Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2409 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I feit c2 Wien, Freitag Wierter Morgenzeitung Wollen Sie gewinnen! BB MW Mtä W dssgrosse I acah Via Kreuzworträtsel — MWW H ■ welches am Sonntag den 8. November d J, A M» WM WWS W W WM W WUW m der „wiener k/lorgenrettung" erscheint Drei wertvolle Preise! 'NCIlC Drei wertvolle Preise! 1. Martin Buber: Der große Maggid 2. Mah-Jong-Spiel 3. Ein Paar Handschuhe Stämme gegen eine Zn^ammMnnst in Dscheddcch gestellt hc»^n. Großbritannien hat Las größte Interesse, eine Grenzregulierung in T r a n s j o r da u i e n unb im I r a k, den beiden Gaöieten, deren Lage andauernd britisch ist, zu erzielen, eine Grenzregulierung, die 'chm die Kontrolle über diese Lander erleichtern und einen Luftweg über Landgebiete ermöglichen würde, in denen Friede herrscht. Ibn Saud «stellt diesem Ziele sowohl bezüglich der Grenze TranSjordaniens als auch des Irak Vorläufig unüberbrückbare Schwierigkeiten entgegen, indem er die in den Verhandlungen von Koweit gestellten Grenzfordevungen erweitert und jetzt auch jene transjordanischen Gebiete beansprucht, deren Stämme ihre Geneigtheit kundgegeben haben, sich ihm anzuschließen. .Ihn übrigen Hat Sir EtaHton vor seiner Abreise aus England erklärt, daß er bereit sei, in dem Streit zwischen Nejd und Hedschas, d. h. zwischen König Ali und Ibn Saud, die Rolle eines Schiedsrichters zu übernehmen, falls beide Teile damit einverstanden wären. König Ali wird gegen Sir Elatzton als Schiedsrichter nichts einzuwenden haben. Die Aufgabe Sir Clahtons wird es nun sein, auch Ibn Saud für die Austragung des Streites durch einen Schiedsspruch zu gewinnen. Vielleicht kommt ihm der Umstand zu Hilfe, daß Ibn Saud sich in großer Geldverlegenheit befindet und daß es bekannt ist, daß er den Krieg nur dann weilerführen kann, wmn seine leergeworde-ne Kriegskasse tv-ieder gelullt wird. Der Araberftreik am Balsour-Tag. Jerusalem, 3. November. (I. T. A.) Mr den 2. d., den achten JahnÄag der Vevkundigung der Balsour- Dellaration, hatte die Palästinensisch-arabische Exekutive, wie bereits -berichtet, für ganz Palästina den Generalstreik proklamiert. Diese Proklamation hatte säst gar keine Wirkung. In Jerusalem waren nur wenige arabische Geschäfte geschlossen, der Großteil der Araber gmg seiner gewöhnlichen Beschäftigung nach. In den Kirchen und Moscheen waren mohammedanische und christliche Araber versammelt; dort wurden Gebete um die Annullierung der Balfour-Deklaration verrichtet. Sonst verlief der Tag im ganzen Lande ruhig; es errigneten sich keinerlei Zwischenfälle. Aeserendum Wer dar Fraueudiahlrecht in ßrez Israel. Die Volksabstimmung am 8. November. tEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Jerusalem, 4. November. Das Zentralwahlkomitee für die bevorstehenden Wahlen in die jüdische Nationalversammlung (Assefat Haniwcharim),, in welche nunmehr auch die Vertreter des Misrachi zurückgekehrt sind, hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, die Volksabstimmung über die Frage, ob den Frauen das Wahlrecht zugebilligt werden solle oder nicht, aus Sonntag den 8. sestzufetzen. Tie Agitation der einzünen politischen' Parteien hat bereits eingesetzt. Bekanntlich bekämpfen die konservativen Gruppen unter Führung des Misrachi das Prinzip des Frauenwahl-» rechts für die Gemeinden und auch für die politischen Körperschaften. Die A g u d a h agitiert für eine Demonstration g eg e n die Volksabstimmung und lehnt das Frauenwahlrecht auch für den Fall ab, als sich bei der Volksabstimmung die Mehrheit dafür entscheiden sollte, während der Misrachi bereit ist, sich dem Ergebnis der Volksabstimmung zu fügen. Aalten» PlSne im nahen Sfte«. Ein italienisch-russischer Geheimvertrag? Berlin, 5. November. Wie die „Deutsche Allgemeine Leitung" meldet, besteht nach einem Schweizer Bericht der .,World" angeblich zwischen Rußland und Italien ein Geheimvertrag, nach dem keiner der beiden Kontrahenten irgend etwas im O st e n unternehmen darf, ohne den anderen Gegenkontrahenten davon in Kenntnis gesetzt zu haben. Ter Vertrag soll insbesondere in bezug auf die Türken in Anwendung kommen-. Im Falle eines italienisch-türkischen Krieges hätte Rußland Italien militärische Hilfe zu leisten, während im Falle eines russisch-türkischen Krieges Italien verpflichtet sei, Rußland politisch zu unterstützen. Aus dem Balkan gibt der Vertrag beiden Kontrahenten freie Hand. Gegenüber Rumänien und Jugoslawien jedoch darf keiner der Kontrahenten envas unternehmen, was den Interessen des anderen widerspricht. Tie Interessen Italiens in bezug auf Jugoslawien sollen in dem Vertrag ausdrücklich a nerkannt sein. Sin Anschlag gegen Mussolini. Ern gewesener Abgeordneter und ein General verhaftet. — Sperrung deS Freimaurer» bureaus. ' Rom, 5. November. Die Agenzia Stesani teilt mit: Seit einiger Zeit waren der Polizei gewisse Andeutungen zugekommen, wonach gegen die Person des Ministerpräsidenten Mussolini ein Anschlag vorbereitet werde. ^Jn den letzten Tagen erlangte die Polizei die G e w i ß h e i t, daß während einer der gestrigen S i e g e s s e i e r n der Anschlag hätte ausgesührt werden sollen, und traf umfassende Maßnahmen zur Festnahme der Verdächtigen. Gestern um 9 Uhr vormittags drang die Polizei in ein Zimmer des Hotels D r a g o n i ein, das sich in unmittelbarer Nähe des Palais Chigi befindet, in dem das Außenministerium seinen Sitz hat, und überraschte dort den gewesenen oppositionellen Abgeordneten Z a m b o n i in dem Augenblicke, wo er bereits alles zur Durchführung eines verbrecherischen Anschlages vorbereitet hatte. Zamboni wurde verhaftet. Im Zusammenhang mit den gleichzeitig erfolgten Feststellungen wurde in Turin der General des Ruhestandes Louis Capello, einer der Führer der italienischen Freimaurerbewegung, verhaftet, als er eben im Begriff war, nach dem Auslände abzureisen. Beide Verhafteten sind den Behörden überstellt worden. Auf Grund der Ergebnisse der ersten Untersuchung ist an die Präfelten die Weisung ergangen, unverzüglich die BureaussämtlicherFreimaurerlogenzubes e tz e n, die dem „Großorient" mit dem Sitze in Rom, Palais Giustiniani, angehören. Romantische Details der Blätter. Nach den Meldungen der ©lütter sollten von der Via, Dragoni, beziehungsweise in der Bia Triione gegen Mussolini die SchÄsse'ÄbKtzeben -werden, während er vom Pa», lazzo Chigi sprechen würde. . Ein Auto sei bereit gestanden, um den Täter in Sicherheit zu bringen. Zamboni -«wurde auf der Stiege des Hotels Dragoni verhaftet. Zamiboni, der in der Uniform der Alpiniosiiziere war, mit Schärpe und Auszeichnungen, zeigte sich überrascht, protestierte gegen die Verhaftung eines Offiziers und erklärte, der Irrtum werde sich sofort aufilären. Hierauf sagte ihm der Vizequästor einige Worte ins Ohr, worauf Zamboni erbleichte und sagte: ,Mt, ich -werde keinen Widerstand leisten." Zamboni hatte einen großen Koffer bei sich und wurde mit diesem im Auto auf die Polizei geführt. ,Mpoca" verzeichnet das Gerücht, daß sich im Innern des Koffers ein automatisches Gewehr von besonderer Prä-- giften und eine theträchtliche Menge von Munition befunden habe, ebenso einige kompromittierende Dokumente. ,Hdea Nazionale" berichtet, -aß Zamboni ein Gewehr mit Scherenfernrohr befaß, mit dem er von seinem Fenster aus Mussolini erschießen wollte, -wenn er zur Abnahme der Siegesparade während der Feier auf dem Balkon des Palazzo Chigi erscheinen sollte. , Die Abendausgabe der „Jdea Nazionale" gilbt eine andere romantische Schilderung der Verhaftung Zambonis. Danach erfolgte sie nicht auf der Stiege, sondern im Hotelzimmer, das Zamboni bewohnte. Als der Vizequästor das - Zimmer betrat, fand er am Fenster ein großes Neues österreichisches Zielfernrohrgewehr, bereits a m F e n st e r a d j u st i e r t und gegen den Balkon des Palazzo Chigi visiert. Im Zimmer seien außerdem Koffer Zambonis gefunden worden mit einem Do ur i st em anzug und verschiedenen Wäschestücken. Zamboni hatte sich gla 1 t ra siert, um sich unkenntlich zu machen. DaS Automobil, das auf ihn wartete, sei reichlich mit Benzin und Lebensmitteln versorgt sowie mit mehreren Revolvern ausgerüstet gewesen. . Weitere Verhaftungen bevorstehend. Rom, 5. November. (Tel.-Komp.) Nach der Aufdeckung des Attentats auf Mussolini werden weitere Verhaftungen erwartet. Der Redakteur Quaglia des katholischen Oppositionsb-lattes „Popolo", dem Beziehungu zu dem früheren Abgeordneten Z a m b o n i vorgeworfen werden, ist bereits verhaftet worden. Die oppositionellen Blätter „Tribuna", „Giornale d'Jtal'ia", „Mondo" u^sw. wurden heutr bei ihrem Erscheinen von der Menge verbrannt. Kundgebungen für Mussolini. Rom, 5. November. In -Nom fanden heute zahlreiche K u n d g e >b u n g e n für M n s s o l i n i statt, deren Teilnehmer unter Hochrufen auf Mussolini und Absingung faszchischer Lieder unter dein Va-'l..n des Palazzo Chigi demonstrierten. Mussoli hi erschien nach einiger i All.M hielt eine Ansprache, in per er smdri.nMch jfe 6. November IM Nk 8400 " i" 1 r ■ , ' .. ~ dcrte, jeden individuelleu Racheakt und alle Repressalien zu unterlassen. Die sozialistische Partei ayfgelöst. Die Regierung hat heute die Auflösung 8er Zentrale und der Sektionen der Partei der EinheitSfozialistek' verfügt. _ Der «rlMch'bulgarlsche Vrenzkonslikt. Die UntcrsuchmlgHkommission des Völkerbundes geWdck Genf, ü. November. Dchweiz. Dep.-Ag.) Di- Unterf u ch u n g s l o m m i f s i o n des VöllkeMndrate's für den griechisch-bulgarischen G reu zzwi scheu fallist nunmehr endgültig wie folgt gebildet worden: Präsident Sir Horace Numbold, Botschafter GroßbritanniE in Madrid; General Cerrigny (Frank« reich); Divisionsgeneral Ferrario Mallen); Fort u y s, Mitglied des holländischen Parlaments, und A d l e r c r e u h, schwedischer Gesandter im Haag. Die Kommission wird morgen in Genf eine Sitzung abhalten und von: Protokoll der Ratsverhandlungen und den Akten über die Frage Kenntnis nehmen. Sw wird, wahrscheinlich am Sonntag von Genf a b r e i s e n, nur sich an Ort und Stelle des Zweischenfalles zu begeben. Gemäß Ratsbeschl-uß hat die Kommission die Aufgabe, »ine vollständige Untersuchung der an der bulgarisch-griechischen Grenze entstandenen Zwischenfälle durchzuführen inte soll ihren Gericht noch vor Ende dieses Monats einreichen, da-nnt der Rat in seiner ordentlichen . Dezembersession die Frage behandeln kann. Die Wahlen ln der richechoslowalei. Prag, 5. November. (Tschechoflow. Preß.-Bur.) Das Ministerium des Innern verlautbart: Da die Wahlagitation, die bisher zu der Hoffnung aus einen ruhigen Verlauf der Wahlen berechtigte, nach den eingegangenen Meldungen in der letzten Zeit!n einigen Fällen bedenkliche Formen annimmt, erachtet es das Ministerium des Innern es als feine Pflicht, die entsprechenden Faktoren insbesondere auf das Terrorgefetz und auf deP Schutz der Versammlungsfreiheit sowie auf die StrafhestimmunM betreffend den Schutz der Wahlfreiheit aufmerksam zu machen, welche rücksichtslos gegen jeden zur Anwendung gebracht werden, der sich gegen sie vergehen würde. Das Ministerium des Innern zählt sodann die diesbezügliche Strafbestimmungen auf. Lurch Aelnheit zur tzluheit. Me die Abendausgabe des^ chrishllchfogialen Partei', blattes meldet, hat die nationalsozialistische Partei Hr gesamtes .Kanzle-iperf.owal entlafise-n, -Mhtnur sin a n z i e lle, S ch w i e r ig ke i t e n sollen daran schuld sein, sondern auch eine innere Krise, die tn der j Parteileitung zu lebhaften Debatten geführt habe. Es spiele dabei angeblich auch die Unzufriedenheit mit der Haltung der Partei im Wahlkampf in der Tschechoiflowalei eine ziemliche Rolle, wo bekanntlich durch den Beschluß der NatiowlsoAialist-en die Einigung der Nichtmarxisten ver'. hindert wurde. _ Ler Mtttaiitifemttistitus der Schager« MonmchM«. Austritt des ehemaligen Kabinettsdirektors Polzer aus -ex konservativen BolkSpartei. Der ehemalige- KablnettMrektor des Exkaisers Karl, Polzer-Hoditz, hat an die Leitung der konservativen BolkSpartei (Schager-Partei) ein Schreiben gerichtet, worin er feinen Austritt aus der Partei anmÄdet. Er begründet diesen Schritt wie folgt: ,M unterltegt keinem Zweifel mehr, daß die Parteileitung unter dem Einfluß de nt sch radikaler Elemente die konservative Volkspartei in eine Strömung^ treibt, welche sich mit Aegitimiswus und Konservativismus ' nicht verträgt und sogar für unser restliches Oesterreich in höchstem Maße schädlich fft. Was den kürzlich bokanntgowordmen Programmpunkt der Parteileitung, den Rassenantisemitismus, lbetriM, so ist von diesem am letzten- Parteitag keine Rede gewesen. Ich hätte dem niemals zu-- gestimmt. Jeder mag sich zur Judenfrage stellen wie' er will. Ich halte es aber für eine Anhänger der Monarchie werbende Partei für schädlich, gegen wen immer eine KampfesstellMg emzunchmen, zudem gegen die Jude\\,‘ unter denen sich zur Zeit des Kaiserreiches treue Anhänger befanden, was ich als ehemaliger KablnettSdirektor Kaiser Karls der Wahrheit zur Ehre bezeugen muß. Im übrigen kann ich als gewesener Kabinettsdirektor und langjähriger Vertrauensmann Kaiser Karls bez-eugen, daß dieser die Loyalität der Juden in gegebenen Fällen voll anerkannte und daß der R a s s e n a n t rse m i t i s m v/ seiner Wesensart nicht entspricht." Sevaratforderungen der Postler. Die Post-, Telegraphen- und Telephonangestellten £e» konrmen dieselbe Notstandsunterstützung wie die Bundesbeamten, haben aber bereits vor einigen Wochen durch ihre Organisation Forderungen nach Erhöhung der Wirtschafts Prämien, die gegenwärtig 8 Schilling im Monat betragen, und der M e h r a u f w a n d g e b Ä hren der Generaldirektion überreichen lassen. Zur Erfi'tllung dieser Forderungen iväre ein Gesamtbetrag von 3,6 Millionen Schilling notwendig. Mttwoch fand eine gemeinsame Sitzung des Zentralansschusses der Post-, Telegraphen- und Fernsprechangestellten statt, in der diese ForderunM einstjAMig ü.es^Wrgt wurden. ifwiiliifn'