Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2409 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 Polen; 20 grotzyl Wien: ZumAbholeri in der. Expedition, IL Taboistr.- H. oder in eJnerverschleisstelle 'Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteur? der Firma O o 1 dich mied, 1., Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien and Oesterreich monatlich 5 Schilling 1 sehe cho-Slowakei: Mon. X22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4ZIo<y. Deutschi and: Mon. 0m. 4, Frankreich. Belgien: Mon. Frcs. 18 NaduMhlunSen bei Prell* erfaAhangen ilrinliilltt IPreis England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien :Mon.lOOLewa. Schweiz und das ^übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration Wien,H.Tabontr.t Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D. uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693' Ute. 2409 Wien, Freilag. S. Nooember 1925 _ 7, Jahrgang Zionismus. Krimprojett und Fewish Agenly. . Ner Kamvi in Amerika. (EigendieH der „Wiener Morgenzeltmtg".) New-Iork, 4. November. Der Friede, welcher vor wenigen Wochen auf der Konferenz zu Philadelphia zwischen den amerikanischen Zionisten ünd den Anhängern des Projekts der Sowjetregierung, die Juden in der Ukraine und in der Krim anzusiedeln, geschlossen wurde, ist bereits in Brüche gegangen. Die von den nichtzionistischen Führern M a r s h a l l, W a r b u r g, B r o w n u. a. damals gemachten Zusagen, welche in der zionistischen Presse vielfach als Sieg der Zionisten gewertet wurden, sind nicht eingehalten worden. Auf der Konferenz wurde vereinbart, daß die Kampagne zur Aufbringung des 15-Millionen-Dollarfonds unter der Parole der allgemeinen Hilfe für die Juden Mittel- und Osteuropas ■ * zu erfolgen habe, und daß das Krimprojekt als solches nicht besonders hervorgehoben werden dürfe. Im Gegensatz hiezu erfolgt jetzt die ganze Agitation im Zeichen d e s Ä r i m p r o j e k t e s. In Plakaten und Aufrufen wird der amerikanischen Judenschaft dargestellt, daß das Heil der Judenschast nur im Krimprojekt liege. Durch Uebertreibungen — man scheut nicht davor zurück, von hunderttausenden jüdischen Familien zu sprechen, .welche-der Landwirtschaft zugesührt werden sollensucht man das Interesse der. Judenschaft auf die Krünsache zu Konzentrieren. Vom a l l g e m ci tt c n Hilfswerk wird ü b er ha u p t u i ch t oder .nur .in. ganz' v-e t>;': hüllt er Art gesprochen. * : ' - ' ,. In Philadelphia wurde die Zusage gemacht, daß die Förderung des Palastinaaufbaues der Judenschaft aller Schattierungen zur Pflicht gemacht werden würde/und daß Palästina in den Kreis des Hilfswerkes einzubeziehen sei. Tatsache ist, daß in den Aufrufen und Zirkularschreiben der nichtzionistischen Führer Ausrufung der syrischen Republik? Paris, 6. November. Der.Sonderkorrespondent.der „Liberte" bestätigt die Meldungen aus englischer Quelle, daß der Führer der syrischen Aufständischen, B a k r i, sich zum Präsiden t eit bei syri scheu' Repuhlik habe ausrusen lassen und eine provis^rische Regierung in Home gebildet habe. Vakri fühle sich jetzt stark genug, gegen Damaskus einen; n eu en Angriff zu unternehmen. Er habe 23 Kilometer südlich -der Stadt einige tausend.Mann versammelt. . In Damaskns treffen täglich neue' Truppenverstärkungen ein. Gestern abends wurde ein Trupp Ausrührer, der sich der Stadt schon bis. auf-11 Kilometer genähert hatte, durch Fliegerbomben und' Maischineugewehrfeuer zerstreute Auf dem Rückzüge haben die AusstäMschen aber eine Eisen b a h n b.-.r ü ck e g e s preugt,., so daß - die Verbindung von Damaskus mit Haifa unter b r o ch e n ist. Kämpfe an der palästinensischen Grenze. Paris, 6. November.' (Tel.-Komp.) Nach Meldungen aus englischer 'Quelle d erschürft sich die Lage m Syrien nach immer weiter. Die Aufständische sollen eine neue Offensive a n d e r p a l ä st i n e n s i s ch e n G r e n z e begonnen haben. Die Kämpfe am Hevmongeibirge dauern an. Vor einer neuen Beschießung von Damaskus? Damaskus, . 5. November. (Havas.) Die Militärbehörden haben die Bevölkerung verständigt,' daß Artilleriefe u e r über die Stadt hinweg abgegeben werden könnte, um die Gruppen der Rebellen zu beschießen. Die. Truppen setzen die Zerstreuung der Rebellenbauden fort. . Budapest, 5. .Oktober. (Tel.-Komp.) Die Stichwahl .m Wahlbezirk von. L e1.e.n y e hat. mit der N i.e-d c rlage^des. Reg ierungska ndi d a teu Artur Fitz geendet, der gegen den Kandidaten der Rassen schü tzl e r, S o m o g y i, mit 67 . Stimmen- - in der Minderheit blieb. . ' das Wort Palästina überhaupt nicht zu finden ist. Vielmehr haben es manche von ihnen für gut befunden, das Palästinawerk im Vergleich zum Krimprojekt herabzusetzen, und auf Kosten Palästinas, das als kleines, armes? ödes Land geschildert wird, die Ukraine und die Krim als Judenparadies hinzustellen. Die amerikanischen Zionisten, welche mit Rücksicht auf den Plan der Erweiterung der I e w i s h Agency durch Nichtzionisten auf einen Kampf gegen dos Krimprojekt verzichtet hatten, sehen sich nun zu diesem Kampfe gezwungen. Die zionistische Leitung Hai beschlossen, unverzüglich eine Aktion einzuleiten, welche die weitere Zurückdrängung des zionistischen Gedankens in Amerika verhindern soll. Unter der Führung von Dr. Stephan Wise-, dem entschlossensten Gegner'des Krimprojektes, hat die Kampagne für die Aufbringung eines ' Palästinafonds von fünf Millionen Dollar eingesetzt. Das zionistische Hauptorgan Amerikas „New Palesti n e" bezeichnet diese Kampagne als die e i nzige Möglichkeit, .den Palästinagedanken zum zentralen G e danken der amerikanichM" Inb e rrftprf?!* gti'r~ ^Ipeifel> alschen Opportunismus und Gedrücktheit dntz den zionistischen Reihen zu bannen.- ,-New Palestine"-. bringt auch die.Zuschriften mehrerer zionistischer Führer, so von Judge' L e w i s, Rabbi A. H. S r l v e r, A. S i l v e rman, Henry Dan neu bäum ü. a., die erklären, ihre Berufung in das leitende Komitee des Joint a b l ehn e n zumüssen, weil der in Philadelphia geschlossene Pakt seitens ■ der Nichtzionisten gebrochen wurde. Eyriendebatle in der sranMchen Kammer. Die Sozialisten stimmen für die Regierung. Paris, 6. -November. (Tel.-Komp.) In bzx heutigen Sitzung der Kammer. interpellierte der nationalistische Abgeordnete . F e r r hüber die Ereignisse in Syrien. Er forderte die sofortige Verhandlung seiner Interpellation und erklärte, daß die Regierung den General Sarrail.zu decken scheine. Die Kammer wolle aber wissen, wer für die Beschießung von Damaskus verantwortlich sei. Das Land fordere, daß gegen die Schuldigen vorgegangen werde.? ■ Ministerpräsident Painle v e erklärte, daß man die Ereignisse in. Syrien ft a r k übertriebe n habe. Er machte eine.Anspielung, daß die k o m m u n i st i j ch e Presse die Mißerfolge Frankreichs in Syrien mit Genugtuung ausgenommen habe. Diese Anspielung rief auf den kommunistischen Bänken einen Entrüstungssturm hervor. s Painleve gab weiter an, daß sich die Verluste an Toten und. Vermißten seit Jänner 1920 bis- 15. Oktober 1925, nicht inbegriffen die syrische Legion, auf 6622 belaufen. Der Ministerpräsident bittet schließlich alle diejenigen, die unparteiisch die Wahrheit leimen lernen wollen, die Rückkehr des Generals Serrail abzuwarten, und verlangt von der Kammer, ihm die Festsetzung des Zeitpunktes für die Debatte über Syrien zu überlassen, sobald General Sarrail, vom Amtsgeheimnis enthoben, vor der Komission vernommen worden sei, was in kürzester Frist geschehen werde. : Die Kammer stimmte dem Verlangen des Ministerpräsidenten, nachdem sich der Deputierte Blum gemäß dem Beschluß der sozialistischen Fraktion für Painleves Antrag ausgesprochen hatte, mit 40V gegen 30 Stimmen zu. Mandatrniederlegnng der Gesandten Ir. Frank. Der Gesandte Oesterreichs in, Berlin, Dr. -Felix F r a -n k. ein Großdentscher, hat sein Abge-ordnetenmandat zurückgelegt. An seine Stelle rückt die aus dein früheren Nationalrat bekannte ehemalige Abgeordnete- Emmi Stradal. Aegypten und der Hedschas. Der Bericht der Spezialmrssion König FuwdÄ. Wie seinerzeit berichtet wurde, entisandte König Fuad, als er von der tr-ostlosen Lage im Hedschas Kenntnis erhallen hatte, eine Spezialmissi-on nach dem Hedschas, um an Ort und Stelle die Lage zu studieren und mit den in Betracht kommenden Führern über die Möglichikoiten eines Friedensschlusses zwischen Jbn Saud und dem König Ali, dem Sohne Husseins, z-u verhandeln. Vor einigen-Tagen ist die Misi'i-ou nach dltrchgef-ührtem Studium nach Aegypten zuruckgekchrt und hat idem König Fuad über die Ergebnisse der Reise Bericht 'erstattet. Temitächst soll auch ein offizielles Communique hierüber veröffentlich werden. Ein arabisches Blatt ist nun in der Lage,- auf Grund einer Unterredung mit den Mitgliedern der Miffion über deren Wahrnehmungen folgendes zu melden:; „Die Lage i m H edscha's ist sowohl in wirtscha>stlichcr wie auch in sozialer Hinsicht eine furchtbare. Die Hedschasarmee ist so herabgekommen, daß sie nicht mehr die Kraft hat, ihre Position in Dscheddah zu behaupten, geschweige denn das Land von den Wahcrbiten wieder zurückzuerobern. Die Freiwilligen aus Syrien, Palästina und d' e m.J r a k in der Armee des KömgS A l i sind zum größten Teil in ihre Heimat zurückgekehrt, versahen übrigens ihren Dienst mit äußerster Nachlässigkeit, weil der Staatsschatz Alis nicht einmal mehr in der Lage war, "ihnen die Löhne zu bezahlen. I b n' Sa n d denkt nicht daran, D sch e-ddah zu ewbern. Nicht etwa, weil seine militärischen Kräfte hiezu Nicht ausreichen, sondern einfach deshalib, weil -er der Ueberzeügun'g ist, dass er Dscheddah auch^ o-hne K>a -m p s in seinen Besitz bringen wirdi und auch, -weil er. eine politische Auseinandersetzung mi't d e n e u r o p ä i s ch e n M ä cht e'n nach Tunlichkeit v e rm.eide n will. Tie Bewohner de^s Hedschas sehen sehnsüchtig dem Tag entgegen', an 'dem diese Frage endlich ihre Lösung finden und die Ordnung im Lände wieder hergestellt sein wird. s Die ägyptische Mission verhandelte auch mit Jbn Saud in N e j d und dieser gab die Erklärung ab, daß er zu jeder Minute bereit sei, den Hedschas zu verlassen, wenn er die Versicherung erhalte, daß keiner der Söhne des Königs Hussein einen Einfluß auf das Land erhält. Seiner Meinung nach gäbe es in der Hedschas frage nur die einzige Lösung, daß die gesamte muselmanische Welt, die ein Interesse an der Hsdschassrage hat, ihre Vertreter nach dem Hedschas entsendet, unter deren Schutz die Bevölkerung des Landes aufgevufen wird, einen König, jedoch k e i n M i t g l i e.d der Familie Hnssein,.zu wählen. Der in dieser VEsabstimmuig durch Stimmenmehrheit zum König ausgeruskne Herrscher soll unter dem Protektorat und der Kontrolle der Gesamtheit.der muselmanischen Mächte der Welt stehen. Werde dieser ^Ratl nicht befolgt, dann sei BIutverg l eß en unve rme idIich und die Wiederherstellung des Friedens im Hedschas - ausgeschlossen. Die Mission Sir Claytons. Der frühere Hauptsekretär. der Palästinaregieruirg, Sir' Gilbert C la y ton, der von der englischen Regierung nach dem Hedschas entsendet wurde, findet dort keim so günstige Situation vor wie seinerzeit die englischen Bevollmächtigten Fil-by und Lord Raglan, die -im Jahre 1923 die Verhandlungen in Koweit geführt haben. Damals war Jbn Saud noch ein sehr bescheidener Rebell, während er heute als se'Wbewußter Sieger, der seinen Gegner zur Strecke gebracht hat, im Namen .der arabischen N a t i o n austvitt und diktiert. Dieses Selbstbewußtsein des Siegers -wird Jbn Saud Wohl auch gegenüber dem Abgesandten Großbritanniens bei den Verhandlungen über die Bestimmung der Grenzen der britischen MaN'datsgebiete und Nesd zur Schau tragen. Sir Clayton wird boi seinen Verhandlungen ganz aufseine eigemn.^Wahrnehmungen und sein allerdings in kritischen Augenblicken bereits oft erprobtes Urteil über Erreichbares und Unerreichbares angewiesen sein, da Jbn Saud, wie arabische Blätter melden, darauf bestanden hat, daß das Zusammentreffen mit dem britischen - Bevollmächtigien nicht in Dscheddah selbst, sondern im Lager Jbn Sauds stattsinde. Jbn Saud soll diese Forderung > mit Rücksicht auf das Mißtrauen gewisser arabischer e-ri allen , ükttoiogen'