Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-11-04 · Heft 2407 (4.11.1925) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2407 (4.11.1925)
Date
1925-11-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981493--24557-3012113
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seit« 8 Wien. Mittwoch Wiener Mnr-en-e.i^unn 4 ^VcmT'ov 10-35 Nr. SM zu begrüßen. Wir bauen unser Heimatland so von der Wurzel auf durch eine neue, in: Geiste des Landes und der hebräischen Sprache erzogene Generation.. Aber ebenso wie üuf dem Gebiet der Landwirtschaft haben wir auch auf dem Gebiet derErziehung im vorigen Jahr unsere Pflicht nicht ganz erfüllen können, und dies darf sich in diesem Jahre nicht wiederholen. Wir können von den Zionisten, die in unser Land kommen, Opfer verlangen, und tvir verlangen sie auch. Aber wir haben nicht das Recht, zu verlangen, daß Leute Kinder nach Palästina bringen, ohne sie in Schulen unterbringen zu können. Dies aber droht uns. Wir sollen in unseren Schulen leere Banke haben, die auf die Kinder warten, die mit dem nächsten Einwandererschiff ankonnnen werden. Ter ansässige Iischuw hat seinen airgenressenen Teil an dem Budget zu tragen. Zusammen mit den in Palästina ansässigen Mitgliedern des Aktionskomitees hatte ich eine Zusammenkunft mit den Vertretern aller Teile des Jischuw, um diese Frage zu beraten, und ich bin überzeugt, der Jischuw wird seinen Teil tragen. Aber für die neuen Einwanderer muß allein derKerentzajessod sorgen, und er muß imstande sein, dies durch regelmäßige Ueberweisung jeden Monat zu tun, denn wir dürfen nicht wieder in die Lage kommen, daß unsere. Lehrer hungern, und durch die Sorge um das tägliche Brot für ihre Familien von den Aufgaben ihres Berufes abgelenkt werden. Nicht anders steht es auch mit dem Gesundheitswesen. Eine tvachsende Einwanderung erfordert wachsende Mittel, und der Kongreß hat für unsere zwei großen sanitären Institutionen, die Hadassah. und Kupath C h o l i m 40.000 Pfund bestimmt, was meiner Meinung nach zu wenig ist. Allein das Spital in Tel-Awiw hat 40 Betten weniger, als tatsächlich gebraucht werden, und so erklärt sich auch die verhältnismäßig hohe Sterblichkeit an Dysenterieunter den Kindern. Die Menschen sind hier, wie ich schon gesagt habe, um unseres Ideales willen zu allen notwendigen Opfern bereit. Aber dies ist ein unnötiges Opfer, das durch eine Steigerung der Keren-Hajessod-Eingänge verhütet werden könnte. Es ist Aufgabe der Zionisten und des Welt- | worden sei. judentums, sich stets vor Augen zu halten, was ein jedes einzelne Pfund an tatsächlicher Leistung in Palästina bedeutet. Es ist eine bekannte Tatsache, daß diese neue Einwanderung eine sehr hohe Berhältniszahl der sogenannten begüterten Elemente ausweist. Wir brauchen aber daneben, wenn der Aufbau unseres nationalen Heims im wirtschaftlichen Sinne gesund sein soll, eine regelmäßige Einwanderung von arbeitenden Elementen. In den Chaluz-Organisationen Europas sind genügend Arbeiter und Arbeiterinnen organisiert, die nur darauf warten, nach Palästina kommen zu können; aber wir müssen Geld haben, um sie in das Land zu bringen, und um hier ihre Energie in die richtigen Kanäle zu leiten. Ties ist Aufgabe des Keren Hajessod, und dies' ist auch zugleich eine höchst produktive Kapitalsanlage vom nationalen Standpunkt. Soll das r i ch t i g e B e r-' hältnis zwischen Arbeitern und begüterten Einwanderern hergestellt werden, so muß der' Keren Hajessod dazu die entsprechenden Mittel zur Verfügung stellen. Wir müssen auch unsere Kreditinstitute stärken, und wir müssen es dadurch erfahrenen striellen und Unternehmern ermöglichen, ihre Kenntnisse und Erfahrungen in den Dienst des Aufbaues des Landes zu stellen, und so Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Ich begrüße die Tendenz dieses Kongresses, dies als einen richtigen Weg anzuereknnen, auf dem der Keren Hajessod dem Aufbau des Landes helfen kann Die Einwanderungsziffern für das eben verflossene Jahr zeigen, daß wir heute eine wirkliche Basis für großzügige Arbeit haben. Aber da die Zukunft immerhin ungewiß ist. müssen wir die uns jetzt gegebene Möglichkeit sofort ausnützen. Der Weg dazu liegt in den stets vergrößerten Einnahmen und Ueberweisungen des Keren Hajessod. Dies muß sich jeder Zionist und jeder Jude, dessen Interesse für Palä stina lebendig ist, stets vor Augen halten. Mit Recht hat das Direktorium des Keren Hajessod, einer Parole des Kongresses folgend, einen Aufruf nach einer Ein nähme von mindestens einer Million Pfund in diesem Jahr erlassen. Wir haben jetzt große Möglichkeiten. Wir müssen sie ausnützen. Der neue High Commissi-rier, Lord Plumer, hat denjenigen, die nach seiner Politik gefragt haben, erklärt, daß er keine persönliche Politik habe, sondern nur die bekannte und oft fest gelegte Politik der Mandatarmacht. Als Lord Plumer dieser Tage die Sukkah des Bucharischen Rabbiners besuchte und seine Gastgeber der Hoffnung Aus druck gaben, daß seine Amtszeit Zeuge eines großen Fort schritts in der Verwirklichung des nationalen Heims sein >vird, hat er geantwortet, er vertraue darauf, daß diese Hoffnungen sich verwirklichen werden. Es hängt aber vollständig nur von den Juden ab, daß diesen Hosfnun gen keine Enttäuschung folge. Wik dürfen nicht versagen. Der Keren Hajessod muß in diesem Jahr ebenso wie im vorigen imstande sein, das zionistische Budget in Palä 0,na regelmäßig zu decken, und zwar durch Ueberweisun -«n. die beträchtlich größer sind, als sie im vorigen Jahr rvaren." Alübiichek fieinontUBiion&iuen m Mftm Nationalistische Propaganda gegen die Balfour-Deklaration. London, 2. November. (Reuter.) Wie die Blätter aus Jerusalem melden, ist in Palästina ein allgemeiner Streik als Protest gegen die auf der Erklärung Balfyurs beruhende britische Politik und zugunsten ' der Unabhängigkeit der Araber Syriens und Palästinas ansgebrochen. , * Der Jahrestag der Balfour-Teklaraliou, die am 2. November 1917 erlassen wurde, bietet in tont letzten Jahren den arabischen N a t i o n a l i st c n immer wieder Anlaß zu, p o l i t i.s ch e n Mau i s esta t tone n. In der letzten Zeit wird getvöhnlich eine Generalstreik p r o k l a m a t i o n für solche Zwecke gewählt, wie dies schon beim Besuch Balfours anläßlich der Eröffnung bft hebräischen Universität in Jerusalem im April d. I. der Fall lvar. Damals hatte die Streikparole -es Palästinensisch-arabischen Komitees gar keine Wirkung,, und wenn auch inzwischen die Ereignisse in S y r i e n viel nationalistischen Agitationsstofs für die panarabischen Bestrebungen gegeben haben, so ist doch heute in Palästina der Einfluß der arabischen Nationalisten so gering, da die Masse der arabischen Bevölkerung sich immer ntehr von ihnen zurückzieht, daß auch die Streikparole für den 2. November wenig Wirkung haben dürste. Deklarationsfeier in Bukarest. Bukarest, 3. November. (Orient-Radio.) Der achte Jahrestag der Balfour-Teklaration wurde heute mit großer Feierlichkeit in derHauptsynagoge von Bukarest begangen. An der Feier nahmen ein Vertreter des Ministers des A e u ß e r n, der englische Gesandte, zahlreiche Politische Persönlichkeiten und eine große Menschenmenge teil. Es wurden Ansprachen gehalten, in denen die Genugtuung der jüdischen Bevölkerung darüber zum Ausdruck kam, daß man das Wesen der jüdischen Frage erkannt habe sowie die Befriedigung über die Hilfe, die dem Werke des Wiederaufbaues Palästinas durch die Erklärung des Außenministers Du ca gesichert tcvcu Teilnahme an der. R e.g lern it g ausgeschlossen habe. Tie Vertreter gaben ferner der Anfjoss'ung Ausdruck, daß die E t mb e r ufu ng des Rc i chs tages tiiu Laufe dieses MM 1s erst möglich sei, wenn eitt evschölp^ttder Ta li instand bezüglich Locarnos und der Rückwirkungen den gesetzgebenden Körperschaften wterdre-lbet werden könne. Die. Parteibe sprecht mgen der Toutschnationaleu und der Demokraten haben bereits geistern begonnen, heute nehmen Zentrum und Koimmi nisten, Freitag oder Samstag die SoMdeinokrateit ihre FraltionÄberaüttigen auf. I n d u- AnNzloniftische Propaganda in Weißrußland. Moskau, 28. Oktober. (I. T. A.) Ter Zentralrat der kommunistischen Partei der Republik Weißrußland hat in einer Sitzung, die der Erörterung der Frage der nationalen Minderheiten gewidmet war, den Beschluß gefaßt, eine ausgedehnieKampagnegegenden Zionismus einzuleiten. Der Zionismus, heißt es in der betreffenden Resolution weiter, findet »einen Nährboden in dem großen E l e n d, in welchem die j ü d i s ch e B e v ö l k e r u n g lebt. In Anbetracht der a n t i r e v o l u t i o n ä r e u A u s w i r k u n g des Zionismus in Rußland und im Ausland sei neben der praktischen Arbeit der Verbesserung der Wirtschaftsbedingungen der jüdischen Bevölkerung auch eine direkte propagandistische Kampagne gegen den Zionismus zü führen. Die kommunistische Partei und die jungkommunistische Organisation werden beauftragt, die zionistische Bewegung zu st u d i e r e n und a n t i z i o n i st r s ch e Litera t u r überall zu verbreiten. Ser Numerus klaut«, in Ungarn. Die. „innere Angelegenheit". t Tas Ungarische Telegraphenkorrespondenzbureau weiß zu melden, daß die von Lucien W o l f im Namen des Joint Foreign Committee of the I e w i s h Board o s D e p u t i e s und der Anglo-Jewish Association an den Völkerbund gerichtete Petition gegen das ungarische Gesetz über den Numerus clausus von der Tagesordnung der Dezembertag nngdesVölkerbundrates abgesetzt worden sei. Hierzu schreibt „Pester Lloyd", die ungarische Judenheit habe wiederholt erklärt, daß sie diese Frage einzig und allein mit der Regierung und der Gesetzgebung ihres ungarischen Vaterlandes auszutragen wünsche und deswegen die Intervention Lucien Wolfs als unbegründeten Eingriff in dieinneren Angelegenheiten des ungarischen Staates zurückweise. Sie Krise der Rumpsregirruug Luther. Um die Einberufung des Reichstages. . Berlin, 3. November. (Tel,-Komp.) Obwohl der Reichtag erst gegen .den 20. November zusammen» tritt, ist bereits eine lebhafte Parlamentarische Tätigkeit in Gang gekommen. Unter dem Vorsitze des Reichskanzlers Dr. Luther und unter Teilnahme der Reichs- Minister Brau n s, S t i n g l und Dr. S t r e s e m a n n fand mit den Vertretern tocr in der Regierung verbliebenen Parteien (d-vm Zentrum, der deutschen Volks- Partei und der «bayrischen Volkspavtei), tiine Aussprache statt. Es wurde, wie ein offiziöses Co-mmuuique mittM, festgestellt, daß die Schaffung der Grundlagen für die endgültige Entscheidung über das Abkommen von Locarno die beherrschende Frage der Gesamtpolitik.ist, hinter >der alle arideren Fragen jetzt zurückzutreten haben. Die Vertreter billigten die infolge des Austrittes der deutschnationalen Minister getroffenen Maß n a hm c n zur Weiterführung der Regieruwg. Es herrschte allgemeine Uebere instim Ml ng dg rüber, daß die d e u t s chn a t i o n al e Partei, deren voreiliges Verhalten nachdrücklichft mißbilligt, wurde, sich von . der wer-. Die Wahlen in der TschechoslajvW Einigung unter den jüdischen Parteien. Man wird es mit großer Befriedigung zur Kenntni» nehmen, daß die Judcnschaft der tschechoslowakischen Republik knapp vor dem Wahltermin'alle Schwierigkeiten", die sich einem einheitlichen, geschlossenen Vorgehen r»tgegenstellten, aus dem Weg geräumt hat und nach Ucberwindung der in gewissen Kreisen stets im Hintergrund lauernden separatistischen Bestrebungen nunmehr an die eigentliche Wühlarbeit schreiten kann. Die Einig u u g zwischen den einzelnen jüdischen Fraktionen aus eilte g cm e i n s a m e W <t h l liste mit einer einheitlichen Plattform macht es nunmehr möglich, die ganze Anstrettgung darauf zu konzentrieren, das; die Versuche der nichtjüdischen Parteien, durch Stimntenfang unter den jüdischen Wählern den jüdischen Wahllisten Stimtnett zu entziehen, erfolglos bleiben. Es war keine leichte Arbeit, die da geleistet wurde, bis es gelang, die jüdische Minderheit in der Tschechoslowakei vor den schweren Folgen einer S1 \ m m c Üzersplitterung zu bewahre n, die schon bei den letzten Parlamcntswahlen die Niederlage der jüdischen Partei herbeigeführt hat und dentnach auch die Schuld daran trägt, daß die Juden der Republik in der letzte» Session in beiden Häusern des Parlaments ohtte Vertretung geblieben sind. Die Tatsache, daß diese Einigmtg ztvischen der „Jüdischen Partei" der Jüdischnaiionalen, der „jüdischen demokratischen Partei" der Assimilcmien und der „Wirtschaftspartei" der Agudisten schließlich doch zustande kam, ist ein Beweis dafür, daß bei sänttlicheu jüdischen Parteien bie. Ueberzeugung durchgedrungcnist, daß eine bewußt jüdische Vertretung im Parlament ein politisches Lebeusintcre.sse des Juden in der Tschechoflolvakei geworden ist und daß dieses Ziel nur durch den Z u s a m m c risch l u ß aller jüdischen G r u p p e n. zu gemeinsamer Wühlarbeit erreicht werden könne. Die vereinigten jüdischen Parteien beschlossen, nunmehr das Hauptgewicht der Wahlarbeit darauf zu legen, daß die jüdischen Wähler am Wahltag auch tatsächlich zur Wahl gehen, da auch die einheitliche jüdische Wahlliste nur' dann wird' durchdringen können, wenn'die jüdischen Wähler nicht Wahlenthaltung üben und valle ihre Stimmen auf biß jüdische Liste vereinigen. In diesem Falle kann ein Steg der jüdische n Partei als sicher angenommen werden. ■ , Durch die nunmehr perfekt gewordene Einigttug der jüdischen Parteien' tritt die Judenschaft der Tschcchoslotvakei zum ersten Atale als e i n h e i t l i ch e M i n d e rh e i t politisch in die Erscheinung. Diese Ralliierung ist Von außerordentlicher politischer Bedeutung sowohl nach innen wie nach außen, hin. Die Tschechoslowakei schließt eine ganze Reihe von Nationalitäten in sich, die sich in der alten Donaumonarchie zur Stärkung der eigenen Position der Juden bedient hatten. In Böhmen waren es die Deutschen, in der Slowakei und in Karpatho^- rnßland die Magyaren, welche dje Juden auf ihr nationales Konto buchten. Selbst nach, der Gründung der tschechoslowakischen Republik operierten Deutsche unb *• Magyaren in ihren Blättern mit den Juden als statistisches Material für ihre nationalen Zwecke. Es war ein Verdienst des Jüdischen National r a t e s für die Tschechoslowakei, die Loslösung der i Juden aus ihrer irreführenden Einschachtelung in verschiedene nationale Wahlkataster angebahnt und mit unerbittlicher Konsequenz sortgeführt zu haben. Er mußte hierbei nicht nur gegen die anderen Nationalitäten kämpfen, die aus die jüdischen Stimmen nicht verzichten mochten, sondern auch große Hindernisse innerhalb des. Judentums überwinden, ehe der Boden für eine Verständigung reif geworden war. Man kann mir wünschen, daß die endlich erzielte Vereinheitlichung der jüdischen Kräfte in Fragen der inneren Politik sich zu einer dauernden Einigkeit vertiefe. Die jüdische Einheitsliste. (Eigendienst der „Wiener Morgcnzeititng".> , Prag, 3. November. Wie aus Uzhorvd gemeldet wird, haben die Verhandlungen zwischen den beiden jüdi-' sehen Wahlparteien der „Jüdischen Partei" und.der von den Orthodoxen gebildeten „Jüdischen 'Wirtschafts- Partei", in den letzten Tagen zu positiven Ergebnissen geführt. Während die „Jüdische Partei" in allen Wahlkreisen für das Abgeordnetenhaus kandidiert, lagen von der „Jüdischen Wirtschaftspctrtei" von Anfang an nur Listen für. die Kreise Tyrnau, Kaschau und Nzhorod. (Karpathorußland) vor, von denen nur der karpathorussische Kreis aussichtsreich war. Gerade' in diesem. Kreis ist nun der Spitzenkandidat der Orthodoxen (Wirtschaftspartei) Markus Ungar z u r ü ck g e t r e t e n und wird von der „Jüdischen Partei"' auf ihrer Liste in 'E p'e r j e s kandidiert. Bei' der ZentralwahlkoMmission ’im Ministerium des Innern ist Sonntags ein Telegramm eingein dem Ungar seine Kandidatur aus der ■i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.