Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2402 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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/ i Veite 6 Wien, Freitag 30. OMet 1335 Nr. StOS fchr ähnllche Heilpflanze wurde erkannt. Vielfach fanden sich auch schon Trauben beeren, die mit wenigen Ausnahmen ganz dieselben sind, die man dort heute noch baut. ■ Diese Entdeckungen zeigen uns deutlich, daß kaum eine Verwandlung und Umänderung der Pflanzen in der langen Zeit von 5000 Jahren stattgefunden hat. Sie beiden SchachweltmMer. Capablanca stellt sich Lasker doch? Seit Ema-nu-ol Lasker im Jahve IM das Match um die Weltmeisterschaft gegen den Kubaner Casablanca «bei einem Stand von 4 Berlustpartien und 10 Remis wegen körperlicher Beschwerden infolge des ungewohnten Klimas — das Wlatch fand in Südamerika statt — aufgab und Capablanca damit den Weltmeistertitel in Anspruch nahm, wurde dieser Anspruch des kubanischen Schachmatador's immer wieder bestritten. Einer Klärung der Sachlage durch einen neuerlichen Wettkampf in einem Orte mit europäischen klimatischen und hygienischen Verhältnissen entzog sich Capablanca immer wieder unter allerhand Vorwänden. Wo er seither mit Lasker im Turnier zusammentras, rangierte er hinter ihm. Ms nach dom Turnier von Now-Iork Capaiblancas Leistungen im Vergleich zu denen Laskers stark znrückbliebeN, und die Stimmen, welche das Ergebnis ldes Matches um die Weltmeisterschaft bestritten, wieder lauter wurden, Halis sich Capablanca mit einem Schimpfartikel gegen Lasker. Mn scheint sich der Kutaner, der übrigens in dem im November beginnenden großen Moskauer Schachturnier wieder mit Lasker Zusammentreffen -wird, doch entschlossen zu haben, sich dem so oft gemiedenen Gegner zu stellen. Nach einer Amsterdamer Meldung ist ein zweiter W-eltmeisterschaiftskampf Lasker— Capablanca in Vorbereitung. Als Kampfort Hit man diesmal New-Jork geivählt, wohin sich Dr. Lasker im Jänner zun: Abschluß der Verhandlungen begeben soll. Ler Dresdener Kremaloriumskaudal. Eine aufgedeckte Hakenkrenzlüge. In der Berliner „C. V.-Zeituug" berichtet Max Kosler (Dresden). Adolf Hitlers völkischer Beobachter" brachte in seiner Nummer vom 3. August ein abstoßendes Bild: Drei Ostjuden, die in einem Leichenkeller zwei Tote plündern und ihnen die Zähne ausbrechen. Unter dem Bilde stand in dicken Lettern: Im Dresdener Krematorium ifind die Leichen systematisch beraubt worden auf Anstiften jüdischer Hehler! Wochenlang hatten antisemitische Winkel- und Skandalblätter güte Geschäfte mit einer gemeinenJudenhetze zu machen -verstanden und Dresden in Erregung gehalten. Nun sind zugleich mit Hitler auch diese Blätter gerichtet; der Dresdener ,Krematoriumskandal" fand vor dem Dresdener Schöffengericht seinen Abschluß. -Es kann auf Grund der Gerichtsverhandlung einwandfrei fest-gestellt werden, daß das Judentum, ja selbst der mit der Sache in Verbindung gebrachte einzige Jude überhaupt nichts mit dem Skandal als solchen zu tun haben. Zwei christliche Krematoriumsheizer hatten einzuäschernde Leichen ihrer Wasche beraubt und aus den Aschenresten Gold- und Platinreste ausgesiebt und verkauft. Unter falschem'Namen und als angebliche Händler hatte der eine Dieb kleine Mengen an einen jüdischen, gutbeleumdeten Metallhändler verkauft.' Dieser erkannte anläßlich einer Einäscherung in einem Oberheizer den angeblichen Händler, stellte ihn und brachte ihn zur Anzeige. Dafür wurde er infolge völkischer Hetze vorübergehend verhaftet, aber im'Gerichtsverfahren, wie nicht anders erwartet werden durfte, freigesprochen, während ein vermutlich ebenso uns-chul-' diger christlicher Goldauftäuftr sich infolge der schamlosen Preßhetze erhängte. ■ Neben diese Tatsachen halte man das geschilderte Bild des- Hitler-Organs. Eine derartig skrupellose Ausnutzung jener traurigen Leichenslederei zugunsten der völkischen Geschäfts lasse, die sich doch wohl selbst als eine Art geistiger Leichenfledderei dartut, müßte bei normalen anständigen Menschen zu einer M a s s e n f l u ch t aü s d e r völkischen Bewegung führen, und man lernt plötzlich das Grauen verstehen, -das einzelne ehemalige Völkische zu ihren Veröffentlichungen über die Fememorde treibt. Wien, 30. Oktober. * Das Wetter. Gestern herrschte nebeliges Heribstwe)ter. Die Prognose läßt für heute keine wejsenlliche Aenderung erwarten. * Die Lebeusmittelmiirkte. Aus den gestrigen Viehmärkten in St. Marx sind die Preise aus den meisten Gebieten^ im Vergleich zur Vorwoche zuvückgegangen. Namentlich Kaliber halben stch.uim 2o bis 40 Groschen pro Kilogramm im Preise' verbilligt. Ta auch die Großmarkthalle gesteigerte Neischimpor:>e außwies, und auch dort die Großhandelspreise weiter die rückgängige Richtung verfolgen, so ist am Wochenende mit einer, merklichen Verbilligung der Detailsteischpreise zw rechnen. — Der Nafchmarkt wurde auf den meisten Gebieten über Bedarf dotiert. In der. Preislage ist gegen die Vörtage keine Veränderung eingetreten. Aus Italien ist eine Sendung Paradeiser einigerlangt, die qualitativ zu wünschen übrig ließ. Kartoffelpresse anhaltend stationär. Mit Achsel und Birnen war der. Obstmarlt reichlich versehen. Irische, ausgesuchte Eier stellten sich ans den Märkten aus £5 ins 26: Groschen pro Stück. .!'*ojn rrivn In dw win ,wi2y DnßD 1222 rua unnat? svrv W topn nr: : um d'“ds o’ibd ro v, wvnn onw — *pD2imm2 .v p na db 3 wsnan m 'r rwy2 nwan nnon di 8 910 omöB — 'poa^DD n»D S 17 50 na 2*212 w 8 14'— bxw miss w - ina >b yi rrnuwm nwn fliyixpD bzb w nniB2 mb™ ,nvmnsDi mmtöD'n rnnvis Bpv» »iprrwo novin p* iwhw p^n — oyi »rmßwa nnman nnson S 20-90 12 112^:12 D'piß nwn — 2 3 / ti nin22i D":i2’nn ibdh 'n22 "neton mtA ist 2"Lvyn iscn vd bw jwtyn S 620 12"'2.1 «ipon nvr» - p'P2'21^D .2 ,mncn m«D y2ta> ^12 on woipto vipn 'inzb nuisn i^id' öiibd nriBsi miienn nuna 121221 piy2* nini1? wie# pin; S 43-20 12 S 2520 J12122 «ipon mp2 nnVin — 2^211 .m p'Vv'2l^v .2 •«ipDn »yic3 :joi nc 5 5 40 niyain ibd — ii?s:i2 pyai? 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Der türkische Gesandte'' in Men, HamdY Bei, ist gestern beim Bundesmimster für auswärtige Angelegenheiten Dr. Mataja erschienen, um.der Teilnahme seiner Regierung Ausdruck zu gelben und mitzutellen. daß die türkischen Behörden alles daran setzen werden, um den Fall aufzuklären und die Schuldigen der Bestrafung znzuiführen. .......... * Amtliche Anerkennung eines jüdischen Lchrmtes. Der Gärtnerei ,Jmmenhos" in Dessow i. Mark bei Rerlin, Inhaberin Frau Henny " Än-Rosentyal, ist von der zuständigen Landwirtschaftskammer die amtliche Anerkennungals Leh rwirt schast für gärtnerische Ausbildung erteilt worden. * Tod auf dem Artillerieschießplatz. Aus Berlin wird 'berichtet: Bei Artillerieschießübungen aus dm Schießplätze Jüteribog wurde heute' nachmittags der Korntnandeur des Wehrkreiskommandos 4, Generalleutnant M üill.e 'r, durch ein abirrendes Geschoß getroffen und getötet. Der' Körper des Generalls wurde in Stücke gerissen. * Ein politischer Hochstapler verhaftet. In Berlin wurde vor einiger Zeit ein Mann wegen BedeMichkeit. verhaftet, der sich Wilhelm Ascher-Kornhauser nannte. Die Wiener Polizei stellte fest, daß der Mann der 30jälhrige, ang^lliche Iournallist Konräd K a r d o s - K o w a l o v s z k h, zu Preßbürg geboren, ist, der als berüchtigter internationaler politischer Hochstapler gilt. Kardos befaßte sich hauptsächlich damit, falsche Dokumente zu fabrizieren, die er Gegnern von politisch Verdächtigten gegen hohe Summen verkaufte. Dabei kam es ihm aus die Parteirichtung nichtan.^ Noch che die Identität seiner Person Wgestellt werden konnte, ist Kowalovsz!kh in Berlin auf freien Fuß gesetzt worden und verschwunden. Am 26. d. wurde der Abenteurer hier neuerlich verhaftet und gestern dem Landesgerichte eingelieifert. * Das vermißte Mädchen zurückgekehrt. Bor zwei Tugen wurde gemeldet, daß die 18jährige Schneiderin . Iosefine. Hehnl, die zu ihrer Tante nach Ungarn fahren wollte» vermißt werde. Nun stellte sich heraus, daß das Mädchen unterwegs ein Spital ausgesucht hat und nach vierwöchiger Verspätung an ihrem Bestimmungsort eingetrossen ist. * Tödlicher Unfall durch einen Gerüsteinsturz. An dem Hause 7. B-ez., Richtergasse 11, werden- Nenovierungsavbeiben vougenommen. Dazu ist von der Firma He i l a n d ein Gerüst errichtet worden,, das gestern gegen halb. 1 Uhr mittags plötzlich zum Teile e i n st ü r z t e. Zwei Arbeiter, die ans dem Gerüst standen, stürzten ab. Der eine, der 45jährige Ge- .rüster Kudernatsch, blieb■ tot liegen, der andere, ' namens K l a p k a, wurde s ch w e r v e r l e tz t. ■ Die Erhebungen sind eingeleiter. ■ ’ * Mit einer Eisenstange geyen de« Wachmann. In dem Gaschaus S p e 1 t l in der AßmeieMsse in MeAing, in dem es in letzter Zeit wiodecholt zu schweren- RauseWssen gekommen ist, versah Zostern abends der RevierinsipMor Anton Mencel den Dienst. Der im Lotvakl anwesende '27jährige 'Betonierer Ernst Anders verseht.« plötzlich in etwas an>g'eheitertorn Zustand dem Wachöboamten von rückwärts mit großer Wucht mit einer fingerdicken Eisenstange einen Hieb ans den Kopf, wodurch Menvel schwer verletzt wurde. Es entstand nun zwischen dem> v«- letzten Wachimnn und dem Gewalttäter eine Kellerei, in deren Verlauf Me-ncel aus seinem Dienstvevolver gegen Ander! zwei Schüsse abgab, wodurch dieser an der SM« <cr uich in der Bauchgagend verwundet wurde. Die Rettuugsgesellschaft brachte beide ins Spital. Gegen Ander! wird die Arntchandlung eingoleitet. * Unaufgeklärter Job. Die 14jährige Hilssarbeiterjn IMa Nass wurde Mittwoch plötzlich von UnwMein und heftigen. Krämpsen besallen. Ehe der hevbeigevusene Arzt kam, verschied sie. Es bostcht der Verdacht, daß es sich um eine Vergiftung, allenfalls durch WuOgift, handeln könnte. Die Staatsanwaltschaft hat die gerichtliche Oeffmug der Leiche beantragt. * Leuchtgasvergiftung. Gestern nachmittags hantierte die 56jährige Private Hevmine Sonnenschein, Schullz- Straßnitzky-Gasse 8 wohnhaft, unvovsichtig miteinem Gasbügeleisen, so daß, Gas ausströmte/ Mit Anzeichen einer 'Gasvergiftung mußte die Frau von der Rettuggsgesellschaft in das Allgemeine Krankenhaus gebracht-werden. * 13. österreichische Klassenlotterie. Bei der vorgestern abgehaltenen Ziehung des achten Tages der f ü n.fl e n Klaffe gewannen; 5060 3. das Los Nr. 31.407; je 4000 S. die Lose Nr. 2! 129. 31.184 uni 66.838* 3000 S. das Los Nr. 46 872; je 2000 S. die Lose Nr. '38b, 10.888, 26.276 40744, 49.327 und 9^.493; je 1000 S. die Lose Nr. 8480, 15 872. 18.644, 30.2'6, 83.807, 3^ 995, 54128, 65.129, 73310 und 98.661 Außerdem wurden 3979 Gewinne zwilchen 500 und 120 S. ausgelost. _ Bühne und Kunst. tzimguliz zwischen Rava« und Bund«« IheatervekwaNnua. Das Auftrittsverbot der Bundesthealermitglieder ausgehoben. Zum Zwecke der Bereinigung der zwischen d°n Bundestheatern und der Navag schwebenden Fragen fand gestern vormittags eine Besprechung, der Vertreter der Ravag, Präsident Landeshauptmann ' Dr. R i n t e l e n, Vizepräsident Hofrat Stern, Minister a. D. H e i n l und Generaldirektor C z e i j a, mit dem Bundestheaterpräsidenten Sektionschef Dr. Präger statt. Nach langer Verhandlung kam es. zu einer vollen Einigung zunächst hinsichtlich der Bedingungen, ünt« denen der Navag die Heranziehung von Künstlern der Bundestheater zu den Aufführungen der Ravag von der Bundesthcaterverwaltung g e st a t t e t wird. KkM des vaiMnrnsi che« Kunstgewerbes. Schon wiederholt ist an den kunftMlweMichen Erzeugnissen des ,-Bezaleil" in J-ernsalom unsanfte Kritik geübt worden. In dem soeben erschl-enenen Buche Ar n pld Z w e -i g 's, „D a s neue K a n v a n", eine Untersuchung über Land und Geist zu 15 wunderschönen Steinzeichnungenvon H.e r m a n n S t r u ck (auf das bei H o r o d i s ch u. Marx in Berlin erschienene Werk wird noch zurückßuBom>- m'en sein), ftnden wir folgende, besonders schärf fovinullierte Absage an den Bezalel: „Wir 'sch-we-lgen nicht zu dem absurden Beza-Mitsch, weil er „jüdisch" ist. Um so schlimmer für das ,Jüdische", wenn es kitscht! Tann hülfe uns Kritik, d'-e wir in Europa' ausbilden halsen, von dieser Mvchergesinn-ung, die a tou Prix, um geist'ge Positionen im Lamde zu schaffen, mit ünzuveichenden Personen Mzuwichende Leistungen nicht etwa duldet, sondern züchtet. Daß Kunst wird und nicht g em a ch t wrrd, daß Geschmack sich bildet und nicht ans Lager ist, daß Werkgesinuung tausendmal schöner ist als das Ornament des Jugend- oder anderen Stils, daß man nur Currogaie erzielen kann und daß Surrogate stinken — das scheint in Palästina neue Mieksheit zu sein. Und anstatt sie laut zu sagen, macht man sich schweigsam mitschuldig an einer hübschen Art von seetischer Pest. Denn Werke der Künste und Handw erke sind Ausdr.ucksgebärden der Gemeinschaft, die sie ermöglicht oder duldet; hier ist Verrat des Anständigen, Krüppeltum der Seelen im Spiele, und nicht etwa macht in diesen Worten hier der,üppige Zorn eines Aesth'eten sich Luft . .. . Versteht man, mit welchen Gefühlen wir. hier, von drüben her, Menschen -warnen, die schon den Schritt hjnübert-un dursten? Aber wir tun unsere Pflicht, indem wir, Großes sehend, auch -das Unwillkommene mitnennen. Wir Warpen vor Hochmut, der stets verfrüht', ist, aus Dienstgesinnung, aus Verantwortung, auskameradschaftlicher Verbundenheit." An-skis „Dybuk" als deutsche Oper.: Der Komponist Wilhelm Groß arbeitet, wie I. T., %: aus Berlin berichtet, an einer neuen Oper, deren. Buch R. St.'Hof mann nach der Arno Nadelschen Uebertragüng "des „Dhbuk" von An—ski geschrieben hat. ' Die literarische Nobel-Preisträgerin 1925 »t du norwe. gische Romanschriftstellerin Sigrid Undset. Obwohl ihre Werk, außerhalb ihrer skandinavischen Heimat, insbesondere rn Frankreich,-England und-Amerika, sehr bekannt sind, erschün erst em einziges Buch der- Dichterin, nämlich der Roman -,,Jenw)", '.w deutscher Sprache. Sigrid Undsets Hauptwerk nst der. iw 14. Jahrhundert i spielende, dreibändige Romay. „5tvlstrst Lavransdatter", welchen sie' 1922 vollendete. Die Wiedereröfsttung des Modernen Theaters , soll nute, der Direktion Robert B In m noch im; Monats November; ev folgen. Obwohl das Theater nur 500. Personen faßt, .alaübl . oie Dierktion, mit Kartenpreiseu' von einem' bis zwylf Schilling den'Etat -decken zu können. Es ist die -Aufführungfolgende,; Stücke vorgesehen: ,,S ü d s e e" von .' S.p.e we r, «Di < Hauptfach e" von E v r a i n o f f und „C a" von Claudi Gepel. Direktor Blum Plant ein neuerliches'Gastltzie! " P i t o e f f und französische Aufführungen - mit WieNei 5tünstlern. i