Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2404 (1.11.1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. S4Ä Wen, Sonntag Wiener Morgenzeitung 1. November 1925 At-tLft V gemeldet hatte, nach Moskau expediert, wo er über die neuen Grundlagen des russischen Staates aufgeklärt wurde. Jetzt ist er wieder in seine alte Stellung in der Schneewüste zurückgskehrt. Daß Sibirien geographisch und ethnographisch sehr unzulänglich erforscht ist, beweist eine neue Veröffentlichung eines russischen Gelehrten, die große Bedeutung zu haben scheint. Der Verfasser stellt fest, daß die Benennung der zahllosen .sibirischen Flüsse ausnahmslos aus dem Worte „Fluß" oder „Wasser" in der Sprache der Urbevölkerung mit irgendeinem Zusatz wie klar, kalt, rauschend usw. besteht. An Hand solcher Flußnamen und besonders ihrer Endsilben konnnte er die Wanderung verschiedener Stämme seststellen, von denen viele bereits ausgestorben sind. Spuren dieser Stämme sind in den verschiedensten Gegenden R u ß la n ds zu finden. Wem: man diesen sprachlichen Leitfaden verfolgt, kann man die interessantesten Entdeckungen ans dem Gebiete der Geschichte der Urvölker Asiens und Europas machen. Kinderfang in Rußland. Fliegende Kolonnen von ,>Kmderfängeni", MÄgerüstet mit besonderen Eisenbahnwagen und ' mit Dienstanwchuligen, die ähnlich denen der Hundchäuger lauteil, sind jetzt von der SowfeKogievunig ausgeschickt worden, um einen Teil der 3 0 0.0 00 heimatlosen K i n d e r, welche sich in Riußbmd herumtreiben. eiMbvillgen, che der Winter etn« bricht. Da diese Kinder völlig verwildert sind und ilicht die allevgevinGe Lust toexj;tpwren, freiwillig die ftir sie bestimmten Regierunlgsöinrichtungen auf^usullM, so müssen sie richtig gefangen werden. Diele von diesen Kindern' lungern an den Bahnhöfen herum und die RcAerunig glaubt, daß ihre Boom len am meisten Erfolg halben, wenn sie mit ihrem ,Gefängnis auf Kadern" von einer Stadt zur anderen fahren und suchen, so vieler Kinder hBhaft werden, bis eine Wageil'iadunig bMammen ist, um. dann den Wagen nach Moskau oder Leningrad zu schicken^ wo die Heime des ErzichungSkonmlissarrats aiulf die SBeutc warten. Trotz der Tatsache, daß die russische Regierung im vergangenen Jahr etwa 100 Millionen Mark für die Fürsorge für heimatlose Kinder vorwaM und Zchntaufeude in Anstalten untergebracht hat, so scheint doch ihre Zahl in den Swahen niemals abzunchlnen. Eine kürzlich im Kaukasus vovMonMene Zahlung engalb allein dort 69.000. Ihr Elend und ihre Berlomimenheit Merftaigt alles, was man sich in Europa vorstellen kann uwd ihre v e r b r e ch e r> i s ch e n Neigungen und Gewchnheiten machen die Wfgalbe, etwas für sie zu tun, doppeilt schwierig. In Moskau, wo ihre Zahl auf 10.000 geschätzt chiä, transportiert di« Polizei gefangene Kinder nur mit gezogen«,! Revolver. Es ist eines «der Mffallendssten Bilder der Sowjethauptstadt, zu scheu, wi« so^ein martialWscher PoilW mit gezogener Pistole zwei oder drvt Mn« 10-bis 14jährlige Junlgens vor sich hevtveilbt, wie wenn «es sich wm rabiate Schwerverbrecher handelte. Der Anblick erscheint lächerlich, alber die Statistiken der Polizei erweisen, daß «in großer TM der Raubanfälle und Morde in Moskau von Kindern unter 16 Jahren verübt werden. Ihre Kühnheit Oerstelgt oft die älterer Berlbrecher. Sie sind der Schrecken der öffentlichen Märkte. In Banden vonzwanzig oder mehr orgaO'ievt, schleichen sie sich nur die Marktplätze und stürzen sich auf ein gegebenes SiMl hin auf die Stände, alles an sich reißend, was sie erwischen können. Di« Händler schlagen Marm, stürzen vor ihr« Buden und versuchen vergebens, ihr Eigentum zu verteidigen. Polizei eilt herbei, das PMiLum sicht vevMfft zu. In einer haHben Minute ist der R-aulbzuig vorüber, die lielben Kleinen sind verschwunden uard die Stand!nhaber zählen ihr« Verluste. Andere airbaiten in kleimren Truppen zu dveieir oder vieren. Sie halben Stöcke mit Wstnspitzen, mit denen sie ein.- zelue StraßenhäMer vnlfallen. Die hiebei angewandt« TÄtick ist folgende: Einer macht sich von hinten an das Opfer heran und versetzt ihm einen gewaltigen Stoß' in den Rücken. Während er stürzt und sich umsteht, berauben ihn die anderen und rennen weg. Die Machlloliren Kinder sind die Frucht von Rußlands jahrelangen Kriegen und Revolutionen, dev' Auiflölsung der FaMiNenband« und dem Tod der Eltern. Schon die ersten kalten Tage in Moskau haben, ihr Elend verschärft. Di« großen Teevkesfel, die. an den Stellen stchrn, wo Straßen austzebessert werden, sind ihr Haupt. Zufluchtsort. Sie bauen Mn« FeUerstellen neben den Kesiskn und schlafen halb nackt nnd barfuß in der Asche. Kas Fernlino. Umwälzende Neuerungen auf dem Gebiete der drahtlosen Bildübertragung. Der Leiter der Deutschen Lelefunkenggsellschcht, Gras Areo, macht im Berliner „S-lihr-Abendblatt" aufsehenerregende Mitteilungen über die Erfindung des Leipziger Physikers Dr. Carolus ans dem Gebiete der Bild- und Schriftübertragung aus drahtlosem Wege. Danach ist das Problem der drahtlosen Bildmtd Schrift- Übertragung auf gvoße Entfernungen durch das Carvlusjsche Seiweverfahren gelöst. Mittels des Carolusschen Verfahrens ist es möglich, Bilder, Telegramme, Urkunden, Handschriften, Zeitungen in der Oviginalischrift aus beliebige Distanzen zu übermitteln. * ' Die Erfindung Dr. Carolus' beruht im wesentlichen daraus, daß ein Bild oder ein Brief im Sender auf den Mantel eines drehbaren Zylinders gespannt und durch Lichtdurchstrahlung abtelegraphiert wird. Die grundlegend« Neuerung ist di« Geschwindigkeit, mit der nach dem Caroluslschen Verfahren operiert wird. Die Erfindung bedeute eine Umwälzung im ganzen Zeitungswesen, da es zum Beispiel möglich sein wird, ein ganzes Zeitungsblatt in der Originalform in'einer Minute ans beliebig« Distanz abzutelegraphiere-n. Auch für das Kriminal. .Wesen bedeutet das Verfahren eine wertvolle Hilfe, da es die drahtlose Ueberlvagung von Steckbriefen samt Lichtbild nach allen Weltrichtuugen möglich macht. Durch den Darolus-Sender ist schließlich auch das Pro- Aeinr des Fernkinos gelöst. In Zukunft wird der Film- Verleiher ausgeischallet sein und jeder Kmolbefitzer Benins wird in der Lage sein, sich den gewünschten Film ans drahtlosem Weg von der Fabrik direkt übermitteln zu lassen. (?) Gespräche mit Auatole Franke. Ans Le Goss „Gelspräche mit Auatole France", das soeben im Mchmion-Verlag, München, erscheint. Die Dampfwalze. Man sprach öster den russischen Bormarsch 1916. Courteline, wilder Kriegspatriot, schwärmte für russische Dampfwalze. Auatole France bat den SozMsten Rap Po Port um Auskunft. Und Rappoport sprach: IM August vorigen Jahres, bei Kriegsausbruch, stieß Denys Cachin in den Wandekgängen der Kammer auf Rappoport und sagte zu ihm: Ich bin sehr froh, Si« zu treffen; Sie können mir «in« AuShunft geben. Betrachten Si« diese LaMarte. Hier sichen die Aussen — dabei wies er auf einen bestimmten Punkt — sagen Sie mir, wie lange werden De Armeen bis Berlin brauchen? DaS ist ganz einfach,, erwidert« Rappoport. Wenn sie auf ihrem Manche niemand begegnen, acht Tage. Allerdings, wenn, sie. jemand begegnen, .kann ich für nichts gütlichen ..." ...B1 1875-1925 Der 50jährige Bestand der Firma Teppkhhaus Möbelhaus {.SCHEIN Wien, I., Bauernmarkt 12—14 (keine Filialen ln Wien) bietet für streng reelle, solide und fachmännische Bedienung der Kunden die beste Gewähr Bevor Sie Ihren Einkauf von WM, Mi». DA, Möbelstsffeausw. besorgen MdOB Sit Ul 32 SMMf damit Sie sich von der Reichhaltigkeit der Lager, Billigkeit der Preise und Leistungsfähigkeit der Weltfirma überzeugen können. iss Preissturz bei reMch-Seendi. «urttMe an» dem Fndentnm. Dr. H i r s ch e u h a u s e r Felix, geb. 28. Februar 9. Bez.» Liechtensteinstraße 69. SchLnfeld Alfred, geb. 85. Ami 1896, Wien, Tapezierer, 18. Bez., Staudgaffe 88. Gottwald Emilie, aeb. 21. Juli 1900, Wien. 2. Bez., Darwingaffe 9. S t e r u Olga, aeb. 6. September 1900, Wien, 2. Bez., Stuvelstraße 9. Goldenberg Egon Josef, geb. 4, Marz 1905, 9. Bez., Alserbachstraße 1V. G o l d Eduard, geb. 28. Juni 1906. Wien. 9. Bez., Glasergasse 6. L e m b e r g e r Ernst, aeb. 9. Juli 1906. Wien, 7. Bez, Kaiierstraße 77. 8l l l i n a Martha Maria geb. Herb st, geb. 24. Mal 1895, Röhrsdorf, 18. Bez., Jagdschloßgasse 77. H a i m Georg, geb. 26. Juni 1906, Watdhofen ad. Thaya, 6. Bez., Millergafse 5. Goldberg Johann Mareell. geb. 6. November 1889, Smnbor. 8. Bez., Lerchenfelderstraße 24. M i Sn er Hugo, geb. 6. August 1886, Ogulin, 14. Bez., Reichsapfelgasse 11. G l ü ck S m a n n Frünz, geb. 10. Mgrz 1884, Königgrätz. 9. Bez., Müllneraasse 26. Beck Alfred, geb. S3. Juli 1899, Wien. 20. Be,.. Brtgittaplatz 17. K o h l Gisela geb. Weiß. geb. 18. Oktober 1881,, Wien. 20. Bez.. Hannovergaffe 10. GrÜgl Valerie geb. Fink, geb. 11. August 1883, Wien. 20. Bez., Vorgartenstraße 63. Kohl Samuel, geb. 22. Mai 1891, Wien, 20. Bez.. Hannovergaffe 6. F e l d S b e r g Regina, geb. 15. April 1891, Wien, 15. Bez., Krienchildplatz 10. G r a u m a v n Klara geb. F e a t t e r, aeb. 27. Juui 1892, Wien, 20. Bez.. Greileneckergaffe 18. A l l i n a Kurt, aeb. 16. Avril 1909, Wien. 19. Bez., Döbliger- Hauptsträße 79. H a a S Josef, geb. 15. Juni' 1874, Kamenicze, 18. Bez.. Neustift am Walde 30. M e st i tz Franz, geb. 29. Juni 1904, Rüdnitz. 3. Bez.. Keilgaffe 14. E Das Teppichhaius Orendi hat fämMche Prch'«. um 2o Prozent hevalbgesetzt. Teppiche, Decken, Vorhänge :Ov., die einen reduzierten OKMoinsPreis halben, sind rot markiert. Auch von diesen OkLalfionsprchen «rjfolgt ein Nachlaß von x20 Prozent. 1. Bez., Rotenturmistvaße 20, und Meiischnrarlkt 1. Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesehtes E gekennzeichnet. Wien, 1. Novemiber. * Lehrkräfte der medizinischen Fakultät stiften Stipen. dien. Die Professoren nnd PrivatidogLnten der medninischen Fakulltät Wien haben durch freiwillige, in den Fürisorgefonds der Fcckültät eingezahlte Beträge zehn Stipendien tnt Betrag« von 200 Sch Uli na pro Semester .qcschaffen, die an di« tüchtigjsten und ärmsten Studenten echmalig in diesem Semester durch das Professorenkolleaium verliehen werden. Die mit StudimMMissen und dem Nachiveis der Mittellostpkeit bÄegten Gesuche smd dis 20. November 1925 beim DeÄnate der medizickfchen Faku-ltät eiMreichen. * DaS Wetter. Die Voraussage kündigt für heute keine wffent-liche Aenlderung des herrischende-n WetterchavaAers an. * Die Buchhandlung Hermann Tuchner, Wien. 2. Be.t-. Lalborstraße 62, Eingang Große Stadtgutigasse 7, Teil. 41-4-20, gibt uns bekannt, daß sie an unsere Leser zu schr ermaßilgtm Preisen einen größeren Poftm Mer Bücher mh Werke, teils jüdischen Inhalts, Müßt. Katmage stehen ernsten Jntcrenenten kostenlos M VerWaung. Unsere Leser feien auf dleze Gelegenheit bchonders auMerffam gemacht und gebeten, davon recht ausgiebig Gelbrmch zu machen. * Die Lebensmittelmärkte. Die im Laufe der Woche prognostitzierte Verbilligung der,Detailfleifchpre>i>se, eine Folgennr- Lung der rückgängigen Bewegung auf vielen Marktgebieten m St/Marx und im Großhandel in der GroßmaEhalle, kam gestern bei allen Fleisch arten zum Ausdruck. Rmdfleisch wurde je nach Dualität um 10 ms 20 Groschen, Kalbfleisch um 20 Griechen pro Kilogramm im Preise herabgesetzt. — Die GemüfDusuhreu auf dem Naschmarkt uberwo gen den Bedarf. In Kraut und Kartoffeln hält der Ueberfluß an. Mit Ausnahme von Blätterspinat, der im Preise angezogen hat, notierten alle anderen Gemüfeforten unverändert. Auf den Geflügelmärkten haben sich Gänse und Enten um 20 bis 40 Groschen verbilligt. Mindere Sorten Butter wurden billiger abaeaÄtzn. Primabutter 720 bis 7.40 Schilling, dänische 9.60 Schilling, Difchbutter 6.40 bis 6.80 Schilling und Kochbutter 3.60 bis 4.80 Schilling pro Kilogramm, je nach Qualität. Frische Eier 20 bis 85 (06) und eingelegte 19 Groschen pro Stück. * Koscher-Weisch, verläßlich und billrig, m den unter Auff-icht >des ehrwürdigen Mobinats der ^Israelitischen Kultusgemeinde Wien sichenden FleilschbanVen des Siegm. KornmH, 9. BLvMsie 16, und 18. Bez., Wahringerftraße 97. Die Preise für -Koscher-Geijsch find die Welchen, wie für das nicht koschere und rst auch die Dualität die gleiche. ‘ * Im altbekannten Tapezierennöbclhaus M. Weitz, 2. Bez., Darwmgaffe 39 (Ecke Nordbahnstraß«), kaufen Dre «rge Ottomamn, Eifen-, Messing-, PatenhnöLel u,sw. in iger AuDührrmg zu außerordentlich billigen Preisen. Die scftvWns Arbeit äs8 Waschtages fiir immer vorbei. o die neue Art Seife. 'V!v, , v. ,y^ W )i;K