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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-03 · Heft 2406 (3.11.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2406 (3.11.1925)
Date
1925-11-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 >»■■■" Wien. Dienstag Wiener Morgenzellunst 7.. Ncvember ■ 1.928 . Nr.2406 Adolf & B."" 0#rrflnd t185* r Wien, I. Tuchlauben 20 Unsere Schlager: Crepe Sahn w. im-wia« >» Ä>.n , _ Modefarben, 90 cm breit.S 13«30 Crgpe de Chine (Remsetde) 100 cm breit, beste Qualität und groß.1 Farbenauswahl.. SlOt*““ Schnürlsamte waschbar, orig, französisch, ln den herrlichsten Modefarben, 70 cm breit.per Meter S 4.90 Zenana 110 cm breit, 8elde mit 8chakwollrücken, herrlichste Farbenauswahl . . . 813« 30 Für die große Mode in Spitzen bieten wir ganz besonderes an Geschmack, Auswahl und Preisen Die Leistungsfähigkeit 1038 unserer Zugehörartikel-Abteilung ist anerkannt Rasse überschritten sei. Dieser Ausspruch Kjelletts wurde von allen jenen Politikern und ihrem journalistischen Gefolge nicht verstanden, die das österreichische Problem vom einseitig nationalen oder gar vom einseitigen Partei st andpunkt anstatt vom internationalen und gesamteuropäischen Standpunkte betrachtet hatten. Diese falsche Auffassung, die bereits im Jahre 1866 begann, hat sich an Europa und ganz besonders an Frankreich bitter gerächt und wird sich noch weiter rächen, wenn man nicht neue Wege zur Losung des österreichischen, des deutschen sowie überhaupt der mitteleuropäischen, osteuropäischen und balkanischen Probleme im Zeichen des Föderalismus betritt. Hätte im Jahre 1866 und später im Jahre 1870 nicht der preußische Zentralismus über die föderalistischen Bestrebungen in Deutschland gesiegt, und wäre nach 1866 an der Stelle des unglückseligen deutsch-magyarischen Dualismus, der nicht nur das Reich, sondern alle seine Völker künstlich voneinander sowie von den balkanischen Konnationalen trennte, eine söderative Reichsverfassung - getreten, so sähe Europa wohl anders-aus, und wir wären dem paneuropäischen Ideal, den Vereinigten Staaten von. Europa näher gerückt. * - Wieder, nach sechzig Jahren, rührt sich der Föderalismus besonders in Bayern, Hannover und Oesterreich; seine Anhänger erklären einen Zusam-. menschlich aller Deutschen, einen douerhasten Frieden zwischen den Deutschen und Franzosen sowie den übrigen Nachbarvölkern nur nach einer Entpreußung Deutschlands, nach einem deutschen Neubau auf föderativer Basis, für möglich. Aber dieser Rus mach föderalistischen Einrichtungen und Völkerautonomie erschallt auch in allen slawischen Ländern, besonders seitdem Sowjetrußland, ein allerdings nur bescheidenes Maß von autonomistischqn Konzesiionen an die nichtrussischen Völkerschaften machte. Schon sprechen verschiedene tschechische Politiker von rechts und links von der Notwendigkeit einer mehr oder minder weitgehenden Autonomie für die Slowakei und Karpathorußland, um jeder magyarischen Jrredenta den Boden zu entziehen. Wenn man weiß, wie viel seit der Etablierung des magyarischen Staates, seit 1867, die oberungarischen Slowaken und Ukrainer (Ruthenen), Karpathorusien genannt, unter der magyarischen Herrschaft geistig und ökonomisch gelitten und wie sehr sie durch den Mangel eigennationaler Schulen in ihrer kulturellen Entwicklung unterbunden wurden, so wird' man es wohl verstehen, daß die Slowaken und Ukrainer wohl den Wunsch nach nationaler Autonomie, keineswegs aber nach einer Rückkehr der magyarisch-oligarchischen Schreckensherrschaft haben. * Wenn man überdies berücksichtigt, daß auch in den verschiedenen balkanischen Staaten, in Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien, der Ruf nach einer Balkanföderation, und besonders von kroatischer, albanischer, ukrainischer Seite (Bukowina) erhoben wird, dann muß man mit der Tatsache rechnen, daß in der nächsten Zeit im größten Teile Europas der Kampf zwischen Zentralismus und Föderalismus akut werden und wahrscheinlich nach längerer Dauer mit dem Siege des Föderalismus enden wird. Mvolnische Fügend. Warschau, 29. Oktober. (I. T. A.) Der Verband Allpolnische Jugend hielt eine Tagung ab, in .mnusch Rabski, der Sohn des unlängst verstorbenen imrisemitischcn Deputierten und Schriftstellers Wladislaw »H a b i 11 und Enkel der getauften Jüdin Löwenthal ÜV<: das LH rna „Inden und polnische Kultur" referierte. Nebre Antr.g des Referenten wurde beschlossen, die Einführung des Numerus c l a u f n s für Juden ans allen Gebieten des Kulturlebens^Polens zu fordern. Anniihetnyg Auslands an de» Wleibnnd? Em Artikel der „Pralvda". Berlin, 2. November. (Tel.-Komp.) Im Zentralorgan der russischen Kommunistenpartei, der „Pvawha", wird an leitender Stelle auseinandergesetzt, es sei keinesivegs richtig, ba$ die Verträge von Locarno Solvjetrußlond isoliert hätten. Im Rahmen dieser Verträge sei Raum für eine Verständigung über ökonomische und politische Interessen zwischen der Sowjetunion und jedem beliebigen der Staaten, die an den Verträgen von Locarno jeilnehmen. Wer aufrichtig den Eintritt Rußlands in den Völle ribund befürworte, müsse die russische Regierung vor allem in der internationalen Politik in eine solche Lage versetzen, daß inan es nicht mehr als einen Staat mit beschränkte n R echten betrachte. Wenn das geschehe, dann lverde auch der Völkerbund nicht notlvendig sein, um zwischen Mßland und den anderen Staaten jene ‘ minimalen normalen Beziehungen zu schassen, die eine neue Etappe in der Entwicklung der Weltwirtschaft und der Sicherung des internationalen Friedens möglich machen würden. Aus dieser allerdings verklausulierten Fassung schließt der ,/Vorwärts", daß eine Schwenkung der russischen Außenpolitik nir Sinne einer Annäherung an den Völkerbund vorbereitet werde. In Verbindung mit dieser Neuorientierung seiauch die plötzliche Versetzung Rakowski'S als Botschafter nach Paris zn werten. fff Valkanpoll. Chamberlams Vorschlag. London, 2. November. (Tel.-Komp.) Meldungen aus Athen zufolge, hat sich die griechische Regierung grundsätzlich mit dem Vorschläge Chamberlains auf Schaffung eines Balka»Paktes einverstanden erklärt, durch den die Sicherheit der Balkanstaaten gewährleistet werden und alle S t r e i t i g k e i t e n auf schiedsgerichtlichem Wege geregelt werden sollen. Die griechische Regierung soll bereit sein, einen: solchen Pakt vorbehaltlos zuzustmunen. Kare Rede sei: .8a - nein". Berlin, 2. November. Wie das „Tageblatt" erfahren haben will, habe der deutschnationale Innenminister Schiele in der entscheidenden Kabinettssitzung vom 22. OCtoBer, die unmittelbar vor dem Zusammentritt des auswärtigen Ausschusses. stattgesunden; hat, auf die Frage, ob er das Werk von Locarno billige, etwa mit folgenden Worten geantwortet: „Wenn ich geftagt werde, ob ich düs W e r k v o n L o e a r n v b i l l i g e, so antworte ich mit einem lauten, freudigen Ja!" Das Programm des zweiten Kabinetts Paialede. —— Zionistische Sektion VI—VIII ——- VIII., Bennoplatz la Heute, präzise 8 Uhr abends II. Zyklus: Palästina, 1. Abend Frau Dr. Hannah Ha-Reubeni (Jerusalem): „Die Pflanzenwelt Palästinas In Bildern“ (Udntb1 ldervorirajj) genommen haben. Er wird den Namen König Pahlawi führen. Es sei jedoch ivahpschemlich, daß vorläufig in Persien nur eine Regentschaft errichtet werden wird. . - .. Sie palSstinenftsche Staatsbürgerschaft. Verzögerung der Patzausgabe« Jerusalem, 20. Oktober. (I. T. A.) Gemäß der palästinensischen Verordnung betreffend die Stäatsbürgerjchast, die am 1. August d. I. herauSkam, sollte mit der Herausgabe der Staatsbürgerschaftspapiere sofort begonnen werden. Diese Herausgabe hat sich jedoch v e rzö g e r t, was zu verschiedenen Auffassungen Anlaß .gab. Wie die Pal. Tel.-Ag. erfährt, liegt der Grund der Verzögerung darin, daß die Herausgabe der Pässe eine im Bullet nicht vorgesehene Ausgabe verursachen würde. Sobald im Nachtragsbudget ein entsprechender Posten eingesetzt sein wird, wird mit der Herausgabe der Pässe begonnen werden. Auslieferungsfragen. Dieser Tage fand, wie „Doar Hajom" berichtet, vor dem palästinensischen Obergericht eine Verhandlung gegen drei Juden statt, die in Deutschland bankrottiert hatten und nach Palästina geflüchtet waren. Das Kreisgericht in Jaffa hatte, gemäß dem Vertrage zwischen Deutschland und England über die Verfolgung von Verbrechern, dem Verlangen Deutschland nach Auslieferung Folge gegeben. Bei der Berufungsverhandlung vor dem Obergericht behauptete der Rechtsvertreter der Angeklagten, daß der Vertrag zwischen Deutschland und England-Palästina nicht einbeziehe, da dieses keine englffche Kolonie sei, sondern nur im Aufträge des Völkerbundes unter e nglischemMandat stehe. Das Obevgericht hat das Urteil des Jaffaer Kreisgerichtes aufgehoben. Die Ang"- klagten wurden jedoch weiter in Haft behalten. Ae kiseubahnverblndung Haifa-Beirut. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) . Jerusalem, 1. November. Wie „Doar Hajom"; „bcrichtet, soll die - Frage - der Eisenbahnverbindung ^zwischen 'Haifa und Peirnt bereits entschieden worden sein. Kolonel Holmes, der Leiter des palästinensischen Eisenbahnwesens, soll bei seiner letzten Reise nach Syrien mit dem französischen Oberkommissär General Sarrail über den Ausbau der Bahn vo n Haisa über Sidon und Beirut nach Tripolis zu einem Einvernehmen gelangt sein. Parks, 2. November. (Havas.) Der Mimsterrat hat heute den Wortlaut der Reg-ierüng'serklürung festgesetzt. Nach dem „Temps" lverde darin der Wille der Regierung ausgesprochen, sobald als möglich, namentlich mit den Bereinigten Staaten die Verhandlungen wegen der Kriegsschulden wieder auszunehmen. Im finanziellen Teil der Erklärung lverde eine Steuer vorgeschlagen, die alle Formen des Re -ichtumes treffen soll. Lle MaroNofront. Ajdir von den Spaniern wieder geräumt. Paris, 2. November. Aus Tanger wird gemeldet: Während am . französischen Frontabschnitt die Ruhe anhält, herrscht an der spanische «Front und an der Front im Rifgebiet seit gestern Artillerie- und Gewehrfeuer, besonders im Sektor von Alhucemas. Die Stadt Ajdir ist von den Spaniern wieder geräumt worden und liegt zwischen den feindlichen Linien. Die Verluste der Spanier bei den Kämpfen um Ajdir belaufen sich auf 4500 Tote, Verwundete und Vermißte. Die Beschießung von Tetuan durch schwere Artillerie der Rifkabylen hat am 31. Oktoberwieder begonnen. Ser Umsturz In Perstru. London, 2. November. (Doü-Komp.) Me aus Teheran gemeldet wird, Hai der persische Kronprinz die .Hauptstadt verlassen. Wohin er sich gewendet ha-t, ist unbekannt, doch vergütet man, daß ec, sich nach Paris begcben will. - Der P r e m i e r «m i u t [t c v Riza Khan hat die Freilassung aller politischen Gefangenen angeordnet, sämtliche Mitglieder der frühereit Dynastie und des königlichen Haushaltes a hi*n e st i e r t und ihnen Pension e n ausgesetzt. ' Der B r o t p r e i s w u r b >e c t m ä ß i g t. Die Regierung hat einen Teil der Broterzeugungskosten Uernommen. Alle Straßen und Häuser der Städt sind jest-lich geschmückt. Die neue Reg'erilug hat ein dreitägiges Nationatfest angeordncl. Riza Khan — Schah- Paris, 2. November. Wie „Da ly Telegraph" aus Teheran berichtet, soll Riza Khan die Krone an- MluoritSlensrageu vor der Union der BSlked bnudligen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lausanne, 2. November. Bor der Tagung des Generab rates der Internationalen Union der BölkerlkmMiWn (über die bereits kurz berichtet -wurde — Die Red.) tagte auch die ^permanente Minoritätenkommissivn der Union. An den Sitzungen der Mnovi-ätenkommisstön nahm «unter anderen auch Prof. Dr. Sallo Baron, Delegierter der jüdischen Bolkerbuudliga für O e st e r r e i ch teil. Neben speziellen Mnovitätenftagen (Angelegenheiten der Dobrudscha, Mazedoniens. uisw.) wurden auch He Versuche viM«r KodrfizierMg der P rozedur bei der Behandlung von Petitionen der Minoritäten vor dem Bö He rbu nd geraten. Eine eingehende Erörterung.fach« die Frage', der Staatenlosen in den Nachfolgestaaten der öskerveichifch-mgavischen Monarchie. Unter anderem regte der französische Delegierte P r o udhom m e a u x an, von der Union aus in dieser Frage ein Gutachten, des Haager internationalen Gerichtshofes einzuholen. Delegierter Dr. Baron verlangte, daß endlich einmal auch die Frage der Staatenlosen in d.en ehemals russischen Randstaat>e>n in Angriff genommen «lverde. Es wurde beschlossen, diese Frage ., in Verbindung «mit der Erörterung der allgemeinen Lage der russischen Gesandten in einem Sonderausschuß zur eingehenden Untersuchung zu übevgelben. Bei der Tagung des Genevalrates der Union, bei der als Delegierter der österreichischen Bölkerbundliga Dr. Kunz und als Delegierter der jüdischen Völkerbundliga für Oesterreich Dr. Baron ieilna,hm, wurde unter anderieinr die Frage der StimmenveHältnisft der tschechoslowakischen Volkerbundligen, zu. denen auch, die neu aufgeuommene jüdische VLlkerbundliga in der Tschechoslowakei gehört,, lckhaft diskutiert. Zunächst tvurden die Bevi-chte von Prof. S'y r o v Y (tschechische Liga) und Pros. Rechberg (deutsche Liga in der Tschechoslowakei) angchört. Es sollen demnach von den 20 Delegierten, die die Tschechoslowakei wie jeder Staat hat, den beiden ischechlffchen Ligen 14, der deutschen' 3,, der üngarischen 2 und der jüdischen 1 Sitz zukommeti. Im Generalrät wird neben den 2 tschechischen 1 deutsch e 's M i t g T *«d die Interessen all e r Minoritäten vertretu. In der heikleren Frage« der «Stimmenausteilung >bei der Plenarversammlung wurde nach M- 6429

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