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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-29 · Heft 2401 (29.10.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2401 (29.10.1925)
Date
1925-10-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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bette 2 Men, Donnerstag Vkk KRANKHEITEN LSnn-n Sb verhüten, wenn Sie LÖWEN FRANZBRANNTWEIN mit Menthol benützen. Löwen-Franzbranniwein ist das idealste Mund-, Zahn- und Haarwasser. Achten Sie auf die Schutzmarke/ In Originalflaschen überall erhältlich. Gesetzt* gesch. Schutzmarke 660 Erzeuger: Alexander Kalmar, Wien, II. Nordbahnhof Mandatskommission entspricht und den Zionismus ansaßt, dann wären ja alle getroffen, die in Erez Israel silck, die Frommen und die Freisinnigen..Das ist aber das Ziel dieser Partei des Verrates und des jüdischreligiös angestrichenen Antisemitismus. Sie will das Judentum im Exil und in Palästina sprengen. Sie will den nichtjüdischen Feinden das Signal geben, daß sie nicht in der jüdischen Solidarität steht, und das gerade an dem heikelsten Punkt, in Gens. Die zionistische Einheitsfront mußte wieder hergestellt werden. Wir stehen mitten im Brand. Krimfrage und Fetvish Agench. Bon Dr. Israel Waldmann. (AuseinemGesprächmitRichterRosenblatt.) Anläßlich der letzten Aktionskomiteesitzung in Berlin hatte ich Gelegenheit, mich mit dem Vertreter der amerikanischen Zionisten beim Aktionskomitee, Herrn Richter Bernhard Rosenblatt, über die Jewjsh Agency und die Krimsrage anszusprechen. Ich habe diese Aussprache gesucht, um zu erfahren, aus welchen Motiven die Zionistische Organisation in Amerika sich vor dem Kongreß in der Krimfrage fast passiv verhalten, während des Kongresses eine ganz unklare Haltung eingenommen und erst jetzt nach dem Kongreß offenkundig einen Kamps ausgenommen hat. Es war weiters für mich von Interesse, ob die Zionisten in Amerika die Krimfrage studiert und auf Grund eingezogener Informationen und gesammelter Materialien dem Projekte zugeftimmt hatten, oder ob sie aus anderen Motiven es unterlassen hatten, eine entschiedene Stellung einzunehmen. Schließlich wollte ich erfahren, wie die Frage der Jewish Agench und die Krimfrage bei den amerikanischen Zionisten ineinandergreifen, und ob die letzten Vorgänge in Amerika, insbesondere der nunmehr außerhalb des Joint eingeleitete z i o n i st i s ch e Drive auf die Erweiterung der Jewish Agency in Amerika von Einfluß sein könnten. Herr Rosenblatt erklärte, er könne nur seinen eigenen Standpunkt bekanntgeben; er sei schon seit längerer Zeit nicht im persönlichen Kontakte mit den amerikanischen Zionistengewesen, so daß er nur seine Ansicht bezüglich der von mir angeregten Probleme äußern könne. Die Zionisten in Amerika seien vor dem Kongreß ohne jede Vorbereitung und ohne jede Ueberlegung in die Krimfrage hineingeraten und haben ganz zufällig eine Stellung eingenommen, die als wohlwollend aufgesaßt werden konnte. Der Grund hiefür lag in der Verbindung mit den leitenden Personen des Joint, die sich für die Krimfrage einsetzten. Die Zionisten wollten daher durch eine eventuelle Opposition oder auch nur durch Häufung von Schwierigkeiten das Verhältnis zu den Herren vom Joint nicht trüben, um das Zustandekommen der Jewish Agency nicht zu gefährden. Die führenden Zionisten in Amerika waren persönlich von dem Plan der Krimkolonssation und dem Engagement des amerikanischen Judentums in dieser Frage keineswegs ent-/ zückt. Obzwar man von Anfang an im Zweifel war, ob eine derartige Aktion ohne Befragen des Judentums in der Ukraine einzuleiten wäre, so hat man sich doch mit Rücksicht auf die Jewish Agency Reserve auferlegt, und sich mit der bekannten Resolution in Washington begnügt, in welcher der Primat Palästinas zum Ausdruck gebracht wurde. Am Kongresse selbst wollte die amerikanische Delegation keine entschiedene Kampfstellung einnehmen, weil damals noch immer Unterhandlungen -übe« die Aufteilung der gesammelten Gelder schwebten, und man die Hoffnung nicht aufgegoben hatte, zu einem befriedigenden Resultat zu kommen. Die Herren vom Joint verlangten ausdrücklich, daß die .von ihnen eingeleitete Sammelaktion auch die Palastinazwecke - umfassen solle, wollten aber andererseits der Forderung der Zionisten nicht zustimmen, daß ein gewisser Prozentsatz des Sammelertrages von Vorneherein f ü r P a l ä st i n a festgesetzt werde. Die Zionisten konnten sich diesem Standpunkt naturgemäß nicht akkomodieren. Das Verlangen der Herren vom Joint hätte nur bewirkt, daß man für die Sammeltätigkeit des Joint eine sicherere Basis geschaffen hätte« weil in der öffentlichen Wiener Morgenzeiiung 29. Oktober 1925 Nr. 2M Abotinskyr lieber de» 14. Sioaistentongreh. Im großen KonzerthauSsaal hielt gestern Madimir Jabotinsky seinen Vortrag über den im August in Wien abgehaltenen 14. Zlonistenkongreß. Er leitete seine durchdachten und in gewohnt rhetorisch sehr wirksamer Form vorgetragenen Ausführungen mit dem Bemerken ein, er wolle wie ein abseits steh < nder Beoba cht e r seine Eindrücke, die er vom Kongreß empfangen habe, wiedergeben. Man halte ihm vor, daß seine vor dem Kongreß geäußerten pessimistischen Ansichten über die Entwicklung Palästinas, das Absteigen der Eintvanderung in den Jahren 1921, 1922, 1923 und die anderen damaligen unerfreulichen Erscheinungen und seine Prophezeiungen, daß es zum Bankrott führen müsse, wenn das von der zionistischen Leitung eingeschlagene System nicht geändert werde, sich als falsch erwiesen haben. Die Einwanderung hat zugenommen und die Höhe von 49.000 Immigranten im Jahr erreicht, die Geldeingänge seien gewachsen usw. Das System habe sich also bewahrt und sei brauchbar. Seine Antwort aber sei: nicht das System der politischen Vernachlässigung, auch nicht die Anziehungskraft Palästinas habe das Wachstum der Immigration und der Fonds bewirkt, sondern das tragisches Phänomen des wirtschaftlichen Zusammen-! bruches der polnischen Juden!)eit..Der große! Einivanderungszufluß ist kein Ergebnis eines gesunden) Wachstums der palästinensischen Möglichkeiten. Die jüdische Einwanderung nach Palästina, die jetzt vor sich geht, betrage 5 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes. Das sei beispiellos in der Geschichte der Kolonisation und Immigration. Wir müssen diese Einwanderungswelle auf der Höhe halten, wollen wir in 25 Jahren die Mehrheit erreichen. Diese Einwanderung aber müsse vom Lande in ökonomisch gesunder Weise absorbiert werden,, um nicht eine Katastrophe herbeizuführen. Dies ist auf zwei Wegen möglich.. Der eine ist die städtische Kolonisation, d. h. vornehmlich die einer Jndnsttieentwicklung — für Handel ist in Palästina noch nicht viel Platz. Tatsächlich nehmen in den Städten kleine Betriebe immer mehr zu. Die Frage nach dem Absatzmarkt aber sei ungelöst. Der Kongreß habe auf diese brennende Frage keine Antwort gegeben. Dem Vorschläge der Opposition, sie mit S ch u tz z ö l l e n im Innern zu lösen, wurde, trotzdem man ihn auch nicht einmal ut Erwägung ä°Ö, kein anderer Vorschlag entgegengestoflt. Der zweite Weg P die Entwicklung der Landwirtschaft. Die Zionistische Organisation habe im letzten Jahre keine einzig« neue Siedlung begründet, trotz der bedeutenden Besserung dev Situation. Das sei nicht möglich gewesen, da die Bodenpreist in Palästina märchenhaft hoch seien. Da gäbe es nur einen Schutz: Agrarreform. Diese bedeute n i ch t die E n t e i g n u n g des Fellach e nb o de n s, sondern nur die Be r staa tli chung der im Umfang von 17 Millionen Dunam brach liegenden Terrains, d. h. die Uebergabe dieser Böden an die Jewish Agency, die sie als L a n d r e s e r v e für die Wische ödolonisatiou zu benützen habe. Diese Reform stehe durchaus im Einklang mit den ethischen Begriffen der Muselmannen — besagt doch ein türkisches Gesetz, das in Palästina Geltung hat, daß drei Jahr« lang brachliegender Boden dem Staate verfalle — und sei im Vergleich mit der in manchen europäischen Staaten durchgeführten Agrarreforln nahezu.konservativ. Auch diesen Vorschlag habe der Kongreß unbeachtet gelassen, ohne ihn durch einen anderen zu ersetzen. Es tvurdc keine Andeutung und kein Versuch gemacht, diese lebenswichtigen Fragen zu lösen. Ebenso unbeantwortet ist die Frage des Schutzes geblieben. In 300 arabischen Dorfschulen wächst eine junge, nationalistisch gesinnte arabische Generation heran, die eine Gefchr für die im ganzen Lande zerstreuten jüdischen Siedlungen sei. Die 1500 englischen Soldaten seien vollkommen ungenügend. Nur eine Frage wurde vom Kongreß beantwortet, die der Jewish Agench Obwohl der ganze Kongreß wußte, daß die von der Verwirklichung der Erweiterung in Aussicht gestellten Gelder durch das aufgetauchte Krirnprojett mehr als fragtvürdig geworden sind und daß dieser Sprung ins Ungewisse eine h ö ch st riskante Angelegenheit sei. Den Kongreß kennzeichne die Diskrepanz zwischen Stimmung und Abstimmung. Er habe gegen sein Gefühl und seine Logik gehandelt. Irl den letzten Jahren ist eine psychologische Brunnenvergiftung innerhalb der Zionistischen Organisation vor sich gegangen, hervorgerufen durch die jahrelange Jewish-Agench-Propaganda und die Legende von der Unevsetzlichkeit bestimmter Führer, der alte Ghetto- - geist sie» eingerissen und die alte Zionist-engeneration su ifjnt verfallen. Es wachse aber eine neue Generation heran, die den zionistischen Geist neu beleben werde. Der gut besuchte Saal lohnte die zwei Stunden lange Rede mit reichem Beifall. Mischen Meinung die Ueberzeugung erweckt worden wäre, die Sammlungen seien auch zum Teil für Palästina bestimmt. Dagegen bestand für die Zionisten die Gefahr, daß einerseits eine eigene Aktion für Palästina aufgegeben worden wäre, andererseits aber trotz Intensivierung der Sammeltätigkeit des Joint Palästina bei der Aufteilung der Gelder nicht in jenem Maße berücksichtigt worden wäre, wie es seiner Bedeutung zukommen mußte. Die Herren vom Joint waren bis zum letzten Moment nicht dazu zu bestimmen, in dieser Richtung entgegenznkommen und den Schlüssel der Aufteilung der Gelder mit Bezug auf Palästina von vornherein festzusetzen. Da alle Anstrengungen in dieser Beziehung ergebnislos waren, entschloß sich die amerikanische Zionistische Exekutive, unverzüglich einen eigenen Drive sirr Palästinazwecke einzuleiten und die Losung auszugeben, fünf Milli onenDollar im Laufe eines Jahres aufzubringen. Die Zionisten rechnen bestimmt damit, daß die jüdische öffentliche Meinung genügend aufgeklärt sei, um zu verstehen, daß Palästina ein Anrecht habe, zumindest eine gleich hohe Summe j von den amerikanischen Juden zu verlangen, wie sie die Herren vom Joint für die Kolonisation der Krim be-! anspruchen. Der Fünf-Millionen-Drive umfaßt sämtliche "palästinensischen Zwecke, wie Keren Kajemeth, Keren Hajessod, die Ruthenbergsche Konzession und die Hadassa. Welchen Einfluß dieser Drive auf die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen den Zionisten und den Herren vom Joint in der Jewish-Agench-Frage ausüben wird, läßt sich leicht voraussehen, wenn auch nicht mit Bestimmtheit behaupten. Wahrscheinlich werden jetzt in Amerika innere Reibungen entstehen, and zwar nicht nur zwischen Zionisten und Nichtzionisten, sondern innerhalb der einzelnen Gruppen für sich. Unter den Zionisten gibt es entschiedene Gegner der i Krimkolonisation, die auf ihrem/Standpunkt unter allen Umständen beharren werden, eine Tatsache, die das Zu-/ standekommen der Jewish Agench erschweren dürfte, weil die Nichtzionisten eine ungeteilte, wohlwollende Behandlung der Krimsrage seitens aller Zionisten als. wichtige Voraussetzung der Erweiterung der Jewish Agency ansehen dürften. Bei den Nichtzionisten wird M a r s h a l l gewiß als korrekter Mensch versuchen, auf Gruüd der erhaltenen Vollmacht die Verhandlungen in der - Jewtsh-Ageney- Frage fortzusühren, er dürste aber im eigenen Lager nunmehr Schwierigkeiten begegnen, weil viele Nichtzionisten den jetzigen zionistischen Drive als eine Kampfansage in der Krimfrage betrachten, und daher kaum geneigt sein werden, bei der Jewish Agency mitzutun/ Soweit die Mitteilungen des Herrn Rosenblatt. Aus meine Frage, ob die Herren in Amerika sich auch Mühe gegeben haben, in der Krimfrage zu erfahren,; welche Stellung die Ukrainer, einnehmen, und ob es an- \ geht, in diesem Problem nur von zwei Parteien zu \ sprechen, und zwar von der Sowjetregierung in Moskau' I und den Juden in Amerika, ohne sich vorerst zu er- / kundigen, was dazu der unmittelbar betroffene Faktor, das ukrainische Volk sagt, auf diese Frage hatte Herr Rosenblatt nur ein Staunen, aber keine. Antwort. Er gab ohneweiters zu, daß dan an diese Seite des Wort.- Er gab ohnewetters zu, daß man an diese Seite des Krimproblems bisher überhaupt nicht gedacht hat, und war Ukrainischen Volkes manches Interessante mitzuteileu wußte. Ich habe ihm versprochen, das bezügliche Material zur Verfügung zu stellen und auch in der „Wiener i Morgenzeitung" diese Seite der Frage zu behandeln. / 6in russisch-jüdischer Führer über da» Krim- Projekt. Dr. Moses Rosenblatt aus Kiew, welcher als Rabbiner der Ukrainer Judengemeinde nach Pittsburg berufen wurde, hat auf seiner Durchreise dem Vertreter der Londoner „I e w i s h Ch r oni cl e" die Verhältnisse der Juden unter dem Sowjetteigime geschildert und auch zum Krimprojekte, das heißt der Pläne der Sywjetregre-rung, mit Hilfe jüdisch-amerikanischer Gelder Juden in der Ukraine und in der Krim als Kolonisten anzusiedeln, Stellung genommen. Dr. RoseMatt ist ein 'bekannter jüdischer Führer. Er ist einer der Gründer der hebräischen Kulturorganisation „Tarbuch" in der Ukraine, Mitglied der Zionistischen Leitung in Kiew, Vorsitzender der jüdischen Lehrerovganisation und hat an fünf Zionistenkongressen als Vertreter der ukrainischen Judenschast teilgenommen. Dreimal ist er während der Solvjetherrschaft wegen seiner Arbeit auf jüdischkulturellem und sozialem Gebiete emgekerkert worden. Nach einer ausführlichen Darstellung der politischen Lage der'Juden und der Verfolgungen, denen sie in religiöser und nationaler Hinsicht ansgesetzt sind, sagt Dr. Rosenblatt: „Es ist einfach: unmöglich, die entsetzlichen \ materiellen Verhältnisse zu schildern, unter denen die Juden Men. Ihr gayzer Besitz ist konfisziert. Privater Handel ist verboten.. Der Reiche ist arm geworden und der Arme arm. geblieben. Es herrscht eine tödliche Armut. Am meisten leiden natürlich die Kinder. Die -Lmerikattisch-jüidischen , Hilfsgelder« . ivelcha ■ für. die ukrainischen Juden gesamnielt wurden, such größtenteils vergeudet worden. Neunzig Prozent dieser Gelder

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