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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-05 · Heft 2408 (5.11.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2408 (5.11.1925)
Date
1925-11-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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HBe 4_Men. Donnerstag - Wiener Morgenzeltung 6. November im H». WG Waatott Schiller gestorben. Aus Jerusalem wird gemeldet, daß der gewesene Direktor des hebräischen Gymnasiums in Jerusalem und bekannte hebräische Schriftsteller Salomon Schiller nach längerem Leiden gestorben ist. Salomon Schiller, der nun nicht mehr unter den Bebenden weilt, zählte sicherlich zu der: markantesten Typen d« modernen jüdischen Bewegung. Geboren im Jahre 1863 m einem kleinen litauischen Städtchen, genoß er eine streng jüdische Erziehung, die es ihm ermöglichte, das Judentum in seiner ganzen historischen Entwicklung kennen zu lernen. Getrieben vom Drang, sich auch allgemeine Bildung anzueignen, verließ er sein Heimatstadtchen und kam im Jahre 1890 nach längerer Wanderung nach Lemberg. Um diese Zeit sammelte sich in der Metropole Ostgaliziens eine kleine Schar jüdischer Intellektueller, die zum ersten Male den Gedanken der jüdischen Renaissance in die breiten Volksmassen trug. Adolf Stand, Abraham Korkis, David Malz, Markus Ehrenpreis, Osias Thon, Verschon Zipper, Aaron Lewin und andere traten damals an die Begründung der ersten Zionvereine heran, und schon nach kurzer Zeit wurde der „kühne" Beschluß gefaßt, die erste zionistische Wochenschrift in polnischer Sprache: „Przhszlosc" (Zukunft) herauszugeben. Salomon Schiller, der sich in jenen Tagen als Autodidakt zur Reifeprüfung vorbereitete, zählte zu den eifrigsten Mitarbeitern dieser jungen Zeitschrift. Hier veröffentlichte er seine philosophisch tief durchdachten Abhandlung« „Das nationale Sein der Juden", in denen er dank seiner umfangreichen historischen Kenntnisse die Grundlagen des jüdischen Nationalismus zu analysiere^ versuchte. Diese Abhandlungen erschienen auch dann in Buchform und bildeten die eigentliche theoretische Grundlage für die Erkenntnis des jüdischen Nationalismus und Zionismus. Noch heute kann Schillers Schrift zu den besten theoretischen Arbeiten unserer jungjüdischen Bewegung gezahlt werden. Salomon Schiller entfaltete dann eine eifrige Propagandatätigkeit in den Kreisen der jüdischen Intelligenz; er wurde in Galizien der eigentliche Interpret der Achad Haamistischen Lehren und erzog eine ganze Generation für die Aufgaben des Zionismus. Die besten Mitarbeiter der heutigen zionistischen Bewegung in Galizien verdanken ihrem Meister Salomon Schiller ihre zionistische Erziehung. Er war es, der. zum ersten Male in der Zionistischen Organisation Galiziens auf die Notwendigkeit der hebräischen Kulturbewegung hmwies. Als Begründer des Hebräischen Schulvereines durchzog er sämtliche Städte und Städtchen Galiziens und legte ein dichtes Netz von hebräischen Schulen und Abendkursen an. Durch die Einberufung des ersten Jom Haawrim (Hebräertag) legte er den Grundstein zur modernen Sprachbewegung in Galizien. Im Jahre 1907 verließ Salomon Schiller Galizien und ging nach Jerusalem, wo er unter den unsäglichsten Opfern das hebräische Gymnasium begründet hatte. Sein Jugendfreund und Mitarbeiter, Dr. Verschon Zipper, der um diese Zeit Palästina besucht hatte, unterstützte aufs tatkräftigste sein Werk, nachdem er nach seiner Rückkehr aus Palästina die finanziellen Mittel für die Errichtung dieses Gymnasiums aufgebracht hatte. Bis vor ungefähr zwei Jahren leitete Salomon Schiller das von ihm begründete Gymnasium, mußte jedoch wegen seines Leidens die Leitung niederlegen und widmete sich sodannausschließlich wissenschaftlichen Arbeiten. Seit Jahren arbeitete er an einem umfangreichen philosophischen Werk über den Einfluß der Aristophelischen Philosophie auf das Judentum. Im letzten Jahr stellte er sich in den Dienst der Propaganda für den Keren Kajemeth und bereiste in seinem Auftrag Polen. Infolge seiner Krankheit mußte er jedoch seine Tournee unterbrechen und kehrte nach Srez Israel zurück, wo ihn nun der Tod ereilte. Mit Salomon Schiller, dem in der Geschichte der zionistischen Bewegung ein Ehrenplatz gebührt, scheidet einer der ersten Vorkämpfer für die jüdischnationale Idee m Osteuropa. G. Segen die phantastischen VerWe Wer ValMna. In der in Tel-Awiw erscheinenden hebräischen Tageszeitung „Dawar" beklagt sich A. Bar-Adon Über den immer mehr um sich greifenden Unfug der Phantastischen Berichterstattung über Palästina. Er schreibt: „Es gibt offenbar Spezialkorrespondenten auslarÄscher Blätter, deren Korrespondenzen einfach aus der Suft gegriffen sind. Da werden Dinge erzählt, die nicht existieren, erfundene Gespräche wiedergegeben, die der eigenen Phantasie der Interviewer entsprungen sind. Man bekommt da verschiedene Märchen über das Leben der jüdischen Gemeinschaft und das Familienleben in den verschiedenen Kwuzoth aufgetischt. Bor einigen Tagen erhielt ich aus dem Ausland ein Schreiben, in dem ich geftagt wurde, ob es wahr sei, daß in den Kwuzoth Eheschließungen mit Ehekontrakten für die Dauer von drei oder sechs Jahren geschlossen werden, wie es von einem bekannten Korrespondenten in einem polnischen Blatt berichtet wurde. Wie lange soll das noch so fortgehen? Mit solchen phantastischen Berichten wird die öffentliche Meinung im Ausland gespeist. Diese erlogenen Nachrichten erzeugen naturgemäß Feindschaft gegen die Kwuzothb e m e g u n g und deren Arbeiten im Lande." . Man kann bic'cm gerechten Entrüstungsschrei nur restlos hnpsuchten KUNSTMÖBELFABRIK 520 JOH. GRÜNWALD'S W2£ I., Fleiidtmarkft 17 l., Welhburtfgasie 11 Wohnungen, Geichlfijlokale, Catei, Kinos, Theater, na* eigenen Entwürfen. Siels grosses, assortiertes Leger RICHTER. UNO PREDIGER- TALARE UND BARETTE von 8 65 aufwärts vorrätig und nach Mass beim Spezialisten 135 RUDOLF GOLDSTEIN, Zivil-und Mtormsctmelder Gegründet 1866 WIEN, II. 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Lord Plumer erllärte, daß diese Ausstellung der landwirtschaftlichen und industriellen Arbeit im Lande für ihn lehrreicher sei als noch so viele Referate es sein könnten. Er besorgte auch mehrere Einkäufe und war von der Fülle des Materials außerordentlich überrascht. Seiner Gefolgschaft gegenüber sprach er den Wunsch aus, daß sämtliche Abteilungen der Regierungsämter ihren Bedarf an verschiedenen Artikeln aus den vorhandenen Erzeugnissen und Bodenprodukten des Landes decken mögen. Im Pavillon der Ballgesellschaft Solei Bonch ließ sich der Oberkommiffär die ausgestellten Bilder und Pläne der bereits durchgeführten und noch in Aussicht genommenen Hoch-, Tief- und Straßenbauten eingehend erklären. Besonders ^entzückt war Lord Plumer von der Qualität und der Bearbeitung des inländischen Marmors. Er gab der Meinung Ausdruck, daß alles aufgeboten werden müsse, um die für die moderne Entwicklung der Marmorindustrie in Erez Israel erforderlichen Kapitalien aufzubringen. Er sei überzeugt, daß in diesem Falle in Hinkunft sowohl bei Kirchenals auch Synagogenbauten in England und auch anderswo Marmor aus Erez Israel verwendet werden wird. Lange verweilte der Oberkommissär in dem besonders reich beschickten Pavillon für landwirtschaftlich e P r o d u k j e und ließ sich über 'das Wesen und die Arbeiten der Kwuzoth ausführlich msormieren. In einem Gespräch mit einer Kwuzah-Avbeiterin meinte der Oberkommiffär: „Palästina wird allmählich ein blühendes Gartenland werden, es ist aber für das Gedeihen unerläßlich, daß es auch eine entwickelte Industrie besitze". Beim Wschied versprach der Oberkommissär, daß er binnen kurzem der Kolonie Nahalal und der landwirffchastlichen Schule für Mädchen einen Besuch abstatten werde. ftrafeKtii drr tschechoslowakischen zioMen- Revisionisten. AMMch der Anwesenheit Wladimir Jabotinskys in Brünn fand in Anwrsocheit zahlreicher Vertreter der Mvi« sionistengruppen dir erste Landeskonferenz der Union der ZionistM-Revisionisten in der Tschechoslowakei statt. Nach dem Tätigkeitsberichte der Mietenden provisorischen Leitung, welchem unter anderem zu entnehmen war, daß seit dem 14. Kongreß zchlveiche Ortsgruppen ins Loben Musen worden sind, Mt Herr Jabo t in sk y ein <mMhMches politisches Referat, in welchem er im Namen des Pariser Zentralkomitees die Arbeitsmethoden, Direktiven und organisatorischen Maßnahmen ausführlich behandelte. An der darauf fügenden Debatte beteiligten sich fast alle Delegierten. Die Leitung mit dem Sitze in Brünn, Panska 12-14, besteht aus den Herren Leo Pollak (Bors.), Neumann, Krgan (Beisitzer), Hans Löw (Schriftführer). Es wurde beschlossen, die Union, der ZionisteiEevisionisteir in der Tschechoslowakei beim Zionistischen Landesverband der Tschechcsselvakei aNAiMi-elden. Ein neues Ktondtzk in Mland. Der Goldrausch im Mdan-GMet. Das neu entdeckte mMche Klondyke — das Man- , Gebiet —, das weit, sehr wett hinter den sumpfigen sibirischen Urwäldern verborgen liegt, wartet noch auf feinen Bvet Harte oder Jack London. Mer aus anderen Goldfeldern Sibiriens besitzen wir packende Schilderungen des Lebens der Goldsucher. So entwirft ein russischer Schrift-. steller folgendes Bild von dem Leben in Bi tim, der ersten großen Siedlung, die an die Lena-Goldfelder grenzt. Der Goldsucher kommt am 10. Oktober, nachdem er . seinen Lohn für das ganze harte Arbeitsjahr erhalten hat, . nach Bitim.. Dort, im Gebiet der Goldgruben, darf er , während der ganzen Arbeitszeit kein Geld zu sehen bekommen, um jede Versuchung von ihm sornzuhalteri. Alles, was er braucht, wirihm in dem Arbeitsbuch vermerkt. Erst am 10. Oktober ist er sein eigener Herr; und das wird er ansnützen. Nicht umsonst wartet das gange Dorf das Jahr hindurch auf diese paar Tage, für die das . von dem Goldsucher mitgebvachte Geld auLveicht. Das erste, tvas er tut, ist, daß er seine ganze, von Schmutz starrende Kleidung wegwirst, die ihm vevMt ist. Bereits eine Stunde nach seiner.Rückkehr ist der Goldsucher wie umgelwandelt. Stolz steckt er die mit Samchosen bekleideten Beine in die hohen lackierten Zugstiefel. Auch das Wams ist aus weichem, aristokvatffchom Samt.. Was das Hemd anbelangt, so wich er noch aristokratischer feiner zieht mehrere Seiden Hemden in verschiedenen Farben auf einmal an, das eine kürzer als das andere, damit alle Fachen gut sichtbar sind. Auf dem Kopf tragt er nichts Geringeres als eine Mbernrütze, und auf der Weste zwei — nicht eine — Uhren. Und um einem ,^)arin" (die vornehmen Herren in Rußland) noch ähnlicher zu sein, wird von ihm ein ,/Lscheldon" (ein sibirischer Bauer) für den Dag gedungen, dem er Ohrfeigen — zu fünf Rubel pro Stück — zu beliebiger Zeit austeM. Cftet es werden drei Weiber gemietet, die er vor einen Wagen spannt, um mit dieser ,/Troika" im Dovse zu paradieren. Oder er kaust ganze Rollen von Kattun, bedeckt damit den Straßenschmutz und stolziert auf diesem Teppich, er Mit einer Flasche Modka" voran, hinter ihm ein Pferd am Zügel geführt, und spielende MuMmten im Gefolge. Rach zwei bis drei Tagen solchen AustoLenS ist das mitgebrachte Geld (2000 bis 3000 Rubel) verpraßt, das kostbare Gewand, die beiden Uhren, die maWvm großen Goldringe beim Schankwirt, und der ,Mntagsbarin" verschreibt sich wieder für ein volles Jahr bei dem GÄdgmbenbesitzer; wenn feilte Leiche nicht inzwischen in den Gebüschendes Äenaufers gefunden wurde, dem nach dem 10, Oktober fand man dort regelmäßig 30 bis 28 tote Goldsucher. Das uen entdeckte AldamDovado befindet sich auch im Lenabaffin (der Fluß Bttim mündet auf der; linken Seite in die Lena, Man auf der rechten), P aber noch viel schwerer zu erreichen. Schon vor 12 bis 13 Jahren tauchten die Märchen über die ADan-Goldftüder auf, wo das Gol d sozusagen auf dem Boden Regt «nd sich, a n die Schuhsohlen archoftet, .mid wo man leicht zwei bis drei Pud (32 bis 46 Kilogramm) Gold gewinnen kann. Aber auch von den künsten Goldjinchern konnten nur wenige diese Goldfelder erreichen. Bon >dem Oberlauf der Lem MÄ eine Wasserstraße von 6000 Kilometer Länge W z« Man, während der Sommerzeit Man mit JakntSk, dem sHsn städtischen Zentrum, verbindend. Dk Rech dauert lkmgerals einen Monat. Bon da ab beamu-t erst ein mAMger Transport per Achse, der über einen Mechten, hundert Kilometer langen Landweg führt. Noch schwieriger cks de« Wachrwqa, der während der langen sibirischen Wnterzett Wdenutzhar, P der Landweg, der von der Matiou GvffchoEeSver an der Amur- Gchnibahn über die vBde Taiga sMvffcher unermeßlicher Urwald) führt. Die Woge sind schlecht, daß der Wvym mr 18 bis 20 Pud Fracht mit sich führen kmn, da außerdem IS bis 80 Pud Futter Ar die Pferde mttgsmiwmm werden Mffen. , ' Die PrüfungsikommWisn, die von der Regierung nach Mdan entsandt wurde, konnte vorläufig seststellen, daß das reichste Goldgebiet sich im Umkreise des Muffes Towot («in Nebenfluß der Lena) befindet und eine Fläche von ungefähr 15.000 QuadvaMsmeter einnimmt. BoMufig werden zehn Goldadern beavbettet, und die Ergebnis sind: 200 bis 600 Gramm Gold in einem Kob (1000 Pud, d. i. 160 Donmn) Sand. Nach dieser Berechnung enthalten diese zehn Goldadern allein schätzungsweise 26.000 Pud Gckd. Zieht man nun aber das game immense Gebiet von Man-Tommtt-Äem in Betracht, sv müffen die Albaner Goldfelder zu den reichste« Goldquellen der Welt gezählt werden, deren Ausbeute hmcheMmsonde Pud Gold liefern können. * Die Naöwsucht der Bettezuelanex. Die Mgierung von BenMrla hat,. wenWenS für eine Miffe Zest, et». Verbot auf die Einfuhr.von Radioanlagen erlaffen. Dne Maßnahme wird dckmit begründet, daß in Venezuela im Bereich zu der BevölkerungsMer eine außerordentlich hche Zahl solcher Anlagen vochauden sei und daß die Radiopvogramme. am Nachmittag die Wirkung hättem die arbeitende Bevölkerung von ihrer Arbeit abzuhalten., Zuerst wurden diese NachmtttagSveranstal'- tungen verboten. Diese Maßnahme hatte aber mw geringen Erfolg, da die Nadiouebhaber genug Gelegenheit hatten, ihren „Bedarf" von den im Hafen liegenden Schiffen m decken, denn diesen konnte man die Radioveranstaltungen nicht verbieten. Infolgedessen griff die Regierung zu dem Nadikalmitiel des Einfuhrverbotes, um der „Radiosucht" der Einwohner auf diese Art einen Riegel vorzu'schieben.

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