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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-31 · Heft 2403 (31.10.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2403 (31.10.1925)
Date
1925-10-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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m. senTüWT ' " Nr. 9408 X HolUad»trM«e 14 auf tritt, spricht nicht im Namen der Bevölkerung. Die südsyrische arabische Presse bestreitet energisch die Legitimation dieses sagenannten Kongresses, und die vornehmen türkischen Familien in Damaskus lehnen öffentlich jeden Zusammenhang mit den eingebrochenen- Banden ab. Diese Symptome müssen sehr beachtet tverden, weil die Rückwirkung der Unruhen auf Palästina leicht möglich ist. Es gibt denn auch bereits in Berlin gewachsene Meldungen über den heiligen Krieg hder in Deutschland sehr populär ist, seit MHvlm in Damaskus war, und seit , anno 1914 der Unterrock der Fatme im Wind wehte), über Stvaßenkundgebrm'gen im ganzem Orient und über Revolten in Palästina. Das sind nur Gerüchte, entstanden aus einer romantisch gereizten Phantasie und sie werden wohl auch weiter Gerüchte bleiben. Ae NdWen Kandidaten im Sritaner «Minis. Brünn, SO, Oktober. Der jüdische Volksrat Brünn hat cm Einvernehmen mit der Exekutive der jüdischen Partei für die Neuwahlen in das Abgeordnetenhaus im Brünner Wahlkreis die folgenden Kandidaten aufgestellt: Advokat Dr. Karl Sonnenfeld in Brünn, Stabskapitän und Gemeinderat Hermann Grün in Brünn, Gastwirt Wilhelm A d l e r in Pohrlitz, Oekonom Julius A s ch k e n e s in Auspitz, Oekonom und Gemeinderat Heinrich B e r i s ch in Auspitz, Advokat Dr. Artur Feldmann in Brünn, Jakob Knöpselmacher in BoSkowitz, Kaufmann Gustav Neubauer-Same! in Jvancic, Cafetier Moritz S p i tz in Pohrlitz und Kaufmann Moritz Zeißl in Boskowitz. Ler Zranenkongkeß in Bukarest. Wir haben am 29. d. über die Beratungen eine- Frauenkongresses in Bukarest berichtet, zu welchem Vertreterinnen sämtlicher Frauenverbände der nationalen Minoritäten geladen waren. Die I. T. A. meldet ergänzend, daß auf dem Kongreß, der am 25., 26. und 27. d. stattfand, auch die jüdischen Frauenvereine vertreten waren. Es wurde der gesamte Komplex der Minderheitsfragen, besonders Schule, Kirche und Agrarreform erörtert. Mehrere Denkschriften der jüdischen Frauenvereine wurden verlesen. Prinzessin Cantacuzino, die Anregerin der Tagung, erklärte, die Denkschriften seien mit großem Interesse zur Kenntnis genommen worden und würden noch Gegenstand eines eingehenden Studiums sein. Die Kongreßteilnehmerinnen wurden von der Königin von Rumänien empfangen. -er Boden für die russischen Zudeustedluugen. Das Kommissariat für Landwirtschaft der ukrainischen Sowjetregierung hat, wie I. T. A. berichtet, in seiner unter dem Vorsitz des Landwirtschaftsministers Dybnik abgehaltenen Ätzung beschlossen, an die Beschaffung neuen Anbaubodens für die Kolonisation von Juden heranzutreten. Das Kommissariat für Landwirtschaft hat festgestellt, daß 150.000 Deßjatinen Boden für jüdische Siedler bereitzustellen sind. Aus den Angaben jedoch, die bei der Sitzung des Landwirtschaftskommissariats gemacht wurden, ist zu ersehen, daß nur ein Bruchteil des benötigten Bodens zur Verfügung steht. So sind 1190 Deßjatinen Weideland im Distrikt Cherson, 1944 Deßjatinen Ackerland im Distrikt Berißlaw, 2100 Deßjatinen Bodens, dessen Qualifikation erst festzustellen ist, im Distrikt Zaraposchek frei; das Landwirtschastskommissariat nimmt an, noch zirka 55.000 Deßjatinen in den Bezirken Marjupol, Melitopol und Kriwojrog bereitstellen zu können. Insgesamt wären damit erst 60.000 Deßjatinen Boden vorhanden, wenn tatsächlich die ermähnten 55.000 Deßjatinen in den zuletzt genannten drei Bezirken bereitgestellt werden können. Da nun daS vom Kommissariat für Landwirtschaft festgestellte Bodenerfordernis 160.000 Deßjatinen beträgt, so ist es nur zu einem Bruchteil zu decken. Auf den 60.000 Deßjatinen können, wenn sie tatsächlich bereitgestellt werden können, nach dem System der Bodenfläche von dreieinhalb Deßjatinen Pro Kops etwa 17.000 Personen angesiedelt werden, wobei unberücksichtigt bleibt, daß dieser Verteilungsschlüssel nur bei vollkommen anbaufähigem Boden anwendbar ist. Die Zahl der Juden in der Ukraine, welche gegenwärtig bereit sind, in der Landwirtschaft sich eine neue Existenz zu gründen, ist unvergleichlich größer. Die für da8 Jahr 1926 vom Landwirtschaftskommissariat beschlossene Bodensläche reicht demnach in keiner Weise auch nur für den dringendsten Bedarf ans. Eine jüdische Kolonie durch Feuer vernichtet. Moskau, 25. Oktober. (I. T. A.) Die jüdische K o l o n i e bei D u n a j e w e tz im Distrikt Kameneh fiel einer Feuersbrunst zum Opfer. Die gesamte Ernte des Jahres, Geräte, Häuser und Haushaltgegenstände sowie auch die Dokumente der Kollektivsiedlung wurden v o l l k o m m e n v e r n i ch t e t. Die Untersuchung hat ergeben, daß Brandstiftung vorliegt. Bereinigung radikaler Zionisten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 29. Oktober. Anläßlich der Sitzung des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation fand eine Besprechung der in Berlin anwesenden Vertreter der Vereinigung radikaler Zionisten statt. Die Konferenz beschäftigte sich mit der Haltung und den Forderungen der radikalen Fraktion im Aktionskomitee und mit der Festlegung der Politik und Tätigkeit der Gruppe für die nächste Zeit. Aus Grund' der Berichte der Vertreter aus den verschiedenen Landern konstatierte die Konferenz, daß sich in weiten Kreisen der zionistischen Oeffentlichkeit nach dem Kongreß ein erhöhtes Verständnis für das Programm und die Forderungen der radikalen Vereinigung bemerkbar mache. Es wurde beschlossen, die weitere Aufklärungsarbeit sowohl in der Presse wie auch in der zionistischen Oeffentlichkeit energisch sortzusetzen und auch den organisatorischen Zusammenschluß der Gruppen in den verschiedenen Läickern in der Form von Klubs und Komitees auszugestalten. Als die wichtigsten politischen Forderungen der Gruppe für die augenblickliche Situation wurden folgende Punkte formuliert: 1. Liquidierung des Projektes der Erweiterung der Jewifh Agency, dessen Uttdurchführbarkeit und Schädlichkeit bereits durch die Wirklichkeit erwiesen worden ist. 2. Aktive und systematische Ausgestaltung der außenpolitischen Arbeit und insbesondere energischere Vertretung! unserer Forderungen gegenüber bet Mandatarmacht auch in der Oeffentlichkeit seitens unserer verantwortlichen politischen Vertreter. 3. Eine innerjüdische Politik der kompromißlosen und kämpferischen Vertretung und Durchsetzung der zionistischen Forderungen aus allen Gebieten des jüdischen LebenS, anstatt Fortsetzung der Versuche, unter Preisgabe wesentlicher zionistischer Prinzipien eine künstliche Einheitsfront auf Basis einer vagen, zu nichts verpflichtenden Palästinastimmung zu konstruieren. 4. Gestaltung des Ausbaues Palästinas auf Grund der zionistischen Forderung der Umgestaltung der Struktur des jüdischen Volkes unter Zugrundelegung des Primats der landwirtschaftlichen Kolon isat i o n, der jüdischen Arbeit als der Basis des jüdischen Gemeinwesens, des hebräischen Charakters deS Fifchuw. Zielbewußte Regulierung und Gestaltung der Palästinaeinwanderung. 5. Konzentration der innerzionistischen Arbeit aus den Ausbau und die Reform der Organisation in all ihren. Teilen aus Grundlage der Prinzipien der Demokratie und der Souveränität des Kongresses, einer starken, zentralen Leitung und der solidarischen Gesamtverantwortung all ihrer Instanzen. Für die Durchsetzung dieser Forderungen wird sich die radikale Vereinigung mit aller Energie einsetzen. Zwecks Ausbaues des Programms sowie der weiteren Politik wurde beschlossen, im Winter eine größere Konferenz der Vertreter der radikalen Gruppen in den verschiedenen Ländern einzuberufen, deren Vorbereitung dem Zentralkomitee der Vereinigung in Berlin übertragen wurde. Herr Dr. Jakob Klatzkin wurde beauftragt, in Verbindung mit den verschiedenen Gruppen einen Programmentwurf für diese Konferenz auszuarbeiten. Shanuka-Altlou des Km« itaiemetl in Seftrneich. Die Sammelstelle -des K e r« n K a j e m e t h l'J s r a e l fürOe sterreich wird in diesem Jahre eine großzügige Chanuka-Aktion durchführen, die den Zweck hat, einen beträchtlichen Teil des auf Oesterreich entfallenden, bedeutend erhöhten Kontingents für 5666 auszubringen. Das aüsfühvliche Programm -dieser Aktion, die «bereits anfangs Dezember beginnen und nach Charmka endigen wird, -wird» noch veröffentlicht. .Zur Durchführung feiner Aktion wird .sich der Keren Kajemeth diesuval nicht nur an seine bisherigen ständigen Mitarbeiter wenden, sondern eine große Zahl neuer Mitarbeiter und die Unterstützung der gesamten Zionistischen Organisation Oesterreichs in.Anspruch nehmen. Eine ganze Reihe organisatorischer und propagandiistischer Maßnahmen ist in Vorbereitung. Landeskonferenz des Keren Kajemeth. Dve Landestommission des Keren Kajemeth beruft die diesjährige Landeskonferenz für Sonntag den 8. November 1925, 10 Uhr vormittags, in den kleinen Saal «des Ingenieur- und Architektenvereines, 1. Bez., Eschenbachgasse 9, ein. Die Tagesordnung enthält unter anderem Referate über die Tätigkeit des Keren Kajemeth in Evez Israel (Frau Dr. B u ch m i l aus Erez Israel), die Bchenpoliiik des Keren Kajemeth (Adolf B ö h m), die Tätigkeit des Keren Kajemeth im Jahre 5685 (Dr. Chaitn Tar tato wer) und den Arbeitsplan für d.l's Jahr 5666 (Wölf Pol lat, Sekretär des Hauptbureaus). Zur Teilnahme an der Konferenz sind «berechtigt: Die Vertreter aller Gruppen, die dis Mininkalkonti-ngent -von 12 Pfund aufgeibracht haben. Die Gruppen, die zumindest 50 Pfund ausgebracht.haben, haben das Recht, zwei Delegierte zu entsenden. Bis Dienstag den 3. November geben die Gruppen di-e Namen ihrer Delegierten den: Bureau an. Sie erhalten die entsprechenden Teilnehmerkarten von Dienstag den 3. November angcfaiMn. Die für Samstag -den 7. November um 7 Uhr abends arigeliin-dmle Versämur-ung findet aus technische Grüiiden nicht statt. »m Zoo, Berlin, Hardcnbergstr. 27, Direktion! N. von Benedito Treffpunkt der Fremdenwelt Berlins 5-Uhr-Tee » Soopsr prlx fix * ExqoUUe KQdre K»ell«i ScaU-fong-Band, Milano ll 7 Perber der Wiener Humorlit Charlie Woeber Borlchub oder Streik. Das Ultimatum der Beamten. Gestern vormittags teilte der Bundeskanzler den Beamten mit, daß eine Zuwendung im heurigen Jahr ausgeschlossen sei. Wenn die Notlage einzelner Beamten drückend ist, dann werde das Finanzministerium ihnen in der liberalsten Weise mit G e h a l t S v o r s ch ü s s e n entgegenkommen. Es werde so möglich sein, auf individuellem Wege notleidenden Beamten schon im Dezember zu Helsen. Mit dieser Antwort war natürlich der Fünfundzwanzigerausschuß n i ch t z u f r i e d e n und es wurde beschlossen, der Regierung ein bis Sonntag, 12 Uhr mittags, befristetes Ultimatum zu überreichen. Sollte bis dahin die Regierung nicht die Auszahlung eines halben Monatsgehalts noch im Laufe dieses Jahres und die Flüssigmachung zweier Halbmonatsgagen in vier Quartalsräten zusagen, so würde Mittwoch früh der Streik.beginnen. Dieser Beschluß wurde dem Kanzler mitgeteilt. Dr. Ramek machte die Beamtenvertreter auf die schweren Folgen, die ein Beamienstreik haben könnte, aufmerksam und betonte nochmals die Bereitwilligkeit der Regierung, Vorschüsse zu geben. Daraufhin berieten die Beamtenvertreter darüber, wie diese Vorschüsse einer, möglichst großen Zahl von. Bundesangestellten gesichert werden könnten. Gleichzeitig tagte auch ein Ministerrat, der sich mit der Streik- und Vorschußangelegenheit beschäftigte. In den späten Abendstunden fand abermals eine Begegnung zwischen dem Bundeskanzler und dem Verhandlungskomitee der Beamten.statt, in der vereinbart wurde, h e u t e um V*3 Uhr nachmittags über dieDorschüsse Wetter zu verhandeln. Generalkommissär Dr. Zimmerman fand sich nachmittags im Parlament ein und erkundigte sich persönlich nach, dem Stand der Dinge. Für heute vormittags sind die ErsparungSk o m m i s s ä r e zum Bundeskanzler berufen, um.mit ihm über das Ersparungsprogramm zu beraten. Ler BSlkerftreik unvermeidlich. Zu den Beschlüssen der Bäckerinnung Md deS Verbandes der Brotsvlbrvkanten wird der Korrespondenz Herwei von gewerh'chLsÄicher Seite mitgeteM: Durch diese beiden BäschNsse ist nunmchr das. weitere Verhalten der Bäckevavbeiter dorge- -eichnet. Diese haben in der letzten DolkverlsamMing der Betriebsräte und PertrauenSmänuer bereits beschlossen, daß im Falle die Forderungen der Ackeiteffchaift nach einer Kvvffpwzenttgen Lohnerhöhung bis Montag den S. November nicht erfüllt sind, daS äußerste gewerkschaftliche Mittel, der Streik, zur Anwendung komme. Der Streik dürfte nnnnnchr unvermeidlich sein, da, wie eS scheint, die Unternehmer nicht geneigt sind, mit der Arbeiterschaft noch einmal in Whllung zu treten. Sowohl die Bäckerinnung als auch der Verband der BwtlfÄbrAen haben ihre Beschlüsse gestern den Backerarbertern übermittelt. Aus dem Wiener Gemeinderat. Baubewilligung für die Zeremonlenhalk aus dem jüdischen Friedhof. In der gestrigen Sitzung des Wiener Gemeinderates wurde eine Reihe von Reserentenanträgen über Zuschußkredite angenommen. Gelegentlich eines Antrages auf einen Zuschußkredit von 48.000 Schilling zum Bau eines Kanals in Ottakring, der aus ersparten Summen bedeckt werden sollte, kritisierte Gemeinderat Zimmerl (christlichsozial) die Budget- Politik der Gemeinde. Man läßt einfach, erllärt er, einen ganzen Bolkswohnhausbau, der im Budget ausscheint, verschwinden oder baut einige Kanäle nicht und bezeichnet das dann als Ersparnis. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung findet man eine Reihe solcher Referate. Da werden große Programme ausgearbeitet, dann aber sagt die Finanzabteilung, daß nicht so viel Geld da ist und ba8 Programm wird eingeschränkt. Das ist nichts anderes als Nichterfüllung vorhergesagter Versprechungen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde eine Bau« limembänderung aus dem jüdischen Friedhof beschlossen. Ferner wurde die Baubewilligung für die projektierte Zeremonie n h a l l e unter der Bedingung erteilt, daß sich die I Kultusgemeinde verpflichtet, die sgrunMcherliche ^Durchführung des Vertrages noch vor Erteilung des Benützungskonsens zu erwirken. _ rarisennWgung für "" Kohle. Im Budgetäusschuß kam Abgeordneter S k a r e t gestern bei Behandlung des Budgetkapitels „Eisenbäh n e n" aus die Zeituugsmeldungen zu sprechen, wonach Polen zu der bereits bestehenden 60prozentigen TariferMäßigung für Kohlenfrachten eine weitere 20prozentige Ermäßigung erhalten solle, damit, wie er sagte, die polnischen Kohlenmagnaten ihre Kohle billiger nach Italien beordern können. In einem solchen Vorgang könne unmöglich eine kaufmännische Gebarung erblickt werden. Polen befinde sich derzeit in einem schweren Wirtschaftskriege mit Deutschland, den es offenbar in der Weise zu paralysieren suche, daß eS trachte, mit Italien besser ins Geschäft zu kommen. Daß diese Verbilligung der Kohlenstacht nach Italien gewährt werde, könrie leine Regierung verantworten. B-0D 4483

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