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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-25 · Heft 2397 (25.10.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2397 (25.10.1925)
Date
1925-10-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 Wien, Sonntag Wiener MovgenzeUung 25. Oktober IM Nr. WVi Lyoner Seidenbaus Wien, l KohlmesgergJ gegenüber Hotel Metropole) bringt dieseWoche Qual I bftiDEN*, Qual. II FÜTTERBHOK ATE Qual. III In herrlichen Dessins s 4.80 6.80 8,50 Ja Seidert-Hcrrandchais . . Quai II Seiden-Herrenschals la Seiden-Damenschals . . . L Detailverkauf zu Original-Engrospreisen I 7.50 9.tO Welthaus ftti Seidenschals (sttiuitettücfcer) ela. Duuguiii ginn der Räumung Kölns nicht festgesetzt, werden wird. Immerhin aber werde erwartet, daß im Hinblick auf das Ergebnis der Verhandlungen in L ocarno die V o r k e h r u ng e n s ü r di e Räumung beschleunigt werden. Das, Reuterische Bureau betont, die englische Regierung habe, wie schon oft zum Ausdruck gekommen sei, den Wunsch, die K ö >l n e r Z o n e. so bald als möglich ausgeben zu rönnen. Der deutschnationale Beschluß gegen Locarno. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 24. Oktober. Der offenbar für den Wähler bestimmte Beschluß der Deutschnationalen gegen Locarno, der geeignet wäre, dasKabinettLuther- S t r e s e -m a n n wegen der Desavouierung vor dem Ausland unmöglich zu machen, wird nicht ernst gnom-men. Es wird vermutet, daß dieser Beschluß der Dautschnationale», welcher ihre eigenen Minister kompromittiert, da sie sich für Stresemonns Sicherheitspaktpolitik und für Locarno ausgesprochen haben, n i ch t e n d g ü l t i g ist und Sonntag das berühmte Hintertürchen gesunden werden: dürfte, durch das die Deutschnat tonalen ihren Frieden mit dem Locarno-Frieden schließen. Streftmann hat übrigens an seineheimlichen Freunde, die er viel zu groß »verden ließ, jenem „Appell" gerichtet, der ihnen den Gang in die Laube erleichtern soll. Auf Neuwahlen — die im Falle einer Sprengung der Regierungskoalition unvermeidlich wären — werden es die Deutschnationalen schwerlich ankommen lasten. Wie die Blätter melden, ist das R e i ch s k a b i u c 11 heute vormittags zu einer Sitzung zusammengetreten, in der unter anderem die Lage beraten wurde, die durch den Beschluß des erweiterten deutschnationalen Parteiverbandes geschaffen worden ist. Es fanden dann weitere Besprechungen fischen dem Reichskanzler Doktor Luther und den deutschnationalen. Fraktion s-u n d P a r t e i f üh r e r n sbatt. Sie Streseomnn-Partet nicht aMemMsch. Berlin, 23. Oktober. (I. T. A.) Der sozialdemokratische „Vorwärts" hat der deutschen Volkspartei vorgeworfen, sie befleiße sich in ihren Wahlflugblättern aus Anlaß der Gemeindewahlen des Antisemitismus. Das Wahlbureau der deutschen Volkspartei schickte dem „Vorwärts" eine Berichtigung, in der gesagt wird, die Bilder, die den Demokraten gewidmet sind, hätten nichts mit Antisemitismus zu tun, „da die Volkspartei den Antisemitismus ab lehnt". Neuwahlen in Kanada. Ottawa, 24. Oktober. Meuter.) Bei den Wahlen zum kanadischen Unterhaus wurden 581 Abgeordnete gewählt. Die Konservativen erhielten 239, die Liberale n 216, die P r og r e ss i st e n 69, die Unabhängigen 36 nutz die Arbeiterpartei, einschließlich der Landarbeiter, 21 Sitze. Unter den GetvÄhlten befinden sich vier Frauen. So erstrcchlte mit der ausgehender Sonne an einem Fvühlingsmorgen die neue Herrlichkeit der Stadt Dar-el- Beida. Und der Kalif Abd el Malek hielt seinen Einzug in die Stadt, gefolgt von sechzig edlen Reitern. Sie trogen alle den schwänzen Selham als Zeichen ihrer Unabhängigkeit. An den Toren bewunderten die Einwohner, nicht ohne leises Unbchagen, die stolze Hmtung der Reiter. Vielleicht erinnerten sie sich, ihnen im mittleren Atlas begegnet zu sein und dachten daran, daß diese Begegnung für MaMen nicht gerade angenehm gewesen. Die Ausstellung war fertig. Der Kalif und sein Gefolge genossen in vollen Zügen nnd freuten sich kindlich an den gebotenen Zerstreuungen. Allah weiß, daß die Freuden zahllos waren. Der mächtige französische Befehlshaber, der Kalif-Marschall, kam in leutseliger Weise Md el Male! und den Seinen entgegen und hieß sie willkommen, wie es sich geziemt zwischen wirklich vornehmen Herren. Durch dieses Uebermaß an Freundschaftsbezeigungen sicher gewiegt, genoß der Kalif ohne Mißtrauen die Freuden der Stunde und dankte Gott dafür: — Sein Name sei gelobt! — So folgte ein Tag dem anderen, nnd der Kalif Abd el Malek fand alle ergötzlich. Doch vergaß er den Atlas nicht, den Oum-rer-Rebbia mit seinen Schluchten und traf langsam Anstalten, in die Berge zurückzukchven,, um dort seinen Beruf und seine Arbeit wieder ausnehmen zu können. Denn Gott Mt nicht diejenigen, die dem Müßiggang frönen. So kam der letzte Tag der Freude. Und die Stunde des Aufbruchs. Der Kalif nahm von der Ausstellung — dem Ort unendlicher Genüsse — seinen Weg durch die Stadt Dar-el- Berda, auch Casablanca genannt. Schon bei seinem Einzug hatte sr sie durchquert, damals mit Mißtrauen und, ohne Umschau zn halten. Jetzt zog er leichten Herzens durch und betrachtete alles anfmecham. . . . Allah! — rief er plötzlich und zog die Zügel. Er machte halt und mit ihm sein ganzes Gefolge: Allah! was ist das? Er sah auf ein Riesenhaus, das im Bau begriffen war. Die Maurer arbeiteten 'geschäftig. Der Bauleiter befehligte sie, wie ei» General seine Truppen m einer Schlacht. Das erste Stockwerk war schon fertig. Zwei Krane zogen Mrsenftei'nc in die Höl^. ' Allah; — wiederholte Abd el Malek: — das ist .Hexerei l Sie Aurileferungssroge nicht srllSrt. - SlichansN hSlt sich in Berlin verborgen? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeiitiiig".) Berlin, 24. Oktober. Wie Ihr Korrespondent aus gut informierter Quelle erfährt, beschäftigt sich das R eichsa u ß e n m i n i st e r i u m eingehend mit der Frage, ob Olschanski, falls die polnische Regierung es verlangt, ausgeliefert werden soll. Nach den Verträgen, welche zwischen Deutschland und Polen bestehen, kann in dem Falle, wo ein politischer Verbrecher ein Attentat gegen ein Staatsoberhaupt begangen hat, die Frage der Auslieferung im Einvernehmen zwischen beiden Staaten in positivem Sinne entschieden werden. Als Präzedenzfall wird darauf hingewiesen, daß' die deutsche Regierung den Mörder des s p a n i s che n P r e m i e r m i n i st e r s D a t o, der sich in Deutschland aufhielt, über Verlangen der spanischen Regierung ausgeliefert hat. Ukrainische Kreise in Berlin sind, wie Ihr Korrespondent weiter erfährt, bei der Reichsregierung vorstellig geworden, damit Olschanski nicht nach Polen ansgcliefert werde. Sie haben sich auch offiziell an das deutsche Außenministerium mit der Bitte gelvendet, daß es Olschanski gestattet sein möge, sich in Deutschland frei zu bewegen. Dieses Ersuchen wurde damit motiviert, daß es für den N a ch w e i s d e r Unschuld Steigers genüge, wenn Olschanski einem neuerlichen Verhör unterzogen werde; er sei bereit, nochmals vor Gericht zu bestätigen, daß er zusammen mit einigen Parteigenossen das Lemberger Attentat vom 6. September 1924 ausgeführt habe. Wie aus Kreisen der Berliner Polizeidirektion mitgeteilt tvird, befindet sich nach Ansicht der Polizeibehörden Olschanski in Berlin; die Berliner Polizei hat alle nötigen Vorkehrungen getroffen, daß Olschanski jetzt Berlin nicht verlassen kann. Der polnische Außenminister über die Olschanski-Affäre. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 24. Oktober. Vdr der Sitzung des Eejmausschustes für Aeußeres, in. der Außenminister Skr z y n sk i über die Konferenz von Locarno referiertehatte er eine Unterredung mit dem Vizeobmann des jüdidureb Dr. Hoffbaaers Entfettungs-Tabletten Dieselben sind von bester Wirkung, angenehmem Geschmack, vollständig unschädlich, stellen eine schlanke, graziöse Figur her, ohne Diätzwang oder Aenderung der Lebensweise. Prompte Gewichtsabnahme. . Vom Volksgesundheitsamt bewilligt Nr. 911 Kein Abführmittel. Keine Schilddrüse. Depot: Apotheke „Zum Römischen Kaiser", Wien,Wollzelle 13/4. Der Bauleiter, ein kluger Mann, der Add el Malek kannte und fchr gut arabisch sprach, beeilte sich zu antworten: Nein, nein! sagte er: — das ist durchaus keine Hexerei, Abd el Malek, denn Hexerei ist Teufelswerk, das hier ist mein Werk. . . Mein Werk. Das Werk eines Baumeisters deines Dieners! Und wie du ein Geschöpf Gottes. Sein Name sei gebenedeiti Mah erwiderte überzeugt Abd el Malet, — du kannst gut reden, du, Baumeister. ErAäre mir doch dein Werk, damit ich es aufrichtig bewundern kann. ■ Allah! — erklärte ohne Umschweife der Baumeister, — das ist ein Hans, ein Miechaus mit fünf Etagen. Allah! — staunte Abd el Maleck, — ein Methans mit fünf Etagen? Ja. — llnd der Baumeister erläutert: — Fünf übereinander gebaute Häuser, wenn dir daS lieber ist, Sid A'bd el Malek, fünf Familien können darin wohnen. Aha! — machte Md el Malek, überrascht. Natürlich, die fünf FamMen, die da wohnen, müssen auch fünfmal zahlen, um dann darin zu wohnen. Zahlen? Wem? — forschte der Kalis. Dem Eigentümer, der mich bezahlt, damit ich chm das Haus hier baue; der der Regierung den Boden bezahlt, auf dem er baut/ Mer seine Mieter zahlen chm dieses sozusagen vorgestreckte Geld in monatlichen oder dreimonatlichen Raten, je nach Vereinbarung, wieder zuviick! Das ist die Miete oder der Zinsfuß, wie du es nennen willst.' Gott segne dich! — Ich habe verstanden! rief der Kalif A'bd el Malek. Er hatte wirklich verstanden, so gut, daß er nicht wieder in die Berge ging. Er nahm in Casablanca Wohnung, kaufte Boden, ließ bauen; nicht nur fünf, sondern sieben bis, neun Etagen, viele .Häuser, und brachte darin viele und immer noch -mehr Familien unter und heimste Unsummen Mietgelder ein. Der mittlere Atlas ist friedlich geworden. Die Quellen des Oum-rer-ReMa sahen den Kalifen Abd el Malek niemals wieder. Der frühere Brigant saugte nicht mchr die Umgebung der Berge, sondern die Stadt aus, und erpreßte nicht mehr die Reisenden, sonder» seine jeweiligen Mieter . . . Möglich ist d'.ß die marokkanische Sicherheit gewonnen, sicher ist, daß d.-r Lsalis gewonnen hat. scheu Klubs, Deputierten Rosmarin, über ' dik . Olschanski-Affäre. Deputierter 'Rosmarin, pachte dem Minister die Einzelheiten' über Olschanski, die in Berlin bekannt wurden, zur Kimntnis und machte ihm auch Mitteilung davon, daß der ganze Sachverhalt noch vor. zehn Monaten von Kattowitz der Lemberger > Polizei gemeldet wurde, woraus die Antwort erfolgte, Olschanski sei in Lemberg nicht gemeldet. . . Außenminister Skrzynski; der den Bericht üher das Verhalten der Lemberger Polizei gegenüber den Meldüngen aus Kattowitz mit allen Zeichen der Verwunderung entgegennahm, versprach, sich sofort über die Einzelheiten der Angelegnheit zu informieren und dann nähere Mitteilungen zu machen. Bericht an den Ministerpräsidenten Gradski über die Olschanski-Affäre und den Steiger- Prozeß. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 24. Oktober. Der Vizeobmann des jüdischen Klubs, Deputierter Rosmarin, hatte bereits zwei' Konferenzen mit dem Justizminister Z y ch l i n s k i über die Olschanski-Affäre und den Stand des Steiger-Prozesses. Der Jüstizminister erklärte dem Deputierten, er habe den Lemberger Ob er staats-' anwalt'Malina nach Warschau berufen, und werden dem M i n i st e r p r ä s i b e n t e n Grabski über dessen Wunsch eingehenden Bericht erstatten. Wie bereits mitgeteilt, hat das Justizministerium von der Lemberger Oberstaatsanwaltschaft die sofortige Uebirsendung der U n t e r s u ch u n g s a k t e n über das Attentat auf den Polnischen Staatspräsidenten verlangt. Die Akten sind bereits in Warschau eingetroffen (die Akten über Olschanski liegen den Prozeßakten Steiger nicht bei, sondern befinden sich . b e i m U n U> suchuitg§richter). Die eingelangten Akten hatdaß Justizministerium einem genauen Studium unterzogen. ' Gestern erstattete Justizminister Zychlinski dörn Ministerpräsidenten Grabski eingehenden Bericht. DaS? politischc $olitttee des Ministerrates wurde, vom Ministerpräsidenten zu einer Sitzung elnbörusen, in welcher der Justizminister über den Steiger-Prozeß unddie Olschanski-Affäre Bericht erstatten wird. ° ' / . Irr Stelger-Prozeb. - (Won unserem H.-Korwspondenten.) Lemberg, 24. Oktober. Ein Gerichtsbeschluß ibezügüch der Anträge der Verteidigung, die eine Vertagung der Verhandlung notwendig machell würden, ist noch nicht erfolgt. Die Entscheidung über die Weiterführung des Prozesses dürfte erst Montag fallen, sobald der Gerichtshof, der schon gestern «me Beratnng ail'gehalten hat, neuerlich beraten haben wird. Für die Frage der Weiterführung des Prozesses dürften auch die Jnstruttvonen des Justizministeriums entscheidend fein, das ldas ganze Menmaterial zur Einsicht erhalten hat. In der 'heutigen Verhandlung wurde die Zeugeneinvernahme fortgesetzt. Zunächst wurde PoiligerkommWr Ln ko ni ski vernommen. (Jnsvlge einer Leittmgsstömng konnte uns der vollständige Bericht über die gestrige Verhandlung von unserem Korrespondenten bis zuim Bilattschluß nicht mehr übermittesst ^werden. —- Die Red.) Die Untersuchung gegen die Zeugin Merksamer eingestellt? (Von unserem H.-Korrefpondenten.) Lemberg, 24. Oktober. Von gut informierter Seite wird Ihrem Berichterstatter mitgeteilt, daß die Untersuchung gegen Frau Klara Merksamer, welche vor einigen Tagen unter dem Verdachte falscher Zeugenaussage im Steiger-Prozeß über Antrag des Staatsanwaltes im Gerichtssaal i n H a f t g e n o mm e n und dann ohne Kaution freigelassen worden war, eingestellt werden wird. Offiziell ist darüber noch nichts bekanntgegeben worden. „Manchester Guardian" Wer den Steiger. Prozeß. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) London, 24. Oktober. Der Lemberger Prozeß sinder in der englischen Presse lebhaften Widerhall. „Manchester Guardian" hat einen ausführlichen Bericht seines Berliner Korrespondenten über den Prozeß, der den Titel „Die polnische Dreyfus-Asfäre" trägt, erhalten. Der Aussatz besaßt sich sehr eingehend mit der Tätigkeit der L e m b e r g e r P o l i z e i bei der Untersuchung des Attentats vom 6. September 1924. Me Ermordung zweier Terroristen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeilung".) ' Warschau, 24. Oktober. Vor dem- Bezirksgericht in N o w o g r o d e k findet gegenwärtig ein M o r d p r o z e f statt, dessen politischen Hintergrund allgemeines Interesse erregt. Me noch erinnerlich, wurde seinerzeit ein Bombenattentat gegen die Warschauer Zffadelle vorübt. Die Täter, zwei polnische Offiziere mit Namen Baginski und Wieezorkiewicz, wurden verhaftet. Später wurde zu ihrer Befreiung eine t^rrorfftW

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