Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2392 (20.10.1925)
- Date
- 1925-10-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seist 4 Wien, Dienstag Wiener Moegenzeitung Jum Lehutze gegen Ansteckungen. Lestes Schutz- und vesinketttionsmittel kür trauen. Beseitigt alle üblen Gerüche. Gegen übermässige Schweissbildung. All Zusatz zu Bädern. Angenehm riechend. Nur in edelgrünen Originalflaschen Zeugen über das Verhalten desPolizeikommisfärs L ukomski gegenüber den Mitteilungen der Frau Franzos erhob Verteidiger Dr. Grek eine Reihe von Beschwerden über die Art, wie die Voruntersuchung in diesem Prozesse geführt wurde. Der Staatsaruvall erwiderte sehr heftig und verlangte Disziplinierung Doktor Greks. Der Gerichtshof beschloß, Dr. Grek eine Rüge zu erteilen. Daraufhin stellte Tr. Landarl im Namen der gesamten Verteidigung das Ersuchen, eine kurze Verhandln n g s p a u s e eintreten zu lassen, damit die Verteidiger zu dem Beschlüsse des Gerichtshofes Stellung nehmen könnten. Als das Gericht dieses Ersuchen abschlägig beschied, verließen sämtliche Verteidiger zum Zeichen des Protestes den Verhandlungssaal, nur Dr. Grek blieb zur BeobachtuH der weiteren Prozeßvorgänge im Saale zurück. Als die Verteidiger nach kurzer Beratung lwieder zurückkamen, hatte der Vorsitzende inzwischen die Verhandlung auf morgen vertagt. Stanislaw Vrabrli Wer die Prozentno rm. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 19. Oktober. In der letzten Sitzullg des Unterrichtsausschusses des Sejlll. interpellierte der jüdische Abgeordnete Whgocki den in der Sitzung anwesenden Unterrichtsminister Stanislaw Grabski über die Prozentnorm, welche gegenüber den jüdischen Studenten an den polnischen Universitäten angewendet wird. Er brachte'auch zur Sprache, daß eine gantze Reihe von Absolventen der hebräischen und jüdischen Gymnasien an den polnischen Universitäten keine Ausnahe finden können, da die jüdischen Mittelschulen trotz wiederholter Versprechungen von seiten der Regierung noch immer nicht das O esfe n t l i ch ke i ts r echt erhalten haben. Fermer legte der Interpellant dar, daß die Mischen Studenten, denen die Aufnahme an inländischen Universitäten verweigert wurde, keine Möglichkeit haben, .ausländische Universitäten zu beziehen, da von ihnen Paßgebühren in der Höhe von 500 Zloty verlangtwerden, Der Unterrrchtsmirnster erklärte in seiner Antwort, daß es eine gesetzliche Prozentnorm an den polnischen Universitäten nicht gebe und brachte statistische Daten vor, nach denen 30 bis 35 Prozent jüdischer Studenten inskribiert wurden; Abweisungen seien wenig erfolgt. Schließlich erklärte der Minister, daß die Regierunung Verordnungen erlassen habe, durch, die den Studenten, welche nicht an den polnischen Universitäten Aufnahme gesimden haben, Paßerlei'chterungen gewährt würden. - / .—' I« Numerus danfns in Ungarn vor dr« BSUerdnnd. Genf, 19. Oktober. (I. T. A.) Der Vertreter der Jüdischen TelegvaMn-Agentur in Genf erfährt, daß die Frage des Numerus clausus in Ungarn, die von einem aus drei Personen zusammengesetzten Komitee des Völkerbundes geprüft worden war, vorläufig dem Internationalen Gerichtshof im Haag nicht übertragen werden wird. Das .Subkomitee des Völierbundvates empfahl statt dessen, die Frage des Numerus-clausus-Gesttzes während der Dezember-Session des- Völkerbundrates zur Behandlung. Der Ständige internationale Gerichtshof im Haag, der am 22. Oktober zu einer außerordentlichen Session zusammentrktt; wird sich mit der Numerus-clausus-Frage nicht zu befassen haben. kine Rede der Kardinals ßsernoch. Gegen den Antisemitismus. Budapest, 19. Oktober. Bei einem Festbankett hielt Fürstprimas Johann Cfern och eine Tischrede, in der er auf eine antisemitische Rede des Stadtvepräseudanten Dr. Havasz antwortete und unter anderem sagte: „Ich betone mit allem Nachdruck, daß es nicht des Zusammenschlusses gegen die Juden lbedarf, denn diese (Gefahr ist nicht derart, wie man gemeinhin annimmt. Man muß das Christentum hegen und Pflegen, damit nicht jene Gefahr sich verbreite, die neurdings das Land bedroht: die k o m muni st i st i s ch e Gefahr. Gegen diese muß man kämpfen. Mar Smald in Budapest. Budapest, 19. Oktober. (U. T. KE.) Ministerpräsident Gras B e t h l e lt gab heute zu Ehren Mac Donalds ein Diner. Mac Donald, der sich in.Budapest als Privatmann aushält und sich daher jeglicher politischer Aeußerung enthält, gedenkt, Dienstag von hier äbznreifen. Tie neue ungarische Münzeinheit. Budapest, lg. Oktober. sTel.-Äomp.) Der Mi Niste rr at hat 'eine abends beschlossen, der neuen u n g a r i s ch e n M ii n z- Einheit die alte nnoarischc GeMezeichmmg „Peu-gö" zu iz-weu. Sie Srnseu in Lamarini eingrdrnagen. Beirut, 19. Oktober. (Havas.) Gestern ist von in die südlichen Stadtvierteln von D a m a s k u s e i n g e d r u ngenen Drusen mit Unterstützung von Kommunisten eine Revolte inszeniert worden, die bereits abends u u t c r d r ü ck t wurde. Natten ln Wik«. Rom, 19. Oktober. Eine offizielle Berlautbarung teilt mit, daß die italienischen Truppen im Norden des Somali-Landes das untere Tal des Nogal zwischen den beiden Sultanaten Obin und Migiurtini besetzt haben, die seit lättgerer Zeit miteinander in Fehde -lagen. Die Mion, die schon im Jahre IM geplant war, wurde seither ivegen der I u b aland.sr.a-g e innner wieder verschoben. Meder Bürgerkrieg in Wna. Tschang-Tso-Lin aus Schanghai vertrieben. Schanghai, 17. Oktober. (Havas.) Der Militävgouvcrneur von Tschekiau Gcuemsl Sun-Cfchuan-Fang, ein Anhänger des christlichen Gerterals Feng-Nnng-»Sing, ist heute in S ch a n g h a i eiugezogen. Die Tschekiang-Eruppetl verfolgen die Truppen T s ch a n g - T s o l i u s in der Richtung ans N a n k i n g. Dtlrch eine Verordnung wurde General Suri-Cschtlau--Fang.ausgefordert, seine Truppen in die ursprünglichen Stellungen znrnckz-uführen Lndeadorff von Kommunisten attackiert. Breslau, 19. Oktober. (Tel.-Komp.) Geiteral Lude ndorff entging gesterii mit knapper Not einem Uebcrfal! durch Kommunisten. Aus Anlaß einer Fcchnenweihe hielt er in einer Versammlung eine Rede, während der sich auf den Straßen in der Umgebung des Versammlungslokals große Mengen Kommunisten versammelten. Sie umringtcn den Kraftwagen Ludendorffs-nnd versuchten, ihn an der Abfahrt zu verhindern. Der Polizei gelang es jedoch, die Kommunisten zu vertreiben, so daß -der Krastlvagen ungehindert wegsahren konnte. ___ Sie Schweizer Ausliindergesetzgebtmg Gin Referendum. Bern, 19. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Das stimmberechtigte- Schweizer Volk wird am 25. d. über die Aufnahme eines neuen Artikels in die Bundesversassung zu entscheiden haben, der das Ueber» fremdungsproblem betrifft. Bisher bestimmten nämlich die Kantone frei über Aufenthalt und Niederlassungder Ausländer. Der neue Artikel der Bundesverfassung überträgt nun dem Bundesstaate die Kompetenz zur Gesetzgebung über Ein-- und Ausreise, Ausenthalt und Niederlassung der Ausländer. Dem Artikel kommt deshalb größere praktische Bedeutung zu, weil sich in vielen Berufszweigen die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte sehr stark vermehrt hat, während gleichzeitig über Zunahme der Arbeitslosigkeit geklagt wird. Dermalen sind zwanzig Prozent der Arbeiter in der Schweiz Ausländer. Neuwahlen in den Schweizer Nationalrat. Bern, 19. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Am 25. d. finden die periodischen Erneuerungswahlen für den schweizerischen Nationalrat statt. Für diese Wahlen sind 102 Wahllisten mit über 700 Kandidaten-eingereicht worden. Sin Referendum über dar FranenNnchlrecht in PMftiaa. Am 30. September fand in Jerusalem eine Sitzung der Exekutive des Waad Leumi statt. Unter anderem wurde über die Wahlen für die Assefath Haniwcharim (Delegierienverjammlung), die am 8. November stattfinden sollen, verhandelt. Auf Grund der Mitteilungen über die m Wien geführten Verhandlungen mit den Vertretern des M i srachi wurde nach reger Diskussion mit Majorität beschlossen, der Plenarversammlung des Waad Leumi vorzuschlagen, über das Frauenwahlrecht ein Referendum d u r ch z u s ü h r e n und der Bedingung, daß an diesem Referendum sich auch die Frauen beteiligen, und daß die Rechte sich verpflichtet, das Resultat des Referendums, wie immer es ausfalle, anzuerkennen. Die Plenarversammlung des Waad Leumi sollte am 7. d. stattfinden. In der Sitzung wurde auch der a>m letzten Jom Kippur erfolgte Zwischenfall bei der Klagenlauer besprochen. An der Sitzung nahm auch der inzwischen aus Amerika zurückgetehrte Herr Dell in teil. Sie Konferenz der jugoslawischen Sioniften. Agram, 19. Oktober. (Tel.-Komp.) Gestern wurde hier der K o n g v e ß -b c x z ioni st i s ch cn Verbände Jugosla Wiens eröffnet. 20. Oktober 1986_ SW «I|| Sic entscheidende Slam M Sanier««-. Aus dem S3. Bericht Dr. ZtrmucrmaM. Die Zeit van: 15. August bis 16. September d. I., ifüt die nunmehr der 33. Mnatsbericht teh Genevalstmtauissärs vos-' -liegt, bildet, tost Dr. Zimmerman schreibt, eine entscheidende Etappe für das österreichisch« Tanieruugswerk, ioeil die vom Wllkerbundrat am 10. September beschlossene Resolution die TeMiue für den stufenweisen Abbau des Ko-ntrollsystems Wetzt. Der Bericht erinnert an das Sachverständigengutachten der Herren. Lay ton iw# , R ist, die die Fortschritte der wirtschaftlichen Sanierung Oesterreichs hervovgcholbvn halben. Dr. ZiMnernmn -fügt hm», zu, es wäre aber falsch, sich der Tatsache zu verschließen, daß' auf diesem Göbiete noch große Anstrengungen itöühg sind. Ein Element voll höchster Wichtigkeit für die BeurteGlMder gogemvärtigell Lage bildet der enorme Betrag kurzfristiger Kredite. Da ihre Kündigung der östevveichischen VolkStoirtlschast große Unzukönrnttichlkeiten vevmsachen könnte, hat das FinanZlomitee' des Bölkeribundrates Mittel studiert, die geeignet wären, die' Umwandlung eines Teiles dieser kurz-, ifrisiigen in langfristige Kredite zu er- 'leichtern. Das Komitee lvar der Ansicht, daß es vor «allem darauf aiikomme, das Vertraue n d e r F i n an z kr ei f e anßerhalib Oesterreichs in die Stabiiitat des Landes zu stärken. Zu diesem Zwecke wurde lbeitanntlich, die Beibehaltung des Nationaildanklberaters fiir tveitere drei Jahre nach endgültiger AulshÄumg der Kontrolle und die Mglichkeijt der Wiedereinführung der Kontrolle irrnerhaH eines Zeitraunres von zchn Jchren vorgeschlLgen. Einen größeren Raum widmet der Bericht dem dom Rechnungshof auifgestellten R e ch rr u n g s a V s ch l u ß «f ii r IM.. Der Rechnnngchüs hat die Ergebnisse dieses Jahres nach denrj buchmäßigen und nach dom kassenmäßigen Erfolg zusammengestellt. Dielst beiden Erfolgsreihen zeigen, wie günstig sich die Situation im Jahre 1924 entwickelt hat. Der buchnrößige Abgang betrug 13,04 Millionen Schilling, der kassenmäßige 34,58 Millionen Schilling. Berücksichtigt mau die Jn-vesti'tionsMsgaben von 103,67 Millionen, so ergibt sich eigentlich ein Ueberschuß von 69,09 Millionen bei der Kasstngebamng. Außerdem wurden aus den Ersolgsnachweisnnge.n der letzten drei Monate des Borjahres die Zoll-, Steuer- und Sa^lMchsel eliminiert. Bei Berücksichtiigung dieser Aendevung ergibt sich an Stelle eines buchmäßigen Asbganges von 18,04 Millionen ein U ebersch uß von 16F4 Millionen. Dieser Urnstand gestattet, wie der Bericht hervochebt, der Entwicklung der FinanKgelbMnng im laufenden Finanzjahre mit Zuversicht entgegenzusehen. Interessant ist, daß die Freigaben aus der BöVkerbuüdanloihe im Jahre 1984 nur 1-4,08 Millionen Sch illing betrugm, im ersten Ha-lbjahr 1986 für den Schuldend ienst dieiser Anleihe 66,19 Millionen Goldkronen ansgegeben werden mußten. Sehr ausführlich behandeA der Bericht den B o r a lt» schlagsentlwnrf für 1966 und vergleicht ihn mit den tatsächlichen Erfolgen des ersten Halbjahres IM. Die Ausgaben im ersten Halbjahr überschreiten den Rahmen des neuen Budgets nicht unbedeutend, zeigen jedoch im zweiten Semester eine sinkende Tendenz. Bis Ende August tourten insgesamt 77.692 Bnntesapgesiellte aögebaut. Im August hat übechaupt keine Freigabe von Geldern aus der Völkerbundanleihe siatdgesilmden. Für die EleLtriftzievung der Bundesbahnen hat der Generalkammissär im Juli eine Million und im August 2 Millionen Schilling als Vorschüsse gewährt. Am 31. August betrug der Rest der Völkerbundanleihe noch 40,247.110 Doll a r, ohne die JnvestitjMen schließt die GebaNmg der erste«' drei Jahresviertel 1925 mit einem Ucherschuß von 36,81 Millionen Schilling, während das Novmalbudget mxt einen Uebechhuß von IvIl Millionen vorfch. In Besprechung der Wähvnngs- und Wirttschaiftsvechättnisse erwähnt Dr. Zimmer-man das leichte Agio des Schillings gagenüber -der Devise Nsw-Aork und die weitere Berringevung der Schuld des Staates an die Notenbank. Nur mchr ein Drittel der Bcmlknoten lauten ans Kronen. Die absolute Ziffer der ArlbeitslchigkLit ist zwar höher >a!ls im Borjchre, doch zeigt sie keine so Aare TendeH zur Steigemng ivie Ende Juni des vorigen Jahres. Der Jude^ der GroßhandölKpreist ist von 18.817 für August, auf 18,340 für Septemiber gefunden. Der Börsenindex hat sich von 1093 ans 1109 im Bevichtsntonat erhöht, die Börse zeigt auch weiterhin keine Anzeichen einer Belebung. Dem Bericht sind umfangreiche Tabellen und die verschiedenen Resolutionen des Finartzkomitees des VöMMudeS und schließe lich ein Auszug ans dem Protokoll der elften Sitzung des Völkerbundvakes vom 10. Septemiber d. I. beigeschlosstir TtreizelM österreichische Klassenlotterie. Bei der aui 19. d.- abgehaltenen Zie-Huna des vierten . Tages der fünfte« Masse gewannen: 6000 Schilling das Los Nr. 83.501, je o00ü Schilling die Lose Nr. 22.621 und 79.120, st 9000 Schilling d« Lose Nr. 46.229 und 81.916, st 2000 Schilling die Löst Nr. 33.137, 32.161, 39.074, 40.408 und 86.88, st 1000 Schill litifi die Lose Nr. 1620, 1671, 28.834, 34.137, 38.026, 44.681 42.776, 52,467 und 79.720, außerdem wurden 3981 Gewürm zwischen 600 und 180 Schilling ausgelost.