glaubt, für ihn gibt es keine mehrlösige Deutung. Und steht man tiefer in die Komposition de's Ganzen, dann kommt man zum Erkennen eines Intellekts, der zwar denkt, aber nicht bei der These stehen bleibt.' Das abstrakteste Thema bekommt Farbe und leEendige.Wahrheit durch das Maßhalten in den Gesetzen der Natur. Woraus dies zuvuckzusühven ist? Zunächst ans die solide Zeichnung. Beispiele hiefnr finden sich nicht allein in den auf,-Zeichnung" angelegten Blättern. Sie finden sich hauptsächlich aus den Aquarellen, welche den Reiz der Linie bestehen lassen, auch dort, wo sie von der Farbe verschlungen werden sollte. Cs ist dies ein unbewußtes Hinneigen zur Graphik oder — m übertragenen Kreise — zur Mathematik. Und wer eriinovi sich nicht gerne an die romantischen Ausflüge f. Runges, der sich für Farben und Flächenmaße <Mir i.qcne Systematik und Deutung zurechtlegte? - Ich will nicht leugnen, daß mich einzelne Bilder Tischlerswie die Stilleben und Mumenstücke, nm den Künstler besorgt gemacht haben — der engen Grenzen wegen, die ein großes Talent sich hierin gesteckt hat. Es war ein Sich-^Bescheiden, 'Sich-E>egnügen und -Genügen, ohne Krampf, a>ber auch ohne Kampf. Der französische Sommer muß den eiftrneil Ring gebrochen haberk. Stücke wie die Marseiller Häsen und Werften und 'Scgelschi/e (und einzelne Aquarelle, die Feinschnncker bereits erworben haben) bezeugen eine Anspannung des Willens, eine Energiekonzentration, die der klarste Weg zum Aufstieg sind. Und kann Monumentalität in einer Landschaft anders znstgnde .kommen als durch Berzicbt ans Dekoration, durch. eisernes -Herausavbeiten des Gegenständlichen, durch die i letzte Gabe -der Askese? Wie gerne möchte «der Küwftler (in einer schwachen Stunde) über sein Werk hinaus schauen und -in einer wollüstigen Mystik wühlen, die scheinbar dem Schaffenden versagt P! Er täte es gern, würde aber hiebei bei einer Primitivität oder heim Kopieren von Gewesenen landen und damit zugjleich den Mstschöpferifchen, bewußten Akt.diskreditieren. Ich will den Rundgang durch die Ausstellung Viktor Tischlers (in der Kunsthandlung Würthle, WeihlbnMasse) nicht beenden, ohne auf dais ältere graphische Werk des Künstlers zu verweisen. Hier fft mehr spielerische Kraft, mehr Salonlheldentwnr, aber verbrämt und verschämt durch eine verträumte Keuschheit der Linie, die nur dort triumphieren bann, wo sie sogar in der karikaturistischen Ueberfpcmnung Glauben findet. Von diesen zarten Meistiftgebildeni aus gesehen, bekommen die BiDer des letzter Halbjahres ein satteres, üppigeres Gepräge, wie wenn mar sich aus silbrigen Hevbsteshöhen auf einen blumenreichen vorr der .Hand eines Wrtners gepflegten Wiesengvuu-' nieder läßt. „Legelschisse" von Viktor TMr. j

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