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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-06 · Heft 2409 (6.11.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2409 (6.11.1925)
Date
1925-11-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Men, Freitag Wiener Morgenzeitung 6. November IW_jWtte Sie Not der UniverfttSte«. Die Nck der österreichrschen Univevsitäten und ihrer Stitute hat die akademischen S en a t e der kei versitäten Wien, Graz und Innsbruck vemnlaßt, eine Denkschrift za verfassen, mit der Bestimmung, sie durch eine Deputation den maßgebenden Persönlichkeiten der Regierung und der Volksvertretung überreichen zu. lassen. Die Denkschrift schildert die Notlage unserer Universitäten und stellt als wichtigste und dringendste Forderung die Ausw ertung der D ota ti on en aus die Kaufivast der Frivdensdotationen auf. Km Sinne der von den drei österreichischen Universitäten gefaßten Beschlüsse h^en in der verflossenen Woche die Rektoren der Wiener irnfc der Grazer Universität in den in Frage kommenden Ministerien und bei den führenden Politikern im Pcrla- Mnt vovgesprochen und die Denkschrift überreicht. * Meder ei» Soldatenselbstmord. Am 31. Oktober hat sich der ZWenjäger St-öphan I o h n e des Alpenjägerrögiments Nr. 16 in Graz mit dem Dienistgewchr erschossen. Ein körpsvttches Löwen M Verein mit finanziellen Schwierigkeiten dürfte Jchne Mm SeMstmord veranlaßt ha-bsn. __ Landeskonferenz der Keren Kafemeth. Sonntag den 8. d. MN 10 Uhr vormittags findet im Ingenieur- und Architektenvevein, 1. Bez., Eschenbachgasse Nr, 9, die diesjährige Landeskonferenz des Keren Kajemeth statt. . Tagesordnung: Begrüßung durch die Präsidien des Landeskomitees und des Keren Hajessod. Wahl des Präsidiums. Die Tätigkeit des Keren Kajemeth in Erez Israel. lFvau Dr. Buchmil aus Jerusalem.) Die Bodenpolitik des Keren Kajemeth. (Adolf Böhm.) Die Tätigkeit des Keren Kajemeth rat Jahre 5685. (Dr. Chaim Tar ta- Lower.) Der Arbeitsplan für das Jahr 5666. Wolf Pollak, Sekretär des Hauptbureaus.) Legitimationen für die berechtigten Vertreter der Gruppen sind im Bureau des Keren Kajemeth, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, erhältlich. Nie Tätigleit der 8ca. Der Bericht in der Generalversammlung. Auö Paris berichtet I. T. A.: Dieser Tage wurde in Paris unter Vorsitz des Präsidenten Franz Philippfon die Hauptversammlung der JewiG Colonisation Association (Iva) äbgelhalten. Nach Erstattung des finanziellen Berichtes hielt Herr Phrlippson sine Ansprache, in der er unter anderem ausführte: Das Ansiedlungswerk in Argentinien bleibt nach wie vor einer der wichtigsten Zweige unserer Tätigkeit. Wir halben mittellosen, unglücklichen Emigoamtenfamilien zu Ansiedlung in unseren Kolonien verholsen. Dank den günstigen Bedingungen der Jca-Kolo-nisation tonnten sich diese Emigranten in kurzer Zeit eine ruhige und sichere Existenz schaffen. Bon den früheren Koionisten hat eine große Zahl die Bodenraten vollständig getilgt und den Eigentumsvertrag über ihren Boden erhalten. Die meisten der Kolonisten haben es zu einem respektablen Vermögen gebracht und sind Beisitzer von reichem lebendem sowie totem Inventar. Es gelang uns, wichtige Erleichterungen für Einwanderer zu erzielen, Md wir bemühen ara§ jetzt, noch 3000 jüdische Kolonistenfamilien, die in unseren Kolonien Platz halben, nach Argeutinien zu bringen. Auf einer Landfläche, wo 1890 kaum 100C Juden wohnten, leben gegenwärtig dank der Entwicklung unserer Unternehmungen etwa 200.000 jüdische Seelen in Städten und Kolonien. Anders in Brasilien. Dort stören politische Unruhen seit einigen Jahren die normale Entwicklung unseres Werkes, insbesondere in der Kolonie Quatro-Jrmaos. Doch stellen wir mit Befriedigung fest, daß unsere Verluste bloß iMterieller Natur waren; Menschen kamen nicht m Frage. Unsere Arbeit wird jetzt reorganisiert, wir hoffen nun auf sine ruhige Fortentwicklung. Wir haben in Brasilien mehrere jüdische Gemeinden und Komitees für Immigrant e n s ch u tz bilden helfen, auch Darlehenskassen und jüdische Schulen errichtet. I« Kanada .war das tJa-hr IW kein gutes Erntejahr. Tvohdsm konnten unsere Kolonisten ihre Ratenschulden zahlen. Es existiert heutzutage in Kanada eine Mische landwirtschaftliche Gegend, die eine bedeutende Zahl neuer Mischer landwirtschaftlicher Immigranten aufnehmen kann. Im Jahve 1924 sind 5746 Juden m Kanada eingewaudert; nur acht jüdische Einwanderer wurden zurückgewiesen. Nach Argentinien^ Brasilien und Kanada — setzte Herr PhiliWon fort — wird Palästina immer mehr ein Land jüdischer Einwanderung. Bor 26 «Jahren Holsen wir mit, eine Palästi nakommissiion zwecks Unterstützung der von Baroir Edmond de Rothschild begründeten Kolonisation zu bilden. Diese. Kommission wurde rat «Jahre 1924 durch eine andere Organisation abgelöst, die,den Namen Pica führt und . hie große Idee des Barons Edmond de Rothschild verstärk sovtführt. Seit Ende des Krieges führen wir die Aitfbaüarbeit m den vom Kriege hart mitgenommenen Ländern Osteuropas. Diese Arbeit wird seit 1934 in erhöhtem Maße sortgefttztt Vor drsi Jahren.hat die Jca ihre Dätigkeett in Rußland, die 1919 unterbrochen werden mußte, erneuert. Wir bemühen uns, die Lage der jüdischen Handwerker und Kolonisten zu verbessern. 110 jüdische Darlehe n sk as s -e u in Rußland mit etwa 20.000 Mitgliedern bekommm von Ms Kredite. Im letzten Jahve hat die «Jca 22 Fachschulen gestützt. Die jüdische Kolonisation in Rußland stsht an der Spitze unserer Bemühungen. Dort besteht ein starkes Streben zur Landarbeit. Wir unterstützen heute 4 0 K o l o n i e n in dm Rayons von Odessa, Jekatevmoslaw und Doneh. _ fiine Wisch'chrWche Konferenz über Antilemitirmns. Aus London berichtet «I. T. A.: In der Wesleyan- Kirche zu London fand die zweite von der liberalen jüdischen Synagoge und einigen christlichen Kirche nge>m ein den veranstaltete Konferenz über „Religion und Rasse" statt. Hauptredner der Konferenz waren der Präsident der liberalen Synagoge, Mister Claude G. Montefiore, und der evangelische Prediger Thomas Walker. Den Vorsitz führte Rabbi Israel Mattuck. Mr. Claude G. Montefiore sprach von den seelischen und physischen Verheerungen, die der Antisemitismus in vielen Ländern Europas anrichtet. Auch in England, dem Znflucht'slande der Juden, macht sich feit dem Kriege eine antisemitische Stimmung bemerkbar. Diese Stimmung ist mit realen Tatsachen nicht zu rechtfertigen; es liegt in der Natur des Menschen, daß ihm eine fremde Rasse oder eine fremde Religion verdächtig ist. Rev. Thomas Walker betrachtete das Problem des Antisemitismus vom christlichen Standpunkt aus. Die antisemitische Propaganda, so führte er. aus, wird von geheimen und auch öffentlichen Vereinigungen geleitet, die alle in einem sehr schlechten Rufe stehen. Aus der Grundlage religiöser Freiheit können sich die Beziehungen zwischen Juden und Christen enger knüpfen. Das jüdische Volk sann aber nicht in den Nationen aufgehen, es ist Mist eine Nation. Wenn Sie dem Judaismus das Nationale nehmen, so ziehen Sie chm das Herz aus dem Leibe. Marke Christiner bürgt allein für Echtheit BACKET UND BRATET iiiüiiimiiMiiiiiMiiiiiiiiiiimiiiiiiiuiniiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiuiiiiiumii.iii!! OHNE BRATROHR I! Vorführung und Kostproben gratisl RI Wien, IV., Wied-. ner Hauptstrasse 66, Restaura* tlon Pend, Wien, VII., Mariahll e< strasse 56 (Ordner Baum), Wien, ill., Hauptstrasse 31 (Ooldene Birne), Wien, XII., Meidling-er Haupt'tra se 21 (Gasthaus Aust), Wien, XIV., Sechshausers'rasse 3 (im Saale Vogelhubers Bier- und Weinhaus) von 9 bis 11 Uhr vormittags und von 3 bis 6 Uhr nachmittags. Billige jüdische antiquarische Bücherl L. J, Agnon: Und das Krumme wird gerade. Aus dem Hebräischen von Max Strauss. Ausstattung von E. R. Weiss, Mit 5 Bildern von Josef Budko, Pappeeinband ..... S 4.30 Hermann Bahr: Die Rotte Korahs, Roman, broschiert. S 5.70 Martin Buber: Drei Reden über das Judentum, gebunden .. . .8 6.— — Die Geschichten des Rabbi Nachmann, gebunden ..S 4.60 — Die Legende des Baalschein, Pappeeinband S 6.— — Der heilige Weg. Ein Wort an die Juden und an die Völker ..S 3.— — Die Rede, die Lehre und das Lied. Drei Beispiele . . '. $ 5.70 — Vom Geist des Judentums, Halbleinen . . 8 6.50 — Mein Weg zum Chassidismus.S 1.30 — Ich und du, Pappeeinband . . . . . . . 8 7.20 Jehuda Halevl: Ein Diwan, Uebertragen und mit einem Lebensbild versehen von E. Bernhard, gebunden . . ..8 5.40 Theodor Herzl: Altneulandl, Roman, Pappeeinband . ..S 5.ft) Max Nordaii: Die konventionellen Lügen der Kulturmenschheit .. . 8 5.70 — Judentum im 19. und 20, Jahrhundert . . 8 0.90 Arnold Zweig: Drei Erzählungen, gebunden S 5,40 — Abigail und Nabai, Tragödie, gebunden ... S 3.60 — Die Sendung Semaels, Pappeeinband . . .8 3.60 Wir bitten bei Bestellungen aut dieses Inserat Bezug nehmen zu wollen zu beziehen durch 1., Fieischmarkt 1 XöZO.lt Antiquariat,Wi len und ■ Rotenturmslrasse 22 Ner Vater Breitbarls fordert feine« StftfAaft» ««teil. Zwischen dem vor kurzem verstorbenen: ,Mercköinz" Breitbart und seinem ' Vater bestanden ununterbrochen schwere Mißhelligkeiten, 'die anläßlich des Auftretens .Breitbarts in Lodz, wo auch der alte Breitbart lebt, zu offenen Skandalszenen geführt haben. Breitöart senior stellte an seinen Sohn, den er für sehr reich hielt, unausgesetzt große Geldforberungen,.die Siegmund Breitbart, wie er versicherte, nicht zu erfüllen vermochte. Jetzt, nach dem Tode seines Sohnes, richtet sich der Kampf des Alten gegen seine Schwiegertochter. Er behauptet, daß; der Eisenkönig ein königliches Vermögen hinterlassen und überdies sein Leben zugunsten seiner Frau aus den Betrag von 50.000 Dollar versichert haben soll. Da aber die Durchführung des Erbschaftsprozesses ein größeres Kapital erfordert, sucht der alte Breitbart kapitalskräftige Kompagnons. Unter anderem wandte, sich Breitbarts Vater auch an den Vorstand der Lodzer Kultusgemeinde nth dem Antrag, daß die Gemeinde für ihn den Prozeß führen möge, wogegen er bereit sei, einen Teil des auf ihn etwa entfallenden Betrages zugunsten der Gemeinde sicherzustellen. Die Kültusgememde wies das Ansinnen des alten Mannes, der als Prozeßhansel bekannt ist, selbstverständlich zurück. Der Vater des Elfenkönigs sucht noch immer Kompagnons fm sein Erbschaftsgeschäft,' das' jedoch wenig einträglich sein dürste, da Breitbart, wie aus den Berichten über seinen' Tod zu entnehmen war, in Armut gestorben ist. Sas iMitöt Wie».'» Der jüdische Arbeitsnachweis. Eine sehr ersprießliche und in jüdischer Beziehung besonders notwendige Tätigkeit entwickelt der jüdische Arbeitsnachweis. Dieses seit dem Jahre 1899 in Wim tätige j ü d i s ch e A r b e i t s v e r m i t t l u n g s a m 1 hat ein gutes Stück innerer jüdischer Aufklärungsarbeit geleistet. Wenn man bedenkt, welcher Art die Einstellung des Arbeitgebers zum jüdischen Arbeitnehmer war, welche Vorurteile gegenüber dem Wert der von Juden vollsührten gewerblichen und rein manuellen Arbeit bestanden und zum Teil noch bestehen, so wird man die Entwicklung, die diese jüdische Arbeitsvermittlungsstelle genommen hat, und das Vertrauen, das sie heute von einem großen Teil der jüdischen Arbeitgeber und von einem noch größeren Teil der jüdischen Arbeitnehmer genießt, einschätzen können. Der jüdische Arbeitgeber hat es aus Gründen des Mißtrauens gegenüber jüdischen Arbeitern und aus Gründen einer verkehrten Auffassung vom Wesen des Antisemitismus — er glaubte, das Anstellen jüdischer Arbeiter würde den Antisemitismus gegen ihn kehren — oft abgelehnt, Juden zu beschäftigen. Noch heute wird an den jüdischen Arbeitsnachweis in nicht wenigen Fällen das Ansuchen gerichtet, nichtjüdische Arbeitet zu schicken oder zumindest solche, die nicht jüdisch aussehen. Ganz besonders macht sich dieses in nichts begründete Vorurteil bemerkbar, wenn Hauspersonal verlangt wird. Der jüdische Arbeitsnachweis hat sich nun bemüht, und dies mit großen: Erfolg, diese Einstellung von Juden Juden gegenüber — es ist fast schon jüdischer Antisemitismus — aus der Welt zu schassen. Dies ist beim heutigen sozialen Stand der Juden Wiens t:t moralischer und praktischer Beziehung eine nicht hoch genug einzuschätzende Leistung. Leider schenkt die Wiener jüdische Öffentlichkeit dem Wirken auf diesem Gebiet nicht genügende Beachtung, was die finanziellen Schwierigkeiten, mit denen der Arbeitsnachweis zu kampsen hat, zur Genüge dartun. Die Vermittlung jüdisch er Arbeit ist heute um so wichtiger, als vom überhandnehmenden Antisemitismus der Ruf nach dem wirtschaftlichen Boykott gegen , die Juden immer lauter wird. In den letzten Jahren wird der Zuspruch, den das jüdische Arbeitsvermittlungsamt erfährt, immer größer. Eine wachsende Anzahl jüdischer Firmen wendet sich an dieses Amt, das inr Laufe der Jahre beweisen konnte, daß die von ihm gestellten Arbeitnehmer in jeder Beziehung verläßlich und wertvoll sind, da das Amtlich über die Qualitäten der Arbeiter, die es empfiehlt, vorher genau erkundigt. Der wechselnde Stand der durch diese Vermittlungsstelle Arbeit Suchenden ist nie weniger als 2000. Von den Arbeitgebern werden hauptsächlich verlangt: Stenotypistinnen, Schneider, Lehrlinge für Handel und Gewerbe und Vertreter, weniger Betriebsarbeitec. Die registrierten Arbeitsuchenden rekrutieren sich hauptsächlich aus der Kaufmaunsbranche (die Arbeitsvermittlungsstelle war ftüher eine rein kaufmännische, heute umfaßt sie alle Gebiete der Arbeit), dann aus Hilfsarbeitern, Schuhmachern und Schneidern. Durchschnittlich wird 30 bis 50 Arbeitern im Monat Arbeit verschafft. Im Septeniber sogar 80 Personen, da in diesem Monat eine größere Anzahl von Vertretern gesucht wurde. Im letzten Halbjahr betrug die Zahl der Untergebvachten 800. Geleitet wird der Arbeitsnachweis von einem Kuratorium, das eine aus vier Personen bestehende Exekutive einsetzt. Der gegenwärtigen Exekutive gehören die Gründer des Nachweises, der um seine Entwicklung sehr verdienstvollen Herren Leopold S i tzm a n n und Ob errechn u n g s r a t Weiner, an. Die geschästsfÄhrende Leitung des Arbeitsnachweises hat gegenwärtig Fräulein Regina Mimeles inne. Die Mittel des jüdischen Arbeitsnachweises werden in der Hauptsache aus den M i t g l i e d s b e i t r ä g e n und zum sehr geringen Teil aus den Manipulationsgebühren der Arbeitsuchenden gedeckt. Die Beiträge der 1600 ständigen Mtglieder betrugen im vorigen Jahr 7 bis 8 Millionen Kronen. Die Mani- *) Siche „Wiener Morgenzeitmig" vom 9.. 11., 24. und 25. Oktober und 1. November.

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