Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2389 (17.10.1925)
- Date
- 1925-10-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«trce 4 Wien, Santstag Wiener Morgenzeitung 17. Oktober 1925 Nr. 8369 Hollanditrasic 14 Tr. Mataja und die MedeManu- Bank. Die Kampagne der Sozialdcntokraten gegen den Außenminister Dr. Mataja wird unentwegt fortgesetzt. Zlbg. Dr. B a u e % verwies gestern im Budgetausschuß auf einen Artikel der gestrigen Arbeiterzeitung", in deni behauptet wird, daß das Finanzministerium der Biedermann-Bank, und daß die Biedermann-Bank dom Doktor Mataja ungebührliche Begünstigungen göwährt habe. Das Finanzministerium habe der Biedermann-Bank im Juli 1923 zu den erstaunlichsten Bedingungen Kapitals vermehrunge n bewilligt, so daß das Syndikat dieser Bank etlva 30 Milliarden Kronen hiebei verdiente. Für die Protektion des Finanzministeriums hätte sich die Bindermann-Bank revanchiert und Dr. Mataja 16.000 Stilck Biedermann- Aktien zu dem niedrigsten, weit hinter dem Tageskurs zurückbleibenden Kurs zugeteilt. Diese Zuteilung von Wien an Dr. Mataja bedeute ein Geschenk von weit mehr als 100 Millionen Kronen. Diese Behauptungen seien solcher Natur, daß sie Zwingend eine parlamentarische Untersuchung erfordern. Solche Dinge können unmöglich mit Behauptungen und Gegenbehauptungen abgetan werden. Bor innigen Monaten hahe der Nationale ein Jnkompatibrlitätsgesetz beschlossen, wonach solche Behauptungen von einem besonderen Ausschuß zu überprüfen find. Sollten juristische Einwendungen dagegen erhoben werden, daß dieses Gesetz erst am 1. Oktober ht Kraft getreten ist» die von der Arbeiterzeitung" behaupteten Tatsachen sich weit früher zugetragen haben, so müßte ein besonderer Untersuchungsausschuß eingesetzt lverden, der;u prüfen habe, ob Dr. Mata-ja etwas begangen habe, was mit der (Hre eines Mitgliedes des Nationalrates unvereinbar iväre. Dieser Ausschuß müßte auch das Recht haben, Zeugen unter Eid einzuvernchmen und in die Handelsbücher Einsicht zu nehmen. Abg. Leuthner führte als Beweis für die Verstimmung zwischen der Wiener und der Berliner Regierung das Fernbleiben des deutschen Gesandten Doktor Pfeifer von Wien an, tvelche Behauptung in einem Wiener Blatte enthalten gewesen sei, das gute Beziehungen zur deutschen Gesandtschaft unterhalte. Bundeskanzler Dr. R a m e k /brachte ben Brief Dr. Matajas zur Kenntnis des Ausschusses und meinte, die Untersuchung der Angelegenheit durch einen Ausschuß sei Sache des Parlaments. Der deutsche Gesandte Dr. Pfeifer sei lediglich wegen seiner Erkrankung nicht in Wien. Die Beziehungen zur deutschen Reichsregierung seien die durchaus freundlichsten und bestens Abg. Dr. Bauer fand die Antwort des Bundeskanzlers unbefriedigend und zitierte aus dem Bericht der Bankenkommisston über die Kapitalsvermehrnng der Biedermann-Bank, daß der damalige EmisisionÄurs unverständlich niedrig zugunsten der Syndikalisten war, so daß theoretisch van dem Fehlen eines Betrages von 30 Milliarden nach Durchführung der Emission gesprochen werden könne. Nach Mitteilungen der ,Arbeiterzeitung" wurden dem Abg. Dr. Mataja gerade zu diesein Zeitpunkt 10.000 Stück Biedermann-Aktien zugeteilt, in welchem bekannt geworden tvar, daß das Finanzministerium der Biedermann- Bank die vierte Kapitalsvermehrnng zu so erstaunlichen Bedingungen bewilligt hat. Damals ist binnen wenige n Tagen der Kurs dieser Aktien von 26.000 auf 32.000 Kronen gestiegen. Dr. Mataja wurde mit den Aktien auf dem Depotkonto erkannt und mit dem Kaufpreis in laufender Rechnung 'belafttet. Die Mitteilung spreche auch von Barausschüttungen an Dr. Mataja. Offenbar handelt es sich da um Realisierung eines Teiles des Gewinnes. Sie spricht weiter davon, daß ein Teil der Aktien im Juli 1924 von der Anglobank übernommen worden sei. Eine solche Sache muß untersucht werden. Eine Erklärung Dr. Matajaö. Minister Dr. Mataja hat an den Bundeskanzler Dr. R a m e k folgendes Schreiben gerichtet: .Hochverehrter Freund! Zu dem in.der „Arbeiterzeitung" unter dem Titel „U n s a u b e r e s u n d Unappetitliches" erschienenen Artikel stelle ich folgendes fest: Es ist unrichtig, daß mir irgend wann Bieder- 'mannaktien zum niedrigen, weit hinter dem Tageskurs zurückbleibenden Kurs zugeteilt wurden. Ebenso u nrichtig ist, daß ich diese Aktien nicht bezahlen mußte. Ich habe einen gewissen Betrag in Biedermannaktien augelegt, habe diese Aktien zu normalem Kurse kaufen lassen und Lar b^alhlt. Es ist unrichtig, daß ich einen Teil dieser Aktien zu bettt damaligen hohen Kurs verkauft habe. Ich hatte nicht die Absicht, diese Aktien wieder zu verkaufen, halbe sie daher liegen gelüsten imd erst verkaufen lasten, als sie völlig entwertet waren. Ich stelle fest, daß ich niemals beim F im «Minister oder bei irgend einem Organ des Finanzministeriums noch sonst bei irgend einer anderen staatlichen Stelle dahin interveniert habe. daß der Biedermaunbank irgend welche Begünstigungen gewährt werden. Ich habe über die Biedmnannbank ü b e r h a u P t mit n 1 e m and derartigem gesprochen. Mit den herzlichsten Grüßen. . ." Von diesem Schreiben hat Minister Dr. Mataja eine Abschrift dem früheren Bundeskanzler Dr. Gei- P e l als Obmann der christlichsozialen Partei übermittelt. Eine Kampfansage Dr. Matajas. Dr. Mataja gab einem Vertreter der Politischen Korrespondenz it. a. folgende Erklärungen: ,^Jch bin mir natürlich ganz klar darüber, daß es sich den Sozialdemokraten um einen shstematischen Kampf gegen meine Person handelt. Ob die Angriffe sich auf politischem Gebiet bewegen, ob auf persönlichem, das Ziel ist das gleiche. Es ist eben eine kombinierte Aktion. Ich bin natürlich daraus gefaßt, daß nunmehr jeden Tag neue Angriffe kommen werden, aber meine Gegner scheinen mich zu unterschätzen: Ich fürchte den Kampf nicht, und wenn ein Kocher noch so voll ist, endlich kommt doch der letzte Pfeil. Der FriedemMvb bei der Alpinen. Graz, 16. Oktober. Aus Donawitz wird berichtet: Nachdem sich die Arbeiterschaft der Alpinen Montangesellschaft in bctriebsweisen Versammlungen der Mehrzahl nach für die Annahme der bei den Wiener Verhandlungen vereinbarten Bedingungen ausgesprochen hatte, wurde um 5 Uhr nachmittags eine große Versammlung der streikenden Arbeiter abgehalten. In der geheimen Abstimmung erklärten sich 1600 Arbeiter für und an 700 gegen das Uebereinkommen, das somit mit Mehrheitsbeschluß angenommen worden ist. Die Wiederaufnahme der Arbeit in den Betrieben der Alpinen Montangesellschaft wird nur etappenweise erfolgen können, da technische Vorarbeiten notwendig sind, bevor die gesamte Arbeiterschaft in Dienst gestellt lverden kann. Staffelweise ffrhöhung der Mieten. Eine LänderkoNserenz der Großdeutschen beschloß gestern, für eine stufen weise Erhöhung des Mietzinses grundsätzlich einzutreten, ba die heutige Lage aus dem Gebiet des DohnnngAvesens so uu-haltbar gMorden sei, daß sie zu einer neuen gesetzlichen Regelung dränge. Selbstverständliche Voraussetzung sei jedoch, daß alle Bevölkernngsschichlen, die auf feste Bezüge angewiesen sind, schadlos gehalten ümbcit. Für das neue Mietengesctz sei die Beibehaltung der Kündigungsbesch ränknngeu unentbehrlich. aetf. UM Ältestes 0««'.ISM Wiener Restaurant KRZIWANEK Kteisvetter-Hölscher 10M BERLIN NW 7 Friedridistraste - - Ecke Mittelstralle 37/58, I. Nur eine Trepp« Vorzügliche echt österreichische Küche, Pilsner Urquell, österreichische und deutsche Weine. Bürgerliche Preise Amerika und die Amerikaner . schildert der jetzt im Romanteil in Fortsetzungen erscheinende Roman Herr Fettwanst Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Oraüz broschiert S 8.10, in Leinen S 11 70 „Keule, Wanst und Backe“, wie der Roman englisch heisst, hat in Amerika einen Riesenerfolg gehabt. . Zuerst anonym erschienen hat es wie eine Autobiographie des jüdischen Einwanderers gewirkt. Die th'ltiker nannten das Buch e i n G e g e n* stück zu Upton S-inclairs Jungte“ Als solches gehört es der Weltliteratur an. Das soziale, gesellschaftliche, erotische Leben'in Amerika und besonders im jüdischen Ghetto New-Yorks weiss der Autor eindringlich und humorvoll zu zeichnen lu plastischen Bildern erstehen; der amerikanische Gerichtssaal mit seinen korrumpierten Richtern und Klientenzutreibern, die Spelunken und Kabaretts der City und der Vorstadt mit ihren Stimmungssängern und verliebten. leid vollen Kokotten, die Gasse, erdröhnend vom Gejohle kämpfender Banden, Fabriken mit streikenden Arbeitern, Parlament, Politik und Business Der Werdegang eines Gauners im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Ein Sittenbild Ein Kulturdoku ment An Die Abonnenten nad Verschleißer der „Wiener Morgenzeitung" in Pole». Die Direktion der Postsparkasse in Warschau teilt mit; daß s ä m t l i ch e polnische Postäm 1 er den Stufte«* erhalten haben, Einzahlungen aus A u S l a n d S k o n t i bis zu 100 Zloty auf einmal anzunehmen. Die Einzahlung der Abonnementsbeträge unterliegt daher keinem An> stand. Postsparkassenkonto der ,Diener Mori genzeittmg" in Warschau Nr. 190.327. Terror und Segenterror. Seitz gegen Baugoin. — Sturmszenen im Gemeinderai Die Kampfstimmung, die in den letzten Tagen m Parlament herrschte, hat auch den Wiener G emeinderat übergegrifsen. In der gestrigen Sitzung, die im Zeichen der Erhöhung der Straßeubahntarife stand, kam es zu heftigen Zusammenstößen Mischen Majorität und Opposüiou. Bürgermeister Seitz gab von seinem Platz als sozialdemokratischer Gemeinderat aus programmatische Parteierklärungen ab, die sich hauptsächlich gegen den Heeresminister Baugoin richteten. Er kündigte die schärfsten Gegenntaßnahmen seiner Partei in der Gemeinde gegen die Angehörigen der christlichsozialen Partei an, wenn die Berfolgungen, denen die sozialdemokratischen Wehrmänner ausgesetzt sind, nicht aushören. Minutenlanger Lärm Md Schimpfszenen nxiren die Antwort, die ihm von den Bänken der Opposition entgegenscholl. ,Mr Bürgermeister übt Terror, er droht und hetzt und greift einen Minister im Gemeinderat an, wo er sich nicht verteidigen kann, obwohl er als Natioualrat seine Beschlverden vor einem geeigneteren Forum Vorbringen könnte," replizierte der Sprecher der Christlichsozialen, Stadtrat Kunschak. Ein Hagel von Schimpfworten prastelte auf die Köpfe der Opposition, nieder. Bürgermeister Seitz konstatierte, daß er die fragliche Aeußerung über Repressalien in einer Wehnnänner-- versaminlung nicht in seiner Eigenschaft als Bürgermeister, sondern als sozialdemokratischer Politiker getan habe. Das stürmische Intermezzo fand im Rahmen eines Referates des Stadtrates Speiser über die Erhöhung der Bezüge der Straßenbahner um 5,5 Prozent statt. Der Antrag wurde schließlich einstimmig angenommen. Sodann referierte Dizebürgermeister Emmerling über die Erhöhung des Straßenbahntarifes, die durch das immer größer werdende Defizit notwendig wurde. Die Opposition stellte eiste Reihe von Rednern, um gegen die Erhöhung zu protestieren. Stadtrat K n n s ch a k führte aus, dast ein Defizit in keiner Bilanz aufscheine. Man habe einfach die Kosten für die Elektrifizierung der Stadtbahn auf das Konto der Straßenbahn übertragen und so künstlich einen Betriebsabgang pro Mnat von 2,5 Milliarden Kronen konstruiert. Gelegentlich der letzten Erhöhung des Straßenbahntarifes habe die Opposition den Antrag gestellt, Straßenbahn und Stadtbahn zu vereinigest. Damals habe der Referent dies als ein Ding der Unmöglichkeit bezeichnet. Heute ftcltt er selbst den gleichen Antrag. Gemeinderat Scholz (christlichsozial) stellte den Zusatzantrag nach Wiedereinführung W Zonentarifes, 5>er aber abgelehnt wurde. Die Redner betonten, daß die Stadtbahn nur aus Prestigegründen elektrifiziert wurde, um ein Wahlmanöver Zu beziehen durch die Buchhandlung 1$L £.* IT (Versandaht.)VVicii, I.PIeischmnrK Nr.l Nachdem noch eine Reihe von Rednern der Christlich» sozialen gesprochen hatte, wurde nach einem Schlußwort des Referenten, der ausführte, daß der Straßenhahnfahrpreis unter der Goldparität zurückgeblieben sei, während Löhne und Materialkosten diesen bereits erreicht haben, die Vorlage unter Ablehnung der Minderheitsanträge gegen die Stimmen der Opposition angenomm e n. Ebenso wurde der Referentenantrag über die Aenderung im Autobusverkehr, über die wir bereits berichtet haben, zum Beschluß erhoben. Wachsende Arbeitslosigkeit. Der Stand der im Bezugs der Arbeitslosenunterstützung Stehenden ist in der ersten Hälfte des Monats Oktober um 491 auf 64.857 (davon 24.249 weibliche) gestiegen. Außer diesen Aribeit'slolsen standon 4498 (davon 1027 weiMche) im Bezüge der außerordentlichen Beihilfe. Die Zahl der unterstützten Angestellten ist bei andauernd ungünstiger Lage um 748 aus 12.023 gestiegen. Eine etwas stärkere Nachfrage nach Arbeitskräften zeigt sich nur .feiten# des Handels, welcher besonders jugendliche Stenotypistinnen und Korrchpondent'inneu verlangt. _________ Ramsay Mac Donald in Wien. Der gewesene englische Ministerpvästdent Ramsay M a e D o n a l d ist am Mittwoch in Begleitung des Lords Arnold in Wien angekommen. Seine Reife tragt streng privaten Charakter. Von Wien werden sich die beiden Herren nach Prag begeben. AnslSsnng der tschechischen RatioWl- Prag, 16. Oktober. (Dschechoislow. Preßbuveau.) Mit Entscheidung des Präsidenten der Republik sind daS Abgeordneienhcms tmd der Senat a nfgelöst worden. ,