Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2407 (4.11.1925)
- Date
- 1925-11-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JB*M_Wen, Mittwoch_ Sie tierärztliche Hochschule iu Men. Me geplanten GrsParungKmatznahmen. Aus aLademifchsn Kreffon wird uns gelschvicken: Bon gut lHovmiertsr Seite erfährt man, daß im Leben der tierargt« wichen Hochschule in Wien ein bedeutender Emischmtt bevorstcht. Die flowpetenten Stellen bscMicht-gen wsgon des De- Ms den pvaMsuHchen TeÄ sowie eirüge höhere Fächer an dir Witzner Universität an^rgliedmr, während der klinische Teil' an die Hochischüle für BobenAülitur angitschlvssen werden soll. Wr den Hangen Gebäudeikomplex, den die Hochschule jetzt m 3. BegiÄe tim« hat, tafjliert sich seit Jahren ein Koüsorlvmt zwecks Ankaufes. Das bedeutet für viele Existentzen den Abbau. Jedem Kültuvfreunde muß aber daran gelegen sein, daß die seit Maria Theresias Zaiten bestehende Hochschule etchrliten WeM, da sie im wiss-enschafKichen Sinne ein Külturgut ist. Diese Stelliungmchme soll aber nicht hindern, an diesem Institut sowie dessen Zlldnexen sachliche Kritikk zu Men. Die ßierärzliche Hochschule lag sonst außerhalb der Betrachtuugen über die Zustande, die an Wiener Hochschulen herrschen, weil bisher über sie wenig in die OeGenKichkeit drang. Um es kurz zu sagen, für diese Hochschule gibt es keine Judenfvage mehr. Weder ein Mischer Lehrer noch ein Wistent ist an dieser Hochchule beschäftigt, an deren wissenschaflilicher Entwicklung seit Kaiser Josefs ZMen Juden hervorragenden Anteil genommen halten.' Mir erwähnen nur den Chirurgen Wohlstein, der diese Hochschule geradezu snndamentiert hat.) Heute ist die Judensrage sür diese Wsüailt erledigt, aber .nicht fiir die Mischen Staatsbürger Oesterreichs, Ms deren Steuermiltckn diese Hochchule mütechatten wird. Wlie schon erwähnt, sind alle Professoren und Assistenten ,Mier" Jüdische Lehrer werden nicht angestellt aus Angst vor dem Terrorismus der halenkkreuyler'ischen Hörer und der in dem sogewunten Reichsverein der Tierärzte Oesterreichs vereinigten MsÄventten dieser Hochschule. Der Verein, der sich den Titel „Reichsverein" anmaßt, -wird von einem gewissen Baierlein geleitet, einem aus Graz gekommenen Tierartzt, der seit dem Umsturz die Anstalt und ihre Professoren unter das Diktat seiner Rassentheorien gestellt hat. Er hat aus dom früher bestandenen Zentralerem, dem auch hervorragende Mische Tierärzte antzchörten, die Mischen Mittzsieder ansschließm lassen. Nebenbei gesagt, ist es eine bewußte Irreführung der Oeffenölichkeit, diesen Verein .Meichsverein der Tierärzte Oesterreichs" zu nennen, der als solcher mit ahnunigslojsen Mischen Geschästslenten in geschästlliche Verbindung getreten ist. Einigemal bereits standen die Unternehmungen des tüchtigen Grazers vor dom Konkurs. Jüdische Bankiers, BeHchevungsdirckdoren und Hausbesitzer kamen diesem Rsichsverein zu HWe, ohne zu ahnen, daß der Leiter ein geschworener Feind alles Jüdischen ist und seine Mschen Kollegen drangsaliert. ©o hat in Unkenntnis der Sachlage Herr Direktor Schlesinger von der Bersichoonngsigesellschcht Plhvüix einen großzügigen Vertrag mit diesem Mame Abgeschlossen; Herr Bursthn hat diesem Hakenkreuzverein in bereitwilligster Weise Unterkunst gewährt, ohne zu cchnen, wer dieser Tierarzt Baievlein ist. Zahlreiche jüdische Stallibesitzrr, jüdische Spediteure, jüdische Ehemikalien-Engros-HärWr halben mit BaieMn Vorträge abgeschlossen. Dersckbe Tierarzt Baierlem erklärte vor einigen Tagen in der VvlDerfainrnÄung den Tierärzte in einet von antisemitischen Beschimpfunigett wimmelnden Rede unter anderem: ,F)ie große Macht des Judentums Ms der ganzen Well beruht in erster Linie daraus, daß sie ihr Geldwesen richtig organisieren. Wir wollen ein klaglos arbeitendes tierärztliches Geldinstitut halben. Wenn dieser Geist unter den Tierärzten omgedrungen wäre, könnte es unmöglich der Fall sein, daß ihre Gelder bei vollständig votksifremden Instituten liegen." Dieses Rezept der Verbindung zwischen -Politik und Geschäft ist freilich nicht so gelungen, wie sich's Baierlein vorgesteltt hat. Trotzdem über ist seine Macht stark genug, um die Hochschule aus den Arierparaigraphen zu bringen. Hier ist genau so wie an den anderen Hochchulen die Praxis zu einer offenkundigen Verletzung der Staatsgrunltzesetze, aber auch des Friedensvertrages entwickelt worden, mb darauf muß die OeffemMchkeit anifmecham gemacht worden. zur Hebung des Fremdendrrtrtzrs. Eine originelle Reklame. In dem Bestteiben, den Fremdenverkehr zw heben, ist der Staat Auka tan in Mexiko auf ein Propagandamittel verfallen, das jedenfalls den Reiz der Originaliität für sich hat. Die zwischen dem Golf von Mexiko und dem Karibischen Meer gelegene Halbinsel Dukatan ist reich an Naturschönheiten und zahlreichen, für den Glanz der dorspanischen Zeit zeugenden Ruinen. Aber alle diese Sehenswürdigkeiten halben den amerikanischen Donristenverkehr nicht in der gewünschten Ausgiebigkeit heranMichen vermocht. So haben denn die klugen Politiker von DMtcm einem Gesetz zur Annahme vevholfen, das bestimmt ist, die Unbequemlichkeiten und Verzögerungen der Ehescheidungen erheblich zu verringern. Es genützt jetzt ein vierwöchiger Ferienaufenthalt auf der mexikanischen Halbinsel, um jedem Fremden die mexikanische Staatsangehörigkeit und mit ihr das Recht auf sofortige EhescheidMg zu verschaffen. Nach erfolgter Scheidung kann der vom Ehejoch Befreite die ad hoc verlangte Staatsangehörigkeit ebenso rasch wieder los werden, wie er sie erworben hat. Eine kräftig betriebene Reklame sorgt dafür, die Vorteile des neuen Gesetzes, das im Interesse der ehescheidungslustigen Amerikaner gemacht wurde, in den weitesten Wieuev Moraenzeitima__ Kreisen «bekannt zu machen. Tie amerikanischen Reiseagenturen werden von Prospekten nberschtvemmt, die in marktschreierischem Ton verkünden: „Eine tvichtige Mchricht für alle Mexiko.besuchenden Touristen! Im Staate Aukatan kann man nach vierwöchigem Aufenthalt sofort die Ehescheidung erlangen. Es bedarf zu dem Zweck weder kostspieliger Prozesse noch der Mitwirk u n tz e i n e 8 R e ch ts b e ist an des zwecks Vertretung der Klage. Strengste Diskretion und albsolute Sicherung des Geheimnisses werden verbürgt. Während ihres vierwöchigen Aufenthaltes bietet sich den Reisenden überdies Gelegenheit, die berühmten prähistorischen Trünmtevstätten von Maya und Nxmal, die die Au>s!nrerksamkeit der ganzen Welt ans sich gelenkt haben, zu besichtigen." , Wer ist SaDai otta! Seit vier Jahren ist die Schachwelt in zwei Parteien geteilt, von denen jede einen anderen Schachweltmeister auf den Schild erhoben hat. Bekanntlich hat im Jahre 1921 in Havanna auf Kuba das Match um die Schachmeisterschaft der Welt Mischen dem bisherigen Inhaber des Titels Dr. Emanuel Lasker und dem kubanischen Schachmeister Jose Capablanca stattgefunden, das Lasker nach vier verlorenen, einer gewonnenen und zehn Remispartien aufgab. Dr. LaSker erklärte damals, das mörderische Klima der Tropeninsel habe seinen Gesundheitszustand derart geschwächt, daß er sich außerstande fühle, den Kampf fortzusetzen; er sei jedoch bereit, sich an einem attbeveit Orte mit einem für Mitteleuropäer erträglichen Klima wieder zum Kampfe zu stellen. Dieser kam jedoch nicht zustande, und Capablanca blieb im unbestrittenen Besitz des Weltmeistertitels, bis das Schachmeisterturnier von New- N o r k kam, an dem die beiden Großmeister teilnahmen. In diesem Turnier hat Dr. Lasker, der schon ein Jahr vorher bei einem starken Turnier in Mähr.-Ostrau hervorragend abgeschnitten hatte, sämtliche Konkurrenten, darunter auch Capablanca, weit überslügzlt. Da überdies Capablancas Turnierpartien in New-Vork ausgesprochen schwachen Stil zeigten, schwächeren als die mancher Meister, welche in New-Uork nnplaciert geblieben waren, so mchrten sich die Stimmen, tvelche erklärten, das Resultat de8 Weltmeisterschaftsmatchs von Havanna bedürfe einer Korrektur. Vielfach tauchte der Vorschlag auf, es möge neuerlich ein Match zwischen Capablanca und Lasker veranstaltet werden, doch ist es bis heute dazu nicht gekommen. Um so größer ist nun das Interesse, welches dem am 9. d. beginnenden Schachmeisterturnier in Moskau etttgegengebracht wird, wo Capaplanca und Lasker wieder zusammentresfen. Wer ist nun Capablanca? Er gehört zu den Wunderkindern, welche später gehalten haben, was ihre Jugend ver-. sprach. Im Jahre 1988 zu Havanna geboren, erregte er schon als fünfjähriger Knabe durch sein starkes Schachspiel Bewunde-' rung. Als Zwölfjähriger gewann er die Schachmeisterschaft von Kuba und mit sechzehn Jahren erstritt er den ersten Preis im starken Schachksub von Manchester, 23jcchrig, nahm er am Turnier von San Sebastian im Jahre 1911 teil und gewann den e r st e n P r i i 8 vor Großmeistern vom Range Rubinstems, Vidmars, Niemzowitsch' und Spielmanns. Im Turnier von Petersburg, das kurz nach Beginn des Weltkrieges beendet würde, wurde er nach Lasker Zweiter. Erste Preise erstritt Capablanca im Jahre 1918 in New -Hork, ein Jahr spater in Hast ings und 1922 in London. Ein Jahr vorher hatte er, Wie bereits geschildert, Lasker den Weltmeistertitel entrissen. Capablanca ist, wie er selbst erklärt, kein Schachwissenschaftler; er erzählt gern, daß seine Schachbibliothek äus drei Büchern bestehe, die ihm einmal geschenkt würden. Auch von Problemstudien u. dgl. hält er nicht viel. Seine sachliche Intuition, auf die er sich am liebsten verläßt, ist allerdings schr stark. Beweis dafür ist, daß Capablanca einer der hervorragendsten^ imult an- und Blindspieler aller Zeiten ist, darin seine Landsleute Morphy und Pillsbury, die übrigens beide im Wahnsinn endeten, ähneln. Vor nicht langer Zeit erst hat Capablanca einen Weltrekord im Simultanspiel aufgestellt, in dem er in Cleveland 102 Schachpartien gleichzeitig spielte, von denen er 101 gewann und nur eine einzige verlor. Aus seiner Reise nach Moskau hat Capablanca in Berlin und Warschau je 30 Partien simultan gespielt; in Berlin verlor er eine, machte zehn remis und gewann 19, in Warschau schloß das SimultansM mit einem Verlust von vier Partien ab. Wien, l November. * Die Leber Imiltelmürsie. In der Großmarkthalle sind gestern zwar nur 11 Waggons mit 73 Tonnen verschiedener Fleischartbn eiuselaugt, allein die Halle ist mit alten Fleisch- Vorräten derart üoersüllt, so daß vie Anbote die Nachfrage überwogen. Preise bei relativ lebhaftem, Verkehre vorläufig unverändert. Der Naschniürkt' wurde auf den ckeisten Gebieten, namentlich mit Kraiü und Kartoffeln reichlich^ beliefert. Preise stabil. Auf dem Obstmarkte-zeigen die Preise.fstr Aepfel und'Birnen trotz günstiger Zuflthr steigende TendieM.,, Die Verkaussstände für Brot und Gebäck waren auf allen Märkten von Käufern stark umlagert, so daß die Gesamtvorräte bereits in den ersten Frühstunden vergvisfen warin. * Selbstmord eines Studenten wegen Arbeitslosigkeit. Am 2. d. wurde am Donau-k4Muif-er nächst dem Str-onwad Brigittaibrücke die Kleibimg eines Mannes gefunden, der osifen- >bvv in den Kanal getspru-ngen war. In den KlMrn fand man einen Zettel, der -den Namen Dävid Itnibermann tmg. Die Erhebungen ergaben, daß die KleiduüMücke d'em 24jährtgen Studenten David Imbermanm 2. Be-z., RMbrandstraße 86, gchöven, der vsteübar die Tat wegen Arbeitslosigkeit begangen hat. Die Mern hatten einige Tage vor Auffindung der Kleider von ihrem Sohn eine Karte echalten, auf der er ihnen mitteilt, baß et SÄbstmord begehen werde. * Die Lebensmüden. Ir. einen. Hotel auf der Wieden ha: sich gestern nochls cr.t Mann vergütet^ der sich ans dem MeÜSLz-eitel als Ing. chmi. Kart N c in e x fw'inelder harte. In einem an seine Eltern gerichteten Abschiedsbrief giibt er Krank- 4. Nov-mbet 1926 M. 2407 beit und StelleulusiBet äls^Ursache feiner Tat an. — Am 2. d. nachmittags Nmrde der 29jährige abgebaute BaMoamte Rudolf Augnstin von seinem Untermieter am Feusterkreüerhängt tot aufgchnchen. — Gefte-m nachts hat sich der böiührige Private Franz S cha lb e l in Mer Woihnnng in Dornbach erhängt. Das Motiv der Tat dürfte in finanziellen Schkvieriistkeiten gelegen sein. — Der ÄMirige HMsartbeitsr Karl Eryk hat sich tnegen häuslichen Zwilsteö msi Lysol vergiftet. Ihn Wiedner Kraickenhans ist er bailb nach der Uebergabe gestorben. > * Tod in der Narkose. Inr Sophientspitail sollte anr Montag an der aus Mannersdorf Klgereitsten Therche Spiegel eine Magenoperation vor,genommen iverdeu. Während -der Operation ist die Frau gestorben. * Eine lebensgefährliche Ohrfeige. Die Eifenvohnersgattin Marie Münz wnvde anr 2. d. mit einer Gehirnerschütterung und Anzeichen eines Schädelgrundbruches in das Spital der Stadt Men gebracht. Sie halte nnt ihrmr Gatten Ruholff aus nichtiger Urlsache einen Streit, in dessen BerLaulf Müu^ seiner Gattin eine derart wuchtig Ohrfeige verhetzte, daß sie mit dem. Kopf an einen Tüchock # fiel und die gefährliche Verletzung eriliit. * Bon der Badener Elektrischen Überfahren. Aus Baden bei Wien wird uns gemeldet: Am letzten SamStaa nachmittäas wurde die hier wohnhafte Prwate Helene Lippfwütz, als sie am Franz-Josess-Ring die Straße übersetzen wollte, von'eimm Zug der Elektrischen überfahren. Die Frau wurde mit mehreren Knochenbrüchen von der Nettungsgesellschaft in8 Spital überführt. * Berhaftuna eines PaßfAschers. Am 31. v. M. wurde der von: Kraisgericht Wieuer-Srenstiavt tvagen PaWschung verfolgte LWIHrige Kansmann Ferdinand Mayer, 9. Bez., RolenIlÄverrgasse 19, vechajftet. Er leugmte, mit PaßfAischungen etwas zu tun gehabt |u halben, doch lvurden in feiner Wohnung vertschtedelle Clhomikalien und Werkzeuge gefunden, die den Schluß znlassen, daß sich Mayer gewerbsmäßig mit der PaUälfchung befaßt hat. Er wurde heute bont Landcsgericht eingeliefert. * Betrug mit einem Frachtbriefduplikat. Für eine große österreichische Metalkfirma lvar der 33jährige Kaufmann Karl Berner, Rudoffinergasse 1, wohnhaft, in Ibalien a>l8 Eiü^ Täufer knpifechältiger Metalle tätig. Sein Einkommen bestand in den Provisionen, die er für seine jeweiligen Lielferungen bekam und für die Mreditive ausgestellt wurden, tvdlche die Banca Commonziale Italrana in Mailand honorierte, wenn er die Duplitaffvachtbriöse über die abrollenden Sendungen und das kansvlännffche Gutachten über den Prozentsatz von Kupfer der MetalffenduMen vowoies. Er setzte nun in dem Gutachten einen höheren Prozentsatz des Kwpfergehaltes ein und fäffchte ,'n dem Dupllrkatfrachtbrief das Gewicht der Fracht auf eine hiilhe-re Zahl. Dadurch entlockte er der Mailänder Bank einen Betrag van 3100 Dollar. Ans Grmtd der evstatteten AnMge wurde Berner verhaftet und dem Landesgericht en'^geliefert. * Scheckbetrüaer und Unterstützungsschwindler. Nach einer aus A m st e r o a m hierher gelangten Mitteilung wurde dort der angebliche Artist Mareell Freud, am 31 August IM zu Budapest geboren, verhaftet. Er behauptet, den Artistennamen Fredell zu führen. Seine Verhaftung erfolgte wegen Betruges und Urkundenfälschung. Er hat auf Grund einer von ihm gefälschten Bevollmächtigung, die er mit bent Stempelaufdrnck „Hilfsaktion für jüdisch-ungarische Hochschüler in Berlin" versah, Gelder gesammelt. In dieser Bevollmächtigung war er als Kochschüler Lridtvig P o l l a k unterzeichnet. Freud,- der seit Juli 1924 wiederholt als Artist «no akademischer Maler . tu Wiener Hotels gewohnt hat, ist verdächttg, noch verschiedene andere Betrügereien ausgeführt Kn haben. Unter anderem versuchte er durch einen ztemltch plump angelegten Scheckschwinoel der Kreditanstalt 2600 Schilling herauszn'lock en. * Der Gentlemaneinhrecher im Iuwelierladen. Wie aus Prag telegraphiert wird, wilüde gestern in der Mittagsstunde in eirvem der größten der Iuwelievgeischäfte, bei der Fivn^i Eduard Riemer, ein Einbruch verübt. Um 1 Uhr mittags wurde, wie immer, das Geschäft durch Herablassen der RollbaWen über die Mittagszeit geilpewt. Später öffnete ein elegant gekleideter Mann, der eine Handtasche mit sich führte, den Rolladen ttitlb trat in das Geischätt ein. Ein zufällig voriilberigehender Bekannter des FivmavnhaberS rief diesen telephonisch an, uttlb fragte, ob jemand in seinem Geschäft zu tun habe. Herr Riemer, der dies verneinte, lief sofort zu seinem GelschastÄaden. IiHvifchen hatte der Diebden Laden verlassen und ihn mittels Nachschlüssels geschlossen. Die liüke Seite der Auslage, in der sich die wertvollen Juwele>t, wie Perlenschnüve, Brittantavmlbänder, kostbare Ringe usty. befanden, war äu s ger a n bt. Ebenso waten zahlreiche Perlen, die im GeschästÄokal MM AMAdrln vorbereitel waren, sichohlen. Der Schaden beträgt über eine Million tsDchiische Kronen. > ' -. Doppelselbstmorauf der Thebener Ruine/ Der 25jjä'hrig>e Beamte aus NeuhäüsÄ, Rudolf Kassiilk, und die Ittjährijge Privatbeamtiit HÄ-ene Predmeski bestiegen die Tcibener Ruine, wo der Mann gegen das Mädchen einen Schuß Menerte, lvorauf es vc^a den Felsen herabstürzte und mit zerschmetterten Glieidem f o i liegen blieben. Kassil feuerte yieraulf gegen sich einen Schuß ab, stürzte ab and blick gleichfalls tot liegen. Bei <en Selbstmördern fand man fünf Ab- Wedsibriefe, darunter eilten au die Feuechalle und einen Zettel mit den Worten: „Wir stehen am Fcheurand, in Mnlf Minuten sind wir tot." Die Ursache des SMsimordes dürste in emer Liebesaffäre zu juchen lem. * Der Trick der Ränberin. In Cstikago warf sich ein hübsches junges Mädchen auf den Banditenberuf. Sie Übersiel junge, reich ausfehende Männer auf ibelebten Straßen, sie nahm ihnen ihr Geld und Wertgegenstände weg und verschwand. Aber sie arbeitete mit einer viel sicheren und erfolgreicheren Technik als ihre männlichen Kollegen. Sie hielt keinen Revolver gegen die Trust ihres Opfers, sie erregte kein Aufsehen durch grobe Gewalt. Im Gegenteil, sie ging lächelnd auf das Opfer zu, be- < rührte seine Hand und sliisterte ihm ins Ohr: „Geben Sie Ihr Geld oder ich schreie." Wenn das noch nichtgenügte, so erklärte sie rasch: „Wenn Sie mir nicht sofort alles übe racken, so schreie ich laut aus, daß Sie meine Frauenckre aekrWt haben, und Sie werden geprügelt oder sogar gelyncht." Und das arme Opfer gehorchte zitternd. * Aufgaben für Erfinder. Den Patentämtern werden zwür laufend eine Unmasse von ErfiMmgen vorgelegt, doch Mitten die Erfinder sich nicht immer eine klare Boxstellung, von dem zu machen, was man von ihnen erwartet. So ' hat. jetzt die Berhvalttmg der Londoner Straßeübahn das enAische Patentamt darauf auifmerksam gemacht, ldaß es eine Anzahl von Erfindungen gibt, auf die die Straßenbahn seit langem^ vergebens wartet, und z4var u. a. ein billiges^ nicht splttterndes Glas 'sowie Straßenbahnschienen, die da- Gewicht und die EüchüticruNlgeit des nwdernen StraßeübühnvevkohreS wirklich änshalten. Außerdcin wurde die Erfindung erneS Asphalwrsatzes, der die ständigen Renovievungsavbeiten' nicht z notig hat, als dringend lvämschenswert erklärt.