Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2407 (4.11.1925)
- Date
- 1925-11-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPolen: 20 qroszyj Wien: Zum Abholen in dei Expedition» U., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl, 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei; Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din, 60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm, 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachsahtaaftea bei PreiserhAbnngen Vorbehaltes > lener i Engl a n d: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien iMon.tpOLew«. , .Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, ’ Administration Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 ' (Diuckerel lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 3407 Wien. Mittwoch, 4. November 1925 7. Aadrgang Me Schwierigkeiten des neuen Kabinetts Painleve. Sie Sozialisten gegen die Regierung. - 8in knappes Berttauensvotnm bei Stimmenenthaltung der sozialistischen Gruppe. Dlefahriksnene Schreibmaschine kann, sich jeder Kaufmann fl 1QC leisten, denn sie .kostet nur B lvtl AULEHLI, Illien, III." . ‘ 5 Ile zionistische Arbeit und w nt _ i ••ri* . . . j, (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) •4 Paris, 3. November. Das zweite Kabinett Painleve hat, noch ehe es sich der Kammer vorgestellt hat, stark verminderte Lebensfähigkeit. Heute nachts hat nämlich der Nationalrat der sozialistischen Partei mit 1431 gegen 1268 Stimmen beschlossen, der. Regierung das Vertrauen zu verweigern. Ob diese Pertrauensverweigerung van der Parlamentsfraktion durch ein gegnerisches Votum oder durch begründete Stimmenenthaltung kundgegeben werden soll, hat der Nationalrat der parlamentarischen Gruppe je nach den Kammerdebathn zur Entscheidung überlassen. Die sozialistische Kammerfraktion hat nun beschlossen, sich bei der Abstimmung über das Vertrauensvotum, welches die Regierung Painleve sofort nach ihrer Regierungserklärung oinbringen läßt, der Stimme zu enthalten. Dies bedeutet für die erste Abstimmung, der sich das neue 5tabinett unterziehen wird, eine sehr knappe Regierungsntajoritäi, da die Regierungsparteien über ungefähr 210 Stimmen gegen. 200 gegnerische Stimmen verfügen. Die geringe Majorität kann sich natürlich durch Ueberräschungen, wie sie bei Kammevabstimmungen sehr häufig Vorkommen, leicht in eine Minderheit verwandeln; überdies ist es möglich, daß P a i n le p e auL..eMr so geringen' Majorität sofort die Konsequenz des Rück tri tf es ziehen wich. Das Verhalten der Sozialisten deutet.darauf hm, daß sie eine R e g i e r u n g H e r r i o t wünschen. Angesichts dieser gespannten Situation ist die Erregung in der Kammer sehr groß. Vor überfülltem Hause gibt Painleve sofort nach Eröffnung der heutigen Sitzung seine Regierungserklärung ab. Diese besagt unter anderem, da das Finanzproblem eine Lebensfrage bilde, habe der Chef der Regierung den g e f ä h r I i ch st e n Posten übernehmen müssen, denn trotz den bereits erzielten Fortschritten in der Ungleichung der wirklichen Ausgaben an die ständigen Einnahmen könne Frankreich nicht bei der wirtschaftlichen Nichtstabilität verharren. Das Geldopser, das der Schutz der öffentlichen Finanzen erfordere, müsie obligatorisch und allgemein gebilligt sein. Man müsse die Schuld durch ein außerordentliches nationales Opfer herabsetzen, an dem alle Formen des Reiche tu ms beteiligt sein werden. Die auf diese Weise erzielte - Abgabe werde einer autonomen Amortisierungskafse zufließen, die vom Staat unabhängig und Herrin über ihre Einkünfte sein werde. Um ihr Programm kraftvoll zu verwirklichen, beabsichtige die Regierung, die S t a b i l i s i.e r u n g der Währung zu sichern. Die Negierung wich daher die in London und Washington begonnenen Verhandlungen zur Regelung der Schulden entschlossen fort setzen. Die Organisation der Armee wird dem Willen entsprechen, die Verteidigungskraft des Landes für den Fall des Angriffes auf .den höchsten Grad zu bringen mit den in Frichenszeiten streng unerläßlichen militärischen Opfern. In Marokko ist das einzige Verlangen der Regierung ein wirklicher loyaler Friede ohne Tücke für morgen, ein Friede des Znsammenarbeitens bei einer den Verträgen gemäßen Autonomie. Hinsichtlich Syriens hat Frankreich keine andere Sorge, als die Stunde vorzubereiten und zu beschleunigen, wo die Völker Syriens fähig sein werden, s i ch s e l b st z u r e g i e r e n. Was die .internationale Politik betreffe, habe sich Frankreich, das noch blute und keineswegs außer jeder Gefahr sei/ im letzten Jahre in London und in Genf sowie jüngst in Locarno an die Spitze der Nationen gestellt, die nach. Sicherheit suchen. Die alte Atmosphäre des Kontinents fei damit wie gereinigt, die Völker bemerken endlich, daß die Zugänge zu den Wegen des Friedens geöffnet seien. Die Franzosen können stolz sein auf den Staatsmann, der den Pakt von Locarno herbeigeführt und daraus alle Früchte zu ziehen gewußt habe. Die auswärtige Politik Frankreichs sei heute nicht mehr die Politik einer Partei, sondern sie habe die Zustimmung der gewaltigen Mehrheit der Nation erlangt. Nach der Verlesung der Regierungserklärung, die von der Kammer mit großer Aufmerksamkeit, aber auch mit großer Zurückhaltung angchört wurde, begann die Kammer die Debatte über die Interpellationen betreffend die allge- . meine Politik; sie begann mit der Besprechung der kommunistischen Interpellation, die- Deputierter Ca chin begründete. Hieraus sprach Deputierter Berard im Namen der nationalen Vereinigung, worauf Ministerpräsident Painleve das Schlußwort erhielt. Die Kammer schritt so-; dann zur Abstimmung. Das von den Kartell-Parteien eingebrachte Vertrauensvotum wurde mit 221 gegen 181 Stimmen ,, angenommen. , In der sozialistischest Gruppe scheinen starke M e i- - m u ngsderfchiedenheiten zu bestehen, da die gemäßigte Richtung R e n a u d e l - B o n e o u r t mit dem sHialisttschen Parteibeschluß gegen das Kabinett Painleve unzufrieden ist. Nach der Versammlung der sozialistischen Gruppe haben Paul Boncourt, Renaudel, Moutet und Vincent Auriol beschlossen, ihre Stellen als Mitglieder der politischen Kommission dieser Gruppe niederz ulegen. Meder Friedensgerüchte ans Marokko. Paris, 3. November. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung aus Rabat ist dort ein amerikanischer I o u r n a l i st eingetvaffen, der angeblich von Add e l Krim beauftragt wurde/ Friedensverhandlungen einMleiten. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt noch nicht vor. Ler neue Lberkommiffiir in Syrien. Paris, 2. November. (Havas.) Die Regierung hat Paul Doumer das Oberkommissariat in Syrien angeböten. Ne Semeindewahlen in England. Starke Gewinne der Arbeiterpartei. London, 3. November. (Tel.-Komp.) Gestern fanden in London und in 400 englischen Gemeinden die Gemeinderatswahlen statt. Nach den bisher bekannten Ergebnissen hat die Arbeiterpartei in der Provinz 48 und .in London 32 Sitze gewonnen. Der Gewinn resultiert aus Verlusten der Konservativen und Liberalen. Von den 418 in der Grafschaft London bereits gewählten Kandidaten gehören 230 der Arbeiterpart e i an. Frun'es Beisetzung. Moskau, 3. November. (Del.-Ag. der Sowjetunion.) Heute fand die feierliche Bestattung des Bolkskommissärs Frunse aus dem Roten Platz an der Kremlmauer in der Nähe des Len in-Mausoleums statt. Dem Sarge folgten die Mitglieder der Negierung, das diplomatische Korps und Abordnungen der Städte. Der Vorbeimarsch der Moskauer Bevölkerung am Grabe dauerte bis in die späten Abendstunden. Im Augenblick der Beisetzung wurden in Moskau und in allen Städten der Sowjetunion G e sch ü tz s a l v e n abgefeuert und die Fa b r i! e tf gabe n Traue r s i g n a l e. Ein Interview mit Kolonel F. H. Kish (Mitglied der Zionistischen Exekutive). Z, Ierusa le m, 16. Oktober 1925. Ihr Korrespondent hatte, eine Unterredung mit Kolonel Kish, dem Leiter der politischen Arbeit der Exekutive, bei. der er Kolonel Kishs Ansicht über das neue Budget und seine Deckung eingeholt hatte. Kolonel Kish erklärte unter i anderem: „Um unsere Lage zu beurteilen, genügt es, auf die Einwanderungsziffer für das Jahr 5685 hinzuweisen, das soeben zu Ende gegangen ist, und die mir in diesem Augenblick von unserer statistischen Abteilung übevbracht wurde. In diesem einen Jahr sind nach Palästina 33.494 Juden eingewandert. Vergleichen wir dies mit den Jahren vorher, wo wir eine Einwanderung von ungefähr 14.000 Seelen hatten, fo sehen Wir, daß es uns gelungen ist, in diesem einen Jahr d r e i m a l s o viel Menschen in Palästina unterzubringen als in den früheren Jahren. Dies ist aber nicht nur von Bedeutung für den Fortschritt, sondern^ es ist auch ein Beweis für die Steigerung unserer Bedürfnisses Wir sollen uns nicht nur darüber freuen, daß wir jetzt eine Einwanderung.nach.Palästina verzeichnen, die uns noch vor verhältnismäßig kurzer Zeit als'unwahrscheinlich erschienen war, sondern wir müssen auch die logischen Folgerungen aus diesen Tatsachen ziehen, ihnen klar ins Auge sehen und darnach handeln. Wir dürfen vor allem nicht vergessen, daß diese große Einwanderung auch ihre Schattens eit e n hat — Schattenseiten nicht in sich selbst —, sondern Nachteile, hervorgerusen 'durch die Unfähigkeit des Keren Hajessod, solche Mittel aufzubringen, die dem jetzigen Stand der Einwanderung und den großen Fortschritten unserer Arbeit im Lande entsprechen würden. Die neue Einwanderung konnte nur in einer völlig unangemessenen Proportion in der Landwirtschaft unter gebracht werden, und während des ganzen letzten Jahres konnten.aus den Mitteln des Keren Hajessod keine neuen Kolonien gegründet werden. Der Keren Hajessod war wohl imstande, und dies verdient mit besonderer Freude hervorgehoben zu, werden, das ganze landwirtschaftliche Budget von 126.000 Pfund rechtzeitig zu überweisen; aber dieses Geld genügte nur dazu, die bisherigen Kolonien auszubauen und ihren wirtschaftlichen Bestand zu sichern, nicht aber neue zu gründen. Wir können uns aber nicht den Luxus von über 30.000 Einwanderern gestatten» wenn diese alle in die Stadt gehen. Gerade der Aufbau des jüdischen Lebens in Palästina auf der Grundlage; der Landwirtschaft unterscheidet ja die jüdischnationale Erneuerung, die für uns der Zionismus bedeutet, . von irgendwelchen Hilfsaktionen großen Stils. Ich begrüße es daher mit besonderer Freude, daß der Kongreß in diesem Jahre das landwirtschaftliche Budget auf das Doppelte erhöht hat. Aber ein Papierbudget hat keinen Sinn, ja es hat die Tendenz, unsere Arbeit sogar zu erschweren; denn keine Dollar- oder Zlo ty-Ple dg es können uns helfen, sondern nur ägyptische P f u n d, die in Palästina ausgezahlt werden. Wir hoffen, , daß durch eine große Anstrengung aller derer, denen der Aufbau Palästinas am Herzen liegt, es auch in diesem Jahre dem Keren Hajessod möglich sein wird, das erhöhte Budget mäßig und zeitgerecht zu überweisen. Das von der Landwirtschaft gesagte gilt ebenso von allen anderen Teilen des Budgets. Wenn wir die Einwanderungszahlen betrachten, so sehen wir, daß fast ein Viertel der Einwanderer Kinder sind; so gab es int August unter.den Einwanderern 874 Kinder; im Juni zum Beispiel 1051 Kinder. Das ist Pelzmöutel^BerbriiMMselle ä / ss» Pipmüerg, Pmterstr. 9 * 4 4 591591