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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-18 · Heft 2390 (18.10.1925) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2390 (18.10.1925)
Date
1925-10-18
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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•fl* ‘Af/ Seite 10_Wien, Sonntag tzerichtssaal. Sramista Pmfcha ftrigesprocheu. . .Die Mordfmge einsttmmig, die Frage auf Totschlag mit elf Stimmen verneint. Die Geschwornen haben Franziska Pruscha freige- Grochen und durch diesen Wchrspruch klipp und klar zum Ausdruck gebracht, daß sie den Indizienbeweis, mit bom der Staatsanwalt die AngÄlogte überführen wollte, zu einer Verurteilung nicht als ausreichend erachteten. Damit hat der Fall Pruscha sein Ende gefunden. Das Dunkel aber, in das der Tod der Marie Eberl gehüllt ist. wurde auch durch dieses Verfahren nicht echellt. Die veränderte Lage der Leiche und der Schlüsselbund bleiben zwei große Fragezeichen. Franziska Pruscha aber kehrt als Märtyrerin in das Milieu der Köliblgasse 26 zurück. Die Kallinger wird wohl wenerhin steif und fest behaupten, daß nur sie die Mörderin ist. Der Hackenkveuz- Mgling Meiche aber, dessen Schatten das Rätsel des Mor- «des noch mehr verdunkelt, weilt weit vom Schuß. Er ist ^ge- 'ttmfcl" ... * Die Verhandlung begann um halb 10 Uhr mit dem Schlußvortrag des Staatsanwalts, der in seinem Plaidoyer eingehend die Indizienbeweise besprach, auf Grund deren er Franziska Pruscha des Mordes beschuldige. Jemand anderer könne als Täter nicht in Betracht kommen und am allerwenigsten Ernst Meiche, der ein Alibi erbringen konnte. Daß Franziska Pruscha am Tode der Gbev! schuldtragend sei, habe ein Volksgericht ausgesprochen, der höchste Gerichtshof hat es bestätigt und derselben Ansicht hat >auch die RaMammer in ihrem Wiederaufncchmsbeschluß Ausdruck gegeben. Auf diese Zeugnisse könne er sich wohl berufen. lZmn Schlüsse seiner RQe kam der Staatsanwalt auf die Einfdlßnchme der Presse auf den Gang des Vevstchrens zu sprechen. Er w a r n t e die Geschwornen, dem Druck der öfsentüchen Meinung M unterliegen, die, ohne die Sachlage genau zu kennen, die Grundfesten der Justiz zu erschüttern drohe. Nun ergriff Verteidiger Dr. Preßburger zu einer fast dreistündigen Rede das Wort. Er besprach eingchend den Ausbau des Indizienbeweises und kam zu dem Schluß, daß ein solcher nur dann gelingen könne, wem der Staatsanwalt autzuklären vermag, wer die Leiche in eine andere Lage gebracht -hat und wem der Schlüsselbund in-den Pantoffeln der Ermordeten gehörte. Sodann befaßte er sich eingchend mit dem Sachverständigengutachten des Professors Haberda, dem er -UnifchNarteii nicht zubiüigen könne. Der Fall, daß überhaupt kein Mord begangen wurde, könne nicht ganz von der Hand gewiesen werden. Dr. Preßburger befaßte sich daun eingchend mit der -Person des Meiche, den er als den Widrigste« und verabscheunngswnrdigstm Typus des Mannes bczeichnete, gegen chn liegen zumindest öbensoviele Verdachtsmomente wie gegen die Angeklagte Franziska Pruscha vor. Der Staatsanwalt arbeitet mit Möglich- Leiten. ,^Fa, liegt es den« nicht im Bereich der Möglichkeit", fuhr Dr. Preßburger fort, ,^>aß Meiche irgend einen seiner Spießgesellen mit dem Morde betraute? Er hatte ein Interesse, Geld zu bekommen, das die Eberl für seine Liebesdienste nicht mchr in so reichem Maße fließen ließ. Daß sich die Presse, die Trägerin der öffentlichen Meinung, mit diesem Falle beschäftigte, ist ein Ausdruck der Volksstimme, die in de.m Urteil eine Ungerechtigkeit erblickte, die aus der Welt geschaffen werden müsse." Zum Schlüsse feiner Rede warnte der Verteidiger. die Geschwornen vor einem Fehlurteil,! ähnlich wie dies im Falle Katharina Steiner erfolgte. Viele Jahve nach der ungerechten Verurteilung stellte sich erst ihre Schuldlosigkeit heraus. Bor einigen Jahren wurde von demselben Staatsanwalt eine Anklage wegen Mordes vertreten. Auch dort handelte es sich um eine Frau, die von ihrem Manne angeblich erdrosselt wurde. Es stellte sich aber heraus, daß sie eines natürlichen Todes gestorben sei. Nicht meine Aufgabe ist es,-die Schuldlosigkeit der Angeklagten zu beweisen, obwohl ich auch das getan habe, der Staatsanwalt hat die Wicht, restlos die S ch u l d der Angeklagten zu beweisen. Das ist ihm u i ch t g< l u n g e n, und deshalb dürsen Sie, meine Herren Geschwornen, nur einen Freispruch fällen." - Nach einer Replik des Staatsanwaltes und einer Duplik des Verteidigers hielt der Vorsitzende ein einstündiges Resume. Nach einstündiger Beratung verkündeten die Geschworenen durch den Obmann — es war der gleiche wie im Prozeß Roth stock — das Verdikt. Die Hauptfrage auf Mord wurde einstimmig verneint, die Eventualsrage auf Totschlag mit einem Ja und elf Rein beantwortet. Nun wurde Franziska Pruscha hereingeführt und ihr das Verdikt mitgeteilt. Ganz rot vor Aufregung nimmt sie wieder aus der Anklagebank Platz. — Bors.: Ich bitte, Herr Staatsanwalt um den Antrag. — Staatsanwalt: Hoher Gerichtshof, ich bitte um den Freispruch der Angeklagten von dieser Anklage. Möge sie in Frieden ziehen, wenn ihr Gewissen ihr einen Frieden gibt. Ich habe aber noch eine andere Pflicht zu erfüllen. Die Angeklagte ist rechtskräftig wegen Diebstahls verurteilt und es muß nach der Strafprozeßordnung eine- Strafe über sie verhängt werden, da die letzte Strafe durch den Freispruch nicht mehr besteht. — Dr. Preßburger: Ich folge meiner Pflicht, indem ich hervorhebe, daß als m i l- Wiener Morgenzeitung ti• irv-, ’ w'' <v;; r« *. . 1 " d ernd für die Angeklagte Ihre Unbescholtenheit in-die Wagschale fällt sowie die traurige Tatsache, daß sie wegen meines schweren Verbrechens, das sie ' Nicht begangen hat, seit mehr als eineinhalb Jahren alle Qualen der Haft mstgemacht hat. Der Gerichtshof zieht-sich nun-zur-Urteilsberatung zurück. Der Vorsitzende Hofrat Dr. S ch a u p p verkündet dann, daß über die Angeklagte mit Rücksicht auf das rechtskräftige Urteil im ersten Prozeß - . .; wegen Diebstahls eine schwere Kerkerstrafe von sechs Monaten verhängt ist, in die aber die Strafhaft und die UntersilchnUgs« hast eingerechnet ist. Der Vorsitzende verkündet noch, daß die Angeklagte sofort. auf freien Fuß zu setzen ist und dankt den Geschworenen. Die Freigesprochene winkt lächelnd ihren Bekannten im Zuschauerraum zu. Als die Geschworenen ihre Bänke ver- - lassen, ertönen im Auditorium Bravorufe und Händeklatschen. Unmittelbar nach der Verhandlung wurde von dem Sohn der Freigesprochenen ein Autotaxi zum Landesgerichte bestellt. Die Schwester der Franziska Pruscha erwartete sie.,Vor dem Haupttor des Landesgerichtes in der Landesgerichtsstratze hatten sich zahlreiche Neugierige angesammelt um die Pruscha Zusehen. Bei der Abfahrt der Pruscha kam es noch zu einer erregten Szene. UM Aufsehen zu vermeiden, verfügte die Verwaltung des Gefangenenhauses, daß die Freigesprochene bei dem kleinen Tor nächst der Florianigasse das Haus verlasse. Als nun das Auto sich in Bewegung setzte, um vom Haupttor dorthin zu fahren, liefen alle dem Auto nach. Als Franziska Pruscha erschien, schwenkten mehrere Frauen die Tücher und Hochrufe wurden laut. Auch Franziska Pruscha schwenkte ihr Taschentuch, bis das rasch davonfahrende Auto sie weiteren Ovationen entzog. Der Mordprozrtz Froreich. Aus Budapest, 17. d., meldet Tel.-Kvmp.: Die königliche Tafel in R a a b verhandelte heute in zweiter Instanz den Mordprozeß gegen Ernst Froreich, der seinen Schwiegervater, den bekannten Großgrundbesitzer Artur Egyedi, im Schlaf erdrosselt hat. Ernst Froreich wurde vom Oedenburger Gerichtshof in erster Instanz zu vier Jahren Zuchthaus. verurteilt Der Verteidiger berief gegen dieses Urteil. Das Berufungsgericht hat das Urteil der ersten Instanz von 4 Jahren ans 7 Jahre Zuchthaus erhöht, mit der Begründung, daß die Tat Froreichs als vorsätzlicher Mord zu qualifizieren sei. DOROTHEUM Versteigerungs - Einteilung <18. bis 31. X. 1925). Pretloien täglich: jeden China Di Silber* und Chinasilber, jeden II Brillantenu. Perlenscbmuclc im Franz-Saal. QebrauohtaegoRttäada tlgliob im Ludwigetom*,, Kolowrat- und Decbau-Saaljterner täglich ausser Fr im Hoch-Saal, jeden Mi im Glashof. Jeden Di:SohSne Wfisohe,Peze, Kleider, Antfige, Stoffe, Felle; jeden Ml Photsapparate, Objektive, ■Iskroskopo. Releezeuga, Prismengläser. Operngläser, SchreibmasobiaM, Fahrräder nad Nähmaeehlaan im LudwieBtorff->aal. Irden Di, Mi u. kr Möbel, Bilder,Hausbaltungsgegenstinde im Glashof. Jadea Fr : Kuaatgaerarla, Gemälde. Luster, Aniqtititea und Perserteppiche tm Hoch-mal. Jeden Do: Sohdnea Mobiliar, Peraertepplohe, Qemlldn, lauer,, Kanstgsweibt, Varia im Franz* Jo»ef-8aal 363 KuMiauktton: Qemlde des 19. Jahrh. Gemälde alter Meister. Ootsche Tafe'bllder Aquarelle. Handzeichaungen, Miniaturen. Graphik. Antiquitäten, Kunstmobillar, Porzellan. . Oläser.'S'iberschmedearbeiien. Tepp ce Grl niatlka. Mo. den >9. und Di, den 20. X. im Klelmansegg-Saal. Automobil«: Kraftfahrzeuge aller Art. Do, den 22. X., in der Uebernahmseteile für'Kraftfahr* zeuge, Wien, L, Hanuschgasse3, Tel. 71- -31 <Zentralgarage). Briofmaräeajeden Di und Fr: ln Sammlungen. Serien und Einzelstücken im Versteigerung»»»! der Briefmarkenabteilung, VL, Mariahilfentrasse 73. BDehor; Von Do, de» 22., bis Sa, den 24. X.: Austriaca Viennensia. Alte Bücher, Geschichte, Naturkunde sowie von Do.' den 29 bis 8a. den 31. X. Au8triaca.Viennensia,Geschichte, | Naturkunde, Philisophle,MedlMn im Versteigerungtsaal der-Büchrrabteilung, IX., WMrlngcr* itraase L 23. Kleine Kimitauktion: Alte und moderne Oelgcmäjde, Aquarelle Handzeichaungen, Miniaturen, Graphik. Antiquitäten. Gold- und Silbetschmiedearbelten, Porzellan, Gläser. Mobiliar. Textilien. Münzen, Orientalika, Do, den 29. und Fr, den 30 X. im Kieim nsegg-Saal. ScFa Stellung : Montag, den 26. bis Mittwoch, den 28; Oktober von 10 bis halb 6 Uhr MuilUnatt umente: Violinen Violas, Zithern. Mandolinen, Holz* und Blechblasinstrumente, Harmonikas, mechanische Musikinstrumente und Musikalien Fr, 23. X. im Ludwigstorff-Saal, Toohnlaohs Gegenstände: Jeden Mi Maschinen, Werkzeiige, Armaturen, Altmaterial etc. VIII.. Feldqasse 6. Waffen: Jagdwaffen Geweihe Sportausrüstungen, Reltr ,u. Sattelzeuge. Uniformen, Pelze.-Fr. den 30. X. im'.udwigstoj-ff-Saal. Voranzeige! Donnerstag, den 19. bis Samstag, den 21. November 1925' 51. Sonderauktlon Im Franz-Joaef-Saal. Mobiliar, Perserteppiche, Gei» mäde, Aquarelle, Kunst* gewerbe, Antiqui äten. ' Anmeldung guter Objekte werden bis 31. Oktober entgegengenommen. Täglich an Werktagan Schaustellung von 1 Uhr in Beginn der Versteigerungen, wenn nicht anders, vermerkt, um 3 Ohr nachmittags. Näheres durch die „Mitteilungen“ und „Nachrichtenbiätter". Das Dorotheum gewährt Darlehen in jeder Höhe aut Juwelen, Gold, Silber, KunstgegenMände, Automobile, Bücher,- Briefmarken, Pelze,Teppiche, technische Artikel und Gegenstände aller Art. Verwahrung von .. Juwelen, soDellgen Werlgegenetändeo ged"' In der Hauptarisialt!.. Dörotheei gasse 17. sowie in ■ allen’ Aweig-- •4 4 1 , anstalten „ .i 18. OÄ-olber IM Nr. 2390 ... 1 .... ....^; Nolkrwiü. Sie Fata Morgana bei russischen Fuben« lolotiiiotien. Die russische Regierung versucht in der letzten ZM M allen Mitteln, ausländisches Kapital für Rußland zu inter-' essieren Sie Iveiß ganz genau, daß die Juden in den kapita- ' listischen Zeniten des Westens ebenfalls manches Wörtlein mitzusprechen haben. Da sie diese unbedingt für sich günstig stimmen möchte, beginnt sie in der letzten Zeit in einer ab» sonderlich lauten Weise das Projekt der Kolonisation' russischer , Juden in Rußland iw Anslande zu propagieren. Es ist interessant und veihient Hervorhebung, daß maßgebende Kreise der. russischen Regierung von diesem Projekt keine Zlhnnng haben, Als Tschitscherin von jüdischen Journalisten in Warschau über, diese Projekte befragt wurde, konnte er erst nach Recherchen r. seinerseits nur unklare Antworten geben. Dafür aber wissen, manche rnssisäjeu Gesandten cttvas mchr über solche Kvlonisa-.. tionspläne zu berichten. Namentlich der Sowjetgesandte Polens - scheint besonders gut informiert zu sein und hat sein Wissen über diese Frage in einer Pressekonfereniz den polnischen Journalisten Warschaus auseinandergesetzt. Daß gerade der, Gesandte Wojko-v in dieser Sache so genau Bescheid weiß, hat vielleicht in gang besonderen Motiven seine Ursache. Rußland weiß genau, daß aus Polen die Nachrichten über die Bchandlung der Juden Rußlands nach Amerika kommen. Die jüdische Presse Polens kann wertvolle Dienste für die soivjetistische Werbearbeit beim amerikanischen Kapital leisten. Also wird gerade dort der Plan der jüdischen Kolonisation besonders eingchend vorgetragen. Es soll nicht, bestritten tverden, daß es die russische Regierung vielleicht gerne sehen nwchte, wenn ein großer Teil der russischen Juden sich der Landwirtschaft zuwenden würde. Es geschicht dies aber beileibe nicht, wie den jüdischen Journalisten plausibel zu machen versucht wird, aus reinem Mitgefühl für die Wirbschastslage der Juden. Es entspricht dies viel eher der joivjetfftischen Wirtschaftspolitik, welche aus diese Art einen Mittelstand, wie er vielleiäft aus der Mischen Bevölkerung Rußlands erstchen könnte, von vornherein unmöglich machen will. Schließlich sind doch von den 2,800.06V Inden, welche in Rußland leben, 35 Prozent Handivevker nnd nicht weniger dem Kaufmannsstande zugehörig. Es sind allerdings ProletarierexisleMn, die sich aber oventuell doch nach Stabilisierung der Wirtschastsvechältnisse zum Mittelstände herauskristallisieren könnten. Dies müßte von vornherein vechindert werden. Gerade der jüdische Handiverker könnte in einem wirtschaftlich konsolidierten Rußland bei dem intimen Zu- - sammenhange Mischen Bauerntum und Handwerkertum ungeheuer diel leisten und sich wirtschaftlich vollkourmen regenerieren, zumal da doch die Juden jetzt nicht mchr an die Ansiedlungsrayons gebunden sind und Freizügigkeit genießen. Zweifellos würde sich der jüdische HMdwerkerstand glänzend erOvickel-n können. Es . wäre auf keinen.Fast Me-UmwcMlM,, zum Agrarier notwendig, wenn Rußlands Wirtschaft sich, normal entwickeln würde. Der Gedanke der jüdischen Kolonisation in Rußland entspricht mchr den Gedanken fowjetistischer Wirtjschaftsideologen als ernstem Streben zur Lösung der Judenfrage in Rußland. Es darf nicht vergessen werden, daß jüdische Ackerbaner auch schon vor dem Kriege in schr großer Zchl in Rußland vschänden waren, und daß ebenso wie alle anderen Mischen Wirtschaftsschichten auch die Mischen Bauern durch die Sowjetwirtschast zugrunde gerichtet wurden. Auch der Plan der Kolonisation jüdischer Bauern in Rußland ist schr alt. Abgesehen von der Krim sind auch in anderen Teilen Rußlands schon vor langer Zeit erfolgreiche Kolonisations- ' versuche unternommen worden. Wenn diese aber mit der 'Zeit im Sande verlausen sind, so lag dies nicht an den jüdischen Kolonisten, sondern an der zaristischen Verfolgung und anderen Ereignissen, die die Früchte der Mischen Kolonisation im Laufe der Jahre vernichteten. Den jetzigen mfsischen KolonisationsProMen fchlt jede richtige Grundlage und jede tatsächliche Erkenntnis der Verhältnisse, -welche die Gewähr dafür bieten könnte, daß eine jüdische Kolonisation Erfolg haben könnte. In ihrer heutigen Form sind die Projekte nichts anderes als Agitations- Mittel, zur Beeinflussung der ausländischen^ Juden berechnet. Nach den sowjOistischen Enunziationen sind von. den 2,800.000. Juden Rußlands 860.000 Einwohner in den wirtschaftlichen Einrichtungen der Sowjetplanwirtschaft beschäftigt.- 100.000 Inden sind im Ackerbau tätig. 'Davon war die. , Halste beredts vor dem Kriege Ackerbauer, während, sich die zweite Hälfte erst nach dem Kriege dem Ackerbau gvwidmet hat. Dieser Drang der Inden zum Ackerbau erklärt sich daraus, - daß sich tatsächlich die Bauern eine gewisse Unabhängigkeit von den Sowjetverfügungen bewahrt haben, und daß infolgedessen die Juden sich den Verfolgungen der Wivtschaftsbchövden durch die Flucht zum Ackerbau entwichen möchten. Die Sowjetvvgie- Mng rechnet allem Anschein nach mit diesem Umstand und hat auch.demgeumß ihr Kolonisatioinsprojekt aufgebaut. Sie scheint erst im vorigen Jahre mit diesem- Projekt ernstlichbegonnen zu haben. In folgenden Gebieten soll Kolonisationsboden zur Verfügung gestellt werden: Ukraine (36.000 Deßjatinen), Chersoner Gouvernement-(12.000 Deßjatinen), Kriworoger Gebiet (5000 Deßjatinen). In Cherson sollen mit der- Zeit 26.000 Juden angesiedelt und Mi speMjüdische Administrationsgebiete geschaffen werden. In Weißrußland sollen 10.000 Deßjatinen beigestellt werden. In der Krim, die an- - geblich nach - dem Projekt der amerikanischen Juden an die Stelle der Kolonisation Palästinas treten - sollte, sind für diesen Zweck bisher' nur' 8920 Deßjatinen zur Verfügung ge--'.. i stellt worden. Bekanntlich wußten die amerikanischen Blätter 9990

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