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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-30 · Heft 2402 (30.10.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2402 (30.10.1925)
Date
1925-10-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 |Polen; 20 aioszy Wien: tum Abholen in der Expedition, Il.,Tabörstr. 1-3, oder in einer Verschlfeisstßlle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma Gold sch mied, 1„ Wollzelle 11 Mit Ppstversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutsch]and: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 rener (Nachsablangen bei r r e i »- erhöhniigen Vorbehaltes England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien1 Mon,lOOLew«. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.; Universitätssträsse 6-8 (D uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 2M , _ Wie», Freitag, 39. Araber 1925 Ae Berliner zionWchen Beratungen beendigt. Debatle über die Krim-Koliinisation. Berlin, 28. Oktober (I. T. A.) Das Zionistische Mionskomitee hat gestern seine Beratungen, die am 21. d. begonnen Hatten, beendigt. Es fanden am gestrigen Tage noch zwei Sitzungen statt. Am Vormittags wurde die Teilnahme des jüdischen Nationalrates in Palästina (Waad Leumi) an der Z i o n i st i s ch e n Exekutive in Palästina besprochen. Es wurde beschlossen, das Präsidium des Aktionskomitees und die Zionistische Exekutive zu beauftragen, eine Lösung in positivem Änne -der nächsten Aktionskomiteesession vorzuschlagen. Auf Anregung des Aktionskomiteemitgliedes Dr. A. Katznelson (Hitachduth) drückte das Mionskomitee einstimmig den Wunsch aus, daß die nächste Tagung des Aktionskomitees um die kommende Passahzeit in Palästina abgehalten werden soll. Der Iveitere Teil der VormittagAsitzung sowie der Nachmittag waren von einer lebhaften Diskussion über die Stellung der zionistischen Bewegung zum russisch-jüdischen Kolotvisationswerk ausgefüllt. Es wurden alle Einzelheiten der Frage besprochen. Eine , große Anzahl der AktionIkomiteemitglieder sowie auch Präsident Nahum S o 1 o l o w beteiligten sich an der Diskussion. Abgesehen von der Kritik, die einige Redner übten, kam im allgemeinen eine positive Einstellung zu dem russischen Kolonisationslverk zum Ausdruck. Es wurde eine Kommission eingesetzt, der Vertreter aus allen Fraktionen angehören. Diese Kommission hat die Ausgabe, nicht allein die Frage der Krimkolonisation, sondern auch alle übrigen Fmgeu der jüdischen Hilfe under jüdischen Hilfsorganisationen zu bearbeiten und durch Studien und Anträge die Beschlüsse der Exekutive und des Aktionskomitees vorzubereiten sowie ein Communique anszuarbeiten, in dem die Ansichten der Aktionskomiteemitglioder über diese Fragen zum Ausdruck kommen. In den Abendstunden wurde dann die erste Tagung des vom 14. Zionistenkongreß gewählten Aktionskomitees beendet. Schlußreden hielten Präsident des Aktionskomitees. Leo Motzkin, Präsident der Exekutive Nahum Sokol o w und Senator Rabbiner R u b i n st e i n (Wilna), der den deutschen Zionisten für die geübte Gastfreundschaft dankte. Die Tagung des anlmkailisch- Kmgresses. Die 15-Millionen-Dollar-K<rrnpagne. New-Iork, 26. Oktober. (I. T. A.) Der foelben zu einer Tagung zusammengetretene amerikanisch-jüdische Kongreß nahm eine Resolution an, m der bedauert wird, daß das Joint Distribution Committee in dem gegenwärtig in der Durchführung «begriffenen 15-Millionen-Dollar-Drive das Palästinawerk unberücksichtigt läßt, obwohl in dem Abkommen von Philadelphia auch Palästina erwähnt ist. In der Resioilution wird gefordert, «daß das Abkommen von Philadelphia anfrechterhalten werden solle und daß die russisch-jüdische Kolonisation.nicht zum Hauptziele der Kampagne gemacht werde. In einem weiteren.Beschluß billigt der Kongreß den Entschluß der Z i o n i st i s ch e n O r g an i s a t i o rt, ihrerseits e i ne 5-M i ll ione-n-D olla r - Ka mpagne für Zwecke des Palästinaauf>baues durchzuführen und verspricht Unterstützung. Der Kongreß beschäftigte sich auch mit der Lage der Juden i n d e r A l t e n Welt und nahm unter anderem einen Beschluß an, in welchem gefordert wird, daß Polen-dazu/verhalten werden soll, die Bestimmungen zum Schutze der-Minderhe i ten, die im Versailler Vertrag vorgesehen sind, zuverwiMchrp. - Ae nächste Sitzung ln PaKstkna. Ruppin tritt nicht in die Exekutive ein? Die Jüdische Telegraphen-Agentur meldet aus I erusalem: Dr. Artur R u P p i n. der durch ein Telegramm des Herrn van Vriesland von dem Beschluß der Berliner Aktionskomiteetagung verständigt wurde,, wonach die Amtsdauer der vom 13. Kongreß gewählten Exekutive bis zum 15. Kongreß verlängert wird, hat die Erklärung abgegeben, daß er für seine Person cs ablehnt, jn der Zionistischen Exekutive in Palästina länger zu verbleiben. Ruppins Prozetz gegen den „Doar Hajom". Jerusalem, 28. Oktober. (I. T. A.) Am 26. d. begannn vor dem Jerusalemer Gericht die Verhandlung über die Klage Dr. Ruppins gegen den verantwortlichen Redakteur der Jerusalemer Tageszeitung -„Doar Hajom". Vorerst wurde die Frage diskutiert, ob Herr Jttamar Ben-Avi, der erklärt, die Verantwortung für die Artikel zu übernehmen, zur Zeit des Erscheinens der Artikel wirklich als verantwortlich für die Zeitung zeichnete. Der Prozeß hat folgende Vorgeschichte: Im Oktober-und November 1923 sowie auch im Februar 1924 erschienen im „Doar Hajom" Artikel, in denen Dr: Rnppin vorgeworfen wurde, er habe in K on st a nt i n o Pe l w ähr e n d des Kr i eg es'gewisse- Manipulationen mit Palästinensischen Geldern durchgeführt. Die Zionistisch^ Exekutive hat die Behauptungen des „Doar Hajom" dementiert und die Vorwürfe gegen Doktor Ruhpin mit Entrüstung zurück ge wiesen. Die Exekutive erklärte, sie habe das g e s a m t e M a t e r i a l über die von Dr. Rnppin durchgeführten kommerziellen Aktionen in Händen, und es gehe daraus hervor, daß das persönliche und finanzielle Gebaren Dr. Ruppins in jeder Hinsicht tadellos sei. Bei dieser Gelegenheit wiederholte die Exekutive ihren D a n k an Dr. Rnppin dafür, daß er durch seine Tätigkeit in . den unruhigen Kriegszeiten Palästinensische Interessen gerettet hat. Die palästinensische Arbeiterkonföderation (Histadrüth Haowdim) nahm im Juni 1924 eine Resolution an, in welcher Doktor Rnppin für seine Arbeit im Interesse der jüdischen Kolonisation in Palästina Dank und Vertrauen ausgedrückt und die Angriffe des „Doar Hajom" gegen ihn mit Entrüstung z u r ü ck g e w i e s e n werden. Jn der Resolution hieß es weiter, die Attacken des „Doar Hajom" gegen Dr. Rnppin richten sich in Wirklichkeit gegen die Arbeiterkolonisation Palästinas, deren Schöpfer Dr. Rnppin ist. Nach einer längeren Auseinandersetzung zwischen den beiderseitigen Rechtsvertretern beschloß das Gericht, die weitere Verhandlung bis zum 12. November zu vertagen. Jerusalem, 28. Oktober (I. T. A.) Die palästinenstschzionistilsche Exekutive erhielt 75 0 0 Zertifikate zu>m Zwecke der Einwanderung von Chalnzim in den nächsten sechs Monaten. Wie gemeldet, hatte die Exekutive 15.000 Zertifikate angespvochen. Sin Iuftizmorb in Litauen. Das Todesurteil gegen den jüdischen Soldaten Szuwelir. Kowno, 26. Oktober. (I. T. A.) In den frühen Morgenstunden wurde das Todesurteil «des Kownoer Feldgerichtes gegen den jüdischen Soldaten Nachmn Szuwelir durch Erlschießen vollzogen. Szu«welir war beschuldigt, an einem Attentat gegen einen Provokateur, der Kommunisten der Behörde angezeigt haben soll, mitbeteiligt gewesen zu sein. Szuwelir «bestritt j e de S chu l d. Der Ha n pttä t e r «w ar ge f lü ch t e t, so daß eine Aufklärung der Angelegenheit nicht möglich war/ Eine Abordnung erschien im Ministerpvasidium. um den den abwesenden SwatspHMnten vertretenden Minister P e t r u l i $ um die Begnadignn g des immer wieder seine Unschuld beteuernden jungen jüdischen Soldaten zu bitten/ P e t r u l i s weigerte sich ab e r, die A b o r d n u n g z u e m psange n und unterschrieb das Tgdesuxtsil, iv 7.8ahrgaus Ungarn beschwert Ach. ' V. W l e n. 30. Oktober Die interessanten Jmmunitäts- und Korruptionsunterhaltungen der ungarischen Politik wurden gestern durch eine Völkerbunddebaüe in der Nationalversammlung unterbrochen, die' sch«m am Tag vorher im Außenausschuß begonnen hatte. Bewegliche Klagen wurden laut, die allerdings nicht konkretisiert wurden. Man ging, wie das der politische'.Jargon nennt, von den großen Gesichtspunkten aus, die An Ungarn sehr beliebt sind, weil ja dieses Land als der Nabel der Welt zu gelten hat. Ungarn versteht es trefflich, sich in Szene zu setzen, durch lärmendes Getue die Aufmerksamkeit von seiner tatsächlichen Verfassung abzulenken und durch eine gut geschmierte Ausländspropaganda sich in allen Sprachen der Welt als verfolgte Unschuld aufzuspielen. Dieses arme, verkannte Ungarn will nur hem Frieden leben und faßt alle Kräfte zu Heilung der Kriegswunden zusammen. Es wird von der Welt schlecht behandelt' und sogar mit Mißtrauen angesehen. Es beschwert sich über den Völkerbund und kann wegen des pseudodemokratischen Imperialismus, der bis an die Zähne bewaffnet ist, sich nicht ruhig entwickeln. Solche Worte und solche Beschwerden klingen sonderbar aus diesem Lande, dessen innere Verhältnisse der ganzen Welt, soweit sie noch auf bürgerliche Anständigkeit und reinliche Wirtschaft hält, ein Greuel geworden sind. Der Staat, in dem der Numerus clausus.Gesetz ist, in welchem Mörder, überwiesene Mörder, in Amt --und Würden frei umhergehen und durch Amnestie geschützt sind, dieses Ungarn beklagt sich. 19 Beschwerden 'nt der Völkerbund bisher nicht erledigt! Man denke! Ist im diesen Beschwerden etwa angeführt, daß magyarische Redakteure in einem' Militärauto verschleppt und erschlagen wurden? Konnte aus einem Nachbarstaat so ein Bademeister zitiert werden oder, ein Freispruch a la Csongrad? Keine magyarische Minorität kann diesen Akten magyarischer Demokratie etwas Gleichartiges entgegenstellen und es gibt keine magyarische Minderheit, die wegen ihrer Nationalität und ihrer Sprache in Schule, Amt und Gericht zurückgesetzt würde. Worüber beschwert sich denn Ungarn wegen seiner Minderheiten? Daß sie im Exil sind und nicht mehr Staatsnation spielen können. Solche Klage führt der klassische Staat der Nationalitätengesetzgebung, der mit Panduren und Henkern Slowaken, Rumänen und Serben die Ueberwertigkeit der magyarischen Rasse lehrte, und der in der Anwendung der Hochverratsparagraphen unbestrittene Meisterschaft erlangt hat. Ungarn — sagen seine Minister, seine Rassenschützler und seine' Demokraten — hat abgerüstet. Es ist waffenlos, wehrlos. Aus seinem Budget und seiner Volkszählungsstatistik aber erfährt man, daß es seine Brachialgewalt (das sind die Detachements aus dem Britannia-Hotel und ähnlichen Kulturinstituten) gegen die Friedenszeit auf das Doppelte vermehrt hat. Bethlen weint darüber, daß die Militärkontrolle noch immer bestehe! Diese Ziffern, die Gerichtsakten, die Wälder von Orgovany, von Kecskemet, die Friedhöfe der Pogromopfer, das Lager von Zala-Egerszeg — daran muß man den Völkerbund erinnern, die Institution des Rechtes, die von diesen Dingen weiß und es nicht wagt, gegen diese Spottgeburt einer staatlichen Organisation einzuschreiten. Ungarn bezahlt mit riesenhaften Summen die Jrredenta, Ungarn ist der Begründer des Systenis vom christlichnationalen Kurs, Ungarn ist der Unterschlupf des erbärmlichen Pogromgesindels aus Deutschland, und wo immer in der Welt eine antisemitische Lumperei ersonnen wird, dort ist bestimmt auch der Segen der gesellschaftsrettenden Erwachenden dabei. Jn der erwähnten Debatte, deren Lächerlichkeit bis zum Ueberdruß hervortritt, ist mit den zum Magyarentum nun einmal gehörenden großen Phrasen dem Völkerbund mit dem Austritt gedroht worden. Bethlen lehnte diesen Schritt einstweilen noch ab. Es seien aber doch Fälle denkbar, daß wegen irgend einer Rechtsbeugung der Austritt erfolgen müsse. Die Juden und die magyarischen Arbeiter sind in der Lage, dem Völkerbund einige hundert Fälle vorzulegen, die ihn zum Ausschluß des Staates der Hejjas, Gömbös, Eckhardt, Wolf, Lindner e tutti quanti veranlassen müßten. Dies scheint Bethlen übrigens zu besorgen. Denn er lehnt auch eine Fühlungnahme mit den Parlamenten der GMrMte. ab. da My M einW Äfus. mcht Ms- 7800 gertlfikate für PalWnaeinwauderer. 8534

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