Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-10-23 · Heft 2395 (23.10.1925) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2395 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981481--24433-3011977
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Veite 4 Wen, Freitag letzt, daß sie keinem Vertrage zu st im men wird, der den deutschen Lebrnsnvtwrndigkcitcn nicht gerecht wind und »usbesonderc einen Verzicht auf deutsches Land und Volk nicht ausfchkießt. Dazu ist zu bemerken, daß in der Kabinettssitzuug von vormittags, die sich nnt der Minisierzrösammenkuuft in Locarno befaßte, mit Einhelligkeit, also auch mit den Stimmen der deutschnationalen Minister, der Beschluß gefaßt worden ist, auf Grund dessen im auswärtigen Ausschuß vom Reichskanzler die Stellungnahme des Kabinetts verdien worden ist. Das. deutschnationale Mißtrauensvotum gegen Severiug avgelehnt. Berlin, 22. Oktober. (Wolff.) Im Landtag erfolgte die namentliche Abstimmung über den vor einigen Tagen von den Deutsch nationalen gegen den Inn enminister Sevcring eingehrachtm Mißtrau e n § a n t r a g. Von den abgegebenen 364 Stimme»» sprachen sich 158 für und 220 gegen den Antrag aus. Sechs Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. Die Kommunisten haben sich an der Abstimmung nicht beteiligt. Aus Budapest wird berichtet: Das Str-a^ericht verhandelte heute den Berlmnidungsprozeß gegen -en.Journalisten Ladislaus Strem, der in der „Nepjzatva" in einem Ansatz behauptet hatte, daß Mimst-evpräsiident Graf Bethlen zur Zeit der EsWdt-Affäre auf der Obersladchauptmannschaft erschienen sei, um mit Ludwig Esküidt nn Interesse seines Lohnes, des Grafen Andreas Bethlen, zu verhandeln, der ebenfalls Ausfuhrbewilligungen für Raps und Pferde durch Esküdt erhalten haben soll. Ministerpräsident Graf Bethlen wa-r zur heutigen Verhandlung als Zeuge erschienen und gab <m, daß sein Besuch auf der Polizei lediglich den Zweck verfolgte, EMd» zu einem Geständnis zu bewegen. Er habe mit EÄüdt kein Wort über seinen Sahn gesprochen, dies um so weniger, als er, der MinrsterpräsÄenr, keine Kenntnis davon ha t t e, d a ß sein Sohn Ausfuhrbewilligungen durch Esküdt erhalten halte. Das Strafgericht verurteilte beit Angeklagten Ladislaus Strem Zu zehn Monaten Gefängnis und M Mllionen Geldstrafe. Der 9Utufc ttt -er Bankgaffe in Wien. Budapest, 22. Oktober. (De>l.-Kamp.) Die sozialdstnokratt' scheu Wgeordneten Szabo und Esztergalyos haben an das Präsidium der Nationalversammlung einen Brief gerichtet, in dem sie die sofortige Einberufung der staatlichen Schlußrechnungsiommisfi'on.fordern, die auf Grund neuer Tatsachen die Angelegenheiten der in der ungarischen Gesandtschaft in Wien geraubten Millionen untersuchen soll. (Die Räuber von der Bansgasse haben die Gelder, die sie schon verbau hatten, als „Provisionen <rn österreichische Behörden" verrechnet. Und die österreichische Regierung läßt sich derlei Frechheiten gefallen. Hat man bei Ms soviel Butter Ars dem Kopf? Die Red.) ließen ihr weder Tag noch Nacht Ruhe. Sie dachte ernstlich an Selbstmord als lebten, einzigen Ausweg. Das Bißchen, was ich ihr anbieben konnte, reichte mit für den AugerMF, ich hoffte darum nur noch darauf, vielleicht Wsbereite, Menschen p finden. Zufällig traf ich auf der Straße eine ' junge Jüdin, die ich ziemlich gut kannte. Voll vom Unglück des MAchens, erzählte ich ihr sofort alle's. Die junge Frau ftagte sachlich: Wieviel schuldet sie? ,Fch. mußte bekennen, daß ich es nicht wußte. Sie bat mich, es sofort in Erfahrung zu bringen, was ich tat, um es ihr gleich darauf telephonisch mitzuteilen. Am nächsten Morgen, ich war noch im Bert, läutete sie mich an: Das Geld ist hier! Wo ist das Mädchen? Als ich verwundert fragte — weil es eine recht hübsche, runde Summe war und sie selbst unbemittelt — wie sie denn das Geld so schnell zusammentzebracht habe, antwortete sie lächelnd: Man hat ja VevwaMe! Ich habe * einfach gestern, bis es Abend wurde, so viele Besuche gemacht und danach telephonisch angelbettelt, bis ich alles zusammen hatte. Mer jetzt müssen wir dafir SoM tragen, daß das Mädchen nicht noch einmal in Wucherhände gerat. — Und was tat sie? Sie lud das Mädchen zu sich ein, nahm sie und das Kind als Gast ans, teilte Kleider, Essen, alles mit ihr. Und eines Tages war das Mädchen Mmich so weit, selbst für sich und ihr Kind svWn zu können. * Ich hatte eine Freundin, hie adeliger Herkunft -war. Als ich eines Tages zu ihr kam. empfing sie mich lächelnd: Komm', du wirst etwas schen, was Wasser auf deine Mühle ist! Und sie erzählte nun, daß sie immer dasselbe herausgefnMn habe — daß nur Juden geneigt seien, Geld zu verschenken. Sie hatte es behauptet, .nmn hatte eS atbgestrittön. Doch sie blieb dabei (sie hatte mit verschiedenen Wohlfahrtseinrichtungeu zu tun), daß man das Porto für Bittschreiben an Nitriden ckbenso gut sparen könne, West doch nichts dabei herauskäme. Sie braucht« jetzt.eben wieder Geld für eine Wohilftchttssache und hatte eine Sammelliste gemacht, fünfzig Prozent Huden, fünfzig ProM Nichtjuden. Bon vornherein hatte sie die Juden mit einem roten Kreuz versehen, die anderen mit einer Null. Nun zeigte sie mir das Ergebnis: es stimmte aufs Haar. Keiner , von ihren aristokratischen Bekannten oder Verwandten. oder anderen Freunden hatte einen Pfennig gespendet. Jeder i Jude hatte sich beteiligt, die nötige Summe war sogar überzeichnet worden. Wiener Morgenzeitung 26. Oktober MS m m Ms Mionen Dollar für die zionistischen Institutionen. vilanz der frlmMche» Kolonialkttere. Dr. Weizmann nach Amerika eingeladen.. Rew-Uork, 20. Oktober. (I. T. A.) DaS ExetutivkvmLt« der Zionistischen Organisation Amerikas hat soeben den bodoutmrgSvollen Beschluß gefaßt, eine Kampagne eftizuloiten, die daS Ziel hat, fünf Millionen Dollar für die zion isti schen I n stitutionen (Keren Hajessob, Keren Kvjemech, palästinensische medizinische Organisation Hadassah und hebräische Universität) anfzuboingen. Es tvurde ein Hauptkomitee für die Kampagne gewählt, dessen Vorsitzender Dr. Stephen S. W i s e ist. Dr. Wise hat an den Präsidenten der Zionistischen Weltorgau'.fation, Dr. CH. Weizmann, die Mt« gerichtet, nach den Bereinigte» Staaten zu kommen, um die Kampagne fördern zu Helsen. In zionistischen Kreisen hegt man die feste Hoffnung, ein Einvernehmen mit de« Richtzionisten zn schaffen. stm Nrael — 8Whrim. Die hebräische Aufschrift auf den palästinenfischrn Briefmarken. Aus I e r u j a l e m berichtet das „Prager Tagblatü": Der Sekretär und geistige Leiter der arabischen Exekutive in Palästina Dschemal H u s s e im i hat beim Obersten Gerichtshof eine Klage gegen die palästinensische Regierung eingebracht. Dschemal Husseini behauptet, sich in seiner Eigenschaft als palästinensischer Bürger dadurch geschädigt zu fühlen, daß auf den Briefmarken Palästinas im englischen und arabischen Text das Wort „Palestine", beziehungsweise „Falastin" Vorkommen, während in: hebräischen Text noch dazu die Buchstabenkürzung A. I. hinzugefügt sei, was Erez Israel, das heißt Land Israels bedeute. Dieser Zusatz widerspreche den Bestimmungen des Mandats, wonach alles, was hebräisch sei, auch in englisch und arabisch und umgekehrt wiedergegeben werden müsse. . Der Richter Sir Thomas Hycraft fragte daraufhin» ob der Kläger damit einverstanden sei, wenn auch im englischen und arabischen Teil statt Palestine Erez Israel gedruckt würde. Es gäbe auf hebräisch kein „Palästina", sondern das Land heiße eben Land Israels, ebenso wie Griechenland auf griechisch nicht Greece, sondern Hellas heiße. Der Klager verlangte iu diesem Falle, daß die Regierung auch den arabischen Text entsprechend dem arabisAn Sprachgebrauch ändere und das Land als Süd-Syrien bezeichne. Die Gerichtsentscheidung in diesem Briefmarkenprozeß wird später bekanntgegeben werden. AsMMsche stnndgebanM in Kairo. London, 21. Oktober. Aus Anlaß der Ankunft des neuen britischen Oberkommissärs von Aegypten haben in Kairo englandfeindkiche Kundgebungen stattgefunden. Die Kundgebungen sind von den ägyptischen Nationalisten hervorgerufen worden. Die Nationalisten erklären, eine Verständigung zwischen Großbritannien und Aegypten würde nicht eher zustande kommen, als bis der letzte englische Soldat Aegypten verlassen habe. Die Kundgebungen sind in Ruhe verlausen. j, güte Lollaranleihe für de« Papst. Anderthalb Millionen für Propagandazwecke. New-Aork, 20. Oktober. Die Verhandlungen, die der Vatikan hier über die Aufnahme einer A n l e i h e im Betrage von anderthalb Millionen Dollar führte, haben jetzt zum Abschluß geführt. Aus dem Anleihebetrag wird der vor einiger Zeit getätigte Ankauf der früheren LandeSirrenanstalt von Santa Maria della Pieta in Rom gedeckt werden, wo künftig das vatikanische Propagandainstitut Unterkunft finden wird. Die Leiden amerikanischen Banken, die die Anleihe abschlossen, sind die N a t i o n a l b a n k in New-Dork und die Blair and Company Corporation, die sich zum Zweck der Transaktion verbunden haben. Die beiden Banken eröffneten dem.Vatikan den genannten Kredit mit einjähriger Verfallszeit und besonders niedrig bemessenem Zinsfuß. Das Leihgeschäft wurde in wenigen Stunden zun: Abschluß gebracht. Die Meldung von dem Abschluß hat in den katholischen Kreisen Nordamerikas außerordentlich günstigen Eindruck gemacht. Her Bürgerkrieg ln Shina. Hamburg, 2st. Oktober. (Woffs.) Nach einer heute beim Ostasiatischen Verein eingelaufenen Depesche der deutschen Handelskammer in Schanghai sind die Städte Schanghai, Suischon, Tschinglang undNan- 'king von den Dschekiang-Truppen ka m Pf l o s b e se tzt. worden. In S cha n g h a i herrschte vollständige Ruhe. Die weitere Entwicklung läßt sich noch nicht übersehen. Der Eisenbahnverkehr von Schanghai bis Mukden ist gestört. Die Generäle der Tschekiäng-Armee behaupten, daß sie 7000 Mann der Mukden-Armev bei Nanking g e s a n g e n g e n o m m e n hätten. .">030 Tote. -1150 Millionen 9t* *ttlttt* ' Paris, 21. Oktober. (HavaS.) IN der FlnauMtttaifsion der Kammer gab Mnisterprasident Patnlrve M, dich die Verluste in Marokko bis zum 16. 6; 2176 Tote betragen, unter denen 40 Offiziere und 600 Soldaten Franzosen sind, ferner 5306 Verwundete, wovon 160 Offiziere und 1390 Soldaten Franzosen sind. Die G e samd a uSgäben beliefen sich auf 950 Millionen. : ISyrien belief sich die Zahl der Verluste vom Jänner bis Oktober 1926 auf 684 Tote; die Ausgabe», von» J»»li 1984 bis zum Juli 1926 betrugen 197 Mib lionen. Der blutige Marokkokriea. London, 22. Oktober. Berichte aus Tanger besage»», «daß trotz den offiziellen Mitteilungen, die das Ergebnis der militärischen-Operationen als günstig bezeichnen, festgestellt werde»» müsse, daß die französischen Truppen bei den Kämpfen um das Bergmasftv des Bi baue ein schweres Ringen mitzumachen hatte»» und auch erhebliche Verluste erlitte»». Teile der stanzösffchen Truppe»» mußten infolge der heftigen Gegenangriffe sogar zurückgezogen »verden., Abd el Krim habe mehrere hundert Gesangene gemacht, darunter 130 Offiziere. Aus den Berichten des „Daily Telegraph" geht hervor, daß die Nachricht über die Hinrichtung des Außenministers Mohan Azerkane, der angeblich vor eine Kanone gebunden u»»d so erschossen worden sein soll, völlig erfunden ist. Der Minister erstensich Weiler des Vertrauens Abd el Krims. Die Lage in Damaskus. London, 22. Oktober. (Tel.-Ko mp.) Räch hier vingea rroffencn Meldungen des „Daily Chroniele" ist die Lage in Damaskus keineswegs ruhig. Es handelt sich nunmehr nicht bloß um den Drusermufstand, sondern auch um die Erhebung der gesamten mohammedanischen Bevölkerung von Damaskus. »Armes" vermuten auch hier wieder russische und türkische Intrigen. Die meiste Schuld aber trage der rein militärische Charakter des französischen Mandats, was schon beim Betreten von Beirut sofort peinlich augalle. Nach ^» letzten Meldungen hat sich die Lage in Damaskus merklich gebessert. Einige dmsische Banden, die zur Unterstütznng der Aufständischen herbeige» koumren Ware»», sind wieder znrückgekehxt,; nachdem sie Mitteilung von der.Unterdrückung deL Aufstandes erhalten hatten. Angesehene Familien in der Gegend von Sueida haben sich unterworfen. ■ Amerikanische Kriegsschiffe in den syrischen Gewässern. Washington, 21. Oktober. Wolff.) Äuf Echlchen des Llnerrkanischen Konsuls in Beirut haben Mi amerikanische Zerstörer den Auftrag erhalten, sich von Gibraltar nach Alexandrette zu Legeben, um erforderlichenfalls in den syrifchen Hafen den Schutz der Lebens und des Cigentrnns von Amerikanern gegen Angriffe der syrb schen Aufftändischen zu übernehmen Me es ht Mrkllchleit Echt. Die rckrrpnischon Behörde« savotieuen die Judenkolonisation. Moskau, 20. Oktober. (I. T. A.) Während der fü»»sten allukrainischen Konferenz der jüd»schen <Wtwnen der kornumnistischen Partei brachten Mehrere Delegievte Klagen gegen lokale Jnstanzen..ft» der Ukraine vor, die das jüdische Element ungerecht behandeln und so das Wiederaufbau- Werk unter den Juden behindern. Diese Instanzen bereiten dem jüdischen KolonisatiouSwerk rmnuigsache Schwierigkeiten. Mtteiluugen der öftmelchisch« chmMchrv Leitung. Die am außerordentlichen Delegiertemag der Lsterreichischen Zionisten gewählte Leitung hat ein Rundschreiben an die zionistischen Sektionen, Sonderverbande und Ort-grWen erlassen, in welchem die Leitung mitteilt, daß sie sich den Wieder aufbau der Organisation zur HauptaufgrbL gemacht hat. . Die P a r t e i st e u e r ist für dieses Jahr mit 5, Schilling festgesetzt. Der Betrag kann auch in zwei Teilzahbmgen entrichtet werden. Wegen Ermäßigung siir Jugendliche oder andere minderleistungsfähige Kategorien ist mit der Leitung das Eiuvernchmen zu pflegen. Es wird die sofortige Einsenduug der Mitglie- -erllksienan das Bureau, 1. Bez., Karntnerisst. 88, gÄvärtigd. Alle den Mitgliederstand. betreffenden Veränderungen sinh periodisch bekanntzugeben, damit die in der Zentrale geführte Ehidxnz immer entsprechend ergänzt werden kann. Die Londoner Exekutive verlangt,,.daß die Schekelabrechnung für daS Jahr öM bis WOens'lö. NovsnHer dnrchgeführt werde. Demgemäß fordert dis österreichische zionistische Leitung Schekelverrechnüng mit dem Wiener Bureair bis zum 12. November. J»n Sinne des Beschlusses des 14 Ziouistenkongresses. über den SchekchreiS wurde - der Preis des ^Schekelsvon der Londoner Exekttt!he |üx ytst2'rreich mit 2 Schilling bestimmt. ) Am ersten Donnerstag eines jeden Monats wird eine Ob- »nännerkvnserenz im Sitz»»ngssaale der Leitung statt- > finden, an welcher dje Obmänner der einzelnen PeziAssektioM^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.