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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-31 · Heft 2403 (31.10.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2403 (31.10.1925)
Date
1925-10-31
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung 81. Oktober 1925 Nr. 2408 'willigt das Institut Kredite auch außerhalb Wiens, speziell an Gemeinden, letztere zu einem Zinsfuß von derzeit 13 Prozent p. a., und hat solcher Art bereits an 34 Gemeinden in einer Gesamthöhe von rund 84 Milliarden Kronen Kredite gewährt, wobei in erster Linie Kredite für Produktive Zwecke, insbesondere siir Ausnützung von Wasserkräften, in Betracht kommen. Sie war hiebei in manchen Fällen in der Lage, ausländische Kredite in Schillingkredite zu konvertieren und damit, wenn auch in bescheidenem Maße, zur Verringerung der Verschuldung an das Ausland beizutragen. Der bei der Zentralsparkasse bestehende Kreditverein, dem die erforderlichen Mittel zum großen Teil durch die Zentralsparkasse zur Verfügung gestellt werden, gibt an Wiener Kaufleute und Gewerbetreibende unter gegenseitiger Haftung der Mtglieder Kredite zu einem mäßigen Zinsfuß. Der Kreditverein zählt derzeit 2953 Mitglieder mit einer gewährten Kreditsumme von zusammen 96.370,000.000 K. In Oesterreich, das mehr als alle anderen Länder durch die Kriegsfolgen gelitten hat, muß jeder von dem Bewußtsein durchdrungen sein, daß er mehr sparen muß. wie die Bewohner anderer Länder und alle seine, wenn auch nur vorübergehend entbehrlichen, Geldbeträge zinsbringend anzulegen hat; hiedurch nützt er nicht bloß sich selbst, sondern leistet auch einen Beitrag zum Wiederaufbau unseres Landes. Ile Wirtschaftskrise Zentichiands. Konkurs eines bedeutenden deutschen Agrarkonzerns. Berlin, 30. Oktober. Der Konzern deutscher Landbundgenoffenschaften hat am 28. d. sämtlichen Mitgliedern des Aufsichtsrates und des Konzerns brieflich mitgeteilt, daß der Konzern wegen Zahlungsunfähigkeit das Konkursverfahren für den Konzern deutscher Landbundgenossenschaften in Liquidation am 30. d. beantragen wird, da der Konzern in Kürze Zahlungsverpflichtungen in der Höhe von etwa 7000 Mark habe, die er nicht erfüllen könne. Außerdene sei auch eine Ueberschuldung eingetreten, weil ein Teil der Außenstände des Konzerns infolge des Konkurses einzelner Schuldner nicht eintreibbar sein werde. Wie das Wolffsche Bureau erfährt, ist die Konkursanmeldung heute erfolgt. Es wird Gewicht auf die Feststellung gelegt, daß die Landbundgenossenschaften mit dem Reichslandbund nichts zu tun haben, sondern sich gegen diesen in oppositioneller Stellung befinden. . Auf alle Fälle stand diese Agrarorg^nisation den deutschnationalen hakenkreuzlerischen Junkerparteien sehr nahe. Ursache des Zusammenbruches ist die Mißwirtschaft in der Verwaltung. Die niederösterreichische Dollaranleihe. In der gestrigen Sitzung des niederösterreichischen Landtages wurde die Ermächtigung zur Aufnahme der 6-Millionen-Dollar-Anleihe erteilt. Ein Teil der Anleihe soll der Newag zufließen, ein anderer Teil soll zur Verbesserung der Straßen verwendet werden. Zehn Millionen Schilling soll die Niederösterreichische Hypothekenbank für Kreditgewährung erhall Vereinigung der staatlichen Montaubetriebe. Im Budgetausschuß, wo gestern das Kapitel „M o n t a n b e t r i e b e" angenommen wurde, bezifferte der Berichterstatter das Defizit der Bundesmontanbetriebe auf 485.000 S. Bestrebungen, ' auch in den Montänbetrieben eine gewisse Kommerzialisierung Platz greifen zu lassen, seien seit längerer Zeit im Zuge. Eine Veräußerung oder Verpachtung komme nicht in Frage, es sei daher in letzter Zeit der Gedanke des Anschlusses der Montanbetriebe an die in Kom- Devisen Amster dam;•••*•*£. Belgrad Berlin.. Brüssel . . .. Budapest Bukarest. London Mailand ........ New»York Paris . Pme .... Devisenttnb Balutenkurse vom 30. Mover 1935. Geld War* Oeu 284.70 286.70 12.8625 12.6925 189 60 168 63 169.03 Warschau . 116.90 32.13 32 28 Zürich ....... 136.45 99.13 3.3676 99.43 8.3775 Valuten 706.— 34.2826 34.3925 Amerikanische Noten . 28.— 28 12 Belgische Noten — 707.66 710.16 dulgar. Not. ..■••• 20.78 29 84 Deutsche Noten .... 188.30 20.9860 21.0460 Kn eliscbe Noten 34 22 War* 6.1676 180.1Q 117.4-0 18695 710.— 168 90 34.38 französische Noten . , Holländische Noten .. Italienische Noten , . . lagosiawische Noten . . Polnische Noten ... Rumänische Noten . . . Russische Note» Roman,) Schweizer. Noten . . . rschecho-slow. Noten . Türkische Pfund-Noten . \ln»arlscne Noten Gele S. 29.80 283.75 27,85 12,6b 116,80 138 25 20.0650 99^20 Ware 30.10 285.76 28.06 12.67 117.80 137.06 21.0750 99.50 Dorotheum - Bankabteilung Wien, f. Dorotheergasse 17 merzialisierung begriffenen österreichischen, Salinen in Erwägung gezogen worden. Doch werden darüber umfangreiche Ver-' Handlungen notwendig sein. In der Debatte sprachen sich alle Redner für den Zusammenschluß der Bergbaubetriebe mit den Salinen aus. Minister Dr. S ch ü r s f bezeichnete diese Zusammenlegung der Bundesmontanbetriebe mit den österreichischen Salinen in einen neu zu schaffenden Wirtschastskörper als günstigste Lösung, wobei zweifellos Ersparun-. gen erzielt werden würden. Die österrelchisch - ungarisch - tschechoslowakischen Zuckerkartellbestrebungen erfolglos. Aus Prag, 30. d., wird telegraphiert: Die Verhandlungen, die zwischen tschechoslowakischen, ungarischen und österreichischen Zuckerindustriellen über gemeinsame Verkaufsbedingungen in Oesterreich, insbesondere über ein einheitliches Respiro bei der Zahlung, sind gestern beendet worden, ohne daß ein Positives Resultat erzielt wurde. Man will den Versuch machen, auf schriftlichem Wege über das Projekt weiter zu verhandeln. Neuwahlen im Gremium der Wiener Kaufmannschaft. Das Präsidium des Gremiums hat die in diesem Jahr zur Durchführung gelangenden Neuwahlen für den 9. Dezember anberaumt. Die in der heutigen Nummer des .Handels" erschienene Kundmachung zählt die Funktionäre, die zur Neu-, be.'iw. Wiederwahl gelangen, aus. Zur Besetzung gelangen vor allem an Stelle des verstorbenen Präsidenten Cornel Spitzer die Stelle des Gremialpväsidenten, drei Vizepräsidenten sowie ungefähr die Halste der Mitgliederder Gremialvvrslchung.- Insolvenzen. Der Konkurs wurde über Johann Klimek jum in Oberwart eröffnet. — Das Ausgleichsverfahren wuÄ>e eröffnet Wer. Heinrich Schächter, 17. Bez., Rosensteiugasse 49. — Ueber Anton Zirka in Stadt Retz, Znaimevstraße 39. — Ueber Franz Karl, Fuhrwerksbesitzer. Io. Bez., Laaerstraße 68. — Ucker Mina Weinberg. 20. Bez., Hellwagstraße 16. — Ueber Hans Reiß, Zuckerwarenerzeuger, 21. Bez.. Scheunenstraße 9—11. — Usber Rudolf Mayerhofer in Arnistetten. Inhaber des Schuh- Warenhauses ,MM Hans Sachs", Hauptsatz 7. — -Ueber Rudolf Schwarz, 3. Bez., Beatrixgasse 8. — Ueber Anton Watzet, 18. Dez., Gentzgaste 136. — Ueber E.. Storch, 14. Bez., Storchengasse 5. — Ueber Marie S regl, Gastwirtin, 19. Bez., Sandgasse 8. — Ueber Karl Nowak, Kaffeehaus« besitzer, 18. Bez., Staudgafse 1. — Uetber Theodor Hansel, 9. Bez., Elusmsgasse 6. Die Ruinen des Etinnes-Vermögens. Wie uns aus Berlin telegraphiert wird, ist der Konkurs der dem Doktor Edmund Stinnes nahestehenden Aga-Automobilwerke unvermeidlich geworden, da alle Samerungsversuche fehlgeschlagen haben. Gestern ist der jüngste Sohn Stinnes' in Wien eingetroffen, um wegen der von uns bereits seinerzeit gemeldeten Liquidierung und Verkaufes der österreichischen Stinnes - A.-G. an den Badener Metallindustriellen Doktor Netter zu verhandeln. Zusammenbruch einer ungarischen Lederfabrik. Aus Budapest wird gemeldet: Die Patria-Lederfabriks- A.-G. in Stuhlweißenburg ist mit einem Betrage von ungefähr 12 Milliarden Kronen in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Dir Firma ist bemüht, sich mit ihren zumeist deutschen Gläubigern auf gütlichem Wege anszugleichen. Die Staatsschulden Polens. Aus Warschau wird telegraphiert: Das aus dem allgemeiuen Budget ausgeschiedene Staatsschnldenbudget sieht für 1926 für A in o r t i s i e r u n g «und Verzinsung der in- und ausländischen Schulden einen Betrag von 76 Millionen Zloty vor, gegenüber 54,1 Millionen pro 1926. Die Erhöhung des Betrages erklärt sich durch das Anwachsen der Schulden. Die Gesamtsumme der polnischen Staatsschulden beträgt zurzeit 1733 Millionen Zloty, wovon 1367 Millionen auf die konsolidierten Schufen entisallen. Wiener Produktenbörse. Tendenz: Die Tendenz war l u st l o S, der Absatz war g e r i tt q. Es notierten: Wetzen: Inländischer 3760 bis :-8.60, klngaäscher Theiß 79/80 Kilogramm 42. - bis 44—, Ungarischer 89.— bis 41—, Jugoslawischer 76 Kilogramm —bis Jugoslawischer 77/78 Kilogramm —bis —.—. Roggen, Inländischer Marchfelder 2860 bis 28.75 Vetter Boden 27.76 dis 28.25 Gerste Brauware inländische 34.- biS 42.— böhmische mährische —bis —.—. Mais: Jugoslawischer 29.— bis 80 —. C t n q u a n t i n 42.— bis 43.—. H a k e r Inländischer 29.— bis 31.—. N e i S Italienischer 80.— bis 88.—, Burma 61.— bis 63.—. Mablvrodnkte Grieß inländischer 74.— bis 76.— Weizenmehl 0 inländisches 71- bis 73.—, Kochmebl 2 inländisches 63.— bis 65.— Brotmehl inländisches vrimo 49.— bis 52.—. Wiener Warenbörse. Es notierten am 30. Oktober: Kolonialwaren: Kaffee: New-Aorker 18.39 Dollar, Santos Prime 625.—. Tee: Pecco Java. Orange 1100.—, Gewürze: Pavrika, edelsüß 650.—. Pfeffer Stngavore schwarz 610.—, Kümmel, neu, holl. 145.—. N ei S: Burma64.—, Italienischer 66.—. Zucker: Raffinade-Kristall 186.- tschech.K., Würfel sin Kisten) 206.— tschech. K. Lequar 1925 110.—, Pflaumen. boSn.. in Kisten, 70/75 125.—. Kranzseigen, Calamata 98.—, Barimandeln, superior 730.—. Chemikalien: Aetzkali, 88/92 79.— Schweizer Franken. Aetznatron. 128/130 Solvay 66.— Alaun, in Stücken 84.—, Ameisensäure, 86% 145.-, Borax, krist. 110.-, Chlorkalk. 110/115 30.-, Chromnatron 130.—, Eisenvitriol 15.— Essigsäure, 80%, für Genußzwecke 230.—. Die Preise verstehen sich, wo nichts anderes bestimmt wird, in österreichischen Schillingen pro 100 Kilogramm. Wie«« Mse. Geschastslos. Auch, der heutige Verkehr eröffnete in geschäftsloser Haltung. Drückend wirkte die Ungewißheit über den Verlauf der Verhandlungen der Bundesbeamten mit der Regierung und umfangreiche Glattsiellungen aus dem Auslande. Auch die .Nachbarbörsen konnten infolge der flauen Geschäftsgestaltung keine Anregung dem Wiener Verkehr bringen. In der Kulisse blieben unter diesen Umständen d:e Umsätze äußerst gering, wobei die Kursrückgänge überwogen. Bemerkenswert war die flaue Haltung der tschechoslowakischen Arbitragewerte. Im Schranken waren Papieraktien fester, während Zuckerwerte sich .ermäßigten. Ohne daß das Geschäft einen lebhafteren Charakter angenommen hatte, schloß die Börse nicht einheitlich. In der K u I i s s e gewannen unter anderem Siemens 2900 K., Scilgo 6000 K., Oesterr. Hofherr 1700 K., Semoerit 1500 K. und A. E. G. 1100 K. Dagegen verloren Oesterr. Kredit und Trifailer je 1500 K., ZivnostenSka 8000 K., Koburg 13 000 K. und Poldibütte 3600 K. Im S ch r a n k e n erhöhten sich unter anderem Perlmooser um 83.000 K., Aegydier um 30.000 K., Neusiedler um 45.000 K.. Lenzmger um 14 000 K., Schellenhofer Copyright 1924 by ' 52 Fortsetzung. <urt Wolff Vtrlag A.-G. München Nachdruck verboten. Herr Fettwanst. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornih. ,Ms «wird sich schon richten, es wird sich schon richten", versicherte Gevditzkh immer wieder, setzte aber nachdenklich hinzu: ,Harry Hst ein voizender Kerl, äber niemand scheint das einzusehen..Also trauert Harry seineir verlorenen Fanny nach, und ich bemerke mit wachsendem Mißvergnügen, daß Esther «und Dr. Erane drauflos schwadronieren wie zwei Seelenverwandte, die sich endlich Enden halten... Hymie schlendert mit zwinkernden Augen und nimmermüden Lippen in den Gängen von Tisch zu Tisch und begrüßt Studienfreunde, junge Aerzte, Bekannte von der freien Vereinigung der radikal Gesinnten, junge alte Leute, eifrige Diskussionisten, Weltpcllittker, alte junge Männer, die grau geworden sind unter der Last der Erkenutnis der harten Wahrheiten des Lebens, und die regulären lKafseehauslesucher, die sich aus der angenehm faulen Atmosphäre der Cafes in Wien, Budapest, Prag und Berlin in den verwandten Boden der Neuen Welt verpflanzt haben; die von Zuschüssen, Pump, Kartenspielen,. vom Verkauf von Pfandscheinen, vom Reinigen abgenutzter Spielkarten und, ihrem Wiederwevkauf loben; die immer irgend etwas tun, nur nicht arbeiten: eine bunt zusammengewürfelte, eigenartige, gutmütige, gleichgültige Horde Menschen. Ich lausche Cranes eleganten Ausführungen. . . Zwischen ihm und Esther ist ein lebhafter Streit entstanden.' Er sagt: „Bitte, täuschen Sie sich nicht . . ." Sie hat soeben erklärt, daß die Judenfrage in der reinen, freien Luft Amerikas einfach verschwinden werde . . . Crane aber tritt ihr geschickt entgegen und schneidet das Fleisch der Frage mit geübien Messerschnitten tiefer und tiefer an. „Die Juden selbst werden in Aii'.er'm eine Judensrage herausbeschwören, solange sie auf ihrer bizarren Judenhastigkeit bestehen . . . Was die unntittelbar-neugierige Haltung dem Juden gegenüber veranlaßt... sind fremdartige Sitten und Meldung — sein Bart und seine Peies (Ohvlocken). Er ist immer der abstoßende Ausländer, der unangenehme Erinnerungen an den geschichtlich verleumdeten Juden erweckt . . . seine nachlässigen Kleider oder seine übertriebene, juwelenbedeckte, anmaßende Eleganz; seine Anmaßung und Pöbelhaftigkeit.. . seine antipathische Aufdringlichköit... Sein verrücktmachender, unfehlbarer Glaube an sich selbst als bester, gescheiter, sauberer, moralischer, gerissener, größer; der Au'sgewähl-te des einen, einzigen Gottes, den er auf die allein richtige Weise anbetet . . . seine Verachtung für alle anderen, für ihre Sitten und Lelbensgewohnheiten, ihren Glauben, ihre Blödheit . . . und so «wird er verhaßt, unerträglich, unerwünscht . . . Sind Sie überrascht, gekränkt? . . . Das aber eben sind die Dinge, die wir der Außenwelt gezeigt haben und noch immer zeigen. Hier in Amerika hat "der Jude Gelegenheit, zu beweisen, «daß er etwas anderes ist als das gezeichnete, gehaßte Geschöpf, das er scheint . . . oder als der rafftnde, mitleidlose, egoistische Shylock, wie ihn die Phantasie der Massen kennt . . . Und nun veranlassen pvofessionelle Juden Zusammenstöße, Aufregung, Wut über jede eingebildete Klage, jode Beleidigung, jede Bemerkung. Sie richten geradezu einen Scheinwerfer auf den Juden. Ihre überhebenden Schwatzereien in der verbreitungssüchtigen Presse, auf den Kanzeln, auf der politischen Plattform, in Massenversammlungen und in >den Hallen der Gesetzgeber tragen mehr, dazu bei, das Gespenst der Judenfrage in Amerika heraufzubeschwören, als aller Hohn, alle Verleumdung und alle Anklagen der wütendsten Antisemiten ... Der professionelle Jude macht aus seiner eigenen Nasse mehr und mehr ein delikates Politisches Problem. Er verbittet sich jede Kritik. Und gerade das brauchen wir — Kritik und wieder Kritik von innen .heraus — die Erkenntnis unserer Fehler. Wer aber wagt es, die Juden zu tadeln, die nach Amerika herübevkommen und nach Methoden der Men Welt ihren Unterhalt verdienen wollen? Gewiß, diese Methoden stellten in der Men Wetz die letzte Zuflucht eines behinderten, eingeengten Volkes.dar und waren also entschuldbar — doch -in der Alten Welt! Hier aber, in Amerika, sollen wir auch hier Wucher, Betrug, Hehlerei, Schmiergelder, Zuhältevei, Bordelle, Schwindel, -das Uebervorteilen aller Richtjuden, das Ausnutzen der Arbeiter gutheißen? . . . Und dabei sind die, die das tun, nur eine Handvoll, der 'Abschaum, der Auswurf der verrotteten, zynischen Zivilisation des Kontinents. Weil jedoch die -professionellen Juden eine Kritik und eine «Säuberung des Hauses nicht zugeiben, wird diese Handvoll Abschaum zu den typischen Vertretern der großen Bevölkerung arMr, ehrlicher, arbeitender, einfacher, gesetzgebender Juden ... So ersticken sie alle Kritik, diese professionellen Juden, die nichts weiter tun, als was ihnen ihre fetten Posten vorschreiben: sie appellieren an die RasserwitMit ihres Volkes . .. Was tut's, wenn ehrliche Kritik weh tut «wie eine scharfe, säubernde Lanzette und «brennt und beißt wie ein Antiseptikum, das man über eine schwärende Wunde gießt? ... Die Juden ..." Warum sind Tränen in Harrys Angen? Hymie hat seinen Sitz am Tische wieder eingenommen und hört Crane nüchtern zu. Und Esther? Jhr< Augen «sind nicht von seinem Geisichte gewichen, nicht für eine flüchtige, zitternde Sekunde. Cranes Antlitz ist ruhig; seine Augen scheinen in die «Ferne zu schauen, als ob er darüber nachsinne, was er eiben gesagt hat. Kaffee und Kuchen werden ausgewogen und wir essen schweigend. Nachdem der Tisch abgeräumt ist, sitzen wir noch limmer schweigsam herum und sehen auf Crane, als ob wir darauf warteten, daß sich der BelMer «wieder Me und wieder KaNkadm von Ideen von sich geben würde. In mir wächst die Wut. Ich möchte ihm erwidern, ihn mit. einer patrilotischen Antwort ersticken. Meine Leitung aber ist nicht in Ordnung und funktioniert nicht.. . Und wie das entfernte Rauschen der Wogen am Strande, schleichend, drohend, düster, ertönt Crane's Pvonunziamiento: . (Fortsetzung folgt.)

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