Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2403 (31.10.1925)
- Date
- 1925-10-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2403 Wien, SaniStag_ Vem uncrmiMcf) komponierenden Furchiger nicht weiter v-rra-vgen darf, und er beikennt sich noch, immer zu seiner Jugendüelbe, zu Puecini. Natürlich auch zu Paganini, dem er Las brillante Feuerwerk der Soilogeige und den von ungarischen «Furien getanzten Hexentauz des zweiten Aktes glücklich alb' •flogadtt hat. Der zweite Wt mutz überhaupt mit seinen! Reich- -tum an Mulsilk, Stimmung und Situationen die Dürftigkeit deS ersten Aktes wettmachen. Da gibt eS eine berückend schöne große Liebesszene, welche sich der langen Reihe berühmter Lchar-scher LiebeSdnette würdig anreiht, witzige Tanchuette voll kapriziöser, mitunter grotesker zweiteÄigev Rhythmen wechseln mit reizvollen Waltzerliedern, schlichten Gesängen, einem feinen Menuett, daS aus der Schule des alten Lully plaudert, und einer vEstümelnden Hymne, die etwa von Oskar Strauß und dem Brettl hevkmnmt. Die Musil! ist ja nicht immer ans eüster Hand, doch wie singt und klingt alles, wie launig kichert und wispert es aus dm .HoMäsern, wie kultiviert sind die muskkaHchen Umgangs« fornvek! ES ist eiben doch echtester Lchar. * Mt Elan spielte Robert Pollak das brillante Geigensolo und die Tanzregisseuse Gertrud Bodenwieser schus rm ,-Hexentanz" ein freies Bewögungsjspisl, etwa wir Ellen Teils in den ,Hurientänzen" deS ,-Orpheus". Als Paganini debütierte Kammevsänger Karl Cleving. Aus dem Umwege Wer daS Berliner Königliche Schausptechü-us, die Bayroucher Festspiele und das Kabarett ist er bei der Operette gelandet, für die er eine heldische Lenovsttmme und das Dämonische des Hexenmeisters Paganinl mitbringt. MS Fürstin von Lucoa zeigt Emmy Kosary, die rassige Ungarin, nicht nur Geist und Temperament, sondern auch die schönsten Beine. Also eine Rivalin von Gisa Kolbe, die als Primadonna von Lucca in ihrem Element war und als niedliches Spvühteufslchen herumtollte, unterstützt von ihrem grotesken Partner Fritz Jmhoff, der als Hanswurst allmählich das Ecke deS Herrn König antritt. Außer ihm sorgte Herr Max Brod in seiner prächtigen Komik für den Humor der Operette, welcher freilich bei all der Opevcherrlichkeit und Qpernwürde ein wenig zu kurz kam. Sehr hübsch und geschmackvoll geriet die Ausstattung. An ihr war, wenn man von dem Mndestveckrauch an Staff für Damenbekleidung oft* ficht, durchaus nicht gespart worden. Meister Lehar, der selbst dirigiert«, wurde stürmisch gefeiert. sw. Ans den Aeatem. Burgtheater. Wegen plötzlicher Erkrankung bes Herrn L ohner mußte die für heute angesagte Vorstellung von o m e o u n b Julia* abgeändert werden. Es gelangt Bernhard Shaws Lustspiel „Pygmalion* zur Auffmmrrg. Anfang lj9S Uhr abends. Morgen, 3 Uhr nachmittags, „Der Alp enkönigund derMenfch e n f e i n d", 7*8 Uhr abends „Der ewige Jüngling*. Akademietheater. Morgen, 3 Uhr nachmittag», „D er Bib erp elz", 7,8 Uhr abends »Der Vulkan'. S t a a t S o p e r. Morgen, 7 Uhr abend». „Boris Godunow*. VolkSoper. Heute. 7,8 Uhr abends, „Tausendundetne Nacht* unter der Leitung Dr. Ludwig Kaisers. Morgen, 2 Uhr nachmittag», „D i e A h n f r a u, 7 Uhr abend». „T an nh Luser". Der - berühmte Bariionist SigiSmondo Z a l e S ch t wird in der VolkSoper ein dreimaliges Gastlviel absolvieren. Der Künstler wird zum ersten Mal Dienstag den 3. November als Mephisto ln „M a r jtö r e t e* (Faust) austreten. Den Faust wird der erste Tenor der Warschauer StaatSoper, Gustav Chorjan singen. Musikalische Leitung; Generalmusitdirektor Leo B l e ch. Theater in der Josef st a dt. Sonntag. 3 Uhr nachmittags. „Gesellschaft*, 7,8 Uhr abends „Mein Vater yat recht gehabt*. Freitag Erstaufführung von „Lob d e S Diebstahls", Komödie von Dante Signor ini. Raimund-Theater. Heute, 7,4 Uhr nachmittags, Erstaufführung de» Kindemärchen» „Klein-Däumling'. Morgen Sonntag und Montag, 3 Uhr nachmittag». „Der Müller und kein Kind". Allabendlich, 7,8 Uhr, „Weiße Fracht*, nur Dienstag „Der gläserne Pantoffel*. Exl-Bühne. (Wiener Komödienhaus). Heute gastieren in AnzengrnberS „DaS vierte Gebot* Christ! H e r man n-S t o r m, Leopold Jwald und Emil Ritter. R enaissaneebtlhne. Morgen Sonntag, 7,4 Uhr nachmittag», „D e r M ü l l e r u n d f e i n Kind*, 8 Uhr abends „D e r A u t o w i l d l i n g" mit Hansi Niese. L u st s p t e l t h e a t e r. Morgen, „D e r M ü l l e r u n b s e 1 n K1 n d*, Bar a n s M o n t m a r t r e*. 3 Uhr nachmittai 7,8 Uht abend» „D e Gastspiel der Bundestheater in der österreichischen Pro. vtnz. Es stcht nunmehr fqt, daß ein Ensemble des Bungtheaters in der zweiten NüvemröerhAste in einigen Provilpzsiödten, nämlich in Linz, Salzburg und Innsbruck, gastieren wird. Die Vertreter der Stadt Innsbruck halben den Wunsch ausaespvochen, daß auch die Staatsoper in Innsbruck em Gastspiel absolvieren möge und es verlautet, baß diesem Wunsche Rechnung getragen wird. Das Bumcheater wird an- 'wßlich des GaWieleS „Hamlet" und ein Skuck von Hermann Bahr auWhren. . Der zionistische Jugend-Musikverein ,^vavid" in Ruftschuk tschrelivt uns: Unser Verein besteht seit dom Jahre 1820 und nute Haft Chor sowie eine OrchGerabteilung. Da unser b!sherWr Dirigent, der MuMchrer Herr M. Konstan- Etlnoss. nach Scha Wevsieidelt, sind wir ohne Führer. W:r hoifsen, daß sich in Wien jemand findet, der bvefe Stelle bei uns übernehmen könnte. Wir könnten einen Monatsgehalt sichern und unsere Mitglieder veranlassen, bei dem Betreffenden Privatunterricht in Violine und Klavier zu nehmen. Briefe wären zu richten an Herrn Leon M e v ox a ch, vuo Raikovska 4, Rust schuf, Bulgarien. Abel-Pann-Sondernunirnor. Soeben ist im Robverlwg das na>loste Heft des „Faun" als Sondernummer Abel Panu (Jernsialdn!) erschienen. Auf feinstem Kunstdruckpapier bieiet dle>ies Hest die schönsten und ergreifendsten Schöpfnuaen des Meisters aus dem Zyklus „Der Tränenkrug" und andcre Studien, in denen die aufwühlende Kunst Abel Pauns alles Leid des Ghettospnd die Greuel der Pogroms in erschi'l.iernden. Bildern sestgehalten hat. Die Auswahl, die dickes Sondecheft des „Faun" bietet, zeigt Panu auch als genialen Illustrator der Bibel. Mene» Morgenzeltung N. Oktober M5 Seite 5 »»»»mm»»,»»»»»»,»»»»»»«»»»»»«»»»«« Keine g Kohlennot i mehr, wen« Sie den oes. g«»ch.tzSgo»pitn»- S ölen „AfclSfoL** kaufen. Denn haben Sie S 7o Prosent Heieweierl.l-Sreparnl», An* S gihelime Wärm«. lelcnt regulierbar. Brennt mit S einmaliger FÖllung, je nach Orösse, 3 bis 14 « Stunden. 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Zugehörigkeit zu einer österreichischen Hochschule. Dr. Petschek wurde dann vom Unterrichtsamt die Venia docendi an der Wiener Fakultät und int Juli 1920 ein Lehrauftrag erteilt, wobei beigefügt wurde, daß ihm vom 1. Oktober IM angefangen für die Dauer der Ausübung des Lohrauftroges jene Bezüge gebühren, welche ordentlichen Hochschulprofessoren mit dem Dienstort Wien an Gehalt, OrtSzuschlag, Teuerungszulage usw. zukommen. Cs wurden ihm aber nur die auf feine, Vorlesungen eiugesl-ossenon Ko llegiengelder bezahlt. Seine Forderung auf Ergänzung des Kollegienanteiles ' auf das gesetzliche Minimnin wurde abgewieseu. Der Vertreter des BundesministeriumS für Unterricht, Sektionsrat Dr. Zeisl, führte dagegen aus, daß Professor Petschek nicht als Ordinarius zu betrachten sei, daß sein Lehrauftrag kein Lehrauftrag im technischen Sinne war und daß ihm daher das. garantierte Mmdesteinkommen nicht gebühre. Er sei allerdings ordentlicher Professor, aber ohne volle Lehrverpflichtung und sei in seiner Entlohnung einem Privatdozenten gleichzustellen. Diese Besonderheit der Stellung sei durch die Uebernchme der chemaligen Czernowitzer Lehrkräfte erklärlich. Der Verfassungsgerichtshof unter Vorsitz des Vizepväsidenten Dr. Menzel wies das Klagobegehren ab. Professor Petschek war niemals ordentlicher Professor und gehörte nicht dem Professorenkollegium der Wiener Universität an. Er ist in seiner Stellung einem Privatdozenten gleichzuhalten und hat als solcher nur Anspruch auf die für Hn einsließenden Kollegiengelder, nicht aber auf das gesetzliche Mindesteinkommen. Wem gehören die Wiener Tauben? Der arbeitslose Leopold Sch. wurde vom Strafbezirksgericht 1, weil er eine Taube auf der Straße gefangen und sie nach entsprecheiider Zulbereiimg verzchrt hatte, wegen Diebstahles, begangen an der Gemeinde Wien, zu fünf Tagen Arrest verurteilt. Gegen dieses Urteil erhob die Generalprokuratnr durch Hofrat Dr. Soos die Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes beim Obersten Gerichtshof. Das Urteil sei, so führte er auS, deshalb ungesetzlich, weil es von der unrichtigen Annahme ausgebe,' daß die frei umherfliegenden Tauben Eigentum der Gemeinde Wien seien. Da Tauben nicht als jagdbares Wild angesehen werden können, liege hier höchstens ein von der politischen Behörde zu ahndendes Zuwiderhandeln, keinesfalls aber ein Diebstahl vor. Die Tauben sind freistehende Sachen, die. solange sie nicht gefangen sind, niemanden gehören. Dieser Ansicht schloß sich auch der Oberste Gerichtshof an und hob das. begirksrichterliche Urteil wegen Ungesetzlichkeit auf. Der Angeklagte wurde dadurch freigesprochen. Gleichzeitig wurde dem Bezirksgerichte aufgetragen, den M der politischen Behörde ahzutreten. »tont Zer internationale Spartag. Der 31. Oktober 1925. Wie schon gemeldet, ist aus dem internationalen Sparkassenkongreß in Mailand, hei welchem 27 Kulturstaaten, in denen Sparkassen oder ähnliche Institute bestehen, vertreten waren, der 31. Oktober jeden Jahres als Sparpropagandatag föstgesetzt worden. An diesem Tage wird in allen Kulturländern seitens der Organisationen der Sparkassen die Notwendigkeit, alle zu erübrigenden Beträge bei den Sparkassen zinsbringend anzulegen, und solcher Art der kreditbedürftigen Volkswirtschaft zur nntzbringentzen Verwendung zur Verfügung zu stellen, propagiert. Aus diesem Anlasse fand gestern eine Pressekonferenz statt, in welcher Nalionalbankpräsident Dr. Reisch, drr Direktor des Giro- und Kassenvereines Dr. S o k a l und der Verbandsanwalt der Sparkassen Dr. Schmidt die Wichtigkeit der Hebung des Spartrieves und die Bedeutung der Spartätigkeit erörterten. * Die Zentralsparkasse der Gemeinde Wisn. Die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien, als derzeit größte Sparkasse im ganzen Bundesgebiet, nimmt selbstverständlich an dieser Propaganda für den Spargedanken lebhasten Anteil. Das Institut blickt nunmehr auf einen 19jahrigen Bestand zurück; es eröfsnete am 2. Jänner 1907 seine Schalter. Ausgestattet mit der Haftung der Gemeinde sür alle Einlagen und getragen von dem Vertrauen der Bevölkerung Wiens, nahm die neugegründete Zentralsparkasse einen überraschend'schnellen Aufstieg; noch im Jahre 1907 erreichte ste einen Einlagenstand von beinahe 15 Millionen Goldkronen gegenüber einem Zuwachs aller anderen Wiener Sparkassen von zusammen 1,6 Millionen Goldkronen. In raschem Tempo vollzog sich der Einlagenzuwachs; er erreichte Ende Dezember 1924 einen Stand von 520 Milliarden und Ende Oktober 19251170 Milliarden Kronen. Der Zuwachs vom 1. Jänner bis Ende Oktober 1925 pro 660 Milliarden Kronen 45 Millionen Goldkronen ist der größte seit Bestand der Anstalt. Speziell im Jahre 1924 erwuchs ihr die Aufgabe der Beistellung von Krediten zur Renovierung der Wiener Hauser, sür welche Zwecke der Gemeinderat der Stadt Wien in den Jahren 1924 und 1935 je vier Milliarden Kronen als Einlagen zur Verfügung stellte. Durch Einlagen der unter Führung der Arbeiterkammer stehenden sozialen Bersicherungsinstitute erhielt die Anstalt hiezu weitere 10 Milliarden; sehr reichliche Mittel vermochte dir Zentralsparkaffe aus ihren eigenen Einlagengeldern für den gleichen Verwendungszweck Leizustellen. Aus diesen Mitteln wurden den Wiener Hausbesitzern zu sehr mäßigen Konditionen gegen hypothekarische Sicherheit Kredite bewilligt. In den Jahren 1924 und 1925 wurden insgesamt bisher für 3876 Hauser Hypothekardarlehen für Renovierungszwecke mit einem Gesamtbetrag von 197.597,720.000 K. gewährt. Der Zinsfuß für diese sünfjährigen Darlehen beträgt gegenwärtig 11 Prozents Um dem Bedürfnis nach Gewährung langfristiger Hypothekardarlehen Rechnung zu tragen, führt die Anstalt nunmehr wieder amortisable Darlehen mit zwanzig- und vierzigjähriger Laufzeit und halbjähriger Verzinsung und Amortisation ein, bei welchen die halbjährige Amortisqtion einschließlich der Zinsen 6,65 Prozent, beziehungsweise 6,04 Prozent beträgt. Soweit die flüssigen Mittel der Anstalt nicht vom Wiener Kreditbedarf in Anspmch genommen werdim» be- 709008 9334