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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-01 · Heft 2404 (1.11.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2404 (1.11.1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2404_'_Men, Sonnig_. und Perftekis dürfen sich nicht der Gefahr aussetzen, von Elernyiterl, ■ die a u f eigeneFaustunverantwörtliche Schritte unternehmen und politische Verbindungen suchen, desavouiert zu werden. Für den Prozeß genügt meiner Ansicht nach die ganz bestimmte und unzweideutige Erklärung der beiden hervorragenden ukrainischen Politiker, daß Steiger absolutunschuldig i st, da es sich nur um Steigers Unschuld und nicht um die Schuld von anderen handeln kann." Vor neuen Enthüllungen in der Olschanski- Affäre< (Eigendiepst der „Wiener Morgenzeitung".) - Warschau, 31. Oktober. Das Verhalten der illegalen ukrainischen Organisationen dürfte noch zu interessanten Enthüllungen führen. Das hiesige jüdische Tagblatt „Najer Hajnt" hat eine bemerkenswerte Erklärung eines jüdischen Politikers veröffentlicht, der auch unter den ukrainisch enEpigrantenimAuslande eine Rolle spielt. Die Erklärung enthält folgende Aufforderung an die ukrainische revolutionäre Organisation: „Ich habe mich bis heute über die Angelegenheit Olschanski, die mir seit längerer Zeit bekannt ist, nicht geäußert, einerseits weil ich dazu nicht die Ermächtigung von den jüdischen politischen Kreisen in Lemberg hatte, andererseits da ich mich den offiziellen ukrainischen Politikerkreisen gegenüber verpflichtet hatte, vorläufig Stillschweigen zu bewahren und den G a n g d e s St e i g e r- Prozesses nicht zu stören. Erst als die Angelegenheit Olschanski durch die offiziellen Gerichtsakten in Lemberg bekannt wurde, bemühte ich mich zu erwirken, daß die ukrainische revolutionäre Organisation endlich hervortrete und offen bekenne, daß Olschanski der Attentäter ist. Ich wies darauf hin, daß dies sowohl den ukrainischen Bestrebungen wie auch des unschuldigen Steiger nützen werde. Da aber die Herren weiter in ihrem Stillschweigen verharren und die ukrainische Zeitung „Dilo" sogar über Dr. Landau wegen seiner „mysteriösen Verdächtigungen" gegen Olschanski hergefallen ist, da andererseits die Herren keine offene Stellungnahme zu den verschiedenen anonymen Briefen ergreifen, die dem Lemberger Gericht falsche Namen von Attentätern angeben, um so die Spur des Schuldigen, nämlich Olschanski, zu verwischen, erkläre ich, daß ich nicht mehr zu schweigen gewillt bin: Ich stelle fest, daß ich im Winter 1924 von einer führenden Persönlichkeit, der ukrainischen revolutionären Organisation in Gegenwart vM Zeugen die ausdrückliche Erklärung erhalten habe, daß das Attentat gegen den Präsidenten der polnischen Republik durch hie ukrainische revolutionäre Organis a t i o n a u s g e f ü h r t wurde, und daß dieses Attentat auf das politische Konto dieser Organisation zu setzen ist. Ich fordere daher durch diese Veröffentlichung die ukrainische revolutionäre Organisation zum letzten Male auf, offen und zur rechten Zeit, noch im Verlaufe des Lemberger Prozesses, Olschanskis Tat einzugestehen. Geschieht dies nicht, so werde ich gezwungen sein, aus meiner Reserve hervorzutreten, um mit dem ganzen Gewicht meiner politischen Autorität den Steiger-Prozeß auf den Weg der Klarheit zu führen, indem ich offen den mir abspenstig gemacht hat. . . Bist du es? Antworte! Gestehe, Lump! Wasja schaute erschreckt meine Fäuste an und sagte: Reden wir über was anderes ... Ueber was anderes? rief ich — du hast mich beinahe zum Selbstmord getrieben und jetzt soll ich über was anderes reden? Antworte! Ich stürzte mich auf ihn, warf ihn aus einen Sessel, stemmte meinen Fuß gegen seine Brust und begann seinen Kopf gegen die Sessellehne zu schlagen. Antworte mir, wie * weit ist es zwischen euch gekommen? Wasja wurde blaß wie der Tod und sagte leise: Lassen Sie mich. Sie erwüchen mich. Begreifen Sie keinen Scherz? Du wirst in Zukunft solche Scherze unterlassen! schrie ich wütend. Er sah mich bittend an Und sagte: Schön, ich habe meine Wette verloren. Was wollen. Sie noch? Dich töten! rief ich und stieß ihn derartig, daß die Lehne des Sessels abbrach und er auf den Boden fiel. Nein ... mein Gott ... ich habe ihn getötet: rief ich . . . Wasser! Schnell Wasser! Ich ergriff eine Karaffe und goß das Wasser auf dey Kopf Wasjas. Er schrie auf. . Er kommt zu sich! rief ich erfreut. Geh, Unglücklicher! — Ich nahm ihn und schmiß ihn durch die Seitentür hinaus. Ich pqckte mich an den Kopf und horchte und konnte konstatieren, daß Wasja vom Inspizienten glücklich übernommen wurde. Also, das war ihr Geliebter! ries ich . . . Nein, dann lieber der Tod .,. . Und weiter ging eZ genau nach dem Stück. Ich nahm den Revolver aus der Tasche, legte an, aus der Mitteltür stürzte die liebende Frau heraus, warf sich an meine Brust/mit einem Wort: ich stand wieder auf Schienen, und das Rad des Lebens begann sich wieder zu> drehen. Der Autor in der Loge beruhigte sich und die Vorstellung ging weiter. . . Nach der Vorstellung übergab man mir folgenden 3ctt€l: Srittfett;^ie die zehn Flaschen ohne mich aus. Ich habe alles bezahlt. Ich gehe nach Hause. Ich muß mich ausruhen .. . Hol der Teufel Sie und die Wette... Wiener Morgenze!1tina 1. November ML Will WIR. 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Namens des Führers, der mir die oben erwähnte Erklärung'abgegeben hat, und den Namen der Zeugen nenne, die diese Erklärung gehört haben." Der Eindruck in Berlin. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 31. Oktober. Die Veröffentlichung der Erklärung im Warschauer „Hajnt" (die wir oben zitiert haben. Die Red.) hat in den Kreisen der hiesigen ukrainischen Organisationen großes Aufsehen erregt. Der Eindruck war niederschmetternd. Den ganzen heutigen Tag fanden innerhalb der hiesigen ukrainischen Kreise Verhandlungen statt, welche zur Stunde noch andauern. Diese Verhandlungen bezwecken die Formulierung einer offiziellen Deklaration über die Attentatsangelegenheit. Man nimmt an, daß die Deklaration, deren Veröffentlichung bevorsteht, dem Steiger- Prozeß eine neue Wendung geben wird. Die Hetze gegen den ftiifierett StaatsbankjuMenlen fioek Loeb von der Meineidsbeschuldigjing freigesprochen. Aus Berlin wird uns berichtet: Es ist noch in allgemeiner Erinnerung, welches Kesseltreiben gegen den jungen jüdischen Finanzier Walter-Loeb aus Frankfurt am Main inszeniert wurde, der eine Zeitlang Prä s id e n t der Thüringischech Staatsbank war. Die Antisemiten aller Schattierungen, voran der Blutsünder D i n t e r, mt-fesselten unter den schwersten Beschuldigungen des Mißbrauches der Amtsgewalt u. dgl. eine wütende Hetze gegen Loeb. Er schied von seinem Posten und beantragte die Untersuchung gegen sich, die sämtliche gegen ihn erhobenen Anschuldigungen a l s böswillige Erfindungen erwies. Die Hetzer, deren Verbindungen bis in die Gerichte hinaufreichen, setzten ihre Tätigkeit gegen Loeb fort. G wurde gegen ihn die Anschuldigung erhoben, in einem Pro zeß im Jahre 1921 unter Eid eine falsche Aus sage gemacht zu haben. Die Vorgeschichte dieser Mein eidsbeschuldigung reicht in die Zeit zurück, da Loeb n-och vü seiner Berufung an die Spitze der Thüringischen Staats bank Vorsitzender des Aufsichtsrates der Süddeutscher Transportversicherungs A.-G. in Frankfurt am Main wai Der Direktor dieser Transportversicherungsgesellschaf! Franke, stand im Jahre 1921 vor Gericht und wurd verurteilt. In dem Urteil gegen Franke sind Beschubdi - gnngen gegen Loeb ausgesprochen, die ihn des Meineid verdächtig machen mußten. Daraufhin leitete die Staats anwaltschaft die Untersuchung gegen Loeb ein, di jedoch keinerlei Anhaltspunkte für die Beschuldigung ergab so daß der Staatsanwalt die Einstellung des Versah rens beantragen mußte. In der Begründung versuchte e jedoch, Loeb als immer noch „dringend des Meineids der dcichtig" hinzustellen. Loeb beantragte nunmehr selbst di Eröffnung des Verstlhrens und diesem Antrag wurd Folge, gegeben. Der Prozeß begann am 29. Oktober vor dem Schwur gericht in Wennar und endete heute mit der Fre ispre chung Loebs. Damit hat das beamtete Hakenkreuz Wiede einmal auf dem Gebiete seiner Moral" eine schwer^Ma mage erlitten, um so mehr, als Loebs Freispruch die Ge richtsbehörden schwer kompromittiert. * Das Moskauer Schachturnier verschoben. Das groß internationale Schachmeisterturmer in Moskau' beginnt nich wie vorgesehen, am 5., sondern erst am 9. d. Vorher wird et Vortnrnier ausgetragen, an dem sich Blumenseld, Gri goriew, WilNer, Nenarolow, Selesniew und Saudavjeiw fy «t eiligen. Die beiden Erstplacierten aus diesem Turnier werde die Teilnebmerschar an dem großen internationalen Turnte vervollständigen, das neben Lasier und Capa bla neasc^ alle Großmeister des Schachs vereinigen wird. N-ur «toter de stärksten unter ihnen. Aljechi n, WM Men.

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