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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-18 · Heft 2390 (18.10.1925) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2390 (18.10.1925)
Date
1925-10-18
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Sk. MO Wien, Sonntag SSiettet MorrKenzeltitns too* KownisattonSplänen zu berichten, wonach für diesen Zweck in der Krim, 66.000 Deßjatinm von der russischen Reßiemng zur Berifiügung gestellt worden seien. Doch selbst wenn dt« russische Regiemng erklärt, daß im'Lause der Zeit noch 32.000 DeUatinen in der Krim hiWvkommen sollen, so ist die vorerwähnt« Zahl noch immer nicht erreicht. Gegenüber der KolmvisationSmöglichkett der Krim, NEentlich des wöstlichen Teiles derselben, sind 40.M Deßjcvtinen nichts. Es scheinen hier mit diesen falschen Nachrichten gewisse Zwecke verfolgt worden zu sein. Die russische Regierung soll den Plan hegen, nach dem Projekt des Kolonisationskomitees in Mg Rußland 1004)00 Dehjatinen diesen Zwecken zu widmen. Trotz der großen Reklame, die für die jüdische Kolonisation auch in Rußlaatd geschlagen wurde, zeigt sich, daß di« russischen Juden aus diese Idee nicht etngingen. Es wurden- Rvgistriovunigen vorgoschrieben. Nach diesen sollten alle für Me Kolonifation in Betracht kommenden Inden freiwillig registriert werden. Es scheint aber, daß die russischen Juden dem Projekt nicht viel vertrauen. Es sollen im gangen 22.857 Personen mit 1*12.000 Seelen eingetragen worden sein. Dabei gibt die russische Regierung selbst zu, daß die Juden sich aL4 Kolonisten sehr gut bewähren und daß sie die Kvisenjahre der Wirtschaft ausgezeichnet bestanden hätten. Wenn die russischen Juden sich dennoch diesen KolonistionSprojekten gegenüber kühl verhalten, so liegt dies in erster Reche darin, daß die richtige Finanzierung dieser KblonssatiansproMe schtt. Die russische Regierung rechnet damit, daß schon bis 600 Dollar genüget:, um die Kolonisation einer Familie ldurchzusichren. Schon diese Rechnung ist verfehlt, da die Kolonisten gewöhnlich mittellos, der Boden unbearbeitet ist, und'600 Dollar kaum genügen können, um die Wirtschchsgebaude, das lebende und lote WirtischaftSinventar, und di« iilbrigen Aufbauarbeiten zu bewältigen. ES handelt sich in den meisten Fällen um Grundstücke, die früher Großgrundbesitzern gehörten, die fern von den Verkehrswegen sind, zu welchen erst neue Straßen angelegt werden müssen, und die als Bvachlawd eine intensivere Bearbeitung benötigen. Die Herstellung der Wege verMngt ungeheure Mittel. Mit 600 Dollar kann lange nicht das AnSkomuren gesunden werden. Dahei hofft die Kolonisationsgesellschast, durch Beiträge aus dem AuÄande den größten Teil dieser Mittel auszutreiben. Ihr Optimismus äußert sich darin, daß sie damit rechnet, daß bis zum Jahre 1028 vom Ausland nicht lreniger als 6 Millionen Dollar für diesen Zweck zrtsammengebracht werden sollen. , Man.kann es leicht verstehen, daß Rußland diese Summe benötigen würde, eS ist aber fraglich, ob wirklich damit daS jüdische Problem Rußlands gelöst werden könnte. Dabei sollen alle Kolonien verstreut sein; darin liegt die Gefahr der Isolierung, die nanreutlich dann dringend werden kann, wenn bei eventuellen politischen Aenderungen die früheren Besitzer. die jetzt eypropriiert sind, irgendwie wieder in ihre Rechte eingesetzt werden und dann den Juden, welche aus diesen expropriierten Grundbesitzen wähnen, ihre Grundstücke nehmen würden. Das Höchstprogramtn geht darauf Ms, .baß im Jahre 1026 10.000 Familien, also 60.000 Juden, angesiedelt werden sollen. MS Programm ist die Sache wohl imposant; wer aber genügend Kolmrssattmserfahrung besitzt, kann leicht ersehen, daß eine solche systemlose Kolonisation unmöglich in diesem Maße dmchgefühvt werden kann. Doch seMst wenn dies der Fall wäre und schon 50.000 Juden neu angesiedelr werden würden — bei der vorerwähnten Abstinenz der russischen Juden ist dies fraglich —, muß doch gszweiselt werden, ob damit endgültig daS Mische Problem MßlandS gelöst werden könnte. In naiver Darstellung erklärt der russische Gesandte, daß durch eine solche Kolonisation der Antisemitismus Rußlands zmn Schtvoigen gebracht werden könnte. Den Juden gelht cs nicht in erster Reihe Uinr die Stillegung des An-tisemitisnms, mit dem sie sich seit Jahrhunderten in Rußland abzusinden haben, sondern um die Lösung des russisch-jüdischen Wirtschaftsproblems. Durch mopistische KÄon'isationsprojMe kann aber dieses Ziel unmöglich erreicht werden. Der Zweck ist allzu durchsichtig, als daß man eine solche Kolonisations,iltopi-e' ernst nehmen sollte. Mische Muftrielle in SMchliuid schasse« llntrroehmungen in PalMm. Berlin, 14. Oktober. (I. T. A.) Unter Vorsitz des Herrn Julius Rath fand am 7. d. in Essen eine Sitzung der Kooperative Low-Haemek, die sich aus Grundstückbositzern in Afuleh zusamMnseht, statt. Die DirEorett der Meschek-Gesellschast, die HerrenKutzenokundGepst e i n, erstatteten Bericht ülber die begründende Palestine Farmer Bank. Es wurden gleich für 500 Pfund Aktien gekauft. Am 9. Oktober fand in Düsseldorf eine Versammlung jüdischer Industrieller statt, in der Herr Ing. Kutzenok die gegenwärtigen Handelst und Jndustriemögüchkeiten in Palästina schilderte. Zwei Personen kauften noch am selben Abend Paläftinaboden für 4000 Pfund. Auch hier wurde gleich mit dem Aktien-kauf begonnen. Die Kainpagne für die Farmevbank im Ruhvgebiet führt der Bovste-her der Gesellschaft Meschok, Herr I o s e f s b e r g, der augenblicklich das Ruhrgebiet intensiv bearbeitet und bereits einen größeren Kreis gewonnen hat. Da'S Interesse der jüdischen Grotzkaufleute in Deutschland für die Entwicklung der Industrie in Palästina wächst mit jedem Tage. Demnächst übevsiedelt Herr Leo Krummholz aus Hamborn nach Palästina. Er ist von mehreren Personen im RuhrgÄiet, 'besonders aber von den .Herren Leo Fuchs und Karl Hermann, bevollmächtigt, die nötigen Schritte zu unternehmen, um einen Teil ihrer Fabrikation nach Palästina zu verlegen. Bor allen' Dingen wollten die genannten Herren mit der Herstellung von Adotorrädern und Deinen Automobilen ansangen. _ Pvwaiverkehr aus dem Geldmartt. Im heutigen privaten Weiktenhanhel war mtt Mcksscht «is' den Abschluß der' Verhandlungen m Locarno eine feste Tendenz-zu verzeichnen. Gesteigertes Interesse zeigte sich nach Julisüd, Alpine uvd tschechoflüwakische Werte. Doch blieben die Umsätze ohne Bedeutung. Das Deckungsbedürsnis der Kontermme nach BeeMgung des (Streiks bei der Alpine bewirkte einen empfindlichen Stückmangel in diesen Effekten, so daß diese Papiere nur mit be- «deytenden Konzessionen gekauft werden konnten. Am Geld- Markt ist die Nachfrage nach wir vor gering. Die Wochenprvloügalian konnte sich infolge des größeres MgeboteS leicht vollziehen. Der Diskontsatz blich vw 10 bis Prozent unverändert. Di« Bewegung aus de« valutemuMte. Der Abschluß der Verhandlungen in Locarno war eine kräftige Stütze für. die- Währungen der Weststaaten. Nach dom gestrigen Rückgänge bewegte sich die Devise Paris wieder auswärts. Der ftanMvomtdeum - Bankabteilung Wien, l. Dorotheergasse 17 18. Oktober 1922 ^Seite 11 sche Franken stieg in Zürich von 23.16 auf 23.30. Auch die Devise Mailand besserte sich von 20.80 auf 20.90. Leicht abgeschwächt war der polnische Zloty, der sich von 86 aüif 84 er- »väßigte. . Insolvenzen., Der, Konkurs wurde über die Firma Otto Kurth u. Co., Frohwent u. Söhne, 16. Bez., Mbrechtskreithgasse 35, eröffnet. — Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Meier Du hin cky, Uhrmacher, 19. Bez., Billvothstraße 24; über Johann Bernleitner, Kaffee- Hausbesitzer, 16. B-ez^. Leegasse 8-2; über Stelle Merksamer, Geschüstsfrau^ 5, Bez., Mavgareteustraße 78; über Elsa Heller, Gemischtwarenhändlerin, 19. Bez., Schegaristraße 18. und Joses L uka, Kaustnann in Neulengbach. . Die ungarische , Gemeinheit 12*500 Papierkronen. Aue Budapest, 16. d., wivd gemeldet: Freitag smw eine Ministerratssitznng statt, welche den Beschluß faßte, die neue Gevdeinhett 18.600 Papierkronen gleichzustellen. Bezüglich ilner BeneMUng wird ein am Montag zusammentretender, außerordentlicher Ministerrat entscheide:!. Für Montag wurde übrigens auch die ErfparMgAommission einberufen, die, sich mit der Regelung des Status der öffentlich Angestellten, beschäftigen soll. Das neue Geld tritt am 1. Jäner,1936 in Geltung. Doch bleibt die Papierkrone bis Ende des komlnenden Jahres in Oerkchr. Produktenbörse. Im Gegensatz zu den letzten Tagen eröffnet« der heutige Verkehr etwas lebhafter. Weizen und Gerste Weben gesucht, während Roggen und Mais unter einem stärkeren Anbot, litten. Es notierten: W e, * en. Inländischer •57 50 vttz 39.- Ungar. Ttie'tz?v/80, Kilogramm 41.50 bis 43.—., -Ungar. 88.50 bis 40.60, Jugoslawischer 76MvMmm —bis —, Jugoslawischer 77/78 Kilogramm bis —. Roggen: Inländischer Marchfelder 29.25 bis 29.50 Bester Boden 38.25 bis 28.75 Gerste Brauware inländische ^5.— . bis 48,— böhmische mährische —btS —. Mais. Unga» . rischer 39.— bt8 30 —. C i n q u a n t i n 4L— bis 43.—. . Haler Inländischer 29.-- bis 81.—. Reis Italienischer 80— bis 82.—, IButmö 63.— bis 05.—.Mablvrodukte Grieß inländischer 74.— bis 76.—, Weizenmehl 0 inländisches 70.» bis 73.-,Kochmehl 2 inländisches 63.- bis Sb- Brökmehl inländisches vrima 60.— bis 63.— verttaer Börse. 17. Oktober. Der Abschluß des Sicherheitspattes war für die heutige Börse eist krästtgeS Belebungsmittel. Besonders stark waren Industrie- und Montau werte gesucht. Die Kursgewinne betrugen durchschnittlich 2 LiS 3 Prozent. Es notierten: Oest. Kronenreme Una. Kroneurente —.—, Una. Goldreme —. Türkenlose 22.85 Süd. Lombarden alt, —.— Oesterr. Staatsbahn 22.25, Darmstädrer Bant 106 60. Deutsche Bant 109.—. Dresdner Bant 100.75 Oesterr. Kredit 7.12, Oesterr^ Läuderbant r-.—. . Retchsbank 137.75, Wiener Bmkverein 5.12 Unlonbank 7.12 Daimler Motoren 86.75. Dhnamit Nobel 80.50, Felten & Guilleaume 112.75. SieSeuifenturft. Zürich» 17. Oktober. (Devilenturle von 12 Uhr.) BerUu 1L3.50 ,183.48). Holland 208 50 (208.45,, Revchork 519.80 ,518.7b). London 25.12 (26.107*), BanS 28.3Ö (23.15), Mailand 20.90 (20.80,, Brüssel 28.76 (23.60j, Köpenvagen 180.- f 129.50), Stockholm 138.87 ,188.8b,. Oslo 105.75 (105 50). Madrid 74.45 ,74.87',,,. Buenos Aires 218.50 (213.50), Prav 15.877, (15.85,, Budavest 0.007260 (0.007260,, Bukarest 2.47V, (2.60), Belgrad 9.227, l9.227„. Sofia 3777, (3.777,1 Warschau 84— (85.—), Wien 73.10 (78.15) für 100 Schilling. Buöupest, 17. Oktober. (Devisenkurse — Eigenbericht.) Berlin 16.990, Amsterdam 28.670, Koverwagen 17.880. Stockholm 19.100, New-Iork 71.840. London 345.500, Paris 3208 Brüssel 8207. Prag Alb, Belgrad 1265, Bukarest 839.— Warschau 11.760 Men 10.046. Sofia 521. Mailand 3879. Zürich 18.750. Marschau» 17. Oktober. (Devisen.)Belgien—.— bis—.—, Berlin —bis —, Holland 24060 bis 34180 London 38.98 bi» 29.18, New-Aork 696.-- vir 600.- Parts 26.92 bis 37.07. Schweiz, 115.48 bis 116.08. Budavest bis Prag 17.73 bi, 17.88 Men 8489 bi» 84.81 für 100 Schilling, Italien —bis —. Stockholm —bis — — Bukarest — — bis — Copyright 1924 by 39 Fortsetzung. Kurt Wollf Virtig A.<0. München Nachdruck verdoirn. -rn Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. Dann wieder miete ich mir drei Ghinesen mit besonders gelben und bösartigen Gesichtern, fetze sie an einen Tisch und lasse sie auS auffallenden Opiuinpfeifen rauchen. Ich instruiere sie, vorübergehende Mädchen anzu,stieren, die sich in Wahcheit auch vor ttmse-Nid Chinesen nicht fürchten würde«. Auif meinen Mnk aber fahren «sie zurück und kreischen entsetzt. Zu unseren Besuchern gehörte ein besonders zierliches Ding, die wir Millie, che Strvh" nannten. Sie hatte die Gestalt und' die Größe einer Zwölfjährigen und ein mageres Gesicht mit tiefliegenden Augen, die den Eindruck des Mädchenhaften noch verstärkten. Millie war Feuer und UamM. Als sie den Tisch der Chinesen passierte, sprang einer von ihnen auf und legte seine langnägeligen Finger um ihren Nacken. Sie wich zurück — natürlich nach der Mitte des TanzsaaleS, damit die Zuschauer nichts versäumten — und allem Anschein nach erwürgte hier ein Chinese ein MA)chen von zwölf «Fahren. ES war ein schönes, sadistisches Bild. Schließlich schleuderte der Chinese das Mädchen zu Boden, wo es in einem formlose n Haufen liegen dlieb. Sie schrie: „Nicht umbringen, Lei Tschih, nicht umbringen. Ich bringen das Geld alles nach Hause!" Lei Tschih war ein intelligenter Bursche und sprach Englisch ziemlich perfekt, jetzt aber radebrechte er Pidschin- Gnglisch. ,Me kille« lou, me flllee lou." — Ich dich töten, ich dich töten! — ,Ming alle« timee allee money, no flöget, me kille« lou." Ich arrangierte PolizeirWien, veranstaltete Streitereien zwischen zwei Mädchen um einen Mann und andere Unterhaltungen für das leichtgläubige Publikuin. Hymie ist glücklich. Er hat jetzt einen glatten Weg fettä fehl« medizinischen Studien vor sich, Untevdesseil stet Lavelles Lokal für ihr eine Klinik dar» Er versucht sich ui das Vertrauen der Mädchen einzuschmeichckn und die Ursachen ihres Falles zu ergründen. Er hört manch« voman- Mche Geschichte, meint aber, nur ein Mädchen habe ihm die Wahrheit gesagt, und das fei Billie gewesen. Sie gab als Grund ihrer Benommenheit Neugierde an. Cr machte sich Notizen über die Mitteilungen der' Ndädchen, die Hauptthemen ihrer Gespräche, über ihren Geschmack und ihre Manieren, und kam zu dem Schluß, daß die Mchrzahl der Mädchen aus anständigen Familien stammten. Er sagte, er versuche ihre psychologische Jndexnummer herauszufinden. Als Ergebnis seiner Untersuchungen in Lavelles Restaurant im Verein mit den später jahrelang fortgesetzten Expermrenten in der gynäkologischen Klinik kam er zu dem Schlüsse, daß leidenschaftliche Frauen niemals Prostituierte werden. Er erklärte, daß die ekstatische, vibrierende Qualität des Liebeslebens einer leidenschaftlichen Frau ihr so heftig fei, daß sie sich nicht wahllos verschenken könne. Nur die Frau, behauptete er, der körperliche Beziehungen nicht schön und glorreich erscheinen, findet es leicht, ihren Körper leichtfertig zu verschenken. 7. Es war läng« nach Mittag. Ich schliqs schwer nach einer langen Nacht in Lavelles Lokal. Durch meine Ttäume schwebte die Gestalt Esthers, stets über mir, stets mir entfliehend. Ich wurde von hartem Klopsen an der Tür langsam tvvch. Das Klopfen dauerte an» Mutter war weggegangen, so daß ich selbst ausstehen mußte, Mi die Tür zu öffnen. Es war Dopie Jkie mit der Nachricht, daß mich ein paar Kerle in. Tatterst Cafe sehen wollten» Ich kleidete mich an und stieg die Treppe hinunter. Auf dem halben Wege sttetz ich mit „Lillie, dem Quälgeist" zusammen. Ich vergaß ganz die Botschaft, die mir ausgerichtet worden war und packte Mi« in meine Arme. Sie fragte mich, was ich denn tue, machte aber keinerlei Anstrengungen, sich meiner Umarmung zu entziehen. Ich - sie: Meyer, hier werden uns die Leute sehen.",,. Ich saßt« sie an der Hand und führte sie d«ie Treppe hinauf, und als ich an meiner Dur angekommen war, fragte sie mich: „Wohin gehen wir denn, Meyer?"... LMe hatte den Ehrgeiz, auf die Bühne gehen zu wollen. Sie hatte gehört, daß ich Manager von Lavelles LM war, und das hatte einen tiefen Eindruck aus sie gemacht. So sagte ich ihr, daß ich Lust habe, mit ihr über die Möglichkeit eines EngageMnts zu reden. Sie betrat die Wohnung mit mir. >Jch verschloß die Dur und sie sagte nichts. Sie stand zitternd neben dem Tische. Ich betrachtete ihre goldene Lieblichkett und mein Gehirn begann zu tanzen. Mix ein Gedanke kam mir: ich dachte an Hymies Theorie. Ich hatte die Psychologische Jndexnummer Lillies entdeckt. Ihre Augen waren halb geschlossen, und «sie atmete heftig. In mir war stets der Egoist obenauf, und so rief ich: „Lillie, liebst du mich?"... Stoßweise entrangen sich die Worte ihrem Munde:,Meyer... Mher, hast du mich lieb?"... Mr faßen aus dem Sofa. Lillie versuchte mit mrvosen Fingern ihr Haar zu ordnen. Tränen rannen ihr über daS brennende Gesicht und sie zitterte am ganzen Körper. Sie wendete ihr Gesicht ab von mir. Ein Klopfen an der Tür. Lillie schrak zusammen; ich hielt ihr rasch Mine Hand vor den MNnd und rief: ,Mer ist denn da?" ... ,/<Jch. bin's, Dopie. Hab' ich dir nicht gesagt, daß ein paar Kerle aus dich warten?"... „M right. Sag' ihnen, ich komme gleich." 8. Talkers Cafe liegt an der Division Street, Mserem kleinen Platze gerade gegenüber. Es ist ein Techaus,Hin Rendezvous aller Freidenker des Ghettos. Awrum, Davr« und Hymie sitzen um einen Tisch am Fenster. Ich setzte mich zu ihnen und blicke aus den gepflasterten Platz hinaus, auf dem «S von Halbnacken Kindern wimmelt, die in de, heißen Julisonne spielen. Hymie blättert in einem dicker Lehrbuch und Davie schreibt auf die Rücksette einer alter Speisekarte. Awrum betrachtet Davie mit ^äuMicher Augen. DaS Lokal ist voll redender, gestikulierender Men» schen. Fortsetzung folgt.) 1952

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