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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-18 · Heft 2390 (18.10.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2390 (18.10.1925)
Date
1925-10-18
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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» Nr. 9600 Men, Sonntag M je mv M vn* u *' ’n? * m '£>$'.** a* 10r?5 'Seite 7 Mäntel aus gutem Ve löUt,l«S«l)tf'ÄS*Ö § ti. p$\mtbrM. S 7S.es S LS. Män e aus guten Mödtstoffen, Öenre, S 40, 3o s »9 muss warm angekleidetein. Mäntel au* gutem Flaust . . .ab S Mflnte aus feinem Ve our . - ab S »»•— M nte< m t Haube aus bestem .. TVddybätplÜgeh . . . . . , 8 Tanrklelder aus Crepe de Chine gb o Pyjamas aus Velv tln ab 8 19.90 Mäntel aus ms tfasiertem Modeveiettr, fsiilttekt watteliert uddpelzverbfämt 5 129, 118 Mäntel aus nocnfelnem Es- Imo und reicher Pelzverbraimiflg K 16S. 148 L 129. Mäntt I aus schwerem Wtoter-Otfoman, lim# Crepe de Chine geiütter. L 180, 176 L ISO.-?■* Mäntel atfs orig. engl. Stöff n. Seide gefü'terf, relaende Sport* (\ modelte, s 128, 115 " S 92 BaektischWeidung In ahl »sicher Auswa Mäntel. Modelle aus Zlbelin, Malö u, reiche Edetlelltrerbrämung $ 290. 235 S 179. 1 Mäntel aus Teddybär 8 139,11», aus v Ima Mohihpiaseh, ganz gefuttert u l^wati<nart Pelxmäntai aus Elektrik, kompl tt gearbeitet, S 280, 220 1 199.- Peiamähtel aus ausgesuchten sea -blök rlkfellen und Crepe w\< de GhlttvFuter 8 850, 480, 2 290.“* MOOfN-PAlA/S KATSERSTR Bf nützen Sie Infolge des grossen Andranges auch den Vorm, tag «tm e-ifikauf f Elfte Bitte! Enorm» Auswahl efMkt sslger Modelle, vornehmer , ComoteU Kos Urne und Kl ider Ltt Wiener „KM". In Wien sind seit dem Umsturz — man weiß es -- 'Köttsustünen eingetreten. Und es gehört, tvie die Genossenschast der Kaffeesieder versichert, zu den bedauerlichsten „NachkriegSsolgen", daß in den Restaurants Mokka „ausgeschenkt" wird, was man zu Kaiser Franz Josefs Lebzeiten nie hätte erleben müssen, Aber die „Genossenschaft der Gastwirte" weiß sich zu wehren: „Wenn bei uns", entgegnet sie in Fechterstellung, „Mokka Alt Unrecht ausgeschenkt wird, so werden bei euch, Kasstesteoer, Frankfurter und Bier zu Unrecht verkauft." Der Hieb sitzt, Aber schon holt die Genossenschaft der Kaffeesieder zu einem neuen Schlüge aus: „Rur Mokka? Rein, auch weißer Kaffee, auch' Tee und Schokolade wird bet euch, Gasts wirten, zu Unrecht verschleißt, Das sind unsere heiligen Rechte, seit des durch die Türken eingeschleppten ersten Wiener Lase! Wir schwören es beim heiligen Halbmond!" Die Restaurateure parieren unerschrocken und todesmutig: „Ihr seid die Lieblingskinder der Behörde, ihr dürft bis spät nachtS offen halten, wir müssen um elf Uhr schließen. Das Recht auf die Eierspeise muß uns bleiben..." Da muh aber die Behörde, die „Konzessionen" gibt und nimmt, eingreisen. Diese Angelegenheit ist nämlich erstens von höchster Bedeutung,' zweitens überaus kompliziert. Die Wiener Kasseesteder haben das Recht auf Frankfurter, andererseits haben sie das Recht nicht. Ebenso haben die Wiener Gastwirte das Recht ans den Schwarzen, und andererseits haben sie das Recht nicht. Die Konzessionen sind individuell. Cs gibt aber sicherlich Kaffeesieder, die urkundlich Würstel verkaufen dürfen, während es andere Kasstesieder aibt, die ganz einfach Eierspeisen zubereiten, ohne die behördliche Bollmacht erhalten zu haben. Der Magistrat, als politische Behörde erster Instanz, im Übertragenön. Wirkungskreise, kann diesen Unsug nicht ruhig mitansehen, Dies wäre pflichtvergessen. Er kontrolliert also während eine Novelle noch der anderen zwecks „Entlastung" der Aemter fein säuberlich ausgearbeitet wird - Loses und Gasthäuser. Inspiziert die Frankfurter und die Eierspeise. Und wenn man schon beim Kontrollieren ist, kann man auch gleich mit anderen Schlampereien ausräumen: „Halt, haben denn die Lasetiers das Recht, Weißgebäck zu verknusen?" Und schon erwachen die Bäcker und sticheln die Behörde: „Das Weißgebäck den Bäckern!" Rammelt Grenzsteine und Pflöcke zwischen Mein und Dein, zwischen mein Reich und dein Reich. Der sogenannte Gast läuft Gefahr,, weder im Cafe uoch im Restaurant irgendwie verköstigt zu werden, aber die Zunft siegt, die Konzession lautet aus. . . KvnirMlemt wir weiter: Hat der Kasseesteder auch das Recht» Zündhölzer sreigiebig anzubieten? Was steht darüber im Gewerbeschein? Welcher Paragraph seines Vertrages hat ihn ermächtigt, Kalbsbraten und grüne Fisolen zu verabreichen? Wie, der Restaurateur' läßt Zeitungen auflegen? Da muß das KafscehaUsgewerbc zugrunde gehen. Hat-man mit dem Inspizieren begonnen, kommt man nicht leicht zu Ende. Es geht nicht an, daß andere Gewerbe ruhig darauf los verschleißen, während der Kaffeesieder in die Zange genommen wird. Es gibt unredliche * Konfektionäre — das Wort. ist nicht zu scharf —, die Maß nehmen. Man denke nur! Obgleich ein, Konfektionär, wie Hon der Name sagt, Kleider nur im fertigen Zustand verkaufen darf. Natürlich gibt es auch hier Konfektionäre, -die dieses Recht haben: das sind die Konfektionäre, die sich auf den Erlaß von 1907 stützen können. Die das Recht vor 1907 erworben haben Die späteren maßen sich das Recht, Maß nehmen zu dürfen, widerrechtlich an .. ./ Wie steht e8 über, wenn die Kundschaft ihre Maß-- und Gewichtsangaben mitbringt? Darf der Konfektionär dann den Anzug „nach Maß" liefern? Darf er die. Maßangaben der Kundschaft in eigener Regie zum Schneider tragen, den Anzug in eigener Regie bestellen und, fix und fertig, liefern?? Der Magistrat wird entscheiden. . . D—N. Melodie — (er trällert): „Man sucht ein kleines Schätzchen und dann,.Das ist der neueste Modeschlager. Frau Tonnenu (hobt die Augen zum Himmel): Modeschlager! Diese.Habenichtse! Tonneau: Na, wir haben wenigstens auch was davon. Das „Schätzchen" ist zu Ende. ' Kurze Pause. Dann beginnt das „Schätzchen" von vorn. Ton nea u: Biel Abwechslung fcheint's da nicht zu kleine SchStzchen. Herr Ton mau, der sich während des Krieges durch Lieferung von zweifelhaften Konserven für die Armee ein BermöM erworben, hat sich auf Hügel, dtt das ganze Seinetal beherrscht, eine Billa von geradezu unanständiger PNücht erbauen tessen. . Herr Tonneau und seine Gattin, die ursprünglich Kassierin in einem Eier-- und Butterladen gewesen, bespritzen, wenn sie in ihrem Auto vorÜ'.ersahren, die bescheidenen Nachbarn mit Lehm oder hüllen, sie (je nach der Witterung) in Staubwolken ein. Am Ufer des Flusses wohnt in einem netten Hänschen ein Mater namens Ponlard. der durch den Kubismus zu einem Vermögen gekommen ist. Seitdem die Schieber ihm die Landschaft durch ihren frechen Bau verdorben haben, hat er nicht ausgehört, vor Wut zu toben. Daher begibt er sich eines Abends, eilte Schachtöl unter dein Arm, zum KleiHäusler Furet, dessen Hätte dicht neben Tonneans stolzer Billa liegt. Ponlard: Lieber Furet, da bringe ich Ihnen ein kleines Geschenk für Ihren Buben. Alte Fnrets scharen sich um den Künstler, der der Schachtel ein Riefengramniophou entnimmt. Die Kinder quieken vor Freude. Furet dankt verwirrt. Bet de» neuen Reichen. Herr Tonneau sitzt nach einem ausführlichen Abendessen auf der Terrasse seiner Billa und zieht selig lächelnd an einer Bauchbindenzigarre, wahrend sich seine Gattin vergeblich mit'einein Krenzfüslrätsol abplagt. Herr Tonnean (den Kopf plötzlich seiner Frau znwendend): Hörst du? Man möchte fast glauben... Ja wirtlich! Ein Grammophon. Wo kann das stecken? Frau T o n n e a u (nachdem sie gelauscht): Ich weiß schon: Bei den Fnrets: Und solche Leute spielen! das kleine Schätzchen! To nneau (achstlzuckend): Wenn das nicht empörend ist! Leute,'die Nichts zu'beißen und Nichts zu nagen haben. Aber sie kaufen sich ein Grammophonl Fra u T o n n e a u (mit beleidigter Miene): Ich haben ihnen bis jetzte-die Kartoffel geschickt, die begonnen hüben, ausjiNvach'sttt. Jetzt bekommen sie nichts mehr. Tonneau (mit Genuß lauschend): Ist das Et, die Wieder <ltu Pause. Meder das Schätzchen. T o n n e a ite Roch einmal. Haben sie denn leine anderen Platten? Das ist ja nicht auszuhälten! Beim zehnten ,Schätzchen" haben die Tonneaus feuerrote Gesichter und zittern vor Wut. Tonnean erhebt sich mit wilder Entschlossenheit: Ich werd' ihn mir einmal ausborgen, diesen unverschämter Kerl. Bei den Fmrts. Alle umistelhen die Kommode, auif der das ' schöne Grammophon steht. Ponlard ist gerade weggegaitgen und der Älteste Sprößling ist, stolz aus sein neues Latent, im Begriff, den Apparat Wieder aufzuzichen, als die Tür aufsprmgt und Herr Tonnean zorn-bebend erscheint. Sie scheinen sich ja vortrefflich zu unterhalten! Furet (lächelnd): 0' ja. Herr Tonnean. Die Kinder sind ganz entzückt von dem schönen Geschenk. Tonnean (barsch): So, ein Gescheukl Mr sagen Sie, haben Sie denn nur ein Lied? Furet. Nur das eine, aber das ist reizend. Wollen Sie es Höven? Tonnean (entsetzt): Rein, nein, nein! Ich kenne es schon! (Mit droheirdev Miene:) Und ich? Und meine Frau? Glauben Sie, daß wir das aushallen, den ganzen Tag Ihr „Schätzchen" mitauzichören? Furet (in seinen Grundbesitzersgefühten verletzt): Entschuldigen Sie, 'Herr — aber wir sind hier in unserem A Haus. Und wenn meine K.nder einmal eine nette kleine Unterhaltung haben, so werde ich sie ihnen nicht nehmen. Tonn eau (empört): Sie haben nicht das Recht... Furet (eittifüllend): Wenn Sie hier ein Recht halben, Herr Tonneau, bitte sehr... Ich bin hier in meinen vier Wänden. (Zum Äeltestenr) Rur los, mein Fungel Das „Schätzchen" zum zölften Mal. Tonneau (außer sich, flüchtet): Sie werden noch von mir hören! Am nächsten Morgen erzählt Furet schr beunruhigt Ponlard von Herrn Tonneans Besuch. Poulard (freudcstrahlend): Sie lverden noch platzen vor Wnt, die Schieber! Aber sie können nichts tun. Furet: Das Hab' ich mir auch gedacht. (Zögernd): Nur Sie haben uns immer so gute Kartoffel geschickt-.. P o u l a r d: Schön, ich werde noch mehr für Sie tun. Für jedes „Schätzchen", 'das Sie spielen, bekomMN Ihre Kinder zwei Sous von Mir. ' Furet (erstaunt): Und Ivenn sie es sÄn,Wmal im Tag spielen? _ Pull »ders (Schlupfwelle) Meltfttiiuiiif < S». »«><»! H°i,blch»h» , Vi., MtttifetM« «S - II., IS Mi 0968

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