Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2410 (7.11.1925)
- Date
- 1925-11-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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tot 241Ö Wen, Samtztag Der i>SMe WeesAH. ^ie Mode krSSintctiniion! —————i In allen be seren Geschäften erhältlich! Nach dem Müerftrekk. Keine NottvendlgLrit der Brotpreiserhöhung. Nachdem der Schiedsspruch des Einigungsamtes sowvhl von den Bäckerelarbeitern als auch von den Unternehmern angenonmren worden war, erfolgte gestern abends die Wiederaufnahme der Arbeit. Der Vollbetried wird allerdings erst heute früh möglich sein. Die Unternchmer haben im Einigungsanlt zugostimmt, daß das Dienstverhältnis der Arbeiter durch den Streik nicht als unterbrochen anzusehen ist. Es bleiben daher die Ansprüche der Adbeiker aus Urlaub und Nenjahrsremuneradioil aufrecht. Der Brotpreis dürste' um einen Groschen Pro Laib erhöht und das Kleingebäck leichter geniachl werden. Amtlich wird-hiezu verlautbart: Dem Vernehmen nach sollen die Wiener Broterzeuger beabsichtige», die erfolgte Lohnerhöhung zum Anlaß zu nehmen, um eine allgemeine Preiserhöhu u g für Brot und Kleingebäck durchlzusühren. Ein derartiges Borgehen würde jedoch einerseits gegen das noch ausrecht bestehende Verbot der kollektiven Brotpreis bestimmnng verstoßen, andererseits aber auch jeder inneren wirtschaftlichen Berechtigung entbehren. Seit der letzten Preisregulierung ist nämlich ein derartiger Rückgang der Mehlpreise zuverzeichnen, daß keine Notwendigkeit besteht, die fünfprozentige Erhöhung der Gehilfenlöhne ans den Konsum zu überwälzeu. Am der Wiener rumänischen Gesandtschaft. Der königlich rumänische Gesandte Charles Mitilineu hat gestern für kurze Zeit Wien verlassen. Während seiner Abwesenheit wird der erste Legationssekretär Prinz M. R. Stnrdza die Geschäfte der Gesandtschaft führen. Die Rot der Hochschulen. Die Rektoren der Universitäten haben dieser Tage bet der Regierung wegen einer Echöhung der Dotation der Universitätsinstitute vorgesprochen und bei dieser Gelegenheit in einer Denkschrift dargelcgt, daß die Ausstattung der Hochschulen mit den unbedingt nötigen Lehrnnd Forschungsinstituten kein Luxus sei. Wer A sagt, muß auch B sagen. Wenn dieser arme Staat sich entschließ^ drei Universitäten. zwei techniche Hochschulen, eine Tierarzneöhochschule, Hochschulen für Bodenkultur, für Bergbau und für Welthandel zu unterhalten, so muß er auch die Mittel für die wissenschaftliche Forschung aufbringen. Eine andere Frage ist es, ob sich dieser Staat den ‘ Luxus so vieler Hochschulen überhaupt leistbn, kann, und ob es nicht augezeigter wäre, etlva die Leobener Bergakademie an die Grazer Technik anzugliedern und das Tierarzneiinstilut mit der Bodenkultur!) ochschule zusammenzuschli-chen. Schließlich wäre auch zu erwägen, ob die österreichischen Hochschulen so geMrt werden, daß sie die schweren Opfer wert sind, welche die steuerzählende Bevölkerung für sie aufbringt. In die Hochschulen wird ein Geist der Unruhe und der Unduldsamkeit hineingetragen, in den Hörsälen und auf den Anschlogebrettern wird wüstester Rassenhaß propagiert. Eine Minderheit der Studierenden, die sich den Namen „Studentenkammer" anmaßt, wirft sich zum Herrn der Hochschulen auf. Versucht ein seiner Pflicht bewußter Rektor, diesen Unfug abznstellen, so inszenieren die Hakenkreuzler Krawalle, die den Unterrichtsbetrieb unmöglich machen, Kaum Hai das Studienjahr begonnen, so gibt es schon Konflikte. An der Hochschule für Welthandel sah sich das Profesforenkollegium veranlaßt,, alle Anschläge, die Angriffe gegen akademische Gruppen, gegen den Lehrkörper'oder gegen irgend welche Rassen und Konfessionen enthalten, zu verbieten. Seither herrscht unter den Völkischen Kriegsstimmung, die sich bis zur offenen Auflehnung gegen, eine Verfügurkg des Rektorats steigerte. Das Rektorat hatte nämlich die Verfügung getroffen, daß zur Hintanhaltnug von Störungen des Studienbetriebes Borträge einzelner Studentengruppen in den Hochschulräumen nicht mehr veranstaltet werden dürfen. Dieses Verbot wurde dem Hakenkreuzlerverein, der sich „Institut zur Pflege deutschen Wissens" nennt, am Vormittag des 3. d. ausdrücklich zur Kenntnis gebracht. Wie zum Trotz veranstaltete dieser Verein am selben Tag noch einen' Bortrag in der Hochschule. Wegen dieser schweren. Verletzung der akademischen Ordnung wurde den Hakenikreuzlern das bisher innegehabte Lokal entzogen. D i e H c tz e gegen den Rektor hat bereits begonnen. Schon gestern wurden an der Hochschule Flugzettel verteilt, in denen die deutsche Studentenschaft aufgefordert wird, sich an' der Nektorsiiia.uguration .Pros. Gruntzels nicht , zu beteiligen. - Auf der.Universität herrscht vorderhand noch Ruhe. Auffallend ist aber jedenfalls, daß die sonst um diese Zeit stcittsindende Jnaugurationsfeier noch nicht stattgesunden hat, weil die Halenlreuzler dem neuen Rek- Wiener Mor«en,eituna 7. Sfotemfet 192g M*t t tor, dem Anglisten Hofrat Lu ick, grollen. Er hat nämlich einen Aüschläg, in dem Juden, Neger und Chinesen auf eine Stufe gestellt werden, konfisziert. Daraufhin haben die Hakenkreuzler geharnischte Beschwerde eingelegt, , und die Situation ist sehr gespannt. Wozu die Universitätsräume mißbraucht werden, zeigt ein Anschlag auf einer Hakenkreuzlertafel, wo der Vortrag eines cand. rer. pol. nn. Robert K ö r b e r unter dem Titel: „Kampf des Fremdtu ms gegen den deutschen Farbstu deuten" angeMndigt wird. Der Vortrag soll noch mit Lichtbildern garniert werden und der Staat muß für den Bortrag eines solchen Bierschtvefels den Hörsaal, Beleuchtung und Beheizung und noch das zur Beaufsichtigung notwendige Dienerpersonal beistellen. In d^r Universität kann heute jeder ohne venia legendi derartige Vorlesungen veranstalten, während Universitätsprofessoren, die ernste Probleme behandeln wollen, die vielleicht ein wenig über ihren Lehrauftrag hincmsgehen, die Beistelluug der Hörsäle verweigert wird. __ Die Wiener Landeslünfere« des Keren Kajemeth. . Eine wichtige Tagung. Auf der Konferenz des Jüdischen Nationalfonds, die morgen im Saale des Ingenieur- und Architsktenvereins zusammentritt, lastet eine schwere Verantwortung. Die Arbeit des Keren Kajemeth im letzten Jahre war fruchtbar, und doch hat sich die Notwendigkeit ergaben, in diesem Jahre die Gesamteingänge zumindest auf das D o p p e l t e zu erhöhen. Die Arbeit, die der Jüdische Nationalfonds im jüdischen Jahre 5658 in Erez Israel zu leisten hat, wird nur bewältigt werden können, wenn eine halbe Million Pfund in der'ganzen Welt aufgebracht wird. Darüber hinaus müßte aber ein Ergebnis von einer Million Pfund Sterling an Nationalfondsein-gängen erzielt werden, wenn der Keren Kajemeth in die Lage gesetzt werden soll, bod e n r e s o r m e r i s ch zu wirken. Dies aber ist eine Aufgabe unseres Bodenkattsfonds geworden, die seit dem Einsetzen der vierten Alijah nicht mehr aufgeschoben werden kann. Mit Recht hat U s s i s ch k i n daraus Hingewieisen, daß die infolge der Katastrophe in: europäischen Osten zur Auswanderung nach Palästina gezwungenen kleinbürgerlichen Elemente .nicht dafür veranwortlich zu machen sind, wenn sie um jeden Preis Boden erstehen- und das Geschäft der Bodenwucherer zum Blühen bringen. Sie kamen mit ihren kargen Erlsparnissen nach Erez Israel und können nicht warten, bis sie den letzten Pfennig verzehrt haben. Sie müssen Boden kaufen — um jeden Preis, den sie bezahlen können. Würde durch eine entsprechende Anstrengung des jüdischen Volkes der Nationalfonds in die Lage versetzt werden, selpst als großer Bodenkäuser auszutreten und die Preise zu regulieren, dann wäre ein dreifaches, überaus günstiges Ergebnis erzielt: der nationale Besitzstand an Grund und Boden würde rasch vergrößert sein; die kleinbürgerlichen Einwanderer würden billig Boden erhalten, sofort in Arbeit gesetzt werden, ihr mitgebrachtes Vermögen würde, statt in die Taschen der Bodenwucherer zu fließen, der palästinensischen Wirtschaft zugute kommen; und schließlich wäre der neue Jischuw von dem Alpdruck befreit, daß Erez Israel, welches der Chalnz im Schweiße des-Angesichtes baut, eine Brutstätte des verderblichen Bodenwuchers geworden ist. Noch eine wichtige Taffache ist zu erwägen: die erfreulich großen Landkäufe, die in den letzten Monaten vom Nationalfonds getätigt wurden, und die Verpflichtungen, die dieser Fonds in den letzten Monaten des verflossenen Jahres auf sich nehmen mußte, haben ihn mit nicht weniger als 350.000 Pfund belastet, welche — es sind vertragliche Verpflichtungen -- i n diesem Ja h r e a bz u t-r ägen. sind. Tie Vertreter der Gruppen, welche in Oesterreich für den Keren Kajemeth wirken, werden bei der morgigen Tagung zu' beraten haben, durch welche Maßnahmen eine Erhöhung der Nationalfondseingänge in Oesterreich in einem solchen Maße zu erzielen ist, wie sie der gegenwärtigen Situation in Palästina, den Anforderungen des Direktoriums und der Leistungsfähigkeit der österreichischen Juden entspricht. Es ist eine entsprechende Tagesordnung vorgesehen. Rosa Buchmill, eine der wertvollsten Frauen des neuen Jischuw, deren Tatkraft bei vielen Aktionen für das Palästinawerk in Europa und Amerika außerordentliche Erfolge erzielte, wird über die Tätigkeit des Keren Kajemeth in Erez Israel berichten, und Adolf Böhm, einer unserer besten Fachmänner, wird ein Referat über die Bodenpolitik des Keren Kajemeth halten. Der Leiter des Nationalfondsbureaus für Oesterreich, Herr Dr. Chaim Tariakower, und der Sekretär des Hauptbureaus, Herr Adolf Pollak, werden über die Letzte Kurse. HoUandstrane 14 technischen Fragen der Arbeit in Oesterreich sprechen. Del Wiener Zionistenkongreß hat den erst jüngst in diesen Blättern eingehend besprochenen Vertrag zwischen den beiden Fonds, Keren Hajessod und Keren Ka> jemeth, gezeitigt. Die grundsätzliche Verschiedenheit der Ar. beitsmethoden dieser zwei gleich wichtigen Finanzmstru. mente der Paläftinabesiedlung ermöglicht ein reibungsloses Nebeneinanderarbeiten. Schon der Umstand, daß an dieser Konferenz des - Keren Kajemeth die Vertreter der Zionistischen Landeskommission und des Keren Hajessod teilnehmen, um auch ihrerseits dahin zu wirken, daß die bevorstehende Aktion des Jüdischen Nationalsonds . in Oesterreich einen guten Erfolg halbe, zeigt den Ernst, mit welchem von allen Seiten die Situation ersaßt wird. Der morgigen Konferenz des Keren Kajemeth r» Oesterreich ist volles Gelingen zu wünschen. Verband der schlesischen Kultnssemeinden. Die konstituierende Tagung. — Einheitliche Budgetabgaben für den Keren Hajessod. Aus Prag wird uns berichtet: Am 28. Oktober fand in Troppru die konstituierende Tagung des vor kurzem behördlich bestätigten Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden in Schlesien statt. Einen besonderen Punkt der Tagesordnung bildete ein Referat des Delegierten des Londoner Keren-Hajessod-Direktoriurns, Prof. Artur Freud, über „Keren Hajessod und jüdische Gemeinde". Prof. Freud besprach nach einer allgemeinen Darlegung das Verhältnis der tschechoslowakischen Kultusgemeinden zum Keren Hajessod und berichtete über die im Juni d. I. in Mährisch-Ostrau abgehaltene, von der Zentralkommission des Keren Hajessod für die Tschechoslowakei einberufene Konferenz der Kultusgemeinden, auf welcher die Richtlinien für eine einheitlich e Aktion zur Beteiligung der tschechoslowakischen 'Kultusgemeinden am Palästinagrundfonds entworfen Wurden. Hieraus wurde die folgende Resolution einstimmig zum Beschluß erhoben: „Die am 23. Oktober 1925 tagende konstituierende Tagung des Landesverbaneds der israelitischen Kultusgemeinden in Schlesien beauftragt die Derbandsleitung, dahin zu wirken, daß sämtliche dem Verbände angehörenden Gemeinden im Rahmen ihres Budgets Beiträge für den Keren Hajessod in der Höhe von 2 tschech. K. jährlich pro Kopf der jüdischen Bevölkerung flüssig machen, diese Beiträge für einen Zeitraum von zehn Jahren bewilligen und sie womöglich durch eine Anleibe, kapitalisieren." ' Ein RiesendiebftM in Graz. Wie das „Grazer Volksblatt" meldet, wurden, bei der Firma Kästner u. Oehler, einem der größten Warenhäuser der Stadt, umfangreiche Diebstähle aufgedeckt. Im Zusammenhang mit diesen Diebstählen wurden die Angestellten Alois Vasek und dessen Frau Aloisia, sowie deren Sohn Alois verhaftet. Bei den Hausdurchsuchungen in der Wohnung der Verhafteten wurden Waren im Werte von 150 Millionen Kronen zustande gebracht, während der der Firma zugefügie Gesamtschade sich auf reichlich eine Milliarde Kronen belaufen dürfte. Die Diebstähle reichen auf eine Zeit von fast zweieinhalb Jahren zurück.' Die Basels stahlen Kleider, Leibwäsche, Stoffe, Matratzen, Betten, Messingkarnissen, Radioapparate, Polster, Teppiche, Handschuhe, Pelze, Tischgarnituren, Geschirre, Eßbestecke, Bürsten, Sportausrüstungsgegenstände, Hosenträger, Krawatten, Strümpfe, Schuhe, Beheizungs- und Beleuchtungskörper, -Linoleum, Parfümerien usw. Die gestohlenen Artikel benützten sie zum Teil selbst, zum Teil verkauften sie dieselben an Verwandte und Bekannte, aber auch an Bauern und Schneidermeister. Daß diese Diebstähle sehr einbringlich gewesen sind, beweist der Umstand, daß Vasek sich in der letzten Zeit zwei Besitzungen gekauft hat. Außerdem konnte bei der Hausdurchsuchung ein Bankguthaben von 12 Millionen und noch andere Geldbeträge sichergestellt werden. Der volle Umfang der Diebstähle konnte bisher durchaus nicht endgültig festgeslellt werden, denn Vasek lieferte auch nach Jugoslawien und nach der Tschechoslowakei. Reue Fuude im Tutankhamen-Grab. Ein Königssarkophag. Kairo, 6. November. (Renier.) Die Arbeiten wfc Tutankbamen-Grabe wurden fortgesetzt. Es gelang, einen wunderdareu Sarkophag, der vermutlich die LeicheeinesKönigs enthält, aufzufinden. New'2)o»k, 6. November.'(Tei..-Komp.> Berlin23.80. London Kabe. -i.'4%, ->,niiwii Scheck 4.80%, Amsterdam 40.24, Paris 4.01, Brülle -1.52% Nom 3.94l/2, Madrid 14.17, Mich 19.27, Srockbmm 26 76 r. s!o 2027 Kopenhagen 24 83 Wien 14%,.. Budapest Li1/* icn 299'/*. Belarad 177%, lltiien 1.84 Buenos Aires 41 Vs 'hip de Amtetro 16.—. Bukarest 47% New-Uorü, 6 November? e' -Komv.- Werken rot Winter 172, Wene» üart Wnrrer 1.71% Mais 96% Hafer 45% SioflftMt 88% Ehikago, 6. Novemver. ^TU.-Komv.) Weizen per Dezember 149%, Mai 145% Juli 128%: Mais per Derember 74%. Mai 78% Juli 79%; Ha>er per Dezember 38% 'JJIat 43. Juli 43%; Roggen per Dezember 80%, Mai 86%, Juli —. * Massenversammlung nationaldeutscher Inden Krim Weigl. Freitag -den 28. Oktober hat, wie wir berichtet haben, in der „Scholle" eine Versammlung von fünf nationaldeutschen Juden statt gesunden. Die restlichen hundert Vevsammlungsteilnchm-er waren Zionisten. Der Vorsitzende, Fred Hornik- Harden, kündigte damals, um einer Diskussion auszuwerchen, für den 6. d. eine Massenversammlung beun WeA im Dreherpark (!) an, in der er den Zionisten Rede und Antwort stehen werde. Die Versammlung hat, wie vorausznsehen war, gestern nicht stattgesunden. Aus eine Anfrage wurde uns mitgeteilt, daß der Saal gar nicht gemietet wurde. Es -wäre auch viel zu viel unausg-esüllter Raum darin, sind e8 doch nicht -einmal zehn kleine Negerlein .., t