Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2392 (20.10.1925)
- Date
- 1925-10-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8892 9S!<jn, ©rpit'Steg Wiener Mvvyenzelturrg *>JA ä$'*t ,&■£■' f -LM il fi 1 20. Oktober 1925 Seite 5 gilt dreWedrlger 2)ir,eItoH»tn mit | Der diesjährige österreichische Zionistentag ist unter besonders schwierigen Verhältnissen zusammengetreten. Die österreichMen Zionisten sinh sich dessen bewußt, daß sie bie,Abhaltung des letzten z i o n ist i s che n W e l t ko nzresses in W i e n zu besonderer Kraftanstrengung verpflichtet. um die propagandistischm Möglichkeiten, die jetzt kt Oesterreich gegeben sind, voll auszuwerten. Für das um 60 Prozent erhöhte Palästinabudget sind die Mittel aufgubringen, und die österreichische Judenschaft, welche an den Debatten des Zionisteukongresses so starken Anteil nahm, ist für die Mitwirkung an den F o n d s d e s A u sbaues, den Keren Hajessod und den Keren Kajemeth, noch lange nicht in dem Maße gewonnen, welches der Anzahl der österveichischen Juden, ihrer finanziellen Leistungsmöglichkeit und ihrem Verantwortungsgefühl entspricht. Es ist aber auch noch immer bloß ein Bruchteil jener Juden, welche sich zu dem zionistischen Progrannn bekennen, organisatorisch erfaßt. Man > hat schon lange erkannt, daß eine verhältnismäßig nur kleine Zahl der Zionisten ihre Pflichten der Landesorganisation und der Weltorganisation gegenüber voll erfüllt. Diese Mängel zu beseitigen, haben sich alle Gruppen, welche auf dem Boden der Organisation stehen, unter vorbildlicher Zurückstellung ihrer besonderen Einstellung zu den Fragen der zionistischen Politik vereinigt und daher die Tagesordnung dieser Beratung auf die Behandlung der Organisationsfrage, der inneren Konsolidierung der Fonds und der Bildung einer Leitung, welche das Vertrauen aller genießt, beschränk. Um allen mißverständlichen Deutungen über die Differenzen in dm Ansichten, die zionistische Taktik und die zionistische Politik betreffend, zu zerstreuen, hat der Delegiertentag e i n st i nr m i g eine Resolution beschlossen, welche der gewählten obersten zionistischen Leitung das Vertrauen kundgibt und ftststellt, daß sich die österreichischen Zionisten durch die Beschlüsse des 14. Zionistenkongresses gebunden erachten und mit aller Kraft für ihre Durchführung wirken werden. Hingegen hat der Delegiertentag es für seine Pflicht erachtet, Sonderbestrebungen, die eine Spaltung der Partei herbeizuführen geeignet sind,, zu bekämpfen und die oberste Leitung anfzufordern, eine Sezession, wie sie in der Bildung der sogevannien Freien zionistischen Bereinigung in die Erscheinung tritt, abzulehnen. Unter diesen Voraussetzungen hat Herr Dr. Desider F r i e d m a n n, der bereits in-einer früheren Periode die österreichische zionistische Organisation mit Umsicht und Tatkraft geleitet hat und dessen ausgezeichnete organisatorische Fähigkeiten^ sich auch aus anderem Gebiete, nämlich an dem S a n i e r u n g s w e x k d e r W i e n e r I s r a el i t i s ch e n K ü l t u s g e m e i n d e, an welchem er überragenden Anteil hat, ausgezeichnet betvährte,/das schwierige Amt eines Präsidenten der österreichischen zionistischen Partei übernommen., Man hat sich nach reiflicher Erwägung entschlossen, bloß .ein dreigliedriges Direktorium zu wählen. Dem Präsidenten stehen zwei bewährte Vorkämpfer des Zionismus, die Herren Dr. Leo Goldhamm e r und Kommerzialrat Max Markus, zur Seite. Da dieser Delegiertentag außerordentlich war, hat er die neue Leitung aus die Tauer von höchstens sechs Monaten gewählt. Nach Ablauf dieser Frist ist ein Parteirat einzuberusen, der entweder das Mandat dieser Leitung' auf eine weitere Zeft ausdehnt oder die Einberufung eines ordentlichen Delegiertentages beschließt. Der neuen Leitung würde das Recht der Kooptierung gegeben, jedoch müssen die von ihr vörgeschlagenen Personen vom Parte i r a t g e ne hm i g t werden. Die Leitung Hai auch die Befugnis, für einzelne Arbeitsgebiete Kommissionen einzusetzen. Die neue Leitung hat sich ferner der Mitarbeit jener bewährten Mäntmer und Frauen versichert, welche der bisherigen Leitung angehörten. Dem abtretenden Landeskomitee wurde für seine unter den schwierigsten Verhältnissen geleistete Arbeit der wärmste Dank ausgesprochen. Es ist erfreulich, däß dem Landeskomitee und insbesondere seinem bisherigen hochverdienten Präsidenten durch diese einmütige, mit demonstrativem Beifall aufgenommene Kundgebung volle , Genugtuung geschaffen wurde. / Der abtretende Präsident, Herr Dr. Jakob Ehrlich, unter dessen Aegide eine ganze Reihe bedeutsamer Veranstaltungen und großzügiger Werbeaktionen für die Fonds stmtfand, hat sich außerordentliche Verdienste erworben, wie immer, wenn man diesem seit dem Auftreten Theodor Hexzls in der Bewegung wirkenden Zionisten aus ver antwortungsvollen Posten stellte. Wie im Gemeinderat und in der Kultusvorstehung hat er auch als Präsident der zionistischen Landesorgamsation mir großem Verständnis für die aktuellen Probleme und mit außerordentlichem Wichtgefühl gewirkt. Daß ex sich nach den Anstrengungen des letzten Jahres nicht zurückzieht, sondern das Gewicht seiner Persönlichkeit und jeine Begabung auch der neuen Leitung zur Verfügung stellt, ist überaus dankenswert. Aus den erstatteten Berichten ist nachstehendes hervorzuheben. ' Die organisatorische und propagandistische Arbeit des Sr" V Leitung betraut. - Sie Berkchie. Milderte Herr' Dr. Leo G o l d h a m m e r. Die Arbeit litt an dem mangelndem Verständnis der zionistischen Bezirks- und Provinzorganisation für die materiellen Notwendigkeiten der Leitung. Der Referent führte einige markante Beispiele dafür an, in welchem Mißverhältnis die geleisteten Parteibeiträge zu den geleisteten Beiträgen der Zionisten für die Fonos, standen. Hingegen war der Bericht über, die P r och aga ü da tätig keil des Zionistischen Landeskomitees erfreulich. Sie begann mit dem P ressee mp f a ng, der Vertrauensmännerversammlüng und der großen Werbe Versammlung. Aus Anlaß derdAnwesenheit Weizmawns «wurde diese Aktion mit einem außerordentlich eindrucksvollen Vortrag von Oberrrabbiner Dr. Chajes nach seiner Rückkehr aus Palästina sowie einiger weiterer großer Veranstaltungen fortgesetzt. Dann erfolgte über Initiative und unter hervorragender Mitwirkung des Landeskomitees die Durchführung, der Ker en-Hajessod-Aktion. Das Zionistische Landeskomitee hat nach Abschluß dieser erfolgreichen Mion' noch eine Reihe kultureller und propagandistischer Veranstaltungen und in vorbildlicher Weise die schwierigen, diplonratischen, politischen und technischen Vorarbeklen für den Wiener Ziontstenkongretz durchgeführt. Das Referat umfaßte auch die geleistete kulturelle Arbeit, die Jugendarbeit und den Bericht über den akademischen Landesverband. Der von Herrn Dr. N. M. Gelber erstattete Bericht über den Keren Hajessod enthielt die erfreuliche Mitteilung, daß trotz der schwierigen Verhältnisse eine Steigerung der nach London überwiesenen Eingänge um 45 Prozent erzielt wurde. Auch der Standard der Leistungen hat sich erhöht und das Verständnis für die S e l b st b e st e u e r u n g im Sinne des historischen Maasserprinzips ist gct.vachsen. In der Zeit vom 1. November 1924 bis 30. September 1925 wurden aus Oesterreich 5618 Pfuyd «rach vorm. MALOWAN & FRANZ Telephon 72-84 Opernring 23 infolge äusserst günstigen Abschlusses bringen wir aus allerfejnsten engl. Double-Stoffen, auf Seide gearbeitet,'in den neuesten Fassons zum Preise von 195 Schilling und Seidenbinder in ailerschwerster Reinseide und neuesten Dessins zum Preise von 9.50 Schilling 5116 i 9 i I I S I •cno London gesendet. Um den großen Anforderungen des neuen jüdischen Jahres gerecht zu werden, in welchem für den Keren Hajessod unter den Juden der Zerstreuung eine Million Pfund auszubringen ist, muß in Oesterreich eine Sanierung und Kräftigung der Zionistischen Organisation vorangehen, denn nur eine straffe Organisation, die nicht durch innere Zwistigkeiten in ihrer Arbeit gehemmt ist, wird die von Oesterreich zu leistenden Beiträge, die zumindest aus das Doppelte erhöht werden müssen, aufbringen können. Der Referent des Jüdischen Nationalfonds, Herr Dr. Ch. Tartakower, gab einen Ueberblick über die bisherige Bodenpolitik des Keren Kajemeth seit seinem Bestände. Im letzten Jahre trat in Erez Israel der p r i v a t e Ba d e n k ä u f e r aus den Plan. Der Redner legte dar, welche wichtige Bedeutung nuninehr diesem Fonds als b o d e n r e f o t m e r i s ch e n I n st i t u t zukommt,und besprach ferner die Ausgabe des Keren Kajemeth hinsichtlich der Bodenverbesserung. Bemerkenswert waren auch seine Darlegungen über das kolonisatorische Menscheiimäterial des Keren Kajemeth, insbesondere sein Bestreben, jetzt auch chassidische Elemente anzusiedeln, für die Errichtung von Arbeitervorstadtsiedlungen zu sorgen sowie die Ausbildung von Mädchen für die Landwirtschaft zu fördern. In Oesterreich gelang es in der Berichtsperiobe, die Nationalfondseingänge um 26 Prozent zu erhöhen. Es wurden 112.200 Schilling vereinnahmt. Durch Vergrößerung der Zahl der in . Privathäusern untergebrachten Sammelbüchsen cuf 15.000, durch Pflege der Tempelaktion und gründliche Vorbereitung der vom.Kongreß genehmigten vier So nderakti o n en lÄhrend des Jahres sollen die Eingänge entsprechend erhöht werden. Schließlich behandelten beide Referenten der Fonds sehr eingehend das B e a m t e n Problem. Sodann erstattete Herr Dr. Bertold Hirsch namens der Kommission, welche bereits einige Wochen vor 'Abha-turr.-. Del^iertei'la^'s zur Vrüftmg der Finanzgebarung jämtli her \\ii Delegiertemag verantwortlicher Institutionen eingesetzt würde, den Bericht und stellte fest-, daß Buchhaltung und Kasse ordnungsgemäß geführt wurden und die Gebarung durchaus eirlvandfrei war. Den erfreulichen Bericht über die Tätigkeit der zionistischen Mandatare in der Kultusgemeinde, welchen Herr Dr. L ö w e.n he x z erstattete, haben wir bereits in großen Umrissen " in unserer Sonntagsausgabe veröffentlicht. Es ist noch zu erwähnen, daß die Förderung des Keren Hastssvd durch die Wiener Israelitische Kultusgemeinde fast sämtliche Kultusgemeinden Oesterreichs veranlaßte, anläßlich der Universitätseröffnung für den Keren Hajessod Beiträge zu leisten. Diesem Beispiele folgten auch zahlreiche ausländische Gemeinden. Der Initiative der zionistischen Mandatare ist ferner zu danken, daß zum ersten Maledie Chaluzbewegung subventioniert wurde und daß auch die Israel itische Allianz zu Wien, in deren Komitee zionistische Mandatare eingetreten sind, in vollem Verständnis für die Wichtigkeit der Chaluzbewegung ansehnliche Subventionen gewährt hat. Es gelang ferner, das vorbildliche Wirken des Mitgliedes der zionistischen Leitung, Frau Erna P a t a!, auf dem Gebiete der K r a nkenfürsorge für jene Pioniere, welche , aus Erez Israel zur Heilung nach Wien kamen, durch Subventionen zu fördern und insbesondere die Aufnahme der Patienten in das Rothschild-Spital zu erleichtern. Schließlich hob Herr Dr. Löwenherz die Errichtung der Geschäftsstelle ür Jugendliche hervor, an deren Arbeit und Ausbau Herr Dr. Klaber und Frau P a t a k hervorragend beteiligt rnd. Dem Rieftrat des Herrn Dr. Nahum Blauer über!>ie Tätigkeit des Wiener Palästinaamtes ist zu entnehmen, daß in der Zeit vom 1. Oktober 1934 IbiS 30. September 1925 853 englische Palästinavisa für 942 Personen beschafft wurden. Nach den Berufen befanden sich in dieser Anzahl: Landarbeiter und Landwirte 199, Handwerker (Hilfsaribeiter) 306, Kaufleute und Industrielle 132, freie akademische Berufe 97, ohne Berns (Hausfrauen und Schülers 206, 789 Personen standen im Mer zwilchen 16 und 30 Jahren, 448 gehörten der Kategorie E an, waren also Zertifikaüsten, die zur schwierigsten Pionierarbeit nach Palästina gingen. Mit ganz geringen Ausnahmen lebten alle diese Personen viele Jahre in Oesterreich, wenn auch nur 157 von ihnen ihrer Staatsangehörigkeit nach Oesterreicher waren. Der größte Teil, nämlich 583 Personen, hatten polnische Staatsbürgerschaft. Eine Durchwanderung durch Wien gibt es jetzt fast nicht mehr,' MAhailb die Auflassung des Chaluzheims beantragt wird. Das Palästinaamt hat für die Erhaltung des Heims, ferner für Darlehen an Chauz im und sonstige Fürsorgezwecke 17.136 S. verausgabt. An diese Roftvate schloß sich die Generaldebatte, an ^welcher sich die Herren Kan dl, Piscaty Mnzh ■ Schreier, Dr. Georg Weiner, Dr. Kad is ch (Böslau), Schwarz (Graz), A k z i n und Brenner beteiligten. Bon zahlreichen Rednern, insbesondere von Herrn Piscaty, wurde scharfe Kritik an der Arbeit des Landeskomitees und der Fonds geübt, welchen in längeren Ausführungen der Präsident des Landeskomitees Herr Dr. Jakob Ehrlich sowie die Herren Dr. A b e T-c s und Dr. Gelber erwiderten und dem Delegiertentag die gewünlschten Awiklärungen galten. Sodann erstattete Herr Dr. Mx Bernhardt namens des Permanenzausschusses den Bericht an das Plenum. Nachstehend veröffentlichen wir die w i ch t i g st e n Beschlüsse im Wortlaut und fügen hiM, daß sie mit der unten angegebe-, nen Ausnahme e i n st i m m i g gefaßt wurden. & Der Permamuzausschuß schlägt dem Parteitag vor, dem äbtretenden Landeskomitee für seine mühevolle, unter den schwierigsten Verhältnissen geleistet e. T ä t i g k e i t und insbesondere sür die V o.rb e r e i t u n g d e s 14. Z i o n i st e n k o n g r e s s e s d e n wärmsten Dank auszusprechen und erteilt ihm dk Dechavge. Der Delegiertentag nimmt die Berichte ibc'r Ressortleiter Dr. Abeles, Dr. Blauer, Dr. Gelber und Dr. Tartakower genehmigend zur Kenntnis und spricht denselben sowie den ihnen unterstellten Beamten für ihre Migkeit Dank und Anerkennung aus. ■ ■ ■ ' ' * Der Parteitag spricht den zionistischen Mandataren Dank und Anerkennung für ihre bisherige Tätigkeit aus und versichert sie ihres v ol l e u B e rtrauens. Der Parteitag spricht die Erwartung aus, daß die Mandatare nach wie vor ihre Funktionen im Einvernehmen mit den zuständigen Parteiinstanzeu ausüben werden. -r- Bon der Voraussetzung ausgehend, daß die fachliche Vorbereitung der Menschen von entscheidender Bedeutung für den Aufbau Erez Israels ist, beauftragt der Parteitag das Landeskomitee, der H.echaluz-Organisat i o n d i e w e i t e ft c Un terstützu-ng angedeihen §it lassen. (Antrag der Hitachduth.) * Der Parteitag erachtet es als erforderlich, daß die Parteileitung auf die politische Richtung der „Wiener Morgenzeitung" durch ständiges Einvernehmen entsprechenden Einfluß nimmt. — Ter Parteitag nimmt die