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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-29 · Heft 2401 (29.10.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2401 (29.10.1925)
Date
1925-10-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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6erft '4 Men, Donnerstag Krachten Sie unser 2. Preisausschreiben in der heutigen Sportruvrit! 9 Wiener Morgenzeltung M. 1WS Ml, vauu, amS.Rovemder 1921 im Vvt- Ifte imugsl&iel den Kuh Amateure—Bienna trp Sie LreWcher Kohn-MWe. Lar Protokoll über die Srmorauug der Flüchtlinge. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Seachtea Sie unser 2. Preisausschreiben in der heutigen Tdorlrnbrit! Jantt oder Schager? Zwischen der konservativen Volkspartei des Rassenantisemiten Dr. Schager und dem Reichsbund der Oesterreicher, der unter Führung des Generalobersten Dank! steht, ist eine heftige Fehde darüber entbrannt, ob Dank! oder der Pogramantisemit Schager der von der entthronten Dynastie autorisierte Führer der österreichischen Monarchisten sei. Die Anhänger Dankls führen für ihre Behauptung persönliche Momente an, während die Schager-Gruppe die ausschließliche Führerstellung Schagers durch Handschreiben des gewesenen Kaisers Karl und der Kaiserin-Witwe Zita erklären wollen. Wie die Korrespondenz Herwei berichtet, werden diese Handschreiben in den nächsten Tagen in einem Flugblatt verössentlicht. Aus den Handschreiben geht hervor, daß die RestaurationSbestrebungen des gewesenen Kaisers Karl nicht nur in Ungarn, sondern auch in Oesterreich in weiwerzweigten Organisationen ihre Stütze gehabt haben müssen und von einer Reihe von Männern geleitet wurden, die im alten Oesterreich gewichtige Rolbm spielten In dem einen Handschreiben des gewesenen EMserS Karl an Schager heißt es: „Um die Einheitlichkeit und den Erfolg der jetzt an Bedeutung gewinnenden Politischen.Arbeit zu erleichtern, bestimme ich: Mein Vertreter bet allen die Restauration anstrebenden monarchistischen Organisationen und Elementen, insbesondere auch bei dem Wiener Zentralkomitee des Johann Prinz Liechtenstein, ist SektionSchef Dr. Albin Schager Freiherr vo» Eckartsau mit dem Sitze in Wien." In einem zweiten Handschreiben, das offenbar nur der DorlÄtfer weiterer Handschreiben war, sagte der gewesene Kaiser: Lieber Dr. Freiherr Schager von Eckartsau! Ich lasse Ihnen» als meinen und der ganzen Dynastie Vertreter bei den Kämpfen um meine Herrscherrechte, hiermit die Abschriften meiner heute an den Prinzen von Liechenstein und den Feldmarschallleutnant Freiherrn v. Novak gerichteten Handschreiben zu . gehen. Karl m. p." Daß fich aber auch die gewesene Kaiserin Zita, von der Man gerade jetzt behauptet, daß sie keine Politik mache, für die monarchistische Bewegung sehr lebhaft interessiert, ist aus einem weiteren in dem Flugblatt. zur Veröffentlichung gelangenden Handschreiben ersichtlich. In diesem Schreiben heißt es u. o.: „Ich bitte Sie, im Andenken an Se. Majestät, unseren über alles geliebten Kaiser, der allzeit so großes Vertrauen in Sie hatte, ihm die Mitarbeit an dem Wiederaufbau nicht zu. versagen und diesem Werke als dem heiligen Vermächtnis unseres Kaisers, so weit es Ihre Zeit und Kräfte erlauben, auch fernerhin als einer der bewährtesten und eiftigsten Mitarbeiter Ihre Erfahrung und Tatkraft zu widmen." ßiu Ultimatum der Mikreiarbeiter. Dienstag Streik? Gestern sand eine Vollversammlung der Betriebsräte und Vertrauensmänner der Bäckereiarbeiter statt, in der die Frage der geforderten Lohnerhöhung zur Diskussion stand. Nach einem Referat des Gehilfenobmannes Zipper wurde beschlossen, an die Unternehmer ein bis Montag den 2. November befristetes Ultimatum zu richten, in dem eine 12prozentige Lohnerhöhung gefordert wird. Sollte diese Forderung abgelehnt werden, so wird an diesem Tage der Streik einsetzen. Igle u, 38. Oktober. Heute war wogen des Staatöseiertages keine Vor- Handlung. Das Beweisvevfahren wurde gestern abgeschlossen, das Urteil dürste Freitag abeM gefällt werden. Unter den gestern verlesenen Protokollen ist jenes das merkwürdigste, das über die Einvernahme Karl Dvoraeeks berichtet. Dieses Berhorprotokoll, das vom 5. Februar 1925 datiert ist, lautet in seinen toejentlitfyen Teilen: Da sich in der letzten Zeit in Trebitsch ein Gerücht von dem Verschwinden polnischer Juden verbreitete, die während des Krieges und eine Zeit nach bent Umsturz in der Kohn-Mühle wohnten, wurde auch in dieser Richtung geforscht. Bei einem Verhör gab Karl Tvoracek, in der Meinung, daß auch diese Sache bereits aufgeklärt sei, zu, zwei polnische Juden erschlagen zu haben. Später aber bekannte er sich zu acht Morden. Wie Karl Tvoracek angibt, würden die Flüchtlinge ebenso wie die Brüder Polieki mit einer Hacke niedergeschlagen, die Eigentum des Josef Fejta war, und außerdem mit einem Holzprügel. Die Hacke lag immer bei der Tür des sogenannten Saales, wo Fejta wohnte, und daneben lehnte der starke Holzprügel. - Ten Verlaus der Morde an den Polnischen Juden schildert Dvoraeek folgendermaßen: Im Jahre 1918, vor dem Umsturz, schlug Jaroslaw Kunst dem Karl Dvoracek vor, gemeinsam mit ihm einen 49jährigen Juden, der in der Kohn-Mühle wohnte, zu erschlagen. Dvoraeek war dafür. Gegen Mitternacht rief Karl Dvoraeek den Juden, mit dem er gut bekannnt war, aus der Wohnung in den Saal, indem er angab, er habe mit ihm wegen eines Darlehens zu verhandeln. Während Kunst am Gange wartete, betrat Dvoraeek mit dem Juden den Saal, wo es ganz finster war. Hinter ihm schlich dann Kunst herein. Einige Schritte von der Tür weg ergriff Dvoraeek das dort lehnende Beil und schlug von hinten das Opfer einigemal auf den Kopf. Als sich der Getroffene aus der Erde wälzte, nahm Kunst den Holzprügel zur Hand und erschlug den Juden vollständig. Die Frau des Dvoraeek wußte davon und versah Nachtdienst aus dem Gange. Bei der Durchsuchung des Opfers fanden sie bei ihm 800 Kronen, die sie zu gleichen Teilen unter sich verteilten. Die Leiche warfen sie in den Kanal, wie dies später auch mit den Brüdern Policki geschah. Der zweite Mord erfolgte nach Dvoraeeks Angabe nngafahr e i n e W o ch e s p ä t e r. Die Aufforderung hierzu ging von Josef Fe tja aus. Am Tage nach der Berabräung, gegen 10 Uhr abends, rief Josef Fejta das zweite Opfer, einen ungefähr 35jährigen Polnischm Juden, der im ersten Stock direkt neben den Dvoraeeks wohnte, in den Saal. Er ergriff die Hacke und versetzte ihm in der Dunkelheit von rückwärts einige Schläge. Dvoraeek erschlug ihn dann vollständig mitdem Holz- Prügel. Die Anna Dvoraeek paßte wieder auf dem Gange auf. Die Durchsuchung der Leiche ergab 600 K., wovon sich Fejta 200 K. nahm und-Dvoraeek samt Frau den Rest. Auch diesen Toten warfen sie in den Kanal. Dos dritte Opfer wurde ein 18jähriger jungst Mann. Er war ledig und wohnte ebenerdig in der Kohn- Mühle. Die Anregung gab Karl Dvoraeek. Teilnehmer an dem Mord war Jaroslaw Kunst. Die Tat wurde ungefähr eine Woche nach dem zweiten Mord verübt. Karl Dvoraeek hat wieder das Opfer in den Saal gelockt und mit der Hacke erschlagen. Jaroslaw Kunst besorgte mit dem Holzprügel den Schluß. Anna Dvoraeek stand Wache. Bei dem Toten fanden sie in der Brusttasche in einem Buch 400 K. Dvoraeek verbrannte das Buch in seiner Wohnung. Kunst erhielt 75 K., den Rest Dvoraeek samt Frau. Die Leiche vergruben sie im Lehmsnhboden des Saales. Den vierten Mord an einem 20jährigen jüdischen Mädchen, das im Nachbarhause wohnte, vollsührte Dvoraeek gemeinsam mit Josef Fejta ungefähr acht Tage später. Anreger war Karl Dvoraeek. Bei diesem Mord warauchseineFrau anwesend. Ungefähr um 11 Uhr nachts stand das Opfer in der Nahe der Kohn-Mühle vor einem Hause, wo sie mit Freundinnen gesungen hatte. Dvoraeek ging zu ihr, rief sie auf die Seite und führte sie unter einem Vorwand in den Saal. Dvoraeek führte di« tödlichen Hiebe, Fejta kam ihm nach und erledigte das Opfer mit dem Holzprügel. Auch die Dvoraeek war dabei. Bei dem Mädchen fanden sie eine Damentasche mit ungefähr 300 K. Inhalt. Dvoraeek verbrannte die Tasche im Ofen, das Geld teilten sie so auf, daß Fejta 88 K. bekam, Dvoraeek mit Frau den Rest. Sie gruben wieder ein Loch im Erdboden des Äales und verscharrten die Leiche. Das fünfte Opfer wurde ein 26 Jahre alter Jude, ledig, wohnhaft zu ebener Erde in der Kohn-Mühle. Der Mord wurde ungefähr 14 Tage nach dem letzten Mord über Anregung des Dvoraeek durchgeführt. Beteiligt waren Jaroslaw Kunst und die Frau des Dvoraeek. Die Ausführung des Mordes schildert Dvoraeek genau so wie in den früheren Fällen. Bei der Leiche fanden sie in der Brusttasche 400 K., die sie zu gleichen Teilen austeilten. Die Leiche wurde wieder im Lehmboden vergraben. Das sechste Opfer war ein ungefähr 30jahriger Jude. Die Mordtat wurde ungefähr drei Wochen nach dem letzten Morde vollführt. Die Aufforderung ging von Karl Dvoraeek aus. Beteiligt waren JaroSlaw Kunst und Frau Dvoraeek. Die Beute betrug wieder 400 K. Kunst erhielt 70 K., den Nest behielten die beiden Dvoraeek. Das Opfer warfen sie in den Kanal. Me viele Morde Jaroslaw Kunst oder Josef Fejta ohne Wissen des Dvoraeek vollfuhrten, kann er nicht angebe». Auch nicht, vo» wem die Anregung dazu ausging. Dvoraeek sagt ausdrücklich, er könne sich wegen der langen inzwischen verflossenen Zeit und wegen der großen Zahl der Morde an weitere Einzelheiten nicht mehr erinnern. Nach den Angaben Dvoraeeks sind die geschilderten Morde 8er Ermordung der Brüder Polieki vorausgegangen. Dvoraeek hat sich bei spateren Einvernahmen sogar zu acht und schließlich zu zehn Morden an politischen Flüchtlingen bekannt und über die Beseitigung der Leichen ausgesagt, daß sie zersägt und in die Jglau geworfen wurden. Sie Aphnrerttaukungen in Renukirchm. «4 Sill«. Me amÄich verlcmtbart wich, begab sich gestern vormittags der Referent für San-itätsangolegenheiten, Landesrat Helmer, in Begleitung des Landesisamtätsroferenten Regiovungsrates Dr. Schopf, des Oberamtsvates Dr. Axmann und des Architekten Rögl vom Landesverein vom Roten Kreuze nach Neunkirchen, um sich persönlich von den getroffenen Maßnahmen zu iüfetptgeit. m Die Zahl der EÄmMnigen aus Neunkirchen im Laufe des jetzigen Auftretens der Krancheit beträgt 53, weiters wurden noch vier Mte Fälle aus der nächsten Umgebung NomÄirchens dem Gpitale in NeunLirchen eingoliafert, ferner stchen noch vier alte Fälle aus NeunLirchen in Behandlung sowie drei weitere Fälle, die mit den Neunkirchner Erkrankungen in keinem Zulsammenhanige stchen. UM Platz für die Erlvanikten zu schaffen, wurde das BezirkSkwdecheim in NeunLirchen geräumt und vorläufig für einen Belag von 5o Betten eingerichtet. Die Einrichtung wurde vom Landesverein vom Roten Kreuz für Niederösterreich beigestellt. , Das proviiforifche Laboratorium des Bolksgesundheitsamtes hat bereits seine Tätigkeit unter der Leitung des Professors Dr. Rust ausgenommen. Der Professor für Hygiene an der Wiener Universität, Hafrat Dr. Graßberger, hat gestern die Wasserentnchmestelle für Neuickirchen in Rchvbach besichtigt und sie für einwandfrei erklärt. Es wurde auch bereits Vorsorge getroffen, die BeVÄAerung mit einwandfreier, pasteurisierter Milch zu versorgen und diesbezügliche BeohandlMyen «ch einer großen Millchfirma durchgchuhrt.. Keine Gefahr für Men! AuS Anlaß der in NeunLirchen plötzlich aufgetretenen TyphuSchidemie fand gestern unter dem Borlsitz des städchchen WohlfahrtSreserenten, amtsführenden Stadtrates Professor Tandler, eine Sitzung statt, der Vertreter des städtischen Gesundheitsamtes und Marktamtes beigezogen wurden. OberstadtPihyisiLuS Dr. Böhm berichtete Wer den augenibMichen Stand der TyPhuLerkvanLungen in Wen, wöbe.: sich zeigte, daß im Jahre 1928 sine ganz minimale Steigerung der TyPhuSevkranLmigen vorhanden sei. Der größte Teil aller Typhuskvanlken in den Wiener Spitälern betrifft Ortsfremde. Da daS Wasser ÄS JnIfeMonSträger in Wien überhaupt nicht in Betracht kommt, Iblleibt hauptsächlich die Infektion durch NahmngS- und Genutzmittckl. Am häufigsten wird TyPhuS durch Milch übertragen. Das Marktamt sicht deshalb streng darauf, daß aus verseuchten Orten keine Mich auf den Markt kommt. Dennoch empfiehlt es sich, nur gut abgekochte Milch zu genießen. Sin Frauenkongretz kn Bukarest. Bukarest, 27. Oktober. (Orient-Radio.) Der Nationtt!» rat rumänischer Frauen hat ans Initiative der Prinzessin Cantaeuzlno die Frauenvereinigungen der Minoritäten zu einem Kongreß zwecks Prüfung ider Fragen betreffend toe Frauen- und Kinderarbeit geladen. Dieser Kongreß hat in Bukarest in Anwesenheit von Delegierten von 500 Fvauenverinigungen Transsylvaniens, der Bukowina und des Banats stattgefunden. 44 in reichster

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