Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-10-20 · Heft 2392 (20.10.1925) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2392 (20.10.1925)
Date
1925-10-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981478--24403-3011944
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Wien, Dienstag Wiener Morgenzeitung M. Oktober 1988 MWltz» R M, r‘ii'1r-|-tff-it. i n. Reich zu werden Bandura, Slschaurki — Steiger. L.e tzMüllungen Lr. Landaus. - Fortsetzuvg der SeagMerhörr. - ßrodm Wt VerteMgmg. (Von unserem H.-Korrespondenten.) ist heutzutage leichter als früher, Das letzte Geheimnis des Brfolges der Milliardäre, der sicherste Wegweiser zu Reichtum, Macht und Ansehen ist die 4 Energie Dazu bedarf es stählerner Nerven, einer widerstandsfähigen und widerstandsfähigen Konstitution u. einer kampffreudigen Ausdauer. Wer von Kindheit auf DIANA Franzbranntwein mit Menthol gebraucht, stählt seine Nerven, nacht die Konstitution widerstandsfähig, kraftvoll und schafft eine kampffreudige Ausdauer Ueberall erhältlich Diana-Franzbranntwein - Produktion - Ges. WIEN, II. PRAG, VIII. Engerfthairasse 169 Lieben, Drahobeljova 1073 Italien abgeschlossenen Vertrages in Gens(beim Völkerbund hinterlegt -werden. Die letzte Urkunde (Anlege F), die Erklärung der Alliierten bezüglich der Vorbehalte Deutschlands zu § 16 der VAkevbun-dsatzmig lautet: Di>e deutsche Delegation hat gewisse Klarstellungen hinsichtlich des Artikels 16 der VölkeOnnÄsatzung verlangt. Wir sind nicht zuständig, im Namen des Völkerbundes zu sprechen, wir zögern aber nicht, nach den in der Versammlung und in Kommissionen des VAkev'bundes bereits gepflogenen Beratungerl und nach den zwischen uns ausgetauschten Erläuterungen Ihnen die Auslegung mitz'utei'len, die wir unsererseits dem Artikel 16 geben. Nach dieser Allslegung sind diese für die Bundesmitglieder aus diesem Artikel sich ergebenden Verpflichtungen so zu verstehen, daß jeder der Mitgliedsstaaten des Bundes gehalten ist, loyal und wirksam mitzuarbeiten, um der Satzung Achtung zu verschaffen und um jeder Angrifsshandluing entg-egenzutveten in einem Maße, die mit seiner militärischen Lage verträglich ist und seiner geographischen Lage Rechnung trägt. EmÄ Vandervelde, A. Briaud, Austen Chamber la i n, Benito Mussoiini, Dr. Eduard B e n esch, Tllexander SkrzYn 'sk i. ''' Chamberlam ür Paris. Paris, 19. Oktober. (Havas.) Painleve, Briaud und Hhamiberlain halben über die aus den Verträgen von Locarno zu ziehenden Folgermhgm beraten. Rußland gegen Deutschland. Moskau, 18. Oktober. (Tel.-Ag. der Sowjetunion.) In einem Leitartikel der „Jswestia" wird das Ergebnis von Locarno als e n g l i s ch e r S i e g bezeichnet. Das Hauptergebnis der Konferenz bon Locarno sei der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund trotz des Weiterwirkens der Paragraphen 16 und 17. Deutschland habe in diesen Fragen keine Zugeständnisse erhalten. England habe Deutschland in sein Fahrwasser hineingesteuert, gespannte Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion geschaffen und eine Abschwächung der Verbindung Frankreichs mit seinen Verbündeten erreicht. Die Reise des polnischen Außenministers nach Moskau. , Warschau, 19. Oktober. Außenminister Skrzynski, der gestern aus Locarno hier eingetroffen ist, wird nach den letzten Dispositionen am 20. November zur Erwiderung des Besuches des Außenkommissärs Tsch: tscherin nach Moskau reifen._ , Locarno-Kommentar in Leipzig. Leipzig, 19. Oktober. Gestern fand hier der erste deutsche Reichskriegertag statt, an dem auch österreichische Kriegervereme, darunter der von I n n sb r u cf, tcilnahmen. Der ReichsPräsident^H i n d e n b u r g hatte die Tagung in einem Telegramm begrüßt, das der heldenmütigen Leistungen der Krieger „im gemeinsamere Abwchrkampf" gedachte. Die ganze Veranstaltung war eine D e monstration gegen die R.cpnblik, für Militarisierung, Krieg und Monarchie. Der frühere Generaloberst Heerin g e n versprach in einer Rede, daß im Kriege alle ihren Mann stellen werden. Es gab außer Aufzügen auch ein Festspiel, das die Dolchstoßlegende szenisch verwertete. Die Festrede hielt der ehemalige Generalmajor Kaden, der die alten Soldaten ausrief, „mit ihren Fingernägeln den Dreck wegzukrä'tzen, den die deutsche Republik über die deutsche Heimaterde gebreitet" habe. Es kam auch zu Zusammenstößen zwischen Hake kreuzlern und ko m m nn i sti sch e n Fr on tk ä m P f e r n. Die. Hakenkrenzler gaben mehrere Schüsse ab und schlugen mit Gummiknüppeln ans ihre Gegner los. Es gab eine Anzahl Verwundeter. ' Am gleichen Tage traf die deutsche- Delegation ans Locarno in Berlin ein. ' ' ' ' Lemberg, 19. Oktober. Von den zwei Sensationen, welch die Samstagverhandlung im Steiger-Prozeß brachte, hat die eine, die Enthüllung des Verteidigers Dr. Landau, das Interesse der gesamten Oeffentlichkeit so sehr in Anspruch genommen, daß der andere Vorfall in der Samstagverhandlung, die Verhaftung der Zeugin Merksamer im Gerichtssaal, fast ganz zuvücktritt. Und doch kommt diesem Vorfall große Bedeutung zu. Wie die Verteidiger - Dr. Ringel und Dr. Landau in ihren Einwendungen gegen den Antrag des Staatsanwaltes auf Verhaftung -bet Zeugin Merksamer bemerkten, kann das Vorgehen des Staatsanwaltes zur Folge haben, daß die übrigen / * Zeugen abgeschreckt werden, da sie fürchten müssen, daß geringe Abweichungen ihrer Aussagen im Prozeß von ihren Aussagen in der Voruntersuchung (über deren Methoden schon mehrfach sowohl beim Prozeß Korn Hab er wie auch jetzt gesprochen wurde, Klagen geführt wurden) sie der Freiheit berauben könnten.. Es liegt nun naturgemäß nicht in den Intentionen einer Prozeßführung, die ans den vollständig unbeeinflußten Aussagen der Zeugen die Wahrheit ergründen sollen, daß durch psychologische Einflüsse die Zeugen veranlaßt werden, sklavisch das zu wiederholen, was sie früher einmal gesagt haben; demgemäß wiesen die Verteidiger darauf hin, daß das Gericht die Freiheit der Zeugenaussage respektieren müßte. Anträge wurde:: von der Verteidigung nicht gestellt. Dennoch ist es begreiflich, daß das allgemeine Interesse sich auf die große Rede des Verteidigers Dr. Lan-dau konzentriert, die geeignet ist, dem Prozeß eine völlig neue Wendung zu geben. Dr. Landau, der zwei Stunden lang sprach, begann seine Rede mit -der Feststellung des Standpunktes der Verteidigung, daß das Attentat vom 5. September 1924 von Personen ausgeführt wurde, die ihre Schuld bereits e in ge -standen haben. Dieses Geständnis sei in >den anonymen Briefen enthalten, welche an die Redaktion der „Chwila" sowie an eine Reihe von Persönlichkeiten in Lemberg gerichtet wurden. In diesen Briefen wurde mitgeteilt, daß das Attentat auf den polnischen Staatspräsidenten von der ukraNischen Militärorganisation in Szene gesetzt und von Mitgliedern derselben ausgeführt wurde. Dieselbe ukrainische Militärorganisation hat schon im Juli 1924 in einem anonymen Brief an den Lemberger Gerichtspräsidenten H a w e l mit terroristischen Akten gedroht, wenn,er nicht Aendevungen in der Behandlung der politischen Häftlinge in Lemberg einführe. Eine direkte Warnn-ng sei von derselben ukrainischen Militärorganisation in einem anonymen Brief iroch zwei Tage vor dem Attentat in Lemberg erfolgt. All das wurde jedoch in der Voruntersuchung dieses Prozesses wenig oder gavnicht beachtet. Ms Beispiel führte Dr. Landau an, daß eine noch im Oktober 1924 von der Lemberger Woiwodschaft der Polizei übergebene Liste von Personen, die der Ausführung des Attentates verdächtig waren, erst am 18. D ezember Von Polizeikommissär Kajdan der Staatsanwaltschaft übergeben -wurde. Als über Auftrag des Staatsanwaltes ^mt 24. Dezember eine Hausdurchsuchung bei den in der Liste verzeichneten Personen vorgenommen wurde, hatte sie natürlich kein Ergebnis. Ihren Höhepunkt erreichte die Rede Dr. Landaus,,als er erklärte: In den Akten dieses Prozesses befindet/sich unter Faszikel 91 ein Schreiben des Ministeriums des Aeußern in Warschau des Inhaltes, daß die polnische Gesandtschaft in Wien dem Außenministerium die Mitteilu:^ gemacht habe, daß sich in Wien ein Teilnehmer an dem Attentat aus den Staatspräsidenten befinde. Nach dieser Mitteilung ist der ans Stryj stammende, im Jahre 1897 geborene Josef Bandura der Attentäter. Später ersuchte die Wiener polnische Gesandtschaft um Mitteilung, welches Resultat die vorgenommenen Erhebungen über die früher mitgeteilten Tatsachen hatten; -die polnische. Gesandtschaft in Wien erklärte sich bereit, wenn die Uintersuchungsbehörde es wünschte, eine Photographiedes Bandura cinzusende::. Durch die in dieser Sache gepflogenen Erhebungen — führte Dr. Landau weiter aus — wurde lediglich festgestellt, Bandura habe tatsächlich in Stryj gewohnt und sei zur kritischen Zeit in Polen gewesen, später jedoch nach W i e n g e r e i st. Dann wandte man sich an die Wiener Gesandtschaft um nähere Einzelheiten. In einem Schreiben vom 25. November 1924 wandte sich dann der Untersuchungsrichter an die Lemberger Polizei mit dem Ersuchen, das Alibi des Bandura auszuforschen, jedoch nicht, was zu erwarten wäre, mit den: Auftrag, sestzustellen, ob Bandura der Täter' sein könne., Zum- .'Unterschied von dem ebenfalls behördlich festgestellten Alibi des bereits mehrfach genannten Panezyszhn sei ml zu bemerkn, daß bisher das Alibi d e s B a n d u r a nicht festgestellt wurde. Ueber den Ukrainer Teosim Olschanski, der, wie bereits berichtet, nach Meldungen aus Berlin das Asylrecht in Deutschland auf Grund des Geständnisses, an dem Attentat gegen den polnischen Staatspräsidenten von: 5. September 1924 teilgenommen zu haben, erlangt hat und dessen Angelegenheit vom Abgeordneten Dr. Badt im preußischen Landtag zur Sprache gebracht wurde, erklärte Dr. Landau: Olschanski, im Jahve 1906 zu Chyro w als Sohn eines Popen geboren, hat bei der deutschen Polizei in Benthe:: erklärt, daß er aus Polen geflüchtet sei, da er ein Attentat auf den polnischen Staatspräsidenten verübt habe; er hat' auch genau Tag, Stunde unt^urchsührung des Attentats beschrieben und angegeben, daß er M i t g l r e d der ukrainischen Militärorganisation sei, durch deren Hilfe es ihm ermöglicht wurde, über die Grenze zu kommen. Von der Sache Olschanski wurde — legte Dr. Landau weiter dar — die Polizeidirektion in Kattowitz mit dem Rapport eines Polizeikonfidenten, der sich den Mt der deutschen Polizei in Beuchen verschafft hatte, in Kenntnis gesetzt und hat die ganze Sache der Lemberger Polizei milgeteilt. Die A b s ch r i s t e n d e r A k t e n aus Beuthen, die sich der Polizeikonfident verschafft hatte, wurden nach Lemberg gesendet. Die ganze Relation liegt seit einem halben Jahr in den Gerichtsakten des Steiger-Prozesses unter Faszikel 209. Es wurde auch festgestellt, daß Olschanski aus Przemysl kam, von wo noch knapp vor dem Attentat eine Warnung an die Lemberger Polizei gerichtet wurde, daß in Przemysl ein Attentat auf den Staatspräsidenten vorbereitet werde. Mt Brief vom 7. November 1924 hat die Polizeidirektion in Lemberg den Akt aus Kattowitz dem Kommissär Kajdan zur Untersuchung übergeben. Kajdans Rapport lautete, daß Teosim Olschanski in Lemberg nicht gemeldet sei und auch Npwak sei in Lemberg nicht bekannt. Das war die ganze Erhebungstätigkeit in einer so wichtigen Angelegenheit. Es ist Wohl nicht das Wichtigste bei der Untersuchung über ein Attentat auf den Staatspräsidenten, ob jemand, der sich als Attentäter selbst bezeichnet hat, in Lemberg gemeldet ist oder nicht. Die-Enthüllungen Dr. Landaus haben sofort sieber- Hasteste - Tätigkeit der Behörden hervorgerufen. Das Justizministerium hat sofort einen ausführlichen Bericht der Lemberger Staatsanwaltschaft verlangt. In das Dunkel, das diesen großen Prozeß umhüllt, ist nun durch die Verteidigung einiges Licht gefallen. Die ganze Helle Wahrheit muß im Lause der nächsten Zeit hervorbrechen. Inzwischen geht die Verhandlung weiter ihren Gang. Der heutige siebente Verhandlungstag brachte die Fortsetzung des Vechörs des Wachrnannes B tl. Aus fernen Aussagen geht hervor, daß er nach dem Attentat einen Mann in einem Gnu:mimantel flüchten sah, doch kann er nicht mit Bestimmtheit a n g e b e n, daß dieser Mann Steiger gewesen wäre. Die nächste Zeugin war ein zehnjähriges Mädchen nannens Onyszkiewicz, ein Kind, dessen Zeugenschast von der Staatsanwaltschaft anscheinend für wichtig befunden worden war. Die Aussagen der Kleinen ergaben keinerlei Anhaltspunkte, die zur Aufflärung dienen könnten. Sodann wurde der Advokat Dr. Rabner als Zeuge verhört, der sich zur Zeit des Attentat aus dem BaKon des Cafe de la paix befand. Er nahm bloß -wahr, daß, als nach dem Bombenwurf Rauch ausstieg, einige Personen filüchte t e n. Ob 'Steiger unter ihnen war, kann der Zeuge nicht angeben. Er hörte dann, wie auf dem Balkon des Kaffeehauses die bereits mehrfach genannte Frau Annette Franzos aus Wien ausries: „Um Gotteswitten, man hat einen Unschuldigen verhaftet!" Auf Grund dieses Ausrufes wurde Frau Franzos von den übrigen Gästen veranlaßt, sofort zur Polizei zu gehen. Sie teilte dem Polizeikommissär Lnkomski ihre Wahrnehmungen mit, dieser hörte sie nicht recht a< und entließ sie, ohne -weitere Fragen zu stellen, mit den Worten: „Wenn ichSiebrauche, werde : ch S i e sch ou w ieder rufen!" Im Laufe der heutigen VerlMdlnng gab es mehrfach Z u s a m m e n st ö tz e zwischen der Verteidigung und dem Staatsanwalt, beziehungsweise dem Vorsitzenden. Im Verlaufe des Verhörs des Zeugen Dr. Rabner kam .-tarn: hie durch diese, kleinen Konflikte erzmgte SpannuW zum-Ausbruch.' Im Anschluß an die Darlegungen des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.