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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-30 · Heft 2402 (30.10.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2402 (30.10.1925)
Date
1925-10-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3W Wien, ^r-eiMg *■ —... » .. i .. ... ml, . .. deutschen Warenhäuser gewesen. Wer tue jetzige „Geschirrwoche" geschert wie ein Schiff, aus Löffeln und anderen Hausartikeln dargestellt, die Stirnseite der Halle schmückte und in seinem weißen Glanzt umgehen von einer entsprechenden Szenerie, einem Stahlschiff auf dem Meere täuschend ähnlich sah, kann leicht ermessen, daß dies unbewußt das Auge des besuchenden Käufers anzieht und zum Kauf anregt. Daraus spricht nicht nur Geschick, sondern auch eine genaue Kenntnis der Käuferpsyche. Diese äußert sich auch in allen anderen Gruppen dieses ausgedehnten Warenhauses, das 1500 Leute beschästigt und in dem ununterbrochen ein Gewimmel der Käufer herrscht. Von der Seide, dem Kernprodukt des Kaufhauses Gerngroß, hat dieses Geschäftsgetriebe seinen Ansgang genommen und sich auf alle möglichen Artikel des täglichen Lebensbedarfes ausgedehnt. Es ist kern Wunder, daß Gerngroß als Sehenswürdigkeit Wiens allen Fremden gerne gezeigt wird. Den Typus des alten, vornehmen, seriösen Warenhauses, das ganz und gar dem künstlerischen Goschmack und dem verfeinerten Bedürfnis der Wiener Bevölkerung Rechnung tragt, repräsentiert das seit 60 Jahren buchende Warenhaus Josef Zwieback u. Bruder in der Mariahilferstraße 111. Stoffe, Seide und Konfektion sind die Grundartikel dieses Warenhauses. Es ist nicht leicht, dem verfeinerten Wiener Goschmack gerecht zu werden. Doch wenn man den Verkehr der Angestellten dieses Hauses mit den Kunden beobachtet, kann man leicht merken, wie innig der Kontakt zwischen Warenhaus und Kunde sich hier gestaltet hat. Dazu gchört jahrzehntelange Erfahrung und eine im Kunden festgesetzte Ueberzeugung, daß er mit den Waren dieses Geschäftshauses immer gute Erfahrung gemacht habe. Die Bedienung ist förmlich abgestinrmt auf die Geschmacksrichtung des warenheischenden Kunden. Es ist genaue Berechnung des Verhältnisses von Angebot und. Nachfrage.- Verkäufer und Kunde verstehen einander und bringen sich gegenseitig das vollste Vertrauen entgegen. Diese Beobachtung kann man sowohl in den Äonfätionsals auch in den Stoffabteilungen machen. Die Rosten- und Konfektionsschwemmen werden sehr stark besucht, weil hier dem Kunden besonders preiswerte Ware dargeboten wird. Es ist das System des amerikani- 'schen Geschäftshauses, das versucht, in allen seinen Abteilungen uP to date zu sein und infolgedessen durch möglichst wohlfeilen Absatz den Konsum ermuntern und sein Lager für neue Warenvorräte bereithalten will.- Die Organisation klappt in jeder Hinsicht. Die Bedienung verfolgt aufmerksam die Bewegung des Käufers, der sich unter diesen Umständen hier wohlsühlt. In der reellen Führung scheint das Gelheimnis dieser alten, nicht mt im Jnlande, sondern auch im Auslände weitbekannten Firma zu liegen. ' Jas JglMt litt Hsatus 9iinti. Man schreibt uns: Im Jahre IM war unter großer Propaganda daS Jüdische JugeMMswerk gegründet worden. Die Eingeweihten' wußten, daß es sich hier um eine Fürsorgeinftitution der Agudas Jiftoel handle und niemand war dieser Gründung unfreundlich gesinnt, echiolt doch die Agudas Jisroel schon seit Jahren in Baden ein gut geleitetes Waisenhaus, an dem tmm kaum etwas anderes auszusetzen vermag, als daß die Kinder dort geistig überbürdet, physisch zu wenig ausgebildet werden. Die Not der Zeit ließ «tbsr auch solche Fürsorge wiMommen heißen. Lange bevor die Lehrwerkstätte in Meidling entstand, iin der sich nie mchr a!ls 30 Lchrfmigen befanden, nie ein anderes .Handwerk als Tischlerei gelehrt worden ist, erzählten Broschüren von hunderten Lehrlingen und zirkulierten Photographien aus der Schlosserwerfftatte, dor Gärtnerei und anderen Betrieben. Anfangs 1623 wurde endlich in einem vom Zentmlkrippenverein gemieteten Gebäude im 3. Bezirk, Schimmvbgasfe 6, ein Heim für 20 verlassene, schulpflichtige Knaben errichtet. Etwas später ersoligte die Eröffnung der genannten Lehrwerkstätte in MeWng. Der Zentvalkrippenvevern hatte auch im 2. Bezirk, NoMveistbahwstraße 77, eine Kinderkrippe betrieben, suchte aber nach deren Auflösung, durch lange Zeit vergelbens, daS Haus an den Mann zu bringen. Daher trat dieser Verein an die Agudas Jisroel heran, sie möge das Haus in der Nordwestbchnstvaß« unter günstigen Bedingungen für ihre Waisenkinder übernehmen und das bessere Berka ufsobM in der Schimmelgasse räumen. Die Agudas Jisroel ging auf diesen Vorschlag ein. Die armen Waisenkinder, unter denen sich auch kränkliche befanden, wurden in den kaum heizbaren, nnwohnliche-n Baracken untergebracht. Proteste mit dem Hinweis daraus, baß sich Baracken cher für Durchreisende als für die DauevMterbringung schwächlicher Kinder eignen, blieben ohne Erfolg. Uebvigens war die hanidweMche Führung der Lehrwerkstätte Mn so wenig wie die pädagogische des „Internates für verlassene Knaben" zu bemängeln. Die hygienischen und sonstigen Mängel aber waren gewiß nicht aus Unverständnis der Leitung, sondern aus Geldmangel' zuvück- KNsühren. Dieser ließ eine Wetterführung des Heimes unmöglich .erscheinen. Aber im Gegensatz zu den vielen anderen Institutionen, die im Lause der letzten Jahve aus dmsellbm Grunde ihre, Tätigkeit einstellen mußten, traf man hier keinerlei Vorkehrungen für den Abbau, keine Vorsorge für die NM schutzlosen Zöglinge. Am 27. Juni wurde diesen plötzlich mitgeteilt, daß sie am 1. Jnli obdachlos und chm Nahrung seien. Wiener M^raenzostiina MMWBW Beachten Sie unser 3. .. ... in der deutigen Sportrubrik! otn 8 9tntiemt)er ho« Ktth im Snt< 1925 Uvll IslljJ s-klm»«Mel Amateu.e—Menna Beachten Sie unser 2. Preisausschreiben in der heutigen SportrubriN Hätte man damals betont, daß die Männer, die bis Kinder Md Jugendlichen meist einer gesicherten, wenn auch christlichen Pflege entrissen haben und vielfach die Vormundschaft übernommen hatten, verpflichtet sind, irgend welche Schutzvorkehrungen zu treffen, so hätten wir wahrscheinlich die ohnedies so schwere Unterbringung der verlassenen Waisen durch fremde Institutionen und Private noch schwieriger gestaltet. Doch jetzr ist seit einigen Tagen der letzte Knabe dauernd untergebracht, und zwar ausnahmsweise durch die Agudah in christlicher Pflege'in Grinzing! Herr Prof. Dr. Max Eisler, der nominell an der Spitze des Jüdischen Jugendhilfswevkes stand, bemühte sich persönlich, zu retten, was zu retten war und ihm ist gewiß keinerlei Vorwurf zu machen. Er setzte es trotz Widerstandes der meisten ausischllcvggobe'nden Persönlichkeiten der Agudas Jisroel durch, daß mehrere Waisenkinder in das Waisenhaus Baden übemommon wurden^ Gegen die halsstarrigen Prinzipien, Kinder, die weniger' Begabung für das Talmudstudimn zeigen und Kinder von-lediger Müttern nicht zu versorgey, konnte sr jedoch nicht aufkommen., Tage und Wochen irrten infolgedessen mehrere Doppel-' Waisen, meist sogenannte Auslandskipder, vergebens von Mrsovgeinstitution zu. Fürforgeinftttution, che sie dauernd untergebmcht werden konnten. Die Lehrlinge, die plötzlich aus die Gasse gestellt waren und als Ausländer infolge der herrlichen Vorschriften Oesterreichs kein Arbeitsvecht - besitzen, hatten Aum Teil' ein wahres Hungermavthriüm mitzumachen. Doch wurde auch ihnen innerhalb einiger Monate von anderer Seite gcholifen. Wir müssen jedoch anerkennend bemerken, daß sich unter den vielen Juden,'welche die schutzlosen Jungen vorübergehend bei sich wohnen ließen oder sich sonst aufopsvrnd um deren Zukunft bemühten, auch zwei, sage und schreibe zwei Mitglieder der Agudas Jisroel befanden! . Vom Fnftitutum Fndailnm an der Berliner ilniverMt. Aus Berlin berichtet I. T. A.: Das Jnstitutum Judaicum an der Berliner Universität, das unter der Leitung des hervorragenden christlichen Judaisten Prof. Dr. G r e ßmann.steht, veranstaltet im laufenden Wintersemester einen Vorlesungszyklus „Bilder aus der Religionsgeschichte des Judentums". Die Veranstaltung soll dem Ziele des Instituts, der Erforschung des nachbiblischen Judentums bis in die Gegenwart, dienen. Eine Reihe bekannter jüdischer Gelehrter wird in der Universität Gastvorlesungen halten. Es werden sprechen: Prof. Dr. Elb0gen: „Esra und das nachexilische Judentum"; Rabbiner Dr. Bergmann: „Das Judentum in hellenistisch-römischer Zeit"; Prof. Doktor Guttmann (Breslau): „Der Talmud"; Prof. Dr. Guttmann (Berlin): „Die religiösen Motive in der Philosophie des Maimonides"; Rabbiner Dr. B a e ck: „Die Mystik im Judentum". Aus Jerusalem berichtetI. T. A.: Die pälästinenstschzionistiische Exekutive, die erst kürzlich die Einladung zur Beteiligung an der nächstes Jahr stattsindenden Weltausstellung in Philadelphia erhalten und angenommen hat, wurde nunmehr von dem Komitee der Internationalen Hygieneausstellung in Düsseldorf 1926 offiziell eingeladen, sich an der Ausstellung zu beteiligen. Die Exekutive hat beschlossen, der Einladung Folge p leisten und in dem Ausstellnngsgelänoe eine Palastinaabteilung einzirrichten, die ein Bild von 'der sanitär-hygienischen Arbeit in Palästina und ihren Erfolgen geben soll. Herr Dr. Katznelfon begibt sich im Auf- ' trage der Exekutive nach Düsseldorf, um den Palästinapavillon der Ausstellung zu organifieren. 30. Oktober 1925 5 Gmiffäre aus Grej Israel. Vor der Entstehung der zionistischen Bewegung beftautz natürlich rat jüdischen Volk schon ein Interesse für das wirkliche Crez Israel. Das religiöse Judentum — das Judentum war damals überwiegend religiös — gab seiner Liebe für das Land dadurch Ausdruck, daß es. auch ein finanzielles Jnstmmem schuf, das den ausschließlichen Zweck hatte, es der im Lande leibenden Judenheit zu ermöglichen, dort ein gottgefälliges Leben zu führen: Die Chaluka. Auch in den fortschrittlichen Kreisen bestand ein gewisses Interesse für das Land. So begab sich der Dichter Ludwig August Frankl nach Palästina, um dort eine moderne Schule zu gründen. In allen diesen Fällen'war Evez Israel der nehmende Teil. So ist es vielleicht auch zu erklären, wie die Ehakuka die aus einem hehren Gedanken entstanden ist, bald eine so unerfreuliche Enttoicklung zu nehmen begann. Ms dann die zionistische Bewegung entstand, verstärkte sich im jüdischen Volke.das Interesse für Erez Israel. Es wurden Institutionen geschaffen, die elbenfalls die Aufgabe hatten, dem Lande zu gelben. Aber da diese aus dm Geiste der Befreiung eines alten Volkes entstanden, vermochten sie bald — wie jede wahrhaft große soziale Arbeit im Gegensatz zur rein philanchropischen — Palästina in die Rolle zu versetzen, das investierte Kapital zu verzinsen. Die Judenheit der Diälfpova bekam bald als erstes Geschenk die Verlebendigung der hsbväischen Sprache und die Methode Iwrith b'Jwrich. Die Wirkung Palästinas auf die Gäbuch wuchs ständig, wenn auch sehr oft unbemerkt. Die im Stillen sich entwickelnden landwirtschaftlichen Siedlungen beginnen immer größere Teile unserer Jugend anznzichen, die machtvolle Ehalutzbewegnng begann sich zu entwickeln. Als erste Institution der zionistischen Bewegung, die die Konsequenzen aus dem Wachstum Evez Israels zog, trat der Keren Kajemech auis den Plan: Sein Hauptlbureau übersiedelte nach vielen Wanderungen nach Jerusalem. Hier im Lande reifte der Gedanke, einen lebend'gen Kontakt zwischen dem Lande und der Judenheit der Diaspora heyzustellen. Die jüdische Arbeiterschaft war es, die bald nach Kriegsschluß ihre ersten Emissäre aus Evez Israel nach den Ländern der Zerstreuung entsandte und sie, die Abgesandten der Hapoel Hagair, schufen und organisierten die dritte Misch. Der Keren Kajemech erfaßte bald die Bedeutung dieses Instituts der Emissäre und Üssischkin war es, der als erster das Land verließ/um uns die Grüße und Wünsche des Landes zu überbringen. In allen Ländern, die er besuchte, wurde das Interesse für das Land und seinen Ausbau gesteigert und entwickelt. Bald jedoch sch man ein, daß ein ständiger Strom solcher Menschen aus dem Lande nötig ist, um ein dauerndes Band zwischen Erez Israel und der Galuch zu schaffen. Es erging der Riuf des Keren Kajemech an die auf seinen Terrains Angesisdelten, ihren Pflug zu verlassen, um den Brüdern der Galnch klar zu machen, was der Keren Kajemech im Land4 bereits geleistet hat und was er noch zu leisten häjbe. Der Ruf wurde seWstveHändlich .befolgt.- , , Es gelang diesen Personen, in Polen eine BMSbewegung für den Keren Kajemech zu entfachen. Sie. brauchten nichts weiter zu. tun, als in schlichten Worten das zu schildern, was ihnen im Lande passierte, damit sich ein zauberhaftes Band zwischen ihnen und den Bersammelten webe. Die Bechammelten fühltendaß vor ihnen kein Agitator stche, sondem ein Mann, der dmch seine jahrelangen Leiden ihnen etwas wvedergegeben, was sie bisher Mr 4xuit#el ahnten, das Gefühl der eigenen Heimat. Der Keren Kajemech, erzählten diese Leute, halbe das Wunder möglich gemacht, cho müsse jeder Jude sein Letztes hergöben, müsie er selbst ein MitaMter am großen Werke werden. Und Lausende von Büchsen wurdm pGtzlich aufgestellt. Hunderte von Frauen und Männern stellten sich.in den Dienst der Leerung und der Sammlung Kr den Fonds. Was früher unregelmäßig einnral ^viertMährlich mit Mühe geschch, erfolgte jetzt prompt allmonatlich. Der Meschulach (Gmiffär). aus Ereg Israel uähut nicht, er gab. Er gab Hoffnung, Glauben, Glück der Mitarbeit a>m großen Befreiungswerk. Die Menschen fühlten, baß sie das eigene SchichsxÄ schmiedeten. Eh. T. Die ReWWse Aegyptens. Unlängst wurden aus einem Gräberfeld bei GirgÄ in Oberägypteu zahlreiche menschliche Leichen geborgen, die trotz ihres Alters von 4000 bis 5000 Jahren so gut erhalten waren, daß man sogar ihren Magen- und Dar min halt noch auf Nahvungsreste untersuchen konnte. Dabei kamen znm Teil recht erbauliche Dinge zutage. So war es interessant zu sehen, daß das M ä u s e e s s e n der heutigen ägyptischen Jugend schon im grauen Altertum gang und gäbe war; denn in einer Kinderleiche fanden sich Knöchelchen einer verspeisten Maus. Daß sich die Vorliebe für gewisse absonderliche Leckerbissen durch die Jahrhunderte hindurch bis auf unsere Tage bei den Aeghptern erhalten hat, beweisen auch noch andere Knochenrückstände, die in einigen Leichen gefunden wurden. Denn derlei Rückstände aus Fischknochen liefert auch heute noch in Oberägypten eine durch Fäulnis gewonnene Fischkonserve. Mannigfach waren die zahlreichen aufgefundenen pflanzlichen Sp.eifereste. So konnten Gerste, Erdmandeln und eine heute als «menschliches Nahrungsmittel ganz verschollene Hirse bestimmt wer- ' beit. Auch eine unserem Gurkenkraut oder Boretsch i

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