Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2397 (25.10.1925)
- Date
- 1925-10-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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« Gelte 8 Wien. Sonntag v- * V $ £ Wiener MorgenzeiLung 85. Oktober 1925 Wr, 2597 eine gefährliche Konkurrenz bieten. Die arabischen Arbeiter erwiderten, sie fürchteten die jüdische Konkurrenz nicht, die I u d e n h ä t t e n Palästina entwickelt und einen höheren Lebensstandard in das Land gebracht, auch die A r b e i t e rlö h n e seien g e st i e g e n. Die arabischen Arbeiter wollen und müssen in fester Verbindung mit der Histadruth Haowdim (palästinensische Arbeiterkonsöderation) bleiben, da die Histadruth von der A r b e i t e r i n t e r n ationale anerkannt ist und da die palästinensischen Arbeiter ein Teil der Arbeiterinternationale sind. Weirmarm über die russische 3udenl«Iouisation. An der Donnerstag von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland abgehaltenen Pressekonferenz (über die wir gestern kurz berichteten. — Die Red.) nahmen etwa hundert Vertreter fast der gesamten Presse Deutschlands sowie zahlreiche Korrespondenten der Auslandspresse teil. Präsident Weizmann, der eine Reihe von Fragen der Pressevertreter beantwortete, äußerte sich ziemlich eingehend» über das Krimprojekt. Er führte u. a. aus: Die Zionisten betrachten das K r i m p r o j e k t k e i n e swegs als eine Konkurrenz gegen den Zion i s m u s. Eine andere Frage ist es, wie sich die r u s s i s ch e Regierung zu den Zionisten verhält. Und da muß man feststellen, daß die hebräische Sprache verfolgt wird und daß die Zionisten nicht imstande sind, ihre Organisation in Rußland auszubauen, weil die dortigen Behörden sie als konterevolutionär betrachten, die einzelnen Zionisten ein kerkern und deportieren und nur zuweilen ein Deportationsurteil durch die Erlaubnis, nach Palästina auszuwandern, ersetzen. Wir können nicht sagen — führte Dr. Weizmann weiter aus — unter welchen Formen das russischeKolonisationswerk vor sich geht und ob nicht die Dimensionen übertrieben werden. Fest steht, daß unter den sozial zermürbten, aus ihren früheren Berufen entwurzelten jüdischen Masse «.eine Bewegung besteht,, zu Boden und zu produktiver Tätigkeit zu kommen, was ihnen unter dem Zarismus vorenthalten war, und daß die jetzige russische Regierung diese Bewegung unterstützt. Wir Zionisten können dieses Werk nur begrüßen. Es bringt eine ' Lösung für etwa 10.000 jüdische Fam ilien. Im Osten aber wohnen sechs Millionen Juden, deren Lage eine Lösung heischt. Das Ziel des Strebens sehr zahlreicher Juden ist Palästina, wo gegenwärtig durchschnittlich mehr als 3000 Juden im Monat einwandern können. Die russisch-jüdische Kolonisation schafft ein Heim für 10.000; Palästina aber ist das Nationalheim. Die 15-MMoneu>Iollar>Kampagne ln Amerika. Chikago, 23. Oktober. (I. T. A.) Die Kampagne zur Aufbringung von 15 Millionen Dollar für das jüdische Aufbauwerk in Osteuropa ist bereits im Gange. Für die .Kampagne in Chikago hat sich der bekannte Philanthrop Mr. Jacob M. Lo-eb zur Verfügung gestellt, der seinerzeit allein in Chikago eineinhalb Millionen Dollar für den Kriegsbeschädigtenfonds aufgebracht hat. Mr. Loeb hat sich von seinen persönlichen Geschäften zurückgezogen, um seine Kräfte ganz der Kampagne zu widmen. Das Komitee für die Verteilung der Quoten aus die einzelnen Stände hat das folgende Schema aufgestellt: Zu leisten hätten die Stadt New-Zork vier Millionen Dollar, der Staat New-Jork eine Million, Pennsylvania 2,5 Millionen, die Stadt Chikago eine Million (dazu kommt noch die Million, die Mister Julius Rosenwald aus Chikago gezeichnet hat), die Staaten Ohro, Massachusetts und Kalifornien je 750.000, New-Jersey 700.000, Missouri 500.000, Maryland und Illinois je 400.000, Connecticut, Louisiana und Florida je 350.000, Indiana, Minnesota und Wisconsin je 300.000, Kanada und Texas je 230.000, Georgia, Iowa, Kentucky, Horth Karo lina, Oregon und Virginia je 200.000 Dollar sowie °ine Reihe Staaten kleinere Summen. 8i« llnsall Rehemia de Limes. Haag, 21. Oktober. (I. T. A.) Der bekannnte Zionist Herr Nehemia de Li eine erlitt eineu bedauerlichen Unfall; aus dem Wege von seinem Bureau wurde er von einem Motorfahrrad überfahre u und erlitt einen Beinbruch. Sem Zustand ist nicht unbefriedigend; er konnte nach zwei Tagen Spitalsbehandlung der Haus pflege überlassen werden. Mac Donald in Berlin. Prag, 24. Oktober. (Tschech. Preßh.) Der gewesene englische Premierminister Mac Donald, der hier als Gast des Präsidenten der Republik weilte, ist honte nachmittags nach Berlin abgereist, Teuerung und Kaufmann schuft. e n, 25. Oktober. - .In den letzten Tagen wird wieder der Versuch-gemacht, die Gemüter der Bevölkerung für die Bekämpfung der Teuerung zu bewegen. Da.werdeü-spaltenlange Artikel'gebracht, in Welchen, haarklein mit weniger volkswirtschaftlichen, dafür aber allgemein gehaltenen, eitrer ernsten Wirtschaftskritik nicht standhaltenden Argumenten nachgewiesen wird, wie furWar die Bevölkerung unter der Teuerung leide, Äie ihr das Produkt auf dem Wege vorn Produzenten zum Konsumenten so uttgeheuer verteuert werde und wie notwendig das Ergreise.tr entsprechender Abwehrmaßnahmen sei. Die Idee der Teuerungsbekämpfung ist gar nicht originell. Nur in den Zeiten des höchsten Wohlstandes wird .der Konsument mit dem ihm diktierten'Preise der für feinen Bedarf notwendigen Artikel etnberftanben sein, sonst aber wird er sich immer über die Teuerung beklagen. Demagogen haben jederzeit ein dankbares Publikttm gefunden, wenn sie auf bfefen wunden Punkt hinwiesen und wenn eine Zeitung unbedingt auf das Publikum losgehen will, so kann dies einmal durch Preisrätsel in Form von Kreuzwortgebilden, das andere Mal durch Besprechung der Preisrätsel aus den Märkten geschehen. In Deutschland wird seit drei Monaten die Teuertlng bekämpft, weil dort die Stabilisierung der Währung ungesunde Verhältnisse geschaffen hat, die sich in einem Mangel der Anpassung der Lebenshaltungskosten an die normale Parität äußern. Die Erfolge dieses Kampfes aber sind vorläufig noch nicht so groß, daß sich eine merkliche Entspannung in der deutschen Wirtschaft zeigen würde, obzwar dort alle Kreise an der Bekämpfung der Teuerung ein großes Interesse haben und alte Kräfte in dieser Richtung mobilisiert wurden. In Oesterreich wird nunmehr versucht, der Teuerung den Krieg zu erklären. Man könnte diesem Plane beistimmen, wenn er, von rein wirtschaftlichen Motiven geleitet, tatsächlich sich nur auf die objektive Darstellung der Teuerungsurjachen beschränken und auf greifbare und ausführbare Abwehrmaßnahmen Hinweisen würde. Es scheint aber, daß diesem Kampfe ebenso die wirkliche nationalökonomische Erkenntnis der Ursachen als auch die folgerichtige Entscheidung über das 'Ziel fehlt. Bor zwei Tagen hat eine Versammlung stattgesunden, die ebenfalls dieses Problem behandelte. Mas dort besprochen wurde, ist für die Allgemeinheit herzlich gleichgültig. Die Gemeinplätze, die da angeführt würden, werden nie das Problem wirklich restlos lösen. Viel mehr Interesse verdient, die Aeußerung eines Sektionsrates, der angeblich den Standpunkt der Regierung vertreten haben soll. Der Kern seiner Ausführungen lag darin, daß die Teuerung in erster Reihe ihre Ursache in der allzu großen Anzahl von Händlern habe. Also nicht die Zölle, nicht die Warenverkehrssteuern mit den Luxusabgaben, nicht der saumselige Gang der österreichischen Verwaltung, nicht die abnormalen Kapitalsverhältnisse sind an diesen Teuerungserscheinungen schuld, sondern einzig und allein der Kaufmann. Eine solche Argumentation wäre vielleicht nicht der Besprechung wert, wenn sie nicht auf die Mentalität nicht nur eines Großteils der Presse, sondern auch derjenigen Organe schließen ließe, die eigentlich berufen wären, in erster Reihe im Interesse der gesamten Volkswirtschaft zu arbeiten und nicht volkswirtschaftlich sowohl theoretisch wie auch praktisch völlig unberechtigte Vorwürfe zu erheben. Da wird behauptet, daß sich die Zahl der Kaufleute in manchen Zweigen um 50 Prozent erhöht habe. Wer nur ein wenig den Gang der Wirtschaft versteht, muß wissen, daß gerade eine Vermehrung der Kaufleute eine Verstärkung der Konkurrenz zur Folge hat und daß infolgedessen der einzelne Kaufmann zur Erhaltung seiner Existenz gezwungen ist, größere Preiszugeständnisse zu machen. Nicht der Konsument leidet unter der Ueberzahl der Kaufleute, sondern in erster Reihe der Kaufmann selbst. In Deutschland, wo das Teuerungsproblem etwas, gründlicher besprochen wurde, ist unzählige Male betont worden, daß gerade in denjenigen Waren unverhältnismäßige Preise gefordert werden^ in denen .Preisverabredungen monopolartiger Organisationen sich wirksam machen. Eine Vermehrung der Kausleute verhindert solche Preisverabredungen aus der natürlich erwachsenen Konkurrenz des Kampfes der einzelnen. Es ist ein Märchen, wenn die Behauptung verallgemeinert wird, daß die Gewinstquote der Kaufleute eine allzu hohe ist. Nur in ganz wenigen Zweigen des Handels mag dies der Fall sein. Die Ueberzahl der Kausleute, zum Beispiel in der TextilLranche, Konfektionsbranche, wie in sämtlichen Bekleidnngsbranchen, einem großen Teil der Ernährungsbranche, Küchengerätebranche usw. ist zufrieden, wenn sie trotz der hohen Regieauslagen, trotz der Verstärkung des Steuerdruckes urtb trotz der unfreundlichen Behandlung durch die Behörden doch eine Gewinnquote von 10 Prozent aufwelsen kann. In vielen Fällen sind die Kausleute sogar nüt einem Gewinn von 5 Prozent zufrieden und es kommt gar nicht so selten vor, daß ein Kaufmann bei der würgenden Kapitälsnot gezwungen ist, seine Waren unter dem Einkaufspreis abzugeben. Gar mancher Kaufmann, der nicht einmal auf diese Weise sich das notige Geld verschaffen kann, ist genötigt, ohne Namen seine Waren auf Auktionen weit unter dem Einkaufspreis verkaufen zu lassen, um nur die Gehalte zahlen zu können. Unter diesen Umständen von ALTRENOMMIERTES UHRENHAUS FRANZ WATZL INHABER: FELIX MICHLOWlTZ XVIII., SCHULGASSE 5 (NÄCHST VOLKSOPER) übermäßigen Zwischengewinnen zu sprechen, zeigt nur von vollkommener Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse. Da wird auf den Zwischengewinn bei jeder Gelegenheit losgeschlagen und seine Ueberflüffigkeit betont; hat etwa die Devise: „Ausschaltung des Zwischengewinnes", die bei der Errichtung der großen Konsumvereine maßgebend war, sich halten können? Sind die Waren dadurch etwa billiger geworden? Das kann niemand behaupten. Die Institution des Zwischenhandels ist nicht seit heute, sie ist volkswirtschaftlich zur Befriedigung beö4 Konsums vielleicht ebenso notwendig wie zum Beispiel die Reklame durch Zeitungen. Es ist höchste Zeit, daß sich die Kaufmannschaft selbst entschieden gegen diese Fülle von Vorwürfen ernstlich verwahre, die aus sachlicher Unkenntnis der volkswirtschaftlichen Vorgänge konmien. Der Wiener Kaufmann verdiente eher, daß man ihm in dieser Zeit energisch unter die Arme greift, anstatt ihn zum unschuldigen Anariffsobjekt von Vorneherein verfehlter Aktionen zu machen. Ler griechisch-bulgarische Gremkrieg. Das Einschreiten des Bölkerbundes. f (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 24. Oktober. B r i a n d hat gestern den b u lgarischen und den griechischen Gesandten empfangen und ihnen die Bereitwilligkeit des BMerbnndrates dargelegt, in feiner für Wkockag nach Paris «einberuftnen Sondersitzung (der auch Cha mberlain beiwohnen wird) den Streitfall zwischen den Leiden Balkanmächten zu schlichten. Die griechische Regierung hat nun heute mitgeteilt, daß isie die Einladung Griands a nnimmt; sie hat den griechischen Gesandten in Paris mit der Vertretung Griechen«lands vor dem Vvlkerbundrat beauftragt. Die Antwort Bulgariens auf das griechische Ultimatum. Sofia, 24. Oktober. Ms Antwort auf die Note Griechenlands hat die bulgarische Regierung dem griechischen Geschäftsträger in Sofia eine Note Mrmittelt, worin jeide Verantwortung für den Ausbruch des Konfliktes abgelehnt und daran erinnert wird, daß die 'bulgarische Regierung die Einleitung einer U ntersuchung Vorschlägen 'habe, dieser Vorschlag aber seitens Griechenlands unbeantwortet geblieben sei. Die griechischen Truppen hätten vielmehr die Grenzen überschritten und bulgarisches Gebiet «besetzt. Angesichts dieser Sachlage habe sich die «bulgarische Regierung genötigt gesellen, sich an denVölkerbundrat mit dem Ersuchen zu wenden, auf Grund der Artikel 10 und 11 des Bölkerbundpa'ktes unverweilt zusainmenzutreten und eine Entscheidung zu treffen. Die bulgarische Regierung bedauere, mit Griechenland nicht in direkte Berhandluugev treten zu «können. Der griechische Borumvsch in Bulgarien. (Eigendiettst der „Wiener Morgenzeilung".) ■ Belgrad, 24. Oktober. Der an Leide Regierungen ergangenen Aufforderung zur Einstell l'ung der Feindseligkeiten ist Griechenland nach offiziellen Mäldnngen aus Mhen uachgekommen; den griechischen Trappen ging der Befahl zu, den Vormarsch gegen Pe>- tritsch e i uz u st eilen. Die griechischen Meldungen «behaupten, daß die Bulgaren «den Posten Demirkapn weiter beschießen; dagegen behaupten bulgarische. offizielle Berichte, daß die Griechen noch immer in Bulgarien vorrücken, und daß die osseye Stadt Petritsch weiter von Artillerie beschossen >werde; die Bulgaren hätten bisher Lein Geschütz in Aktion treten lassen. Die Griechen stellen die Beschießung «der Stadt in Abrede, gelben aber zu, «daß nur einige Geschosse gegen die Eisenbahnstation, die abseits der Stadt «liegt, gerichtet wurden, um die Au s w ag g on ierung bulgarischer Verstärkungen zu verhindern. Jede der Leiden Regierungen stellt die von der anderen Seite lancierten M o b i l i s i e r u n g s m e I d u ngen in Abrede. All dich gegenseitigen Dementis täuschen nicht darüber hinweg, baß die Situation einer raschen Entwirrung «bedarf, soll nicht aus den gegenseitigen Zündeleien ein Brand entstehen. Die Griechen rücken wieder vor? Belgrad, 24. Oktober. (Tel.-Komp.) Im Lauft M heutigen Tages war an der bulgarischen Grenze kein Kanonendonner zu hören, was darauf schließen läßt, daß die Griechen ihre Operationen zeitweilig eingestellt haben. Wie jedoch abends ans den Grenzgebieten gemeldet wird, ist seit 5 Ü h r ^nachmittags wieder starker Kanonendonner hörbar. Nach aus Bulgarien eickreffenden Nachrichten befinden sich die Griechen auf dem Vormärsche nach der Station Bodorow. Aus den aus Athen hier eickreffenden Nachrichten gewinnt man hier den Eindruck, daß Griechenland den. Vormarsch in Bulgarien zu dem Zwecke fortsetzt, nw bis Montag, an welchem Tage tu Paris der V öl k erbau drat zusammen tritt, einen größeren Strei-; Jen bulgarischen Gebietes in Händen haben. rmr-rrrrirr