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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-24 · Heft 2396 (24.10.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2396 (24.10.1925)
Date
1925-10-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Veite S Wiener Modenzeitung 24. Oktober 1925 Nr. 2896 Wen, Samstag l - Dr. M'izlnann und Nahum Sokolow ausgestellten Liste der Zionistischen Exekutive unbedingt zuzustimmen. Ferner wurde er beauftragt, in der Aktionskomiteesitzung namens der amerikanischen Organisation die Forderung zu vertreten, daß die Herren Dr. Halpern und Ing. Schölten mit den von ihnen geleiteten Wirtschaftsinstitutionen unbedingt nach Palästina übersiedeln und daß auch das Hauptburean des Keren Hajessod nach Palästina übertragen wird. Das neue Einwanberrmgsgesetz. London, 22. Oktober. (I. T. A.) In der am 18. d. stattgesundenen Sitzung des Deputiertenrates der britischen Juden wurde auch die Angelegenheit des neuen palästinensischen Einwanderungsgesetzes beraten. Das Auswärtige Komitee war der Ansicht, daß die neue Ordnung dem Oberkommissär zu große Machtmittel mit Bezug auf die Deportation u n c twünschter Einwanderer verleiht. Das Koniitee hielt es für wünschenswert, vom Oberkommissär nach dieser Richtung hin Zusicherungen zu erlangen. Demgemäß wurde der Kolonien minister ersucht, die Aufmerksamkeit des Oberkommissärs in Palästina darauf zn lenken, daß die neuen Einwanderungöbestimmungen von den Beamten gerechtundweitherzig gehandhabt werden sollten. Der Kolonienminister teilte mit, er halte solche Zusicherungen seitens des Oberkommissärz nicht für notwendig. Weizmann und Sokolow in einer Pressekonferenz. Aus Anlaß 8er Sitzung 8es Aktionskomitees fand in Berlin ein Empfang der Presse statt, bei dem Nahum Sokolow über die Schwierigkeiten berichtete, die bei der Rückführung der Juden nach Palästina zu überwinden waren und die ganz besonders in der Wiederbelebung des Hebräischen und 8er Schaffung eines jüdischen Bauern st andes beständen. Beides bezeichnte der Vorsitzende h e u te a l s g e l ö st. Prof. Weizmann ist, wie 8as „Prager Tagblatt" berichtet, der Meinung, daß der W i d e r st a n d d e r A r aber langsam Nachlassen wird. Im Gegensatz zu anderen hält er die industriellen Möglichkeiten Palästinas für beschränkt und erwartet, daß die Wirtschaft sich immer vorwiegend auf den Ackerbau gründen wird. Weizmann tadelte vor allem das Verhalten der russischen Regierung, welche die hebräische Sprache verfolge und die Auswanderung als konterrevolutionär betrachte. Den vielbesprochenen Plänen, Juden im Gebiete zwischen der Ukraineunddem Schwarzen Meer anzusiedeln. stehe die zionistische Leitung ohne Mißgunst gegenüber. Der Wunsch nach Siedlung sei in den russischen Juden selbst lebendig. Wenn es gelinge, wie geplant, 10.000 Familien ansässig zu machen, so sei zehntausend einzelnen Familien geholfen. Krieg im Frieden. Eine Erklärung der Wiener bulgarischen Gesandtschaft. Wien, 23. Oktober. Wir erhalten von 8er bulgarischen Gesandtschaft in Wien die folgende Mitteilung: Die Gesandtschaft in Wien ist ermächtigt, in kategorischer Weise die von griechischer Seite verbreiteten falschen Gerüchte zn dementieren, daß bulgarische Truppen auf griechisches Gebiet vorgedrnngen wären und dies den Anlaß gegeben hätte, daß griechisches Militär den Befehl erhielt, in bulgarisches Territorium einzumarschieren. Nirgends und niemals hat während der letzten Zwischenfälle ein bulgarischer Soldat die bulgarisch-griechische Grenze überschritten. Panik und Sperrfeuer. Sofia, 23. Oktober. (Bulg. Tel.-Ag.) Der griechische Vormarsch auf bulgarisches Gebiet scheint augenblicklich zum Stillstand gekommen zu sein. Die Hellenischen Truppen haben sieben Dörfer auf einer Front von ungefähr 30 Kilometer Länge und 12 Kilometer Tiefe besetzt. Die griechische Artillerie setzt die Beschießung der Stadt Petritsch fort, wo drei Kinder und vier Frauen getötet wurden. Die Zahl der getöteten Soldaten und Zivilisten wird auf 25 geschätzt. Die von einer Panik erfaßte Bevölkerung flieht, ohne wegen des Sperrfeuers der griechischen Artillerie ihre Habseligkeiten und das Vieh mitnchmen zu können. Die Zahl der Flüchtlinge dürste 15.000 betragen, Der griechisch-bulgarische Konflikt. Athen, 23. Oktober. (Agence d'Mhenes.) Um die Opfer eiiws Frontalangriffes auf gebirgigem Terrain zu vermeiden und ans anderen st rategischenG runden sowie zur Sicherung der griechischen Grenzstreitkräfte, war der Kommandant der griechischen Armee in Mazedonien gezwungen, da die Bulgaren nach wie vor griechisches Gebiet in der Gegend von Demirhissar besetzt halten, seine Kräfte bis nach Petritsch vorzustohen und so die Bulgaren zu zwingen, sich vom griechischen Gebiet znrückznziehen. Die griechische Regierung hat strenge Befehle erteilt, de«.Bormarsch der griechischen Armee ein zu siel len, wenn die Bulgaren keinen neuen Angriff unternehmen. Der griechische Einmarsch. London, 23. Oktober. (Wolfs.) Eine um Mitternacht aus Athen abgesandte Reuter-Meldung besagt, daß die Bulgaren W griechische Gebiet g e r ä u m t hätten. Die griechischen Truppen haben ihren Vormarsch eingestellt, würden aber ihre Stellungen halten, bis Bulgarien die griechische M KegMorjet jähe mfc WtUI. UH Jr HoÜaiiditrasie 14 Der Rat des Völkerbundes einperufen. Genf, 23. Oktober. (Tel.-Komp.) Der Vorsitzende deS Völkerbundrates Briand hat an die griechische und an die bulgarische Regierung folgendes Telegramm gerichtet: „Der Generalsekretär des Völkerbundes hat auf Grund des Artikels 11 den Rat zu einer Sondertagung für nächsten Montag nach Paris einberustn.Jm.Lause dieser Tagung wird der Rat mit den Vertretern Griechenlands und Bulgariens die Gesamtheit der Fragen prüfen. Unterdessen bin ich-sicher, 8er Interpret des Wunsches meiner Kollegen zu sein, wenn ich den beiden Regierungen die Verpflichtungen in Erinnerung rufe, die ihnen als Mitglieder des Völkerbundes obliegen - und daß ihnen Artikel 12 des Paktes die feierliche Verpflichtung auferlegt, nicht zum Kriege zu schreiten; und wenn ich Ihnen weiter die ernsten Konsequenzen in Erinnerung bringe, die nach dem-Pakt sich auseinerVerletzung des Bölkerbundsver« träges ergeben müßten. Ich ermahne also die beiden Regierungen, unverzüglich Weisungen zu geben, daß lvährend der Untersuchung dieses Streitfalles durch den Rat nicht nur keine neue militärische Operation unternommen werde, sondern daß auch die Truppen beider Regierungen sofort hinter die Grenzen zurückgenommen werden." Chamberlain trifft am Sonntag in Paris ein. lieber Ule Notwendigkeit der zusllmmenschlufses deröstemichischen PaWnaintereffenten.*) Bon Dr. E. M. Zweig, Jerusalem. (Schluß.) Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, welchen der Zusammenschluß der österreichischen Palästinaintereffenten verspricht, wäre die Ablenkung vom innerpolitischen Z w i st. Die Fragen, welche heute zwisterregend wirken, würden angesichts des gestärkten praktischen Interesses am Palästmaaufbau von selbst in den Hintergrund treten. In Nummer 62 der „Jüdischen'Rundschau" vom Jahre 1925 schrieb Dr. Ernst Wollslein er, Haifa, einen Artikel, „Palästinensische Treuhandstelle", welcher ein ausführliches Programm für solche Stellen ausführt. Dieses Programm umfaßt die Vertretung der Interessen a) aus industriellem Gebiete, zum Beispiel Lei Generalversammlungen usw., die Vermittlung von Gutachten, die Ausübung von Spezialaufträgen usw.; b) bei Geldanlagen und Kreditvergebung; c) die Verwaltung von Bodenstücken und Beratung bei Ankäufen; d) die Verwaltung von Häusern und Häuserbau. Als wichtigste praktische Ausgabe aus diesem Programm drängt sich uns die Beschaffung von Hypothekarkredit aus. Denn, wenn schon die österreichischen Pälästinainteressenten den Kaufpreis für die Böden aus eigenem aufbringen können, fehlt es ihnen fast durchwegs an den Mitteln zum Bau von Häusern oder für sonstige Investitionen. Hypothekarkredit aber ist in Palästina noch schwer zu beschaffen. Die Hypothekarkreditinstitute, voran die offizielle zionistische General Mortgage Bank in Tel-Awiw, sind heute angesichts des enormen Baubedürfnisses außerstande, auch mir den dringendsten Anforderungen jener zu genügen, die schon in Palästina weilen, und daher naturgemäß einen Vorzug vor jenen verdienen, welche sich zur Uebersiedlnng aus dem Ausland noch nicht entschlossen haben. Diese Institute werden Hypothekarkredite erst dann, in ausreichendem Maße geben können, wenn es ihnen gelingt, ihre — durch die älteren Hypotheken gesicherten — Pfandbriefe in großem Umfang auf den Markt zu bringen. Die Aussichten scheinen sich diesfalls zu bessern. So wurde der General Mortgage Bank, welche hauptsächlich dem städtischen Kreditbedarf zu dienen hat, von der in Amerika neubegründetm Palestine Securities Company die ständige Abnahme von Pfandbriefen in einem gewissen Ausmaß, zunächst um 500.000 Dollar, verbürgt. In ähnlicher Weise will dieses Placierungsinstitut der von der American Zion Commonwealth eben begründeten Farmers Bank beistehen, die wieder für ländliche Hypothekarkredite zu sorgen hat. Es ist nun durchaus wünschenswert, daß auch andere Länder als Amerika sich an der Placierung palästinensischer Pfandbriefe beteiligen. Wenn es den zu einer Gruppe zusammenzuschließenden Palästinainteressenten aus Oesterreich gelingt, jenen Hypothekarkreditinstituten die Abnahme von Pfandbriefen durch das hierländische jüdische Publikum in einem gewissen Quantum zu sichern, liehen sich den Instituten gewisse Gegenleistungen anferlegen. Etwa, daß bei Verteilung der verfügbaren Hypothekarkredite den Oesterreichern, welche in Palästina bauen, beziehungsweise investieren wollen, jährlich eine gewisse Darlehenssumine — natürlich unterdort allgemeinen Voraussetzungen für'die Sicherheit jedes Darlehens *’t Asche „Wiener MoMnzeinmg" Nr. 3395 vom 23. d. etwa mit dem Mehrfachen des in Oesterreich placierte« Pfandbriefstockes, reserviert werde. Und da es fraglich ist, ob die Kreditinstitute ohne weiters geneigt sind, speziell Bauobjekte am Karmel, die vorwiegend Villen, aW kein Einkommen verbürgende Objekte. sein werden, zn belehnen, konnte eine solche Vereinigung der österreichi-' schon Palästinainteressenten, etwa durch Beschaffung von Zusatzgarantien, die Politik jener Institute entsprechend beeinflussen. Schon heute sind ernste Bemühungen österreichischer Zionisten im Zuge, Hypothekarkredit für Palästinainvesütutionen, sei es ans österreichischen, sei es aus ausländischen Quellen, zu günstigen Bedingungen zu beschaffen, wonach der auf 60 Prozent des Bauwerkes zu beschränkende Kredit binnen'20 bis 40 Jahren rückzuzahlen und dadurch jährliche Leistung von 6,5 bis 8 Prozent (Zinsen und Amortisation) zu tilgen wäre. Natürlich würden alle diese Bemühungen um so größere Aussicht auf Verwirklichung haben, wenn geschlossene Gruppen von Kreditwerbern mit einheitlichen Ban- und Jnvestitutionsplänen hervortreten. Was die in obigem Programm unter d) angeführte „Verwaltung von Häusern und Häuserbau" anlangt, sind die Vorteile einer landsmannschaftlichen Gruppierung gleichfalls augenfällig. Bei gemeinsamer, das heißt gleichzeitiger Bauführung größerer Gruppen österreichischer Bodenbesitzer würde die Erschließung, Parzellierung und sonstige Vorbereitung der Bauplätze, die Beschaffung der Pläne für die Siedlung und die einzelnen Gebäude, der Einkauf des Baumaterials, die Leitung und Beaufsichtigung der Banführung dem einzelnen — bei günstigerem Effekt — viel billiger zu stehen kommen. Dabei ließe sich leicht erzielen, daß bei der Bauführung Techniker, Handwerker und Chaluzim aus Oesterreich, welche heute der großen Menge der aus anderen Ländern und einem wesensfremden Milieu stammenden jüdischen Einwanderer hilf- und wehrlos gegenüberstehen, Arbeit und Existenz finden. Diesfalls ist bezeichnend, daß sich vor einigen Monaten in Palästina selbst spontan der Verein Serubabel zu Schutz und Förderung der jüdischen Einwanderer aus Altösterreich gegründet hat. Die gleichzeitige Fertigstellung der Gebäude würd. auch jenen Oesterreichern, welche diese nicht sogleich besiedeln, sondern erst hierzulande Zurückbleiben, die Vermietung und Verwaltung der Gebäude durch Vertrauenspersonen aus dem Kreise ihrer bereits nach Palästina übersiedelten Landsleute bedeutend erleichtern. Die anderen Programmpunkte können später allmählich in Angriff genommenwerden. Die Beratung bei Bodenkäusen scheidet jedensalls aus, seitdem sie einer offiziellen Stelle, dem Bodenkomitee des Waad Leumi (Nationalrat) in Jerusalem übertragen worden ist.. Da die Palestine Land Development Company vom letzten zionistischen Kongreß ausdrücklich als das offizielle Institut für private Bodenkäuse anerkannt worden ist, scheint mir deren Wiener Vertretung berufen, den Zusammenschluß der österreichischen Pälästinainteressenten durchzuführen. Alle Interessenten, welche sich als. solche deklarieren wollen, sollten zunächst zu einer internen Aussprache einberufen werden. Ein enger. Zusammenschluß mit finanziellen Verpflichtungen oder sonst weitgehenden Bindungen wäre vorläufig zweckmäßig zu vermeiden, weil wegen des Mißersolges früherer solcher Palästinaaktionen aus Wien, welche aus Mangel an Erfahrung und vielleicht auch Verantwortungsgefühl mißglückt waren, ein gewisses Mißtrauen herrscht. Die Gründungsversammlung sollte sich meines Erachtens zunächst darauf beschränken, ein kleines, höchstens dreigliedriges Komitee einzusetzen, das einerseits mit allen österreichischen Palästinainteressenten, welche dies wünschen, und andererseits mit Palästina ständige Verbindung aufrecht zn erhalten hätte. Das Komitee soll insbesondere an den wichtigsten Punkten Palästinas, vor allem in Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa, verläßliche Auskunfts- Personen, am besten aus Oesterreich, bestimmen, welche die Aufgabe übernehmen, dem Komitee alle sür die österreichische Palästinainteressenten als besonders wichtig erkannten Auskünste zu beschasfen. Eine Kooperation mit dem vorerwähnten Verein Serubabel ergäbe sich von selbst. Alle diese Posten werden vorläufig ehrenamtlich sein. Wichtigen Informationen kann und soll das Komitee' durch Abdruck in der „Wiener Morgenzeitung" weitere Verbreitung geben, schon um den Kreis der Palästinainteressenten zu erweitern und hiedurch die künftigen Aktionen in Erez Israel zu fördern. Sobald sich nämlich diese wechselseitige Jnformationstätigkeit bewährt, 'steht bestimmt zu hoffen, daß bald --. zumal bei Besserung der Wirtschaftslage in Oesterreich -—ein engerer Zusammenschluß der hierländischen Pälästinainteressenten sich als zweckmäßig erweist und durchsetzt; sei es durch Gründung von Baunnd anderen Genossenschaften, sei es durch Bildung einer eigenen Treuhandstelle für die Interessenten ans Oesterreich (und eventuell auch den Sukzessionsstaaien) oder doch durch den Anschluß an eine andere solche, in Palästina schon bestehende Stelle dieser Art. * Das Ioivt-Waisenhaus in Karpathoruhland. Der mir Hiffe des Amovican Joint Distribution Committee bSMinbet« Waisenverein ha-r mit . dem Bau eines modernen Mischen Waisenhauses für Karpathovußland begonnen. Die Kasten dürften sich miif eine halbe Million tschech. Kronen bskmlfefl. Die Kosten worden Min großen Teil vM Joint MWen sowie auch durch SamMmgen unter den tschechoMvMcheii Juden gedeckt. In KarpMMußland gibt es 1100 jüdische Krk-gSwMen, von denen die größere Hälfte unter der QSfywt des Wme«- verelnes steht. Das Joint Committee wird W neuen MijMhaus LehrliiiBweiHcüten für Knaben und Mdchm eirmOen.

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