Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2406 (3.11.1925)
- Date
- 1925-11-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1‘ . |ll. MÖS , Wm, DSeMag___Wiener Morgenzeitimg_ _3. Novencker 1926 Sette 2 Die schwere Arbeit des Waschtages für immer vorbei. die neueÄrt Seife lllluiiiniK kl—— i i i , ——----._ __ Hafter Debatte lhe-schlofsen, der nächsten Plenarversammlung eine Statutenänderung vorzuschlagen, Mo-nach einem jede» Sterte 10 (an Stelle von bisher 6) Stimmen zustohen sollen. Die Diskussion über die Austeilung der Stimmen auS der Tschechoslowakei ergab, daß in diesem Falle höchstwahrscheinlich eine Verständigung zustande kommen wird, wonach 6 Stimmen den tschechischen Ligen, 3 der deutschen, 1 der ungarischen und 1 der jüdi scheu Liga zugewivsen werden. Den im Rate der Vö>llevbundligenun>io,n> erstatteten Tätigkeitsberichten ist zu entnehmen, daß sich die «stete Z usammenarheit bet Union mit dem Generalsekretariat des Völkerbundes und dem internationalen Arbeitsamt in Genf immer stärker auSgestMte. Viele Resolutionen der früheren Tagungen der Union sind auch kt letzten Jahre vielfach vom Bölkerßundrat und der Völkerbund- Versammlung zur Grundlage für ihre eigenen Beratungen genommen worden. Bei den Wahlen des neuen Präsidiums für dos Jahr 1938 wurden außer dem Präsidenten Dollsus (Schweiz) zu Vizepräsidenten Butler (U. S. A.), Pros. Anlard (Frankreich) und Dickins-on (Schweden) gewählt. Sie Wähle« l« der Mechoslovelri.! Die Mischen Kandidaten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 1. November. Die jüdische Parier hat, wie bereits berichtet, in allen Wahlkreisen der Tschechoslowakei eigene Kandidatenlisten aufgestellt. Bisher sind folgende Parteikandidaturen bekannt geworden: Prag A (Ltstenfühver Dr. Ludwig Singer), P r a g B (Emil RosenberO, ,Böhmisch-Leipa (Dr. Joses Carniol), Lüun (Dr. Emil Margulies), Karlsbad (Dr. Felix Seidemann), Pilsen (Dr. Friedrich Eidlitz), BudweiS (Dr. Rudolf Eisenstein), Brünn (Dr. Karl Sonnenseld), Jglau (Doktor Siegmund Werner), Olmütz (Oberlandesgerichtsrat Dr. Meißner), Mährisch-Ostrau (Oberlandesgerichtsrat Dr. S. Dir «stein), Lipto-Sv.-MikulaL (Dr. M. Weiner), Presov (Dr. Ferbstein). Ungarisch-Hradisch (Dr. Felix Winterstein), Ture-Sv.-Martin (Dr. Weiß), Banska- Bystriea (Dr. Friedrich Szillard), Uzhorod iDr. ReiS). Am« Del Minister um Freikarte» streiten — wird der Gisendahntelephonvienft ausgeschaltet Belgrad,' 2.. Novemiber.. (Tel.-Ko>mp.) Zwischen dem Postmmtster Dr^ S u p e r i n a und -dem DevkehrSminister Radojevie ist es zu einem Konflikt gekommen, der zur Ausschaltung des gesamten Eisenbahnteleph onnetzes aus dem Verkehr führte. Der BerkehrSminister hatte die Ausgabe von Eisenbahnfr e i k a r t e -n für das Personal des PostministermmS eingestellt. Ms die Vorstellungen des Postministermms erfolglos blieben/ ließ der Postminister die Telephonlinien der Eisenbahnen ausschalten, apch die Stationen im Eisenlba'hnmimsterimn selbst und in den.EisenbahndrreNonen, so daß seit gestern nachts 1 Uhr i n g a n z I u g o s l a w i e n i m Eisenbahndienst nicht mehr telephoniert sondern nur noch telegraphiert werden kann. d — uüd die Züge entgleisen. Der Schnellzug Sofia—Belgrad ist heute nachts zwischen Zaribrod und Nisch in einen V o r t r a i n h i n e i n g e sah r e n. Bei dem Zusammenstoß wurden drei Passagiere getötet .und mehrere verletzt. Der Schnellzug konnte seine Fahrt fortsetzen und ist mit zweistündiger Verspätung in Belgrad eingewofftn. Nähere Einzelheiten stehen noch 'aus. PkMor gösse darf nicht nach Amerika kommen. Moskau, 29. Oktober. (I. T. A.) Prof. Jvffe von der Leningrader Akademie der Wissenschaft, der unlängst die aufsehenerregende Erfindung des Taschenakkuniulatocs gemacht hat, der elektrische' Energie für einen zehntägigen Autobetrieb 'konserviert, wurde, wie vor kurzem nriigcleili, von dem Rockeseller-Institut und anderen wisjeischaft. lichen Instituten Amerikas eingeladen, nach den Dereinigten Staaten zu kommen und Vorlesungen über s-ine Erfindung zu halten. Ungeachtet dieser Einladungen hat das amerikanische Einwanderungsamt Prof. Joffe das Einreisevisum verweigert. Paule im Steim-Proretz. Die unvermeidlichen Filmanträge an Steiger. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 2. November. Seit Samstag finden keine Verhandlungen im Steiger-Prozeß statt. Der Vorsitzende Oberlandesge-richtsrat Franke verkündete Freitag, daß die nächste Verhandlung erst Dienstag den 3. d., 9 Uhr vormittags, beginnen werde. Die dreitägige Pause erfolgte -wegen der Sams>1ag stattgefundmen Feier für den unbekannten Soldaten, die in ganz Polen a>bgehalten wurde, und des auf den Sonntag folgenden Allerseelentages. In Durchführung des Gerichtsbeschlusses, daß die Dokumente in Sachen lde's Ukrainers Olschanski ängefordert werden sollen, hat der Vorsitzende im Stoiger- Prozeß an das Außenministerium zu Warschau das Ersuchen gerichtet, auf dramatischem Wege von der deutschen Regierung alle auf den Fall Ql'schanM lbezüglichen Akten einzuholen. Wie verlautet, fyat eine amerikanische Filmgesellschaft den Angehörigen Steigers mttgeteilt, sie wäre bereit, Steiger gegen ein hohes Dollarhonorar für einen Film zu engagieren. Der Vorschlag wurde natürlich albgelehnt, der Film dürfte aber unvevme'vdllch ftm. Ae Tempelsttze der Getauften. Bisher wußte man nur, daß getaufte Juden Mch nach ihrem Verrat an ihrer angestammten Religion Gewicht darauf legen, nach ihrem Tode aus dem jüdischen Friedhof begraben zu werden. Daß aber ein getaufter Jude nach seinem Austritt aus dem Judentum auch noch an seinem Anspruch auf seinen Tempelsitz feschAt und zur Geltendmachung dieses Anspruches sogar die.Gerichte anrust, ist etwas,neues und konnte nur in Budapest geschehen. Man weiß es aus der Geschichte der größeren Synagogen der Wett, daß sie auf die Weise erbaut werden konnten, daß die Sitze des zu erbauenden Tempels schon vorher an diejenigen veräußert wurden, die mit einer entsprechenden Summe zum Baufonds deigetragen hatten. Auf solche Weise wurde auch im Jahre 1858 eine der größten Synagogen der Welt, der Tempel in der Drbakgasse in Budapest, erbaut. Ein großer Teil der Nachkommen der Gründer dieser Synagoge gehört nicht mehr dem Judentum an und besonders in der Schreckenszeit des weißen Terrors haben sehr viele gerade dieser sogenannten „besseren Juden" das Judentum fluchtartig verlassen. Schon da-mals — im Jahre 1921 — hat der Vorstand der Budapester Kulltusigemeinde den Beschluß gefaßt, daß die Dempch'itze solcher Bchitzer, die aus dem Judentum austreten, ipso jure an die Kultusgvmemde zurückfallen. Einige dieser getauften Juden remonstrierten gegen diesen Bovstandsbeschluß und strengten gegen die Gemeinde einen Prozeß an, in welchem sie die Anerkennung des Besitzrechtes der g etauft en Juden an ihren alten Tempelsitzen verlangten. In einem dieser Prozesse fand dieser Tage die Vechandlung statt und endete, wie nicht anders zu erwarten war, mit der Abweisung der Klage des Getauften. In der Urteilsbegründung stellt sich das Gericht, auf den Standpunkt, daß es unmöglich in den Intentionen und dem Willen der Dempelgvünder gelegen sein konnte, 'daß ihre Nachkommen, wenn sie ihrer jahrtausendealten Religion den Rücken kehren, mit dem von ihren Vorfahren ererbten Tempelsitzen Geschäfte machen sollen. Letzte Kurse. NeV»Aork,2. November. (Tel.-Komp., Berlin 28.80, London Kabel 4.84*/* London Scheck 4.80®/*, Amsterdam 40.24. Parts. 4.18. Brüstet 4.52V* Rom 3.95V,. Madrid 14.33 Zimch 19.2V Stockholm 26 78. C8lo 20.42 Kopenhagen 25.07 Wien 141/«, Budapest 141/*, Prag 2961/*, Belgrad 177-/.. Athen 1.36 Buenos Aires 41V* Rio de Janeiro 15.—.. Bukarest 47V* New-Bork, 2 November. iTel.-Komv.- WeiM rot Winter 172l/4 Wetzen hart 'hinter 174V* Mais 961/, Hafer 45% Roggen 87 V|. Ehikogo, 2. November. lTet.-Komv.- Wetzen per Dezember 149V*. a> 144V Juli 128. Mais ver Dezember 744/,. Mai 144V» Juli 79^; Hafer ver Dezember 38%, Mai 431/*, Juli —Ragav ver Dezember 80V«, Mai 86.—, Juli —. Der Streik Der Bucker. Gestern abends wurde in allen Versammlungen der Bäckereiarbeiter einstimmig beschlossen, heute f r ü h i n d e n S t r e i k z u t r e t e n. In den Versammlungen. die in allen 21 Bezirken abgehalten wurden, wurde von den Rednern ausgeführt, daß die Bäckereiarbeiterschaft deshalb gezwungen ist, in den Streik.zu treten, weil die Unternehmer nicht gewillt sind, die Forderungen der Arbeiterschaft anzuerkennen und auch nicht bereit sind, sich einem Schiedsspruch des Einigungsamtes zu fügen, so daß ein weiteres Abwarten nichts anders bedeuten würde, als eine Verzögerung des Streikbeginnes. Die Unternehmer wollen nicht daraus verzichten, in dem Kampf die Frage des Preistreibereigeseßes aufzurollen. Die Bäckerarbeiterschaft sei absolut nicht gewillt, sich als Vorspann für die Forderung nach der freien Preisbildung in der Broterzeug u n g mißbrauchen zu lasten. Die Bäckereiarbeiter weisen darauf hin, daß ihre Löhne um 3 bis 7,5 Schilling niedriger sind als die Löhne der Bäckereiarbeiter in der Provinz. Amtlich wird hiezu mitgeteilt: Das Ministerium konnte in ddr Lohnbewegung noch nicht vermiß telnd eingreifen, da die Brotfabriken im Gegensatz zur Bäckergenostenschaft die Vermittlung des Bundesministeriums für soziale Ver^ waltung bis vor kurzem ablehnten. Auch der Zentralverband der Arbeiter der Lebensmittelindustrie bezeichnet noch vor 18 Tagen die Intervention des Mnisteriums für soziale Verwaltung insoferne als v e r f r ü h t, da die Verhandlungen zwischen den beiden Parteien noch nicht stattgesunden hatten. Damals ersuchte der Vertreter.des Gehilfenausschusses Obmann Zipper das Bundes- Mnisterium für soziale Verwaltung, dahin zu wirken, daß die Bäckergenostenschaft und die Brotfabriken sich in meritorische Verhandlungen einlasten. Das ist seither auch geschehen, nur verliefen die Verhandlungen bisnun ergebnislos. Am 29. Oktober vormittags sind die Bäckergenostenschaft und die Brotfabriken zu gemeinsamer Beratung zusammengetreten. Die Vertreter der Brotfabriken und b«r Bäcker erklärten sich damals a u ß e r st a n d e, die Lohnerhöhung von 12 Prozent, wie sie von den Arbeitern gefordert wird, aus eigenen Mitteln zu tragen. Die Genossenschaftslöhne der Bäckergehilfen bewegen sich zwischen 56,40 b i s 58,90 Schilling pro Woche. Die Löhne der Brotfabriken betragen durchschnittlich 64 S ch i l l i n g wöchentlich, wozu noch erhebliche Naturalbezüge kommen. Minister für soziale Verwaltung Doktor Resch veranlaßie das Eingreifen des Einigungsamtes. Die am 2. d. in Angelegenheit des Lohnkonfliktes im Bäckergefverbe abgehaltene Bergleichsverhandlung beim Einigungsamt hat zu keiner Einigung geführt. Der Vorsitzende, Hofrat Dr. H a m p e r l, hat daher die Verhandlung auf Mittwoch den 4. d., halb 12 Uhr vormittags, erstreckt und will einen Schiedsspruch fallen. Beide Parteien haben die Erklärung abgegeben, daß sie binnen zwei Tagen nach Fällung des Schiedsspruches erklären werden, ob sie sich dem Schiedsspruch unterwerfen. Die Vertreter der Arbeitnehmer haben weiters erklärt, daß sie alles aufbieten werden, um den Ausbruch des Streiks bis nach Ablauf dieser Frist zu verhindern. Lar SlreNultimatum der BunLeraugestellten. Gestern abends um 6 Uhr wurden die Verhandlungen der Regierung mit den Vertretern der Beamrenorganisattonen wieder ausgenommen. Die Regierung erklärte, daß sie über ihr letztes Angebot, den Bundesangestellten einen Viertelmonatsgehalt im Dezember als Aushilfe.zu gewähren, nicht hinausgehen könne. Die Vertreter der Beamtenschaft erwiderten, daß sie auf dieser Basis nicht weiterverhandeln könnten, da sie hiezu keine Vollmacht haben. Damit waren die gestrigen Verhandlungen beendet. Heute vormittags findet eine Vollsitzung des Fünfundzwanzigerausschustes der Bundesangestelltenorganisationen statt, in der die Unterhändler über das letzte Angebot der Regierung berichten werden.