Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2389 (17.10.1925)
- Date
- 1925-10-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2869 Mon, Sa>mstag Wiener Morgenzeitung 17. Oktober IW Gerte 3 Ae zimWche« - y. SB i e n, 17 Oktober Fm die Zionistische Organisation beginnt morgen eine bedeutsame Woche. Am Montag versammelt sich Ln Gens die ständige Mandatskommission, um die Berichte und Anträge an den Völkerbundrat für dessen Herbstsession verhandlungsreif zu stellen. Sie hat sich mbst anderen Gegenständen auch mit dem Mandat über Palästina zu beschäftigen. Die britische Regierung hat aus die ihr von der Kommission vorgelegten Fragen in einem Weißbuch geantwortet, die Zionistische Exekutive in London legt als die im Artikel 4 des Mandats airerkannte jüdische Vertretung ein umfangreiches Memorandum vor, eine syrisch-palästinensische Arabergruppe hat eine Eingabe gesendet und dem Vernehmen nach hat es auct) eine jüdische Körperschaft in Palästina für altgezeigt gefultden, Beschwerde über die angebliche religiöse Jntol^anz der Zionisten zu führen, und solcherart eine mmrjüdische Angelegenheit vor eine nichtjüdische Instanz zu tragen und in ein Politikitm zu verwandeln. Es wird somit das jüdische Palästinaproblem in seiner Gänze ausgerollt werden. Zwei Tage später wird in Berlin die Tagung des Zionistischen Aktionskomitees beginnen; ihren Beratungen wird diesmal die gesamte Bewegung mit besonderer Aufmerksamkeit folgen. Die vom Kongreß designierten Führer Weizmann und Sokolow legen die in Paris vereinbarte Liste der neuen Exekutive vor; die Ratifizierung durch das Aktionskomitee wird für die nun folgende Zeit bis zum 15. Kongreß über die zionistische Arbeit entscheiden und ihr die' Richtlinien ziehen. Das Budget ist zu sichern, Tempo, Art und Absorbierung der Einwanderung muß geregelt und die weitere Entwicklung der finanziellen, politischen und administrativen Institutionen vor jeder Störung gesichert werden. Dieses Programm umfaßt zugleich die im einzelnen schon schwierigen Aufgaben der Expansion und der Konsolidierung, die Notwendigkeiten der Einwanderer und der jüdischen Arbeit und die reibungslose Einfügung der Immigranten in die wirtschaftliche Konstruktion. In diesem Programm besteht der Pflichtenkreis der Organisation, deren Aufgaben heute bereits Staatsaufgaben sind in einem sich von Tag zu Tag erweiternden Rahmen. Die Agenden sind so weit gespannt, daß ein Heer von Beamten in der ganzen Welt zu ihrer Bewältigung aufgeboten werden muß. Die demokratische Fügung der Organisation bedingt die weitestgehende Kontrolle und das Jneinandergreisen so vieler lokaler, staatlicher und sozialer Einflüsse, vermehrt durch das von Natur aus zur Kritik neigende jüdische Temperament, schasst ein Bild imponierenden Lebens-'und Arbeitswillens. Die Exekutive, die in London und in Jerusalem sitzt, muß eine ganze Welt übersehen, wird von einer ganzen Welt beobachtet. Sie muß dem Pulsschlag des jüdischen Lebens folgen und jede ihrer Aeußerungen weckt ein tausendfaches Echm Wo Juden leben, ist der Zionismus, und wo Zionisten sind, dort ist Palästina. Diese Tatsache erklärt es, mit welchen Hoffnungen wir in dieser Woche die Berliner Beratungen verfolgen werden. Sie sollen die Einheit des Zionismus, seinen Willen zur unverdrossenen Fortführung des Baues des nationalen Heimes in Palästina vor der Welt verkünden, die sich in dem Jubel über die Krise im Zionismus nicht genug tun kann. Was wir zu fordern haben und worauf wir, unbeschadet des Fortganges des Aufbauwerkes, bestehen müssen, das ist die politische Fundierung des Werkes und seine Bewahrung vor störenden Eingriffen von außen. Diese Forderung kann man nicht schärfer fassen, als Präsident Weizmann in seinem Brief an die Man datskommission, in welchem er sagt, daß trotz der Bestimmungen des Mandats der Artikel 6 noch immer nicht erfüllt ist, der der Verwaltung die Aufgabe erteilt, im Einvernehmen mit der jüdischen Vertretung die geschlossene jüdische Siedlung zu fördern. Diese Feststellung ist'die Konklusion aus den Debatten des Kongresses, sie ist das, was jeder Zionist fühlt, und sie ist der stärkste Antrieb für die Bestrebungen, alles Trennende beiseite zu stellen und das Aktionskomitee , zu zweckdienlichen Beschlüssen zu führen. Der Delegiertentag der österreichischen Zionisten, der. heute abends mit seinen Arbeiten beginnt, Was machen Sie jeden Abend? »Ich lasse mich mit Diana*Franz rtanntwein massieren!« »Warum gerade mit Diana-Franzoranntwein?« »Weil ich mich überzeugt habe, dass nur Massage mit DIANA Franzbranntwein mit Menthol solche Schmerzen lindeit, welche von Ueberanstrenguog und schwerer Arbeit herrühren Ebendarum kaufe ich nur Diana - Franzbranntwein und nichts anderes.« UeberalB erhältBich Dinna-Frürizbrnnntwein-Produktion - Ges. WtBsN, II. PRAG, Will. Engerth&trasse 169 Lieben, Drahobeijova 1073 int Zeichen dieser Notwendigkeit. Er hat das grandiose Bild des Kongresses noch vor Augen, ihm entsteht doppelt eindringliche die Pflicht, den Beweis zu führen, daß in Wien, dem Ausganspunkt des zionistischen Gedankens, die Tradition fortwirkt und die nationalen, kulturellen und demokratischen Werte des zionistischen Bekenntnisses unverändert in Kraft stehen. Irr achte BEour-Tag. Herbert Samuel wird sprechen. London, 15. Oktöber. (I. T. A.) Für heu 2. November, den achten Jahrestag der Verkündigung der Balsonr-Deklaratiou, wird in London eine g r o ß e z i o n i st i s ch e K u n d g e b u n g vorbereitet. Der frühere britische Oberkommissär für Palästina, Sir Herbert S a m u c i, mich an diesem Tage zum evstenmal in einer öfst'ntilichen zionistischen Versammlung das Wort ergreifen. Außerdem werden der Präsident der Zionistischen Organi-. sation, Dr. Ehaim Weizmann, und der Präsident der ExoWve/.Vahmn' S o k o l ow, sprechen. Den Vorsitz wird der Präsident - der englischen Zionistischen Föderation, Sir' Philipp Gnedalla, Mren. Sie Hetze gegen den Iiomsten-* toastet Eine MiMMgungsrede Seipels. In der Inneren Stadt fand Mittwoch abends eine Versammlung katholischer Frauen statt, in welcher der gewesene Bundesländer Seipel über Parlamentarismus und Demokratie sprach. Er ist für den Parlamentarismus, weil nach dessen Wegfall die Diktatur käme, so wie sie in Rußland und in Italien besteht. Deshalb muß man sich vor einer über triebenen Kritik der Demokratie und des Parlamentarismus hüten und die Gewaltanwendung als Mittel der Politik ablehnen. In diesem Zusantmetchang kam Dr. S e i p e l auch auf die Hetze ztl sprechen (er nennt sie „Rummel"), die im Juli und August in Wien gegen den Zionistenkongreß unter sympathischer Anteilnahme der „Reichspost" betrieben wurde. Dr. Seipel führte aus: „Vor längerer Zeit hat es hier in Wien wieder einmal einen kleinen Rummel gegeben. Unter starkem Aufwand von Polizeimannschaften ist der Z i o n i st e nkongreßgeschützt worden. Gegen ihn und gegen ein.polizeiliches Verbot einer Gegendemonstration hat es eine erst recht stürmische Demonstration gegeben. Für die Zionisten, denen selbst kaum etwas geschehen ist, muß es eine lustige Sache gewesen sein, zuzusehen, wie sich ihretwegen die anderen, die Christen, untereinander rauften. Für uns aber war ein solcher Ausbruch der Leidenschaft nicht gut, und er hat zu gar nichts Gutem geführt. Freilich gab es Leute, die mit uns Christlich sozialen unzufrieden waren, weil wir auch damals an einer Politik des inneren Friedens festhielten; weil wir vor Demonstrationen, die den Ruf der Gastfreundschaft, der unsere Stadt sonst so auszeichnet, und den sie gerade in der jetzigen Zeit notwendig braucht, zu zerstören drohen, und die sich noch dazu gegen die Unrichtigen wendeten, warnten; weil wir das Ueberhandnehmen radikaler Strömungen nicht dulden konnten. Daß wir die schwersten Zeiten des Umsturzes verhältnismäßig gut überdauerten, verdanken wir zum großen Teil unserer bewährten Polizei. Es wäre schabe, wenn wir das auch nur in einem Ailgenblick "der Erregung vergessen und dann durch Verallgemeinerung einer Kritik, die sicher nur in vereinzelten Ansnahmsfällen berechtigt sein konnte, jene verbitterten, die sich nach wie vor um die Erhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung verdient machen. . Noch gefährlicher wäre es, wenn deswegen, well wir nicht gewohnt sind, bei jeder Gelegenheit auf die Straße hinausznziehen und Radau zu machen, wohlgesinnte junge Leute von uns weggingen, um sich radikaleren Gruppen zuzuwenden. Wozu so etwas führen kann, hat man anderwärts gesehen. Die nationalsozialistische Bewegung hat einmal in Bayern zu einer ausgewachsenen R e v o l n t i o n geführt. Es "wurde angekündigt, man werde Deutschland umgestalten und freimachen. Die Revolution ist aber nicht sehr weit gekommen imb die Bewegung, die sich so Großes vorgenommen hatte, ist in sich und in ihrer Unzulänglichkeit' zusammengebrochen. Wo aber eine solche Bewegung glückt, könnten sehr leicht jene, die sie zu führen glauben, allzu rasch die Zügel ans der Hand verlieren, und so, ohne es zu wollen. denen Vorarbeiten, die überhaupt nur pon Unruhe und Unordnung leben können." , / Jeher Krieg hon nun an anoge. schlossen." Schluß in Locarno. — Acht Vertrage unterzeichnet. — Feuerwerk und Illumination. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung"^' . Locarno, 16. Oktober. Die letzte Sitzung m Konferenz wurde heute um halb 7 Uhr abends eröffnet und dauerte genau eine Stunde. Me in Locarno anwesenden Minister nahmen daran teil. Es wurden acht Dokumente unterzeichnet oder paraphiert, und zwar der R h e j np a k t, die Schichsverträge zwischen Deutschland einerseits und Frankreich, Belgien, Polen und der Tschechoslowakei andererseits, ferner das Protokoll, durch welches das Ende der Konferenz registriert wird, und schließlich eine schriftliche Erklärung, die von der ftanzöfifchen Regierung an Polen und die Tschechoslowakei gerichtet ist und in der zum Ausdruck gebracht wird, daß Frankreich die Schiedsgerichtsverträge zwischen Deutschland und feinen östlichen Nachbarn g a r a n t i e rt. Die östlichen Schiedsverträge enthalten eine Präambel, die besagt, daßjederKrieg zwischen den Unterzeichnern von nun an ausgeschlossen ist. Die Unterzeichnung des VenvagZwevkes von Locarno begann um 7 Uhr 25 Min. abends. Fünf Minuten später verkündete Händeklatschen, das durch die g <efchlossenen Fenster des Konferenzsaales bis auf die Straße hörlbar war, die Vollendung des feierlichen Aktes. Das zahlreiche Publikum und die Vertreter der Weltpresse nahmen den Applaus auf. Raketen wurden abgcfeuert und nach wenigen Minuten öffneten sich die Fenster des im ersten Stock gelegenen Konferenzsaales, an denen gruppenweise Briand und Dr. Luther, Chamiberlain und verschiedene andere Delegierte erschienen, von verstärktem Beifall begrüßt. Schließlich zeigte der belgischeIuri st R o I11 >n dem Publikum das socken paraphierte Schriftstück. Zuerst verließ die polnische Delegation das Gebäude, worauf Vandervelde und Briand und sodann unter lauten Evviva-Rufen Mussolini folgten. Als nach einer kleinen Pause die deutsche Delegation entblößten Hauptes auf der Freitreppe erschien, stieg der Jnbel der Menge auf seinen Gipfelpunkt. Auch dem Staatssekretär C h a mberlain, der von seiner Gattin albgeholt wurde, wurden lebhafte Lwationen dargckracht. Der Vertrag von Locarno, wie die amtliche Bezeichnung der soeben paraphierten Dokumente lautet, ist d a m i t v o l l e n d e t und die. Delegationen dürften morgen die Stadt verlassen, deren öffentliche und private Gebäude entlang dem Seeufer den ganzen heutigen Abend hindurch festlich illnmi nier t bleiben. Deutschland im Völkerbund. Locarno, 16. Oktober. Wie hier in maßjgckeuden Kreisen verlautet, wird am 7. Dezember e i n e S i tzu n g des Völkerbundrates einberufen werden, die sich mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund beschäftigen wird. Es soll nur abgewartet werden, bis die Außenminister in ihren Parlamenten über die Ergebnisse von Locavno berichtet und die Parlamente die Verträge ratifiziert haben. Der Rheinpakt. Locarno, 16. Oktober. (Tel.-Komp.) Der Wortlaut des Rheinpakte's und der übrigen Schiedsverträge wird in den ersten Tagen der nächsten Woche -in den Hauptstädten der beteiligten Staaten veröffentlicht werden. Der Eindruck in Paris. Paris, 16. Oktober. (Tel.-Komp.) Mmisterpräisident Painleve hat gestern sofort nach Eintreffen der in Locarno vereinbarten Texte diese dem Präsiden- 'ten der Republik zur Kenntnis gebracht. Heute vormittags verlas er sie vor dem K a b i n e t t s r a t. Dieser brachte einstimmig seine Zustimmung zum Ausdruck und ließ Außemimster Briand feine Glück wünsche über- Die ^Neichsvott". Im Finanzausschuß berichtete gestern Polizeipräsident Schober über das Reformprojekt bezüglich der öffentlichen Sicherheitsorgane. Abg. Dr. Odehnal gab namens seiner Partei die Erklärung ab, daß sie keinerlei Mißtrauen gegen die Wiener Polizei hege und insbesondere dem Präsidenten Schober das vollste Vertrauen schenke. Durch Zwischenrnst wurde der Redner auf die Haltung der „Reichspost" während des Zionistenkongresses aufmerksam gemacht. Nach dem Zusammenstoß zwischen Hakenkrenzlern und Polizeiorganen nächst der Votivkirche hatte nämlich die „Reichspost" die Wiener Polizei und speziell den Präsidenten Schober ans das heftigste angegriffen. Dr. Odehnal erwiderte nun: „Wir haben schon wiederholt erklärt, daß die „Reichspost" nicht in dem Sinne unser Organ ist, wie etwa Parteiblätter anderer Richtungen. Wir können ihr k e i n e V o r s ch r i f t e n machen, wie-sie diese-oder jene Sache beurteilt. Wir als Partei haben das vollste Vertrauen' zum Präsidenten Schober und zur Polizei." „ ■ . . : :. Beim Verlassen des Mysees erklärte Painleve den Journalisten: „Der Kabinettsrat hat mit großer Bewegung der Vorlesung des Textes zngehört, durch den bas in der Geschichte am meisten mit Blut befleckte europäische Gckiet, der Rhein, wieder in die internationale Moralität ausgenommen wird. Der Rheinpakt sieht die friedliche Lösung aller Streitfälle vor, die zwischen den Userstaaten des Rheins ausbrechen könnten." Letzte Kurie. New-Aork, 16. Oktober. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.84«/,^., London Scheck 4.80«/,,. Amsterdam 40.20, Paris 4.47*14. Brüssel 4.461/*/ Rom 4.027z, Madrid 14.07. Zürich 19.28, Stockholm 26.77. Oslo 20.36 Kopenhagen 25.08 Men 14'/«, Budapest 14% Prag 2961/«, Belgrad 178, Athen 1.39%, Buenos Aires 41. Rio de Janeiro 14.45. Bukarest 48. Nelv-Dvrk, 16. Oktober. (Tel.-Komp.) Weizen rot Winter 144'/,. Wetze» hart Winter 143V« Mats 95% Hafer 45«/,. Roggen 88«/, ■ Chikugo, 16. Oktober. (Tel.-Komp.) Weizen per Dezember 1447«, 'Rai 143«/,. Juli —: Mais per Dezember 75«/,, Mai 80'/,. Juli —; Hafer per Dezember 395,8, Mai 44.—. ^;• '.■! —.« ÜHaaaau Vvv CS&aintKt*» ftltl., Apat ftCS/_ „ »