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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-07 · Heft 2410 (7.11.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2410 (7.11.1925)
Date
1925-11-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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7. November IW Seite S Men, Samstag finllftvna Rar am Zoo, Berlin, Hardenbergstr. 27 DUllwIIlu'Dul Direktion! N.1 von Benedito der Fremdenwelt Berlins Treifpunkt 5-Uhr-Tee * Kaoelle: Scala-Sonl-äandJ Milano ll'7 Ferner der wiener Humorist Charlie Woeber * Soop*r prix fix * Exquisite Küche tf-Bar* — Korps, kurz alles, 'was zu den Insignien der offiziellen Popularität gehört. Und was das bißchen Elend in Italien betrifft — vorläufig gibt es ein Schauspiel, vielleicht vergessen die Zuschauer darüber, daß sie kein Brot haben. Freilich, ob solche Rcgievung'smethoden Dauer 'haben können, ist eine andere Frage. Trlester Faszisterr demolieren eine slowenische Redaktion. Belgrad, 6. Sdavencher. (U. T.-K.-B.) F a s z i st i s ch e Demonstranten haben gestern die Redaktionsräume des in Triest erscheinenden floivemschen Blattes ,Jvdlnstvo" erstürmt, die Einrichtung vollständig zugrunde gerichtet und die Bücher und Manuskripte verbrannt. Der Schaden beträgt ungefähr e i n e M i l l i o n Dinar. In Belgrad hat die Nachricht allgemeine Entrüstung heworgerusen. In der Skupschtina wurden einige Interpellationen über den Vorfall überreicht. Hier eingetroffene Meldungen aus Triest, die allerdings bisher nicht 'bestätigt sind, berichten, daß auch auf das jugoslawische Konsulat in Triest ein faszistischer Neberfall verübt wurde. Zonvenel Sberkommissär in Ehr en. Paris, 6. November. (Havas.) - Der K a nt nt e rausschuß für Auswärtiges hat die Darlegungen des Ministerpräsidenten Painleve und des Auße-nmiinfters Briand über die Ereignisse in Syrien entgegengenommen. Beide Staatsmänner wichen auf die Frankreich obliegende Verpflichtung hin, das ihm vom Völkerbund anvertraute Mandat über 5 h r i e n z u >b e h a l t e n. Sie erinnerten an die traditionellen Bande, die allezeit Frankreich mit Syrien verknüpften, wo Frankreich sein Friedens werk verfolgen müsse. Indem die Regierung dieser Mission treu bleibe, werde sie den Senator Henry de Jo uvenel als OLcrkommisfär nach Syrien entsenden. Painleve und Briaud gaben ihrer Ansicht Ausdruck, daß vor Fchstellung der Verantwortung für die Ereignisse die Rückkehr des Generals Sarrail abzuwarten sei. Die Lage bei Damaskus. Paris, 6. Jkovember. Aus Kairo wird gemeldet: Seit gestern abends ist keine neue offizielle Nachricht aus Damaskus eingetroffen. Die einzige Nachricht aus französischer Quelle bchtätigt, daß Damaskus in den Verteidigungszustand gesetzt worden sei. Der Stadtkommandant ließ die Bevölkerung durch öffentliche Anschläge davon verständigen, daß die französische Artillerie die Möglichkeit haben müsse, ihr G es ch ützfeu er über die Stadt hinwegzuleiten, und fordert die Bevölkerung auf, die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Zwischen den Streitkräften Vakris und den ftanzösischen Truppen scheinen die Kämpfe bereits in vollem Gange zu sein. Ein lebhaftes Gefecht habe geftern abends in der Nähe des muselmanischen Stadtviertels von Damaskus statt-gesunden, in das die Aufständischen einzudringen versuchten. Die Angreifer wurden Zuvückgeworfen. Eine aus Beirut heute früh emgelangle Prövatnachricht meldet, die französischen Truppen hätten die Aufständischen 16 Kilometer von Damaskus entfernt angegriffen. Es seien heftige Kämpfe im Gange. Die SchH-en -er Jrn-err in Damaskus. Der in Jerusalem erscheinende „Doar Hajom" meldet aus Damaskus: Beim Bombardement von Damaskus haben auch die dort wohnenden I u d e n großen Schaden erlitten. Als die Aufständischen erfuhren, daß französische Soldaten sich in einem im jüdisch e n Viertel befindlichen Magazin aufhalten, steckten sie -das Gebäude in Brand. Das entstandene Feuer ergriff auch die Nachbarhäuser und äscherte 15 Häuser und Magazine ein, welche hauptsächlich von armen Juden bewohnt waren. Am anderen Morgen überflogen französische Flugzeuge die Stadt und warfen auf alle jene Straßen, in denen die Aufständischen gehaust hatten, Bomben, von denen mehrere auch ins Judenviertel fielen und eine große Anzahl jüdischer Wohnhäuser zerstörten. Vier Juden wurden getötet, 30 schwer verletzt. Der von den jüdischen Bewohnern von Damaskus erlittene Schaden wird aus 15.060 türkische Goldpfun-d geschätzt. Ueber 300 jüdische Familien sind obdachlos und ihrer Habe beraubt. Die Regierung, die der Stadt eine Kontribution von 100.000 türkischen Goldpfund in barem nudle Beistellung von 3000 Gewehren auferlegt.hat, verpflichtete die j ü d i s ch e G e m e i n d e zur Beistellung von 6 0 Gewehre n. Da die Juden selbst keine Gewehre besitzen, müssen sie diese käuflich erwerben-, der Preis eines Gewehres beträgt 600 türkische Goldpfund, doch sind auch;n diesem Preis keine Gewehre zu haben. Am Montag dm Oktober ruhte unter den Juden Damaskus' die Arbeit, ft!> sämtlichen Synagogen wurden G o t t e s d i e n st e ablten und Gebete um Befreiung der Stadt von der läßlich über sie hereingebrochenen Not verrichtet. Wiener Movaeirzeltitiig — Bestandteil des internationalen Achtes. Ar Herbert Samuels Rede bei der rellarattonsfeier in London. London, 3. November. (I. T. A.) Wie schon kurzmitgeteilt, fand am 2. November, dem achten Jahrestage der Verkündigung der Balsour-Deklaration, in London eine große Kundgebung statt, bei der der frühere Oberkommissär von Palästina, Sir Herbert Samuel, der damit zum erstenmal in einer öffentlichen jüdischen Versammlung das Wort ergriff, über die Balsour-Deklaration sprach. Er führte aus: Die Balsour-Deklaration wurde bisher von fünf aufeinanderfolgenden britischen Regierungen bekräftigt und sie ist jetzt ein Bestandteil des internationalen Rechtes. Nchierungcn der Koalition, der Konservativen und der Arbeiterschaft haben sich zu ihr bekannt. Man kann sicher sein, daß die -' ' , Stetigkeit der Politik in Palästina von Lord Plunier erhalten werden wird. Die Wirtschaft's bilanz eines Landes ist der beste Gradmesser. Ich habe mich darum gefreut, daß, als ich Palästina verließ, die Einnahmen um mehr als eine Viertelmillion Pfund die Ausgaben überstiegen. Die Schaffung des jüdischen Na t i v n a lhe i m s in Palästina geschieht auf einer festen Basis. Die jüdische Bevölkerung Palästinas hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Die Anzahl der jüdischen Landsiedl'ungen betragt jetzt hundert. Die Stadt Tel-Awiw, die vor fünf Jahren 5000 Einwohner zählte, behevkergt jetzt 40.000 Seelen. Neue Industrien blühen auf. Auf geistigem Gebiet ist die Aktivität eine sehr rege, die hebräische Sprache ist die herrschende. Sir Herbert Samuel schilderte dann seine letzte Palästinatour von Dan bis Beersoba. Er stellte fest, daß Sumpfboden in blühende Siedlungen u mg e w a n d e l t wurde. Seit drei Jahren sind in Palästina keinerlei Ausschreitungen vorgekominen; Palästina ist das friedlichste Land im nahen Osten. Ursache ist der lvachsende Wohlstand. Allein die Juden haben seit dem Kriege mindestens 7 Millionen Pfund in Palästina ansgegeben. Die Energie und der Arbeitseifer der Ehaluzim, die mit.der übrigen Arbeiterschaft sich dem Ausbau des Landes widmen, kann nicht genug gerühmt werden. Zur Befriedigung des Landes hat auch die Politik gegenüber der arabischen Bevölkerung beigetragen. Es war nicht leicht, Palästina als National- 'heim auWibauen für ein Volk, das noch nicht da ist. Die Anwesenheit von 600.000 Arabern in Palästina ist eine Tatsache. Die Förderung der nicht jüdischen Bevölkerung ist ein Bestandteil der Balsour-Deklaration und eine Grundlage der ibritische« Polit i k. Nie wird die britische Regierung ein System der Unterdrückung der Araber dulden. Man vergesse nicht,, daß dem Völkerbund die Kontrolle über das Mandat' zusteht. Sir Hevbert Samuel schloß: Gut ist es für das Nationalhöim, daß es -S ch r i t t f ü r S ch r i t t gebaut wird. Je fester die ersten Grundlagen sind, um so entwicklungsfähiger wird es sein. «■■•■■aMHaMMHOMMMIHflMMaBMMMBMmaflNMmBBnaMMMnaMM Die Welt wacht, die Geschichte lvacht, NM zu scheu, was das jüdische Volk im heiligen Lande za vollsühren infftande ist. In wenigen Jahren wird Tel« Awiw die wichtigste Industriestadt des mittleren O st e n s werden. Die landwirtschaftlichen Kolonien werden die Fähigkeit erlangen, sich selbst zu erhalten. Die Universität besteht. Der R u i h e ritz erg-Plan hydroelektrischer Kraftverforgnng wird durchgeführt, der Palästinahasen wird gebaut. Die Erlveiterung der Jewish Agency, ftir die der große Staatsmann Dr. Weizmann arbeitet, wird es bewirken, daß die Judenheit der ganzer: Welt in der Agency repräsentiert sein wird. Aus Srez Israel. Ermäßigte Paßgebühren für Pnläftinawanderer aus Polen. Waschen, 1. 9-ovember. (I. T. A.) Das staatlich Ernigrationsamt teilte dem Pcilästinaamt mit, daß sämtliche Palästinaivanderer, sowohl Ehalnzim als auch Kapitalisten, privilegierte AnÄandsPäsft gegen eine 'Gebübr von nur 20 Zloty erhalten. Mn Verband -er Palästinensischen Rechtsanwälte. Haifa, 31. Oktober. (I. T. A.) Hier fand eine gemeinsame Sitzung der jüdischen und der arabischen Rechtsanwälte Palästinas statt. Es wurde 'beschlossen, einen Verband der NechtsanEte Palästinas zum Schutze der Beruf'sinteressen zu gründen. Zur Ausarbeitung der Statuten wurde ein dreigliedriges Komitee eingesetzt, dam ein Jude, e'nr Mohammedaner nud ein Christ angchörerr. Ansiedlung von Waisenkindern. Einer telegraphischen Nochricht aus London zu» folge, hat der Osteuropäische Palästina- Waise n f o n d s, dessen Zweck die Förderung der Einwanderung jüdischer Waisenkinder aus Osteuropa nach Palästina und die Unterstützung ihrer Ansiedlung dort ist, den Beschluß gefaßt, seine Mittel dem Keren Kajemeth zur Verfügung zu stellen. Die Vereinbarung geht dahin, Boden des Keren Kajemeth für die Zwecke des genannten Waisenfonds zur Verfügung zu stellen. Die ' überwiesene Summe beläuft sich auf 1300 Pfund. Die Stallwirtschaft. Aus Jerusalem berichtet P. C.: Der Keren Hajessod hat Kontrakte über Äauarbeiteu für Stalle in den unten genannten'Siedlungen abgeschlossen; die Arbeiten wurden zum Teil bereits begonnen. Kfav Uria, 3 Ställe (Wert 289 Pfund); Kfar Jecheskel, 16 Ställe (Wert 2330 Pfund); Merchalvjah, 10 Ställe (Wert 992 Pfund); Kiriath Anawim, 2 Häuser (Wert 1236 Pfund); Gau Schmuel, 2 Häuser (Wert 757 Pfund); Transsylvanische Kolonie, 13 Ställe (Wert 1290 Pfund); Dagania A, 1 großer Stall. (Wert 392 Pfund); Karkur, 15 Ställe (Wert 1484 Pfund); Tel- Adas, 15 Ställe (Wert 1506 Pfund). Franz " " 8 Sohn Klavier- und Harmoni|unt« Etablissement und Lelhänstalt Wien, I. Bäckerstaße Nr. 7 lüegründet 1810 / Telephon 76-2-55 Das nette Regime in Persien. Anerkennung durch Amerika'. Washington, 6. November. (Wolfs.) Die Bereinigten Staaten haben das neue Regime Riza Khans in Persien offiziell anerkannt. Ae BSIkekbtindnnterluchung in Mossul. Genf, 6. November. (Schweiz. Dep.-Ag.) Gencrrl Laid o n e r, der beauftragt ist, denBölkerbu n b x a t über die Lage in der Gegend der sogenannten Brüsseler Linie zwischen derTürkeiun.ddemJra! auf dem Laufenden zu, erhalten, hat dem Geiuralsekretariat des Völkerbundes mttgeteilt, d a ß e r M o s s u l v e r I a s s e n h a b e, um sich an O r t und Stelle zu begeben Der General erklärt, daß die Mehrzahl der an der Grenzlinie vorgekommenen Z io i s ch e nf a l l e n t ch t s ch >v e r w t e g e n d e r N a l n r sei, daß er sich aber trotzdem an O.t und Stelle begebe, um persönlich) eine Untersuchung durchznsühren. Sie Räumung ver Kölner Zone. Die Botschafterkonferenz ersucht um Aufklärung. Paris, 6. November. (Havas.) Die Botschafterkonferenz hat die Prüfung des Berichtes des interällnerten Komitees über die N o t e d e r deut s ch e jt Neichsregieruug vom 23. Oktober fortgesetzt: und den Wortlaut einer Mitteilung festgesetzt, worin die deutsche Negierung riit eintic A ri'f klär n n q e n bezüglich der Note ersucht tvir-. E«?!v rd d'.e Hessunng a«l»geftwrhen, daß die Antwort an die Alliierten über diese Punkte es ihnen ermöglichen wirb, einen Zeitpunkt für dem Beginn der Räumung der Kölner Zone m Uusstcht zu nehmen. _._ Keine Republikfeier der Wehrmacht. * Die in den letzten iJahren üblich gewesene Aus. rückung der Wiener Garnison am 12. November mit. anschließender Defilierung auf der Ringstraße wird heuer unterbleiben. HeeveMmister Vaugoin sah sich zu dieser Absage vewnlaßt, weil in den Leiden letzten Jahren ein Teil des Publikums^ gegen die Offiziere durch Pfuirufe demonstriert hatte, die zur republikanischen Parade, mit den monarchistischen O rd en sa us ze i chnung e n ges chmü ckt, ausgerückt!pxlren. _ Sie brasilianische Answanderungsaktion gescheitert.! Wir berichtet, plante die brasilianische.„Tramway Sigyr and Power Company" in Sao Paolo die Anwerbung von IM österreichischen Arbeitern, die Lei der Errichtung oines großen Elektrizitätswerkes Verwendung finden sollten. Der Staat Sao Paolo erklärte sich bereit, die Kosten der Uebersahrt zu tragen. Die ganze Mion ist aber, wie das „Weltblati" berichtet, in den letzten Tagen gescheitert, weil das österreichische Wanderungsamt im -Interesse der Arbeiter gvtvisse, materielle Forderungen stellen zu müssen glaubte. Wenn nunmehr von maßgebenden Stellen erklärt wird, daß nmn jetzt in Brasilien keine österreichischen Arbeiter mehr benötige, weil nach Beendigung der Kaffeewte genügend Arbeitskräfte int Lande selbst vorhanden seien, so ist dies nur einer der Gründe für das Abbrechen der Mion, deren Durchlsührung vielmehr dadurch gehemmt wurde, daß sich die brasillgnische Gesellschaft außerstande erklärte, die Forderungen der österreichischen Behörden z>u erfüllen, die unter j anderem verlangten, daß auch bi c R ü ck fahr t der angewmbenen Arbeiter lickieraestellt wevde. ^40274

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