Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2402 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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beite 4_Wien. Freitag _Wienet* MMen-eltuttfi ~ Ir. Mataia und die Bievermannbanl. Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses. Der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion, die bekanntlich den Außenminister Dr. M a t a j a mit dem Hiniveise auf seine anschlutzfeindliche Haltung heftig angegriffen hatte, kam die „Arbeiterzeitung" zu Hilfe, die Dr. Mataja mit der Behauptung, daß er bei der letzten Kapitalserhöhung der Biedermannbank eine bevorzugte Zuteilung von 10.000 Stück Aktien erhalten habe, auch bei seinen Parteigenossen unmöglich machen wollte. Der Artikel schloß mit den Fragen: „Mer oder was mag den Finanzminister bewogen haben, der B i e d e r m a n n b a n k e r st a u n l i ch e B e g ü n st igungen zu gewähren? Was mag die Bicdermannban! bewogen haben, dem Herrn Dr. Mätaja bei jener Aktienemission eine Beteiligung zu gewähren, die eiriHM Geschenk in barem Gelbe gleichkam?" Die Angelegenheit ist des langen und breiten schon im Finanzausschuß besprochen worden. Da Dr. M a t a j a eine wesentlich andere Darstellung dieser Transaktion gab, stand Behauptung gegen Behauptung. Die Sozialdemokraten haben nun gestern im Nationalrat die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuch u n g s a n s s ch u s s e s beantragt, der die ganze Affäre klarstellen soll. In dem Anträge wurde der Artikel der „Arbeiterzeitung" wörtlich angeführt unb folgender Beschluß des Nationalrates verlangt: „Zur Untersuchung der öffentlich aufgestellten Behauptungen, daß d:e Biedermannbank Begünstigungen durch Organe der Bundesverwaltung erfahren habe, ferner zur Feststellung, ob dem Abgeordneten Dr. Heinrich M a t a j a von der Biedermannbank Begünstigungen zugebilligt worden sind, wird ein Untersuchungsausschuß, bestehend aus sieben Mitgliedern, eingesetzt." Namens der Christlichsozialen erklärte Abg. Fink, daß seine Partei für den Antrag stimmen werde, um so mehr, weil Minister Dr. Mala ja persönlich den Wunsch habe, daß die Angelegenheit untersucht werde. Die Einsetzung des Untersuchungsausschusses wurde hierauf einstimmig beschlossen und der Ausschuß sogleich gewählt. Es gehören ihm drei Christlichsoziale, drei Sozialdemokraten und der Großdeutsche Dr. Dinghofer an. Der Ausschuß konstituierte sich sofort nach der Haussitzung, wählte Dr. Dinghofer zum Obmann und wird bereits heute Beamte des Finanzministeriums und Funktionäre der Bankenkommistion cinvernehmen. Nächste Sitzung: Dienstag den 10. November, 3 Uhr nachmittags. Sie Beamtenfokdrrlingen. Heute vormittags wird der Bundeskanzler den Beamten die Antwort auf ihre Fordemutz ibekanntgebeii. Bekanntlich verlangen die Angostellterwertwter die AuSbezahlung eines ha I b e n Mo na t sg e hali e's noch im Dezember. Da für diesen Zweck Leine Mittel vorhanden «sind, dürste die Antwort, die gestern im Ministerrat beschlossen wurde, a b- Lehnend lauten. Ob sich die Beamten mit der Vertröstung auf eine NotstandsauShilse im-Jänner zufrieden geben werden, ist fraglich. Die Mdi>M,siexüüg der Beamten scheint schon zu weit vorgeschritten zu sein, als daß man ruhige Beschlüsse erwarten könnte. Außer den Aktiven stellen auch die P e n s i o n i st e n neue Forderungen. Sie haben gestern in einer Versammlung i>m Rathause dem Fünfund^vanzitzerausschuß ihre Solidarität erklärt und die Fordemng aufgestellt, daß vor Verwirklichung des Rehvlschen Planes; den Pensionsauftvand durch eine Anleihe zu decken, die Augleichung der Bezüge der Altpenlsiionisten an die der - -- r"- [.II Fülle. Plötzlich der Warnungsruf:' „Äuah!" Ein Araber führt, treibt, drängt seinen mit schwerem Sack beladenen Esel durch die Menge, ein Lastträger mit einer unmenschlich schweren Kiste auf dem Rücken bricht sich Bahn. Was diese Leute zu tragen imstande sind, grenzt 'ans Märchenhafte. In Europa ist ja der Begriff des „Lastträgers" ganz verloren gegangen. Es gibt ja „Radler" für kleinere Gepäckstücke, „Dienstleute" mit ihren Wagen, aber für alle größeren Gegenstände muß schon der „Spediteur" mit Pferd und Wagen ausrücken. Stöhnend und fluchend machen sich in Deutschland drei bis vier Mann an einen Schrank heran, den hier ein einziger straßenweit aus dem Rücken trägt, obwohl er fast darunter verschwindet und der Schrank oder die Kiste manchmal die ganze Breite einer orientalischen Straße einnimmt. JmMer muß ich an Sindbad den Seefahrer denken, der als Lastträger sein abenteuerliches Leben begann. Und wieder an die Märchen aus „Tausendundeine Nacht" oder auch an die orientalischen Märchen Hauffs erinnern die Auslagen in einer Seitengasse des Schuks. Hier gibt es nämlich Sattel- und Zaumzeug in bunten, prächtigen Farben für'Esel, Maultiere und Pferde. Bunt ausgenähte Sättöl, reich und pompös in rot-gold-weiß, Zäume, mit Muscheln benäht, Ohrgehänge, buntgewirkte Schnüre, elegant verzierte Gürtel, die den Eseln um den Hinterleib gelegt Wörden . . . Noch ein^ Stück weiter gibt es haufenweise Baumwolle für Kissen, Steppdecken, Polster, gleich daneben auch Matratzenarbeiter. Und überrascht, unfähig, zu glauben, daß jemand in dem herrschenden Halbdunkel so feine Arbeit leisten kann, erblickt man plötzlich die Stände der Goldarbeiter, die ihre unendlich feinen Filigranarbeiten (oft allerdings auch recht plumpes Schmuckwerk) mitten im Gedränge und Getriebe des Marktes ansertigen. Wunderbare alte, dicke Armreifen gibt es dort zu kaufen, die die Araberinnen dicht am Handgelenk tragen (so eng sind sie gearbeitet), schwer, massiv und von einer ernsten, herben Schönheit. Pensionisten vorgerammeri und die automatische Erhöhung der RuhegenÜsse bei cir.er jedcSma'igeu Erhöhung der Mtivitatsbezüge garantiert werden müsse. Dir Znkeraiensteuer. Vertreter der Tageszeitungen bei Stadtrat Breitner. Gestein wurde das Präsidium der Vereinigung der österreichischen TagesiMmgcn (Direktor Fliege!, „Neue Freie Presse"; Direktor Rath, Steyrermiihl-Verlag; Direktor Kutschern, „Illustrierte Kroneuzeitung"). vom Stadtrat Breitner omipfangtzn. Der Deputation hatten sich außerdem der Zentralverein der ZeitungSuMernchmungen (Präsident Dr. Heger), der Verband der Fachpresse (Vizepräsident Chefredakteur Fischer), die Vereinigung der österrei-- chrschen Annoncenbnreqns («Kommerzialrat Leßner) mit Vertretern der ArbeilSnehmerorganisalivnen (Obmann Gest ak und Weigler) angeschlosscn, so daß das gesamte österreichische Zeitungswesen vertreten war. Der Präsident der Bereinigung der österreichischen Tageszeitungen, Direktor Fliege!, legte die Notlage der Zeitungsindustrie, ihre starke Belastung bei fortwährend sinkender Kaufkraft des lesenden Publikums in eindrucksvoller Weise dar und verwies nachdrücklich darauf, daß die Inseratenteile selbst der größten Tageszeitungen infolge der Kostspieligkeit des Inserierenln ständiger Abnahme begriffen seien. Durch eine entsprechende Herabsetzung der I n s e r a t e n a b g a be sei sowohl den Inserenten als auch den Unternehmungen zu Helsen. Die Jnseratenabgabe, die bis zu 86 Prozent beträgt, je! ein Oesterreich vorbehaltenes Unikum; Deutschland zum Beispiel sei scholl anfangs Oktober mit der vollständigen Abschaffung der industriefeindlichen Abgabe vorauSgegangen. In ähnlicher Weise legten auch die Vertreter der übrigen Organisationen ihre Ansicht dar. Auch der Vertreter der ZeitungSarbeiter verwies nachdrücklich auf die durch die hohe Besteuerung der Zeitungen notwendig gewordene Entlassung selbst altgedienter Arbeiter und Angestellten und vereinigte seine'Wünsche mit denen der Unternehmer. In seiner Erwiderung erklärte Stadtrat Breitner, daß er die vorgebrachten Argumente vollauf würdige, daß er die Abnahme des JnseratengeschäfteS sowohl aus den Gtenerfatierullgen alS auch aus eigener Beobachtung nur $u genau kenne, daß er aber trotzdem infolge der steigenden Aufgaben der Gemeinde nicht in der Lage ist, auch nur daS geringste Zugeständnis machen zu können. Obwohl Stadtrat Breitner selbst der Möglichkeit Ausdruck gab, daß eine Herabsetzung der Jnstralenabgabe zur Verbreitung des Geschäftes beitragen und daher der Gemeinde Wien aus einer solchen keine Vermin dernng ihrer Einnahmen erwachsen würde, vermochte auch dieser Umstand ihn zu keinem Einlenken zu bewegen. Es bleibt nunmehr abzuwarten, ob dieses zu Tode gerittene Prin- , zip der Gemeinde Wien zum Vorteil oder den Unternehmungen zu nicht wieder gutlMMachendem Schaden gereichen wird. Keineswegs sind die Tageszeitungen gesonnen, sich mit diesem absoluten Nein endgültig zusrieden zu geben. Letzte Kurse. Rew»Vork, 29. Oktober. (Tel.-Komp.t Berlin 29.80. London Kabel 4.84"/.., London . Scheck 4E/,. Amsterdam 40.26. Part» 4.21l/j, Brülle: 4.65, Rom 8.88'/,. Madrid 1*34. Zürich 19.27, Stockholm 26 77, Oslo 20.88 KoveNhcigeü 24 87, Wien l4Vi« Budapest U% Prag 296*/*, Belgrad 177*/,, Wien 1.88 Buenos Aires 41V*. Rio. de Janeiro 16.15. Märest 47*/,- Nerv-Bord, 2V Oktober. »Tel.-Komv.) Wetre« rot Winter 170*/, Wetzen da« Winter 172*/, Mais 96»/, Hafer 46. Roggen 89—. Lhikagv, 29. Oktober. <Tei.-Komv.) Wetzen per Dezember 147'/,. Mm 144*/, Juli I27l|, * Mais ver Dezember 74'/*, Mat 787,. Juli 793/*; Wer ver Dezember 66,-. Ala! 48*., Ju!i —' Roaoen ver Derember 827, Mai 8t1/,. Juli Nicht weit davon gibt es in einer langen, schmalen Gasse Fleischstände; einen am änderen. Araber und Juden einträchtig beieinander. Überhaupt ist der Ausgleich aus dem Markt sehr groß, es ist oft schwer, den palästinensischen Juden von einem Araber zu unterscheiden. Nur wenn man am Sabbat durch den Markt geht, kann man sich merken, welche Stände geschlossen sind. Hie und da gibt auch die Anwesenheit eines Jungen mit Pelzmütze und PeijeS im Laden Ausschluß über die Nationalität des Besitzers. Und ganz zweifellos ist diese bei den wenigen „Buchhandlungen", deren Büchervorrat sich allerdings auf HeSraica beschränkt, dafür aber durch Tallessim, Tesillin, Leuchter, BsoMimbüchsen wirksam ergänzt wird. Ich lies einmal in großer Verzweiflung an einem Freitag von einem dieser Läden zum anderen, geriet dabei in unbekanntes Gebiet, bloß um ein Habdalahlicht auszutreiben, bas ich schließlich in einem ganz gewöhnlichen „Kolonialwarenladen" (oder wie es hier vielfach stolz heißt: „Groeery fhop") erhielt. Diese Grocery shops wirken recht appetitlich. Vorne sind in alten Orange- oder Weinkisten Gerste, Graupen, Erbsen (grüne uttb gelbe), Zucker, Mehl, Rosinen, Mandeln ausgeschüttet; es gibt aber auch Zigaretten, einheimische und holländische Schokolade, harten arabischen Käse, Lampenzhlinder, Kehrbesen, Vryt, Schuhbänder usw. usw. in einem solchen Laden. Jeder bemüht sich, „alles" zu führen. Es bliebe demnach zu fragen, wozu eS so viele derselben Sorte gibt (in der Tat ist das Bild dieser Läden ein säst unveränderlich gleiches) und wie es möglich ist, daß sie alle von diesem auf so viele verteilten Umsatz leben können, zumal sie noch so dicht beieinander stehen. Trotzdem und obwohl es sich doch um Juden und Araber handelt, kommt es selten zu einem Streit zwischen den Ladeninhabern und kaum jemals dazu, daß einer einen Kunden vom Stande des anderen hinwegjillocken versucht. Meist haben sie gar leine Zeit Zu einer so anstrengenden Beschäftigung, denn sie müssen etwas anderes, viel Mch- 50. Olwber IW ' Nr. fiÜOO Wziekgiwse.durch die Wiener . _ . » Es soll an dieser Stelle verflicht werden, den Wiener Kaufmann einer genauen Prüfung zu unterziehen. In den „Spaziergangen durch die Wiener Ge, s ch ä f t S w e l t" sollen die einzelnen Handehszentren Wieneine gründliche Besprechung finden. Reben den Groß, Warenhäuser der Mariahilferstraße sollen dir anderen Kaust leute dieser neueuWiener City eingehend besprochen lverden. Es soll versucht werden, die Kanfmanschaft der Kaiserstraße ebenso wie die der Taborstraße genauer anzusehen. Die Brandstätte und die anderen engen Straßen der Inneren Stadt sollen neben der ungeheuren Bedeutung des Kais in Einzeldarstellungen geschildert werden. Dabei sollen die Verdienste einzelner Kaufieut« besonders hervorgehoben werden. Die gesamte Darstellung soll ein kaufmännischer Führer Wiens sein. Denn der Wiener Kaufmann ist gerade so seihens. und beachtenswert wie alle anderen Sehenswürdigkeiten Wiens, ebenso lvürdig des Besuches wie all dasjenige, was im Baedeker mit den: Stern angeführt wird. Der allgemeine Führer durch Wien interessiert den Fremden; der Führer durch die Kausmannswelt Wiens soll aber auch für den Einheimischen bestimmt sein, der selbst nicht ahnt, welchen gewaltigen Schatz Wien in seinem Kaufmanne birgt. WarenWuser. Es ist oft die Frage erörtert worden, ob das groze Warenhaus, daß für die Massevbesriedigung bestimmt und auf Massenbetrieb eingerichtet ist, auch der österreichischen Bevölkerung, die inehr auf die individuelle Behandlung eingerichtet svi, entspreche. Cs wurde darauf hingewiesen,;daß in jeder mittleren Stadt Deutschlands Tietze, Wertheim und die anderen Marenkhausmatadoren durch große Niederlagen vertreten seien, daß sich aber in Oesterreich derartige Gebilde nie entwickelten. Die tatsächlichen Berhältnisie haben aber gezeigt, daß dieser Pessimismus nicht berechtigt sei. Wien besitzt eine Reihe großer, repräsentativer Warenhäuser, die mit jedem Warenhaus Deutschlands und Frankreichs leicht die Konkurrenz ausnehmen können. Dies liegt aber nicht so sehr in den Verhältnissen als vielmehr in der Geschicklichkeit der Gründer und Leiter dieser Warenhäuser, die es verstanden haben, ohne Anwendung der schablonenhaften Besriedignngsmechoden des Konsumenten wie in Deutschland dennoch durch die Anpassung an die Bedürfnisse und den Geschmack des österreichischen Publikums solche Gebilde erstehen zu lassen. Wer an einem Nachmittag z. B. das Warenhaus Gerngroß in der Mariahilferstraße besucht, wird von dem gewaltigen Betriebe unbedingt verblüfft sein müssen, selbst wenn er das Berliner Warenhaus des Westens oder die großen Warenhäuser in der Leipziger Straße und auf dem Alexander-Platz gesehen hat. Es kann ruhig behauptet werden, daß Gerngroß diesen großen deutschen Warenhäusern an die Seite gestellt werden kann. Schon die gewaltige Anlage der Verkaufsräume, die ungeheure Fülle der ausgestellten Waren, die Mannigfaltigkeit der Verkaufsoibjekte und die Reichhaltigkeit der Auswahl machen einen imponierenden Eindruck und stellen sebst große Pariser Warenhäuser in den Schatten. Dazu die verzweigte und dabei doch bis ins Minutiöseste genau berechnete, immer gut funktionierende Organisation. Dem Konfumenten wird durch die Betonung einer Ware die Kauflust förmlich suggeriert. Die „Weiße Woche" bei Gerngrotz ist, was die künstlerische Aufmachung und die Eindringlichkeit der Wirkung aus den Käufer betrifft, weit besser als die der tigeres tun, womit sie auch sicher sind, sich am ehesten die Gunst der Kundschaft zu erwerben: sie müssen mit langen Haarwedeln die Fliegen von ihren Waren sortscheuchen. Der Erfolg ist zwar gering, aber immerhin soll man ihre Bemühungen um Reinlichkeit sehen. Es ist im übrigen ausfällig, daß bie Araber im allgemeinen mehr Geschmack und Geschick im Anordnen ihrer Waren zeigen als die Juden. Vielleicht liegt der Grund dafür darin, daß die Araber sich wohl bewußt sind, daß die Gunst und Kauflust der Fremden eS ist, die ihre Existenz sichert, während die Juden sich darauf verlassen^ daß ihre eigenen Volksgenossen sie ohnehin bevorzugen. Ma,n macht diese Beobachtung hier in Palästina sehr oft und sie gibt zu betrüblichen Schlüssen Anlaß. Man geht sinnend den Schuk zurück, hat vielleicht seine eingekauften Waren einem der kleinen Araberjungen anvertraut, die, mit großen Körben bewafsnet, sich massenhaft aus dem Markte hbrumtreiben, Und sieht aus allen Gesichtern einen gewissen drückenden Ernst. Irgend eine Schwere lastet aus allen diesen so verschiedenartigen Einwohnern der heiligen Stadt. Es ist das Bewußtsein, Insel zu sein im Strom, ausgesetzt und verantwortlich zu sein für die Nation, die hinter einem steht, einzelner zu sein mit der ganzen Verantwortung dessen, der sein Leben in den Dienst einer Idee, sei es einer religiösen oder nationalen, gestellt hat. Und so wird ein Gang zum Markte, diesem buntesten Getriebe von Menschen aus aller Herren Ländern zu einer ernsten Schulstunde, zu einem Weck- und Mahnruf, verantwortlich zu sein, an seiner Stelle zu sem und nicht nachzülassen im Verteidigen besten, was man im Gegensatz zu jedem einzelnen und zur Gesamtheit üm einen herum als richtig erkannt hat, wird zu einer Lehre, die einem die heilige Stadt selbst mitten im hellett^ Sonnenschein und im bunten Gewühl ihres Marktes erteilt. Käthe Pleßner. A00A