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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-30 · Heft 2402 (30.10.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2402 (30.10.1925)
Date
1925-10-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Veite § Wien. Freitag setzen könne. Das ist richtig. Es würde jedes Parlament entrüstet die Zumutung von sich weisen, von dein homagialen Numerus-clcnisus-System an: Hellen Tag angesprochen zu werden. As Mette Kabinett Painleve. Painleve übernimmt die Finanzen. — Ein Minister für das Budget. Paris, 29. Oktober. (Havas.) Die endgültige Zusammensetzung des neue» Kabinetts ist folgende: Vorsitz und Schatz — Painleve; Budget — Bonnet; Justiz — ChautempS; Aeutzeres — Briand; Inneres — Schrameck; Krieg — Daladier; Marine — Borel; öffentliche Arbeiten — de Monzie; Unterricht — D e l b o S; Ackerbau — Durand; Handel — D a- »iel-Bineent; Kolonien — Perrier; Pensionen — Anteriou; Arbeit — Durafour. Zu UnterstaatSfekrtaren wurden ernannt: MinisterratSprafidium — Verthod; befreite Gebiete — Jammh-Schmidl; Lufffchiffahrt — Laurent- EYnae; technischer Unterricht — Beuazet; Handelsmarine — Dauileou; Krieg — Ossola. Wie verlautet, wird der bisherige Handelsministcr Chaumet Gouverneur der Bank von Frankreich werden. Das zweite Kabinett Painleve bedeutet ein Abschwenken nach links. Unter den 16 Abgeordneten und 4 S e n a t o r e n, aus denen es b^teht, befinden sich 11 Radikalsozialisten, 6 republikanische Sozialisten und 3 Mitglieder der radikalen Linken. 14 Minister gehörten bereits dem letzten Kabintt an, aus dem vier Minister, Caillaux, Laval, Chaumet und Hesse, ausaeschiede» sind. Das Finanzministerium hat Painleve zwar selbst übernommen, doch wurde zur Entlastung des Ministerpräsidenten ei» «eues Ministerium, das v u d g e t m i n istersum, mit Georges Bon net an der Spitze geschaffen, das sich mit der parlamentarischen Vorbereitung des Budgets zu befassen haben wird, wahrend der Finanzminister sich nur den Geschäften des Schatzamtes widmen wird. Die neue Regierung ist heute nachmittags zu ihrem ersten Käbinettsrat zusammengetreten. Am kommenden Dienstag wird sie mit einer Regierungserllärung vor die Kammer trete», die heute zu ihrer außerordentlichen Session Zusammentritt. Das Kabinett und die Parteien. Paris, 29. Oktober. (Tel.-Ävmp.) In der heutigen Sitzung der sozialistischen Kammergruppe kam es bei der Beratung über die der neuen Regierung gegenüber einznnehmende Stellung #t starken Meinungsverschiedenheiten unter den sozialistischen Abgeordneten. Leon Blum und Paul Boncourt warm heftigen Angriffen ausgesetzt, weil sie Painleve die Unterstützung des neuen Kabinetts zugesagt hätten. Einige Miglieder erklärten, daß sie unter keinen Umständen die für Marokko und Syrien angesprochenen Kredite bewilligen würden. Die Stellungnahme der Sozialisten soll auf Grundlage von Erklärungen Painleves, um die er von einer Kommission der Fraktion ersucht wurde, aus dem Sonntag beginnenden Parteikong re ß sestgestellt werden. Ter leitende Ausschuß der republikanischen Demokraten nahm heute eine Entschließung an, die eine völlige Absage an das neue Kabinett Painleve bedeutet. Die Erschütterung der öffentlichen Meinung sei eine Konsequenz der seit -dem 11. Mai 1924 befolgten Politik und sie trage auch die Schuld an der gegenwärtigen kritischen Finanzlage Frankreichs. Sanktionen i« Syrien. Paris, 29. Oktober. (Tel.-Komp.) Die e r st c A m t s- Handlung der neuen Regierung soll, dem „Jntrausigeant" zufolge, darin bestehen, daß im Hinblick auf die jüngsten Vorgänge in Syrien Sanktionen ergriffen werden. Zu den Gerüchten, daß General Sarrail abberufen und durch General Guillaumat ersetzt werden soll, teilt der „TempS" mit, daß Painleve dieses Gerücht auf Befragen als ungenau bezeichnet habe. In Syrien herrscht, wie aus Beirut gemeldet wird, Ruhe. Die Einwohner von Damaskus kehren in ibre Wohnungen zurück. «<w Neuwahlen in -enlschlany. Berlin, 29. Oktober. Das „8-Uhr-Abendblatt" schreibt: Der gestrige Beschluß des sozialdemokratischen Parteivorstandes, der in unzweideutiger Weise die Auflösung des Reichstages und den Appell an das Volk verlangt, hat insofern eine Klärung der Situation gebracht, als man nunmehr mit einer gewissen Sicherheit damit rechnen kann, daß eine Auslösung des Reichstages sich nicht wird vermeiden lassen. Uaiou der Mkerbaadligen. Der nächste Kongreß in Dresden. — Dollfus Präsident. Lausanne, 29. Oktober. (Schiveiz.'Dep.-Ag.) Ter hier tagende Rat der INternationalen Union der Völkerbund bereinig äugen hat 'beschlossen, die Einladung der deutschen Vötkcchundvereinigung, daß der »ä ch'ste K o ng re ß der Union i m I a h r c 1926 in Dresden aibgjchalten >werde, anzunehmen. Das Bureau wich das Datum des Kongresses noch sestsetzen. Wien^er MorgenzeItuttj_ 30. Oktober 1925 Nr. 2402 vrw Mthenbng bei Lord Wmer. rir 8«wi h AükNky - Keren,HajeW.«r eit in Palästina. Nach seiner Rückkehr von Palästina, wohin er nach -dom Wiener Kongreß begeben hatte, äußerte Herr MarrisRöthenberg, der Chairman des g m e r U kanischen Keren Hasessad, Zeitungsvertretern gegenüber seine Meinung über den Kongreßbeschluß der Enveiterung der F^wish Agency sowie über die Leistungen des Keren.Hafessod in Palästina. Das bedeutendste Ereignis des Kongresses, erklärte Rothenberg >>nier anderen, sei die von ihm e-inges'chwgcne Tendn"; der Förderung der Evweiterung der Je wisst Zlgency. ES sei setzt die Möglichkeit gegeben, an die Organisierung der erweiterten Agtncy hcranzuschrcüen, so daß alle Ktäfte des jüdischen Lebens Keren H.ijesfod ist eng verwoben mit dem jüdischen Selben sowohl in den Kolonien wie in den Städten, und während der Zeit der ersten Ansiedlung dient der tfercu Hajessod als unentbehrliche Hilfe 'bei der allmählichen wirtschaftlichen Verselbständigung -der Siedler. Eine Zeit lang ltoch wird die Entwicklung des Aufbaues a'bhäwM von den größeren Geldbeträgen, die der Keren 'Hajessod zur Verfügung stellen muß. Sehr beachtenswert ilst indessen die Tatsache, daß die Beiträge der palästinensischen Bevölkerung zu den jetzt voni Keren Hajessod gelieferten Geldern ständig tot Steigen begriffen sind." .Herr Rothenberg hat auch am Aufbau der jüdischen Heimstätte mitavbeiten. ,Mein Besuch in Palästina", führte Rothenberg weiter aus, „ha-t mjch in meiner Ueherzeugung noch bestär.t, daß der Aufbau Palästinas eine Aufgabe von so großen Proportionen uni» Von so aussichtsr'eichen Möglichkeiten ist, daß sie d'e Mithilfe aller schöpferischen Kräfte tm jüdischen Loben verlangt und auch verdient. Als der Kongreß für die Erweiterung der Jew'sh Agency stimmte, hat er sich in starken. Motz auf di« von den Non- Partisan-Konfetenzen züm Ausdruck ^brächten Gefühle und unternommenen Schritte gestützt, die in Amerika unter Führung von Marshall stattgefunden haben, und die den ernsten Wunsch neuer Kräfte dokumentieren, an dem Aufbau der jüdischen Heimstätte.mitzuarbeiten. Es ist daher zu hoffen, daß nunmehr die Organisierung der erweiterten Iewifh Agency ohne weiteren Zeitverlust vonstatten gehen wird, damit die an sie gestellten Erwartungen sich baldigst erfüllen." lieber seine Eindrücke von den Keven-Ha>jessod- Leistungen in Palästina, die er eingehend studiert Hai, Wobei er viele der 43 landwirtschaftlichen Siedlungen besucht hat, bemerkte Herr Rothenberg: „Ich habe das ganze Land bereist und die feste Ueberzeugung mit mir genommen, daß Palästina für die jüdisch« kulturelle und geistige Entwicklung eine nie dagetvesene Gelegenheit bietet. Di« bereits in so SuMr Zeit sowohl in den landwirtschaftlichen Siedlungen wie in den rasch auswachsenden Städten erzielten Resultate sind höchst ermutigend und lassen ahnen, «ivaS.geleistet werden konnte, wenn größere Mengen Kapitals sowohl öffentlichen wie privaten Charakters zur Bersiigung ständen. Niemand kann den Fleiß und den Mut, mit Ivelchem jüdische Männer und Frauen qüs allen Gegendirn der Welt sich der schweren Aufgabe des Ausbaues hingöben, ohne Ergriffenheit bewundern und ohne den Glauben zu empfangen, daß die Juden fähig sind, Palästina aus seinem jetzigen vernachlässigten Zustand wieder zu seiner ehemaligen Fruchtbarkeit umzuwandeln. ' T«r Keren Hajessod ist ein gwaltiger Faktor in dam Prozeß der palästinensischen Entwicklung. Die Tätigkeit des Lord Plumer, den Obcrkommissär für Palästina, besucht und mit ihm über die jüdische Arbeit in Palästina gesprochen. „Ich habe den Eindruck gewonnen", so schloß Herr Rothenberg. „daß es der ernifthafte Wille Lord Plumers ist, dipbritische Politik bezüglich der Errichtung der jüdischen Heimstätte vollinhaltlich durchzuführen." Ier Keren Hajessod in SeutschlMb. Oskar Wassermann im Londoner Direktorium. Berlin, 26. Oktober. (I. T. A.) Am 24. d. hielt das Präsidium des Keren Hajessod in Deutschland eine Sitzung ab. Aittoesend üvaren unter anderen Direktor Oskar Wassermann, Rabbiner Bacck, Ban'kdirektor I. Drehfus (Frankfurt a. M.), der Vorsitzende der jüdischen Gemeindr Herr Lis(er; von zionistischer Seite waren anwesend di« anläßlich der Aktmns« komiteetagung hier wettenden Dr. Weizmann und Nastum Sokolow, Divc'ktor Bertold Feiwel, Doktor Hantke, Kurt Blumenfeld und Alfred Berger. In der Sitzung wurde der Bericht über die abgelausene ArbeitSperiode erstattet, aus dem ersichtlich ist, daß der Keren Hajessod in Deutschland außerordentliche Fortschritte erzielt hat. Es wurde einstimmig beschlossen, die Arbeit mit verstörter Intensität fort.zusetzen. -Ferner wurde einstimmig beschlossen, -er Landesversammlung die Wahl von Direktor Oskar Wassermann in das Präsidium des Londoner Hauptbureaus de's Keren H ajessod vorzuschlagen. Bei einem am 26. d. veranstalteten Bankett hielt Direktor Oskar W a s s e r m a n n eine Ansprache, in der er sich über die Kolonisationsarbeit in der Krim und in Palästina äußerte. Er erkannte dicüesa-ndere Bedeutung der Aufbarmvbeit für das russiW Judentum durchaus an, betonte aber, daß diese Arbeit nichts mit Palästina zu tun habe, Palästina bleibt nach wie vor die wichtigste Aufgabe. Er schloß mit folgenden Worten: In der Krim hilft man dem einzelnen Juden, in Palästina aber dem Jude nt u.m. Wer für die Krim gibt, hilft anderen, wer für Palästina gibt, hilft sich selbst. rt/zj-rimtr deuten des Welt Verbandes gewählt. ■ Ae Mandalslommifsion. Genf, 29. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die Miu>derheitenkommission befaßte -sich mit -der Frage der a ü s M azedonien nach Bulgarien Änsgewanderte n. Sie konnte lediglich die radikale Verschiedenheit der von der bulgarischen und der jugoslawischen Delegation gemachtert AuslegUttgou konstatieren und ging sodann.zur Tagesordnung über, ohne die Möglichkeit einer späteren Wiederarrsnahme dieser Frage äusziischließen. Die Kommifsvou diskutierte dann die Frage der deutschen Äinderheit in Südtirol. Sie Wischen Vemeiaden in Rnmiinien. Bukarest, 28. Oktober. (I. T. A.) Dieser Tage faivd i>n Gebäude des Kultusministeriunis in Bukäreft ein« Beratung über die Schaffung eines Statuts der jüdischen Gemeinden statt. Vertreter der größeren jüdischen Gemeinden «rvarett änw?Md. Minister A nghelescu teilte mit, er Plane, die Gemeinden in zwei Kategorien einznleileu: konfessionelle unweltliche Gemeinden. Ein diekbegügliches Gesetz tverde demnächst dein Parlattrent vorgetegr -tverdsn. Tie Vertreter der Gemeinden gaben ihren Bedenkri: gegen diese ZweitM>ng Ansdruck und forderten eine integrale, ei ithe i t l i che Gem e i n de. Sie nationolneni'chen Faden. Zu unfcreni Bericht über die am 23. Oftokt stattgehabte Versammlung der Wiener Angehörigrtt d.'s Vervaüd's der nati-onabdeutsthriHfitden schreibt uns der Rechtst gnivalt Tr. Leo Spitzer, haß Fred Hrrnik-Hgrkn niemals Äomninnist war. Tie 'Mirtettnna. daß Hornik Kommunist war, ist uns von einem zuvertäMen Gewährsntanu Mgekommen. Sofia, 29. Oktoiber. (Tel.-Komp.) Die Konlndiffcou der ausländischen Militärattaches ist gestern nachmittags eingetroffen. Nach einer einstündigen Unterredung wurde ein Protokoll unterzeichnet, das folgende Bestimmungen für die Beilegung des griechifch-bulgarische n Grenzzwischenfalles festliegt: Alle feindseligen Aktionen zwischen den Truppen der 'beiden Staaten werden eingestellt. Die griechischen Truppen müssen nüt der Räumung des von ihnen besetzten bulgarischen Gebietes heute, 29. d., 8 Uhr morgens, beginnen. Die Räumung muß innerhalb 48 Stunden beendet sein. Die bulgarischen Truppen rücken in das Mäumie Gebiet ab morgen, SO. d., 1 Uhr mittags, ein. Die mit der Untersuchung der Uesetzungsschäkn -betrauten bulgarischen Organe dürfen ihre Tätigkeit nicht vor.dem 29., 1 Uhr mittags, ausnehmen. Die aus griechischem Gebiet stehenden bulgarischen Truppen'werden sofort zurückgezogen. Die Uebevwächung der Durchführung dieses Abkomnwns obliegt den Militärattaches Frankreichs, Großbritanniens und Italiens. Die Kommission -der Militärattaches wird Sanktionen verhängen, wenn der eine oder der andere Teil gegen die Bestininningen des Abkommens verstoßen sollte. Per Völkevbundrat setzt eine Untevsuchungskommisfton ein. Paris, 29. Oktober. Der Völkebbundrat hat lMüc vornüttags in nichtöffentlicher Sitzung von km e r st e n B epicht Kenntnis genommen, den der französische Militärattache in Belgrad zugleich im Namen seines englischen und italienischen Kolleg-rn eingesendet hat. Nach dem Bericht wird der Rückzug auf bulgarischer und aus griechischer Seite in normaler Weise dnrchgeführt. Ter BMerbundrät «beschloß, zur Vermeidung künftiger KonMte ähnlicher Art die Mnsetzung eines U n t e r s u ch u n g s a ü s s ch u s s e s und ersuchte C h a ut. herlain, mit den Vertretern Bulgariens und Griechen-' lands über die Zusammensetzung des mu einzusttzei^en Untersuchungsausschusses zu beraten. An Stelle des ausscheidsuden Präsidenten des Wsltvevbandes der Völkerbundligen, Sir Willoughby- D i ck i n s o n, wurde «heule der Vorsitzende der Schlveizer Bälkerbundliga, Nationalrat D-ollfus, zum Präsi- Ser griechisch-bulgarische KonWt Das Räumun-sprotokoll.

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