Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2404 (1.11.1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Wen, Sonntag Wiener Morgenzeituna 1. Navemlber 1926 Ssiie A O S amae % etrfenun.6 | Jlämanftiefd sdn&ß H.Box> g.uto Stfapaz* Ekü-klMg. J&ttvtkölb- JpängwjcMe fcjfcm Äbsaifc M-mettgeÄ | ft.Box. und echt | Ckvm,ta5e r mdsdimt:?. 1 I Mmenftiefel yimeugenaht primscWs LoxEM, -, tarnenl i ualbjckuhe Hanen-' ipangenjduhe kaunu-jetaz. mtLMrqM Jjkngeit-fc jto)atz,modern v-LirLpLrAig. |8 Stessen 36-39 | I Hin ~ “ ' \. Könige in Unterhosen.*) »me Leserinnen müssen nicht erschrecken vor der - dieses Titels. Denn der Inhalt ist harmloser, wenn auch, fast ebenso originell wie der Titel. Trotz dieser Enttäuschung aber dürfen sie weiterlesen. Denn Kurt Ro-? bitschek, der bekannte Humorist und Aneßdotensammler, er« zählt uns -hier ivirmch amüsante kleine Geschichten, von großen Männern. Man -Mert gerne In diesem hübschen Büchlein und lacht manchmal laut auf. Wir bringen einige Proben zur Erheiterung unserer Leser. König Ludwig der Dritte von Bayern gab nicht viel aus Äoußerlichkeiten. Seine Erscheinung war nichts foc« niger als elegant. Besonders seine Beinkleider waren ein Kuriosum: viel zu weit und viel zu lang, gingen sie wie die Falten einer Ziehharmonika aus die Stiesel nieder. Vergebens machten ihn seine Kammerherren daraus aufmerksam, -daß er mit seinen Faltenhosen dir Zielscheibe des Spottes für ganz München war. Er beachtete alle Andeutungen nicht. Einmal aber wollte man ihm denn doch ernstlich zu Leibe rücken und wies ihn daraus hm, daß er im Volksniunde nur noch „Ludwig der Vielfältige" heiße. Der König hörte sich alles -ruhig an. dann sagte er: „Was wüvde ich gewinnen. wenn ich nach Ihrer Mode mit einer geraden Bügelfalte von oben bis unten gehen wüvde? Dann hieße ich Ludwig btt Einfältige!" » Tulleyrand zog beim Gehen sein lahmes Bein leicht und). Eines Tages begegnete er der spottlustigen, geistreichen Madame de Stael. Mit einem Blick auf das steife Bein des Staatsmannes begrüßte sie ihn: „Wie gehr es Ihnen?" — Talleyrand, nie verlegen um eine sarkastische Antwort; blickte die schöne Spötterin, die leicht schielte, verbindlich lächelnd an: „Wie Sie sehen — Madame . . .!" * Matthias Claudius schrieb, entgegen -der Art seiner ''eitaenössischen Kollegen, einen schlichter, volkstümlichen Stil. Einmal wurde er gefragt, welcher Unterschied zwischen seiner Schreibweise und etwa derjenigen Klcpsiods bestehe. Lächelnd antwortete der Dichter: „Ganz einfach — wenn Klopstock ausruft: „Du, der du weniger bist als ich und dennuoch mir gleich, nahe dick) mir und befreie mich, -dich beugend, von der Lost des staubatmenden Kalbfelles!" — ja, dann sage ich nur: Johann, zieh' mir die Stiesel aus!" * Sch leier macher hielt lange Zeit in Berlin die sonntägigen Frühpredlgten. Als einmal die Rede auf den großen Andrang zu diesen Gottesdiensten Jom, meinte er: „Das verhält sich so: Es kommen Studenten, Soldaten und junge Mädchen. Die Studenten kommen, mx meine Predigt zu hören; die Soldaten komnren der Mädchen wegell und die Mädchen der Soldaten wegen!" * Der einst in Hamburg sehr beliebte Sänger und Schauspieler Gloy war stolz darauf, fast nie die Hilfe des Souffleurs zu benötigen. Cmmal passierte es ihm jedoch, daß er hängen blw'b. Er spielte den Vater der Johanne in der „Jungfrenv von Orleans" und als.die Stelle kam, da er zu sagen hatte: „Welch ein Geist ergreift die Dirne," verlor er ven Faden. ,Melch ein Gent —" Nach diesen Worten blickte er fragend nach dem Souffleurkasten. Von dort klang es leis« zurück: „ . . , ergreift dl« Dirne!" Gloy wendete sich mit gebieterischer Handbeweaung zu den umstehenden Rittern und rief in befehlendem Tone: „Ergreift die Dirne!" * Alexander Girardi -und der Wiener Theater-irektor Josef Jarno faßen im Salzkammergutschnellzug, als Hermann Bahr einstieg. Er fuhr eme Weile seinen — damals — so schönen Bart spazieren, dann empfahl er sich. Kaum war er draußen, sagte Girardi: „I glaub , mit an Entreelied müßt' der sehr wirken!" * „Kommen Sie, Pallenberg", sagte der Librettist Alfred Grün Wa ld, als er den Komiker auf der Straße traf, „begleiten Sie mich ein Stück." ,Mrn", sagte Max, „aber es darf nicht von Ihnen sein!" # Der Wiener Kritiker Alexander Engel schrieb nach Eröffnung des Wiener Bürgertheaters: „ . . . sehr zu loben ist die glänzende Musik der neuen Kunststätte. Das Haus steht in Wien und man hört, wie in Leitönrischl Theater gespim wird..." * Anläßlich, der Premiere von Paillerons „Maus" im Theatre franeais sägte Dumas jils zu Coquelin: „Pailleron läßt heute zwei seiner Stücke gleichzeitig ausführen: Aus der Buhne „Die Maus" und im Zuschauerrmm Me Welt, in der man sich langweilt!" * Direktor Robert vom Theater am Kurfürstendamm war stets unglücklich darüber, -aß nur leichte Literatur bei ihm Geschäfte macht. Einmal schrieb er einem Schwankautor: „Ich nehme Wen Schwank an, da er leider in den Rahmen meines Theaters paßt!" Radioprogramm. Heute Sonntag. 11 Uhr 5 Min.: Orchesterkonzert des Wiener SymphonieorchesterS. Gesangseinlagen > Kammersänger Richard Mayr. Begleitung: Erich Meller. -- 4 Uhr t Orchesterkonzert des Wiener VolksopernorchesterS. Leitung: Dr. Ludwig Kaiser. 6 Uhr r Populäres Orchefterkonzert. - 8 Uhr: Feberfahrt". Schauspiel von Sutton Vane, mit Ludwig Körner, Adrienne Geßner, Ferdinand Onno, Olga TrSger-Matscheko, Amel Rowotny, Anna Kainz-Schrötter, Herbert Werniek, Louis Rainer und Wilhelm Klitsch. Morgen Mntag. 11 Uhr: Vormittagsmusik. 4 Uhr lO Min.: „Der Müller und sein Kind" von Ernst Llaupach. Vereine. BorttSge und Versammlungen. Wiener Beth - Hamidrasch, 2. Bez., Ferdinandsstraße 23. Heute 5 bis 6 Uhr, Lektor Dr. S. Gelbhaus: „Sifre". 6 bis 7 Uhr. Lektor Dr. Rubin: „Midrasch, nach den Queller: erläutert und interpretiert". Morgen Montag, 7 bis 8 Uhr, Lektor Dr. S. Rub.in: „Talmud". — Zionistische Sektion Prater. Heute, halb 8 Uhr abends, im Sektions- Heim, 2. Bez., Jungstraße 8, Heimabend, - Herr Löbl Taube 8: „OstMsches Leben in Amerika". F. Knapp: Violinsolo. Frau Johanna Thal-Birson: „Die Aufgabe der jüdischen Frau int Zionismus". Herr Gold grub: Gesangssolo (hevräisch und jüdisch). ~ Jüdischer Frauenbund, Wien, 9. Bez., Liechtensteinstraße 11-13. Ab Dienstag 3. d., halb 8 Uhr.abends, *) AuL ,/Könige in Unterhosen". das Buch der Arrckdoten, 'herausgcgeben von Kurt Robitschek, Umschiagzeichnnng von Walter Trier. DreiMaSketEerlag A.-G, Berlin. jeden Dienstag, halb 8 Uhr abMds, Bibelvortrag („Die Sprüche") der Frau Esther Mieses (Zeremoniensaal des Tempels), 9. Bdz., Müllnergasse 21. Eintritt frei. Gäste'willkommen. — Zion, Sektion 6 bis 8, 8. Bez., Bmnoplatz 1 a. Dienstag, 8 Uhr abends, Palästinazyklus, zweiter Abend, Doktor Hannah H a - R e u b e n i (Jerusalem): „DiePflanzenweit Palästinas iit Bildern" (Lichtbildervortrag). — M a i m o n i d e s i n st i t n 1, 3. Bez., Hetzgaste 40. Morgen Moirtm;, Rabbiner Dr. A. K a m i n k a, 6 ms 7 Uhr: „Das Buch Hiob". 7 bis 8 Uhr, „Maimonides über den Wunderglauben und das Ende der Tage". — Frauengruppe der zionistischeu Bezirkssektion 9. Nächste Sitzung Dienstag, 5 Uhr nachmittags, im Lokale, 9. Bez. Liechtensteinstraße 11. Anmeluugen für hebräische Kurse täglich von 6 bis 7 Uhr, 9. Bez., Liechtensteinstraße 11. — Jüdisch-akademischer Juri st e n v e r e i n. Donnerstag den 5. o., 7 Uhr abends, im BereinSheim, 2. Bez., Taborstraße 1, Vortrag: „Die aktuellen Probleme der jüdischen Studentenschaft: a) in Oesterreich, b) der allweltlichen". Referenten: H. I. Hausknecht, Präses des jüdischen Hochschulausschusses, und H. L. Steinig, Sekretär des Weltverbandes Mischer Hochschüler. Anschließend Diskussion. Gäste willkommen! Fünfuhrtee zu wohltätigem Zwecke. Der Verein Zukunft veranstaltet jeden zweiten Sonntag im Wiener Ringcase, 1. Bez., Slubenring 18, zugunsten seines Lehrlingsheimes einen Fünfuhrtee. Die erste Veranstaltung findet heute um halb 5 Uhr nachmittags statt, ©intritt 1 Schilling 50 Groschen inklusive aller Abgaben. Der Verein Machst!« Hadüth, 2. Be;., Schisfamtsgasse 20, gibt bekannt, daß heute Sonntag den 1. d., 0 Uhr abends,, die feierliche Eröffiliing der neugegrüiideten I e s ch i w a im Beisein deS Rabbiuals der Israelitischen Knltusgemeinde sowie der Großrabbiner stattfliiden wird. Zil dieser seierlicheil^ Eröffnuilg werden sämtlid)e Mitglieder. Förderer und Gönner hiermit höflicht einge« laden. Der hebräische Schrislstellrr Simon Wolf liest morgen Montag, halb 8'Uhr,- im Klublokal des Cafe Landtmann aus eigenen Werken m deutscher Sprache. ' Bühne und Knnft. Sttlndberg-Abeud bei Zarno. Rencnssance'Bühne: „Gläubiger." — „Mit dem Feuer spielen? Trotz der aqgen Zeit wagt Josef Jarno einen literavischen Abend, serviert — in der NeulbatuWsse — schwere Strinidlbevg - Kost und das Haus «ist bumvoll. Dieiser Künstler läßt sich wicht nnterkri«geu, Wer starke Geist wächst an dom Widerstand. Wiodecholt - sah man: seinen GläudiMr in der gleichnamügen DvagllkoniMe- («am DhoaterKöttÄ wird das Stück un« richtiig, ivrchilihrond als SchnüMvel beKöichmt), .niemals war sein Gustav s-o plastisch gelformt, wremals hat er ' mit j'V bitterer Uelbevbegenheit die R-echnunig des Manms en das Weib präsentiert, niem-als so melisterlich geHöügt, wie diese UelbHMgen'h-eit — ein fragwürdilgor^ Gewinn — mit der Borckchtnng seines Lebens durch das Welilb bezahlt werden mußte. Und in der nad-lfoligenden KoNlödie, dlie Mchisam eim uWe Parodie des vorhergehenden n>ieder!dMcken,den Dramas ist, hat Jarno, der jetzt SechizilgjLhvilge, den Frennd noch menmls so lustig gebracht. Im stumnien Spiel ist jeder Mick verständnisin mg, jede Geste von huniorvoMer Wirkung. Er hatte im ziwoiten Teil des Abends durchms taugliche Partner, Stella Sorma vst eiine sehr angenchme Bagogniung. Mac Waldiger merkt man die Schiillle des Strindibeng-Mvisteirs Jarno an, die Herren Mahr mid.Hübner sind troMich. „Gläübiger" wurde diirch die Dachellorm der DhM deelnträchtliigt. Lotte E r e >l Halb sich alle Aiühe — albsr eine, die „ihre-Krallen in die .Gedanken des Mannes schlälgt" und beiwiM^ daß Wer V ] 55517489