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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-07 · Heft 2410 (7.11.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2410 (7.11.1925)
Date
1925-11-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Polen :20gro>zy1 Wien; /um Abholen in der Expedition, 11., Taboistr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaui ln Wien durch die Kolporteure der Firma Oo 1 d schmied, 1„ Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakel: Mon.K22. Jugoslawien: Mon, Din. 60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs, 18 MachcahlnBgen bei Preifer hOhangen Vorbehalten teuer Neu eröffnet »Wb ROSA WEISS mm Telephon 42-4-87 n*rels20"a1 Engl and: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bul gar 1 en Mon.l00Lewt« Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration Wien, IL Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-18 Ab 5 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universltfltsstrasse 6-8 (D.uckerel lg. Steinmann) Oesterreichlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Kt. 2410 Wie«. Samrwg.?. November 192h T.Mrgau, Der Des der Lemberger polUchen nennt die W8re: „Sitte volnische (Von unserem H.-Korrespondenten.) Lentberg, 6. November. Ter Heutige, zwanzigste Lag des Steiger-Prozesses brachte die größte Sensation der ganzen bisherigen Verhandlung, eine Zeugenaussage, die weit über den Prozeß hinaus, dessen Gang sie natürlich wesentlich zu beeinflussen geeignet ist, von Bedeutung werden kann. Der Chef der politischen Polizei in Lemberg, Polizeiinspektor Johann Sawicki, welcher zusammen mit dem Polizeiiommissär Lukomski knapp nach dem Attentat am 5. September 1924 Steiger und die Pasternak verhört hat, erklärte heute als Zeuge, daß alle Aussagen Lukomskis und der Pasternak falsch seien. Die Pasternak habe im ersten Verhör nicht mit Bestimmtheit behauptet, daß sie g esehen hatte, wie Steiger die Bombe warf; erst nach einigenTagen machte.sie diese dezidierten Aussagen, an die sie sich dann krampfhaft hielt. Polizeiiommissär Lukomski — erklärte der Zeuge weiter — hat die Untersuchung üb*' sichtlich auf falscher Fährte geführ 1 und hat, um zu dem von ihm gowünschle>n Resultat zu *ommen, provokatorische Methoden angewendet. Erregten schon, diese Aussagen des Chefs der Lemberger politischen Polizei ungeheures Aufsehen, so wurde die Erregung bis zur Erschütterung gesteigert, als Polizeiinspektor Sawicki, seine Aussagen zusammenfassend, in knappen Worten erklärte: „Steiger ist ein Opfer Lukomskis; er ist unschuldig und die ganze Affäre ist eine polnische Dreyfusiade." Fm weiteren Verlauf seiner Aussage erhob der Zeuge schwere Beschuldigungen gegen UntersuchungsrichterRudka und dessenSchriftsührer P i o t r o w s k i; er erklärte, er habe diese seine Anssagen, welche er hier vorbrachte, auch vor dem Untersuchungsrichter gemacht, aber Rudka und Piotrowski hätten die mit ihm aufgenommenen Achitlchktin wieder in Berlin. Berlin, 6. November: (Wolfs.) Ter russische Volks- ^mmissär für Aenßeres, Tschitsche rin, -Ijflt' seine W i e s b a d euer Kur unterbrochen und ist heute abends in Berlin eingetvoffen. Er wird Samstag an dem Empfange teiinehmen/ den die Berliner russische Botschaft zur Erinnerung an die vusstsche Revolution veranstaltet. _ Irr Aallaichalt. London, 5. NoveiMiler. Das Reutersche Bureau erfährt, Groß bri ta n n ie n würde es für gut halten, daß auch die Balkaustaaten einen ähnlichen Pakt zustande brächten wie den von Locarno, sei jedoch der Ansicht, daß es Sache der interessierten M ä ch t e sei, die Initiative zu einem solchen Schritte zu ergreifen. Ne Sozialversicherung. Der gestrige M'inisterrat beschäftigte sich mit der S o z i a l 0 e r si ch e ru ngsvo r lage, über die bereits die Kammern die Gutachten erstattet haken. In der für Dienstag einberufenen Sitzung des Nationalrates wird die Borlage' e inge bra cht werden. Bundeskanzler Tr. Rame'k und Minister Dr. Reschwerden sie eingehend begründen. ging, wolle Zeuge in öffentlicher Verhandlung nicht mitteilen, er bitte daher das Gericht um Ausschluß der Oessentlichkeit für seine weiteren Darlegungen. Der Gerichtshof wird m o r g en darüber entscheiden, ob für die weitere Vernehmung des Zeugen Sawicki die Oefsentlichkeit ausgeschlossen werden soll. Das Zeugenverhör mit Sawicki wurde abgebrochen und es wurden einige andere Zeugen einvernonlnren, deren Aussagen jedoch von keiner wesentlichen Bedeutung waren. Hierauf wurde die Verhandlung auf m o r g e n vertagt. Das Dienstmädchen Kalauzek verhaftet. (Von unserem H.-Korrespondenten.) Lemberg, 6. November. Heute nachmittags wurde über Befehl der Lemberger Staatsanwaltschaft die Hausgehilfin Maria Kalauzek, welche gestern im Steiger-Prozeß als Zeugin einvernommen worden war, vergastet. Wei gestern gemeldet, hat die Kalauzek, die gegenwärtig bei den Elterndes. Akademikers Thaddäus Flach, eines in.Lemberg bekannten antifemttischen Agitators, bedienstet ist, früher im Hause des Obmannes des.jüdischen Sejmkl-ubs, Dr. Leon Reich, gedient. Während der Untersuchung gegen Steiger hatte sie ausgesagt, das Attentat auf den Staatspräsidenten sei aus Grund einer Beratung im Hause des Deputierten Re ich, an der der B a t e r Ste igers, Dr.. Reich und Rechtsanwalt Dr. G r e k teilgenommen hatten, von StanislawSteiger verübt worden. Bei ihrer gestrigen Vernehmung widerrief die Kalauzek diese Aussage und erklärte, sie sei durchB e s ch impfungenund Drohungen des Untersuchungsrichters Rudka und seines Schriftführers Piotrowski zu diesen belastenden Aussagen (die übrigens so phantasievoll abgefaßt sind, haß sie niemand glauben kann) gezwungen worden. Der Staatsanwalt hatte' gestern die Verhaftung der Zeugin int Gerichtssaal beantragt, das Gericht lehnte jedoch diesen Antrag ab. Nunmehr ist die Verhaftung der Kalauzek heute erfolgt. Ne Wahlen in der Tschechoslowakei. Uebergrisse von Beamten bei den Wahlvorbereitungen in Karpathorußland. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) . Uzhorod, 6. November. Einige Koal i t i o n s- Parteien legten beim Ministerium des Innern in Prag Beschwerde gegen das Vorgehen hoher Regierungsbeamter in Karpathorußland, die der Agrarpartei angehören und diese bei den Wahlvorbereitungen begünstigen, ein. Auch auf die jüdischen Wähler wird durch die Regierungsorga ne e i n D r u ck a u s g e ü b t, agrarisch zu wählen. Zupane, Stuhlrichter und Notare rufen jüdische Wähler ins Amt und bearbeiten sie in diesem Sinne. Es wird sogar versucht, 'bei den Rabbinern dahin zu wirken, daß sie die Drohung des Jssnr gegen jene Juden, die für die jüdische Partei stimmen, in Anwendung bringen. * Inzwischen hat, wie wir gestern 'berichteten, das In n e n m i n i st e r i u m in einem Erlaß sehr nachdrücklich auf die gesetzlichen Folgen aufmerksam gemacht, welche durch Ausübung bedenklicher Formen der Wahlagitation entstehen. Es ist anzunehmen, daß dieser Erlaß auch tatsächlich durchgeführt und dadurch den Uebergriffen in Karpathorußland noch rechtzeitig ein Riegel vorgeschoben wird. DamenMode- und Spa n g e n - S ch u h e Boxkalf. .... . . 37'vv Prima-Lack.... 89«o H erren-H alb schuhe Boxkalf....... 42°m Prima-Lack. .. . 49*° Qualität „Iellinek", V!l., Burggasse b 619 Der gegen Mussolini. Der „Geheimbund" in Frankreich. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) : Rom, 6. November. Der wirtschaftliche Auffchwung Italiens, den das Mlssolini-Regime dem Lande versprochen hat, ist — abgesehen von einem kurzen Konjunkturintermezzo — ausgeblieben; die Not in dem überbevölkerten Lande, das keinen Abfluß für seinen pauperisierten Bevölkerungsüberschuß hat, wächst ständig und mit ihr auch die Unzufriedenheit. Es bedarf daher verschiedener scharfer Mittel, nur der stark verblichenen Popularität des Mussolinismus aufzuhelfen. Dazu dient jetzt der Kampf gegen die Freimaurerei, deren politischer Einfluß in den italienischen Massen nie mit besonders freundlichen Augen betrachtet wurde. Um nun diesen Kampf populär zu machen, bedurfte eines starken Reizmittels; es war notwendig, den Massen die Ueberzeugung von der S t a a t s g e f ä h rlichkeit der Freimaurerei sozusagen ad oculos zu demonstrieren. ■ . Bedenkt man ferner, daß bei per im ganzen Lande herrschenden Unzufriedenheit die. soziali st isch e Agitation in der hetzten Zeit starke Erfolge hatte, die noch durch die Hinweise auf'den demnächst beginnenden Matteotti-Prozeß stärker zu werden drohten,, so begreift man. daß das Attentat gegen Musisolini nur von einem Sozialisten und einem Freimaurer ausgeheckt werden konnte. Der frühere sozialistische Deputierte Zamboni kam für einen Kapitalprozeß schon deshalb in Betracht, weil er nach dem den Faszismus schwer kompromittierenden Mord an Matteotti eine aufsehenerregende Untersuchung auf eigene Faust über den Fall veranstaltet hatte, durch welche der behördliche Faszismus sehr stark belastet wurde. Der zweite Attentäter, General Eapello, ist ein Potiorek kleineren Stils, dessen Unfähigkeit während des.österreichisch-italienischen Krieges viele Tausende von italienischen Soldaten zum Opfer fielen, weshalb er weggejagt worden war; seither, befaßt er sich, wie so viele seiner Standesgenossen, mit dem Memoirenschreiben und der Politik. Da er' in der Freimaurerei eine führende Rolle spielt, ist auch er ein taugliches Objekt für die Anzettelung der „B e r s ch w ö r u n g" gegen Mussolini. Man kann nicht behaupten, daß der „Anschlag" allzu ernst genommen, wird. Die kolportagemäßigen Schilde- - rungen saszistischer Blätter über:das moderne Präzisions- , gewehr samt Scherenfernrohr, mit dem Mussolini umgebracht werden sollte, sind bereits etwas kühler geworden; aus dem PräMousgewehr ist nunmehr eine neue Pistole geworden, die bei dem verhafteten Zamboni ge-! funden wurde und mit zwölf Patronen geladen war. Es blieb daher nichts übrig, als für das erste /Verhör, das mit Zamboni und Capello angelstellt wurde, die Schauerbezeichnung vom „zynischen Verhalten der Beschuldigten" als Tagesklischee der FaszisteMätter zu ver-; wenden. Die politische Note, die iu Italien immer zieht, wird auch angeschlagen, da erklärt wird, der Anschlag auf Mussolini sei von einem Ge hei mb.und in Frankreich ausgegaugen. Bei der Sympathie, die Kn Italien für die „lateinische Schwester" herrscht, ist dies ein für den bescheidenen politischen Horizont des Inlandes brauchbares Argument. Zur Stützung dieser Behauptung wird die Nachricht lanciert, Zamboni habe vor kurzem ans dem Auslan de 140.000 Lire erhalten, deren Quelle noch nicht bekannt sei, um damit die Kosten des Unternehmend zu tragen. Die Polizei habe in der Wohnung des Generals Capella in Rom eine Hausdurchsuchung vorgenommen und zahlreiche D okumente beschlagnahmt. Der Zweck der Uebung ist vorläufig erreicht: die Freimaurerlogen wurden militärisch besetzt, die sozialistische Partei wurde aufgelöst. Es gibt Iubelkuudgebungen für Glückwünsche, Auffahrt des diplomatischen l! «8s jeder Kunde erhält kostenlos Anweisung auf eine phototjrapn s lie Aufnahme und drei herrlicue t'lmio- «tuie Preisabschlag bei Einkaul von S 3ü mi. Waienhaus «sir II. Taborstraße 48 Talaoho’’ 47-1-71 En gros En detail Protokolle gefälscht und seine Aussagen a b ge ändert. Wie dies vor sich i 5628

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