Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2406 (3.11.1925)
- Date
- 1925-11-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981492--24547-3012102- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Polen: 20 groszy] Wien: ^umAbholen in det Expedition, ILTaboistr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) inonatl. b Schilling Strassenverkaul in Wien durch die Kolporteure der Firma 0 o I d schmied, I., Wollzelle 11 Mit Postversand iür Wien und Oesterreich monatlich ß Schilling T schecho-Slowakel: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nichnfelmgea bei Frei«* erhobttn^en Vorbehalten «t. 2101 reitet Wir», lienstag. 3. November 1923 Neu eröffnet! RÖSA WEISS lljlere flupleoMe 70 Telephon 42*4*87 IPrels 2<Til England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarlen:Mon.lOOLewe, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration Wien, II. Töborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D, uckerei lg. Steinmann) Oestqrreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Zahrgang Wöstim vor der MondatskommWon. Die Kritik der Kommission an der Mandatamacht. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 1. November. Wie bereits berichtet, wird die permanente Mandatskommission, die eben ihre siebente Session mit dem Beschluß beendet hat, von nun ab dreimal j ä h r l i ch S e s s i o u zu halten, die ihr vorgelegten Berichte prüfen und dann ihre Referate ausarbeiten,, die sie der nächsten Tagung des Völkerbundrates vorlegen wird. Zu welchen Anträgen sie bezüglich des Palästinamandats kommen wird, ist natürlich noch nicht bekannt, doch läßt das, was über die Diskussion bezüglich der einzelnen P a l ä st i n a p r o b l e m e im Schoße der Mandatskommission bekannt wurde, einige Schlüsse zu. In der Diskussion ist im allgemeinen die Anschauung zum Ansdruck gebracht worden, daß die Mandaisbestimmungen strikte durchgeführt werden müssen. Von mehreren Mitgliedern der Aiandatskommission wurde, wie verlautet, an der S chu l po l i t i k d e r b r it i s ch e n Regierung und ihrem Verhalten bei der Ansiedlung von Juden auf unbebauten Ländereien und Staatsdomänen Kritik geübt. Im allgemeinen fanden die Forderungen der Zionistischen Organisation auf Erfüllung des Artikels 6 des Mandats betreffend die Zuweisung von Staatsländereien g ü n st i g e Ausnahme. Es verlautet auch, daß die Kommission den offiziellen Entwurf der palästinensischen Gemein de o r d n u n g, gegen. den bekanntlich die Petition der Agirdah n. a. gerichtet war, gutgeheißen hat mit' dem Bemerken, Latz sie bezüglich der Schechita eine Regelung enthielt, die jeder Gemeinde volle Freiheit gewährt leistet. ^Auch die neuen Verordnungen der Palästinaregierung über die palästinensische Staatsbürgerschaft und die E i n w a n d e r u n g Waren Gegenstand eingehender Diskussion in der Mandatskommission. Schweizer Pressestimmen. ' Anläßlich der Beratungender Mandatskommission des Völkerbundes befaßte sich die gesamte schweizer!- sche Presse in eingehenden Erörterungen mit dem Palästinamandat. Sämtliche Blätter anerkannten die im Memorandum der Zionistischen Exekutive sich widerspiegelnde ungeheure Leistung der Zionistischen Organisation und der Judenschaft der ganzen Welt für den Aufbau des jüdischen Heims in Palästina und das Aufblühen dbs Landes im allgemeinen. So knüpft „Journal de Geneve" au einen ausführlichen Auszug aus dem Datenmaterial des zionistischen Memorandums die folgende interessante Betrachtung: „Die erzielten Ergebnisse versprechen, wie man sieht, die . glückliche Entwicklung eines in mehrfacher Richtung interessanten-Werkes. Man darf jedoch auch die sich einstellen'den tatsächlichen Schwierigkeiten nicht übersehen. Zunächst einmal die Tatsache, daß die überaus großen Anstrengungen der Zionistischen Organisation einen Kostenaufwand erheischen, der in wohl noch nicht dagewefener Werse aus freiwilligen Beiträgen gedeckt wird. Die britische Regierung steuert nicht das geringste zu dm durch die Schaffungdes jüdischen Nationalheims entstehenden Kosten bei. Jeder Hektar Boden muß von den Juden-, und zwar zu sehr hohen Preisen, erstanden werden. Jeder einzelne Straßenbau, die Errichtung jeder einzelnen Schule geht aus Kosten der aus jüdischen Quellen fließenden Fonds. Dann kommt noch die zweite Schwierigkeit, die durch den scheinbaren Widerspruch der zwei durch das Mandat der Mandatsmacht Vovgeschriebenen Ziele hervorgerusm wurde. Die aus diesem „Dualismus" sich ergebenden Probleme wurden übrigens von Kennern der Verhältnisse schon lange vorausgesehen. Schon im Fahre 1918 wies General Smuts auf die Unmöglichkeit hin, gleich zu Beginn eine freie selbständige Regier nn.g in Palästina einznführen. In seinem Werke über den Völkerbund schrieb General Smuts: „Es werden sich Me ergeben,'in'denen schon mit Rücksicht auf den heterogenen Charakter, der verschiedenen Bevölkerungsschichten eine Kooperation in der Verwaltung des Landes unmöglich sein wird und man eine wirkliche Autonomie nicht gut wird oktroyieren können. Die Verwaltung wird deshalb in sehr weitgehendem Maße in den Händen einer auswärtigen Autorität liegen müssen. Dies wird wenigsten für einen gewissen Zeitraum ganz besonders in Palästina der Fall sein, wo eine Zusammenarbeit zwischen der jüdischen Minorität und der arabischen Mehrheit nicht wird realisiert werden können." Es handelt sich natürlich — schreibt das genannte Blatt weiter — bloß -um eine U e b e r g a n g s p e r i o d e. Wird die jüdische Einwanderung im selben Maß steigen wie bisher, so braucht bi-efoe Uebergangszeit gar nicht von langer Tauer zu sein. Sobald ixiS numerische Gleichgewicht zwischen diesen beiden B-evölkerungSschichten (gegenwärtig leben in Palästina 125.000 Juden und 645.000 Araber) erreicht ist, wird es nicht mehr unmöglich sein, der Bevölkerung von Palästina eine auto n o me Reg i eru ng und B e r w a l t u n g zu geben. Es -muß gehofft werden, -daß eine gemeinsame Arbeit besonders auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet zwischen, den verschiedenen Bevölkerungsschichten eine Harmonie im Geiste der nationalen Äleichheit schassen wird, und eS ist a-NMchmen, daß die maßtzrbenden Stellen des Völkerbundes -die Richtlinien finden werden-,ans- Grund bereu -die "j ü dische G evökl erung sich'zu fruchtbarer Arbeit zusammensinden können. -Manchester Guardian" über die englische Politik in Palästina. „Manchester Guardian" bespricht die Antwort der englischen Regierung auf den Fragebogen .der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes. Mit Anerkennung werden besonders die Teile hervorgehoben, in denen die Eigenleistungen der Zionistischen Organisation in Palästina auf kolonisatorischem und kulturellem Gebiet sestgestellt werden. Dagegen stellt der Leitartikel des Manchester Guardian" fest, daß die Antworten zu dem Punkt, was die englische Regierung getan hat, um die Errichtung des jüdischen nationalen Heims zu fördern, nicht befriedigend sind. Es heißt in -dem Leitartikel wörtlich: „Die Frage, welche Maßnahmen getroffen worden sind, um die Verpflichtung der englischen Regierung zu erfüllen, wird durch die etwas ausweichende Antwort erledigt, daß die Regierung von Palästina auch weiterhin durch gesetzgelberische, administrative und fiskalische Maßnahmen die lokalen Verhältnisse entwickelt und verbessert hat mit dem allgemeinen Ziel, gleiche Sicherheit und Betätigungsmöglichkeit für alle nationalen Gruppen und für alle Klassen zu schaffen. Daß die Juden von diesen MögKchkeiten Gebrauch gemacht haben, ist klar genug ans Grund dieser offiziellen Veröffentlichung, alber man kann schwerlich sagen, daß diese Veröffentlichung die in die.Tiefe führende und richtunggebende Frage beleuchtet, wie die Errichtung des nationalen Heims gesichert werden wird." Heute MerMk. Der Lerjuch des Ministeriums für soziale Verwaltung. durch einen Schiedsspruch des Obereinigungsamies den Streik der Backergehilfen abzuwenden, ist e r f o l g l o s geblieben. Zwar begannen gestern im Einigungsamte Verhandlungen über die Lohnforderungen der Bäckereiarbeiter, doch beschlossen die Bäckergehilfen, die Streikparole n i ch t z u 8 n d e r n. Die Verhandlungen blieben ergebnislos, man einigte sich nur, die strittige Frage der Lohnerhöhung einem Schiedsg e r i ch t z u n n t e r v r e i t e n, das am Donnerstag zusammentreten wird. In allen Bezirken fanden gestern abends Versammlungen der Bäcke/eiarbeiter der Kleinbetriebe und der Großbetriebe statt. Die Versammlungen beschlossen einstimmig für heute morgens den Streikbeginn. Es wird also von heute an kein frisches B r o t und keine frischen Semmeln geben. *4? § 4?4<$ fy .7 .L, & * V & S 7k T Jr/li © D ie f a b i iksnue -Schreibmaschine kann sich jeder Kaufmann 0 -IAC leisten, denn sie kostet nur u lv!l AULEHLfl, Wieg, III.HauptstraBe 5 Föderalismus gegen Zentralismus. Ka. W i e n, 3. November. Wenn man die heutige Lage in Europa richtig beurteilen will, dann darf man sich nicht mit einem Rückblick auf die europäische Entwicklung als Konsequenz des Weltkrieges und seit Kriegsende beschränken, man muß vielmehr auf die Entwicklung seit 1866 zurückgreifen. Seit diesem Zeitpunkte herrscht,im Wechsel und Wandel der Zeiten als ruhender Pol in der Erscheinungen Flucht die sogenannte nationale Staatsidee. Allüberall in Gesürnteuropk — in der jüngsten Zeit auch in Asien, Afrika und selbst in Amerika — ringen die Völker um Autonomie, beziehungsweise um den e i rrh eitl i ch e n Ratio nalstaat. Dieser Kampf begann im Jahre 1866; die österreichische Niederlage bei Königgrätz, die Hinausdrängung der Deutschösterreicher aus Deutschland und die Begründung des österreichisch-ungarischen. Dualismus einerseits, der preußisch-deutschen Hohenzollern-Monarchie andererseits, war der Ausgangspunkt der jahrzehntelangen Wirren in Mitteleuropa, Osteuropa und am Balkan und der nachfolgenden Kriege in allen diesen Gebieten und schließlich auch des Weltkrieges, der seine Fortsetzung in einem zweiten Weltkrieg finden muß, wenn es nicht bald zu einer Völkerverständigung, zu den Vereinigten Staaten von Europa, kommt. * Nirgends in Europa hat der sogenannte einheitliche Nationalstaat infolge der bunten Völkermischung konsolidierte Verhältnisse, weder innerhalb der gemischtsprachigen Territorien, noch in den Beziehungen der Staaten zueinander, zu schaffen vermocht. Insbesondere die z e n- .tralistische Verfassungssorm hat sich am ganzen Kontinent vor und nach dem Weltkrieg als vollständig u ngeeignet zur Lösung der verschiedenen mitteleuropäischen, osteuropäischen und balkanischen Nationalitätenfragen erwiesen. Der Zentralismus in seinen verschiedenen Formen war auch der tiefere Grund des Zusammenbruches Rußlands und der Türkei, Preußen-Deutschlands und Oesterreich-Ungarns im Weltkriege — der Zentralismus ist aber auch die eigentliche Ursache der verschiedenen Krisen in den Sukzessionsstaaten, die an die Stelle des alten Oesterreich traten und seine Krankheiten, die Nationalitätenkämpfe sowie hen Antisemitismus, geerbt haben. Alles was sich in den letzten sechzig Jahren in Europa abgespielt hat und was sich täglich noch immer abspielt, zeigt deutlich, daß ohne Ersetzung desstaatlichenundvölkischen Zentralismus durch den Föderalismus die Nationalitätenkampfe, besonders in Mitteleuropa, Osteuropa und am Balkan, verewigt werden, ans diese Weise Europa kulturell und wirtschaftlich immer mehr einer Katastrophe zugetrieben wird, und in letzter Linie die Vorherrschaft der weißen Rasse in Asien und in Afrika in absehbarer Zeit zusammenzubrechen droht. * Bereits unmittelbar nach Beendigung des Weltkrieges prognostizierte der skandinavische Schriftsteller Kjeilen, daß mit dem Zusammenbruch des alten Europa und vor allem des alten Donaureiches der Höhepunkt der Machtstellung unseres Kontinentes sowie der weißen Ein wertvolles Geschenk! Jeder Kunde erhält kostenlos Anweisung auf eine photographische Aufnahme und drei herrliche Photos ohne Preisabschlag bei Einkauf von 8 30’ im Warenhaus [Schiff mann II. Taborstraße 4« Telanhon 47-1-78 En gros En efelall