Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2407 (4.11.1925)
- Date
- 1925-11-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9407 Wi-str, Mittwoch Movaerrzeituirri 4. November 1925 Set StMAchW der Bundes Gerte 9 ist in allen Apotheken und Drore-ien erhältlich. Proben und Brolchü'en kostenlos durch Bauer L Cie., Berlin SW 48, Friedrichstraße 231. Da« a «bewährte KxLstigungsmittr l für Körper und Nerven Es wie- Wetter verhandelt. Ter Fünfnndzwanzigerausfchuß der BeamteNl organisatiotten hatte gestern vormittags einstimmig den Beschluß gefaßt, die Verhandlungen mit der Negierung als g e s ch e i t e r t zu erachten und für morgen vormittags den Streik der StaatsangesteÄen für das ganze Bundesgebiet zu proklamieren, mit der Begrün düng, daß die Regierung keine neuen Unterlagen für weitere Verhandlungen geboten habe. t Dieser Beschluß des Fünsundzwanzigerausschusses wurde der Regierung in den ersten Nachmittagsstunden schriftlich übermittelt. Hierauf setzte sich Bundeskanzler Dr. Name! mit dem Obmann des Fünsundzwanzigeraus schusjes Direktor Hold ins Einvernehmen und das Er» geLnis dieser Aussprache war, daß der Bundeskanzler den d°m°krattschm bmg»kch«n P»r- Fünsundzw-nzig-rMslchutz fiir abends 8 Uhr Zltl °"k B°s's >»d,schn-t,°n°l°r g,'w Bundeskanzleramt zu MInderheilS-echte -ulg-ban.-n Programme der „Jud.- neuerlichen Berhandlnngm einlud. tsiligt und ihren Anhängern vollständige Hcmdlungsr. ™'n 'töiitifterrQt ftott, um^um freiheit beläßt. Strelkbeschluß der Beamtenvertreter Stellung zu nehmen. - Während des Ministerrates erschien Generalkommissär Dr. Z immer man im Bundeskanzleramt und hatte mit dem Bundeskanzler eine längere Unterredung. Einzelne Organisationen hielten nachmittags Ver trauensmännerverfammlungen ab, in welchen über die notwendigen 9 Vorbereitungen zum Streik beraten wurde. Wie verlautet, werden bei einem eventuellen Streik die Bundesangestellten der Apotheken, L-tt 4 x t *1 l t * -YL - . nrt - * v- ' ' . — Liste der Wirtschastspartei zurückzieht. Die Zentralwahlkommifsion hat bereits im Sinne dieses Telegramms entschieden, so,daß die Zurücknahme der ganzen jetzt gegenstandslos gewordenen orthodoxen Liste für Karpathorußland erwartet wird. Aus Sillein wird mitgeteilt: Das Exekutivkomitee der im Jahre 1923 vor den Gemeindewahlen gegründeten „Jüdischen demokratischen bürgerlichen Partei^. welche sich mit s»«k» ""^"chnationalei / '—iu—«.*.» *««*w**6 der „Indischen Partei" nicht identifiziert, hat beschlossen, daß die Rottel sich an den Wahlen selbständig nicht be- A + ttl X ..-V '-*■- - Sine „Belastmiggzerigin" im Steiger- Prozeß. Phantasien eines Dienstmädchens. (Bon unserem H.-Korrespondenten.) dreitägiger Paust sind noch etwa ^3. November. Nach wurde heute das Zeugenverhör — «ww* yenve oas zeugenverhör — es sind noch etwa tuellen Sirerk die Bundesangchellten d^ A p o t h k e n 60 Zeugen zu vernehmen — fortgesetzt. Es brachte als der zollamtlichen Betriebe, insofern es sich umAb die Sensatwn des -heutigen Tages eine belastende Ausferttgung von leben d e m sage, die sich ihrem Inhalt nach als Phantasie-;®a*en' f^er die Angestellten in Schonbrunn zur gedilde präsentierte. Ein Stubenmädchen, r«s Fütterung der Tiere handelt, dann die Just-tzwache M Haust des SesmdeMierten Dr. Leon Reich bedte für die Bewachung und Verköstigung der S raflmge dienstet gewesen war, sagte heute aus, sie hätte aus Genotwendig ist, die Beamten des Nationalrates und des sprächen, die irn Haust ihres Dienstgebers geführt Bimdesrates sowie die Aerzte. Gendarmen und Sl er- .... .ywv yC|UlFU Wurden, entnommen, Steiger habe ein Geständnis abgelegt; strner sei davon gesprochen worben, daß Steigers Verteidiger Dr. Grek die Absicht habe, sämtliche Belastungszeugen zu bestechen. Gegenüber diesen phantasievollen Darlegungen, die schwer zu übeMeten sind, verblaßten die übrigen Zeugenaussagen des heutigen Tages, die auch nichts «wesentlich Neues brachten. Disziptturwunlerfuchrma gegen Kommissär Kajdan. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 3. November. Der Polizeikommissär o , , - . - -- m »h*»v*iv*4VM4ViV WS Bundesrates sowie die Aerzte, Gendarmen und Sicherheitswache, ausgenommen. Auch die Redakteure der „Amtlichen Nachrichtenstelle" werden im Einvernehmen mit der Organisation der Wiener Presst an dem Streik teilnehmen, sofern nicht in letzter Stunde dieses Amt als lebenswichtiges, vom Streikausschuß freigegeben wird. Der Militärverband, die sozialistische Soldatenorganisation, erließ einen Arrfrpf an die Soldaten, welchem er diese auffordert, wie es bas Gesetz vorschreibt, Gehorsam zu leisten^ obwohl der Beamtenstreik auch für sie geführt werde. Die Soldaten seien als Angehörige eines militärischen Körpers von der Streikverfügung ausgenommen. Sie . - — i.vm.ui||u. uii 'zj ii-cii’UCLjuyuiiy auögen o m m e n» ölt Kajdan, welcher, wie im Zeugenverhör des Steigerdürfen jedoch keinen Streikbruch begehen und Prozesses festgestellt wurde, die Einvernahme des am nckßten von Befehlen zu Streikarbeit sofort Mitteilung Siplflfv Xnrmi- 'f.n/.AV.v. ,®'f ’’. f j -y - |-- VH« 5. September 1924 verhafteten S t e i g e r damit begann, daß er diesem, einen Schlag ins Gesicht versetzte, wurde über Auftrag des Ministeriums des Innern in DiSziplinaruntersuchuug gezogen und bis zu deren Beendigung von seiner Amtstätigkeit suspendiert. Wie aus gut informierter Quelle verlautet, wird Kajdan nach Thorn versetzt werden. an die Gewerkschaftsleitung machen. Aehnliche Weisungen sind vom Gagiftenverband an die Offiziere und Unteroffiziere ergangen. Die neuerlichen Verhandlungen mit dem Funfundzwanzigerausschuß zogen sich bis in die späte Nacht hin. Bundeskanzler Dr. R a m e k leitete die Beratung mit einer Rede ein, in der er neuerlich die schwierige staatsfinanzielle Lage hervorhob und beteuerte, daß die Regierung über ihr letztes Angebot nicht hinausgehen k ö ri n e. Sie werde aber etwa in drei Monaten, falls es die Staatsfinanzen gestatten, die Differenz zwischen ihrem jetzigen Anbot und den Forderungen der Bundesange- Die letzte Tätigkeit Kajdans in Zusammenhang mit dem Steiger-Prozeß war eine Reist nach R u d k i, welche er letzten Mittwoch antrat. Dort suchte er den Ukrainer Roman Werchola auf, der Donnerstag im Steiger- Prozeß als Zeuge vernommen wurde und redete ihm, wie mioui uno oen ^oroerungen oer Bunvesange- Werchola selbst vor Gericht angab, zu, so belastend wie stellten auszugleichen trachten. Er stellte weiters die Ernur möglich gegen Steiger auszusagen. Anscheinend süllung einer Reihe ideeller Forderungen, wie wollte Kajdan sich damit retten, der Versuch mißlang zum Beispiel Einsetzung einer Personalvertretung.*m jedoch. Der Zeuge Werchola, welcher am Donnerstag ~ “ aussagte und Freitag zur Fortsetzung seiner Zeugenaussagen vor Gericht erscheinen sollte, ist damals nicht erschienen und seither überhaupt von der Bildfläche v e r- ' chwunden. Die-Polizei fahndet nach ihm. Auch LukomE geht. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 3. November. Der Kommandant der Lemberget Polizei L u k o m s k i, dessen Tätigkeit bei den polizeilichen Erhebungen über das Lemberger Attentat seit langem Gegenstand lebhaftester Kritik bildete, wird, wie er erklärte, demnächst von s e i n e m A m t e zurücktreten. Lukomski wird übrigens demnächst im Steiner- Prozeß als Z e u g e erscheinen. Vizekanzler Dr. Waber suchte die Beamtenvcrlreter zur Zurückziehung des^ Streikbeschlusses zu bewegen, fand aber nur taube Ohren. Die Verhandlungen wurden hieraus um 10 Uhr unterbrochen, um dem Fünfundzwanzigerausschuß Gelegenheit zu einer internen Beratung zu geben. Diese dauert um Mitternacht noch an. Nach Beendigung dieser Besprechung der Beamtenvertreter werden die gemeinsam e n B er a t u n g e n wieder ausgenommen. Peft. ,-Seeolo" zufalge smd in Saloniki und Umgebung fünf neue P e st f ä l! e vorgekommen, fern er s e ch s Pestfalle m Mhtilene und vier in Kavala. Drei pestvevdächtige griechische Soldaten seien in das Krankenhaus v^n Saloniki eingeliefert worden. * „Saloniki". In dem am 10. Oktober in unserem Blatte erschienenen Aufsatz „Saloniki" ist durch ein technisches Versehen Quellen- und Autorangabe weggefallen. Der Aufsatz entstammt einer im „Israelitischen Familienblatt" in Hamburg erschienenen Aufsatzreihe von Dr. Caspar! „Aus jüdischen Gasten". * Ein staalliches Rabbinergericht in Tanger. In Tanger wird, wie I. T 9h oertrlNc;, cm Aal binergerichtshof auf Staats-, kosten errichtet. Es wir dies das erste staatliche jüdische Gericht in den franzonschsprachigen Ländern sein. Das Gerrchtsaebäude rvird i» der Nähe des Parlaments und des Obersten Gerichtshofes errichtet. Austritte aus dem Zudeutum. G r a u m a 1t lt Fritz, geb. 13 März 1892, Brünn, 20. Se^., Gresteneckergaste 18. (Stattmann (§rwin. s,eb. 18. Dezember 1919, Wien, 20. Bez., Gretseneckergqjse 18 S ch n e ck Theresia geb. W e i n i n g e r, - geb. 21 Juni 188tz, Neudorf, 20. Bez., Naffaelgasse 32. Lustig Gertrud, geb. 11. Juli 1911, Dürnkrut, 2V. Bez., Treustraße 27. L u st i g Gisela geb. Q u i t t ner, geb. 21. Oktober 1878, K's-Kerstenany, 20. Bez., Trenstraße 27. Lustig Albert, geb. 17. Dezember 1877, Svonnberg. 20. Bez., Treastraße 27. Fische! Heinrich, 7eb. 24. August 188', Prag, 6 Bez. Linke Wienzeile 54. _ e! t i 8 Ro^a/ geb. 22. November 1905, Corione, 6 Bez., Marilihilferftraße 49. Stet« Hermine oeb. Braun, geb. 4. Dezember 1884, Wien, 1. Bez., Mahlerstraße 5. Bayer Maximilian. ged. 28.Jfrimmf 1879 Czernotv'tz. 3. Bez Hintzerstraße 9. Bayer Elisabety geb. H a i. n b a ch, geb. 20. Jänner 1882, Czernowitz, 3. Bez., Hintzerstraße 9. M i I d w u r f. Rudolf, geb. 5. Oktober .1905, Wien. 16. Bez., Veronikagasse 7 Fink Josef, geb. 18. Juli 1903, Wien. 15. Bez., Schönerer, gaffe 8. S ch w a r z Artur, geb. 1t. Februar 1887, Wie», Bankd rektor, 1. Bez., Renngasse 13. G u a e r Rest g> b. L e mb e r g e r. geb. 3. Novenkber 1886, Wien, 2. Bez., Untere Augartetistraße 31. N l .k o p o ,l i Stegmund Nathan geb. 26. Juni- 1888, Lemberg, 2. Bez., Heinestraße 5. P i ttn e r Johmmagcb. 9. Februar 1920, Wien, 14. Dreihausgasse 4. M a u t tt e r Franz Heinrich, geb. 8. Juni 1902, Student, 9. Bez.. Ltechtensteinstraße 17. Dr. K l ein Henrich, geb. 24. September 1888 Wien, RechtsanwaliMwärtsr, S. Bez., SechSfchimmelgaffe 24. ermöglicht rasch und billig; die Bereitung: von G u g e I h u p f sf Torten, F r li h s t U c k s g e b ä c k und Bäckereien Jeder Art. In allen Geschäften und in der Hauptniederlage Vlli., Josefstädterstrasse 54 erhältlich.. Ser Biiüerstteik. Kalamitäten in der Brotversorgung. — Heute' Schiedsspruch des Einigungsamtes. Der Ausstand der Bäckereiarbeiter begann bereits Montag nachts. Gestern früh ruhte bereits in allen Klein-und Großbetrieben Wiens die Arbeit. Vormittags wurden nur noch die Verschleißer mit dem vom Vortage vorhandenen Brot beliefert, das reißenden Absatz fand. Vor den Brotläden bildeten sich wie im Krieg. Polonaisen von Käufern. Binnen wenigen Stunden waren die geringen Vorräte ausverkauft und bald entwickelte sich auch ein Schleichhandel mit Brot. Für einzelne Laibe wurden bis 12.000 Kronen bezahlt. Obwohl Mehl in beliebiger Menge zu haben ist, begannen auch bald Angstkäufe des Publikums. Die Hausfrauen deckten sich mit Mehlvorräten und Hefe für mehrere Tage ein, andere suchten wieder die Zuckerbäckerläden auf und schafften sich dort ein größeren Vorrat von Kuchen. Golatschen und anderem Backwerk an. Vormittags hielt das Streikkomitee eine Sitzung ab, in 5er beschlossen wurde, die Spitäler aus dem Streik auszunehmen und den Lieferanten der Krankenanstalten unter strenger Kontrolle die Versorgung der Spitäler mit Brot und Gebäck zu gestatten. Um Hungerrevollen der Sträflinge hintanzuhalten, wurde auch der ständigen Lieferantin des Landesgerichtes die Belieferung des Gefangenhauses gestattet. Wie erwähnt, brachte der Bäckerstreik den Zuckerbäckerläden einen Massenandrang. Den ganzen Tag über sprachen' die Zuckerbäckermeister bei der Arbeitsvermittlung Gehilfen an, so daß diese den Anforderungen der Meisterschajt kaum mehr entsprechen konnte. Die Zuckerbäckergehilfen bekunden ihre Solidarität den streikenden Bäckern gegenüber in der Weise, daß sie keine Waren, welche von den Packern erzeugt werden, verfertigen. Also weder Zuckerstriezel, noch Briochegebäck. Sollte sich der Bäckerstreik in die Länge ziehen, so ist der Anschluß der Zuckerbäcker- und der Müllergehilfen an den Streik nicht von der Hand zu Wersen. , Auf eine Anfrage int Stadsenat hat Bürgermeister S e i tz eine Jrrtervention zur Beilegung des Bäckerstreiks abgelehnt. Er erklärte, er halte das derzeit bestehende System der Brotversorgung für falsch. Die jetzigen Schwierigkeiten seien nur zu überwinden, wenn wieder eine amtliche Festsetzung des Brotpreises erfolge. Jedenfalls werde die Regierung alles aufbieten müssen, um dem Streik so rasch als möglich ein Ende zu niachen oder in irgend einer Weise für den bedürftigsten Teil der Bevölkerung vorzusorgen. Die Gemeinde Wien besitzt in der ausgelassenen Heilstätte Spinnerin ani Kreuz eine Bäckerei, die seit Jahren den Bedarf für den größten Teil der in Wien befindlichen städtischen Humanitätsanstalten erzeugt. In dieser Bäckerei wird gearbeitet, ha die Forderungen der Gehilfen erfüllt worden sind. Die Humanitätsanstalten der Gemeinde Wien sind also durch den Bäckerstreik nicht betroffen. Zufuhr vom Lande. Eine geplante Brotzufuhr aus Mistelbach wurde ver hindert. Die Landbäckereien, insbesondere die größeren Betriebe in Kor ne uburg, Tulln, Baden, Mistelbach, Stockeraü, Wiener-Neustadt, St. Pölten arbeiten mit Hochdruck, um Wien mit Brot zu versorgen. Heute mittags wird der Vorsitzende des Obereinigungsamtes, Hofrat Dr. Ham perl, den Schiedsspruch über den Lohnkonstikt im B ä ck e r g e m e r b e fällen. Die Parteietl haben hieraus innerhalb 48 Stunden zu erklären, ob sie diesen Schiedsspruch annehmen. * Das Wetter. Geistern.herrschte klares, etwas Mteres Hcrbstwctter. Für heute wird irübl's, nMig>es Wetter mit