Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2388 (16.10.1925)
- Date
- 1925-10-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Seite 2 keinen weiteren Beweis für die Wahrheit von der moralischen Minderwertigkeit des Antisemitismus. Sollte aber ein solcher gesucht werden, so lese malt die Aeußmmgen des rumänischen Hetzers En;a, der sofort nach der Rückkehr Volt diesem Randvögeliongreß erklärt, der Magyar sei in seiner Dummheit ein überzeugter Antisemit, während er, Cllza, doch nur Ant""mitismus aus Opporhmitätsgründcn betreibe. Das [}eiK daß es nur auf den Preis ankommt. Wenn es opportun ist, so ist Cuza kein Antisemit und verbrennt, was er gestern angebetet hat. Diese Sorte von Geschöpfen will eine internationale Verbindung gegen das Judentum zustande bringen. Sie will genau das tun, was sie den Juden andichtet. Da ihr polnischer Verstand nicht über das Niveau der anti-- semitischen Kellerluke hinausreicht, so wäre es überflüssige Mi he, sich mit dem, was sie an Programmen produzieren, ausetnaniderznsetzen. Aber sie sind doch kein Ding an sich. Sie stehen im Dienste einer gar reichen, mächtigen und einflußreichen politischen Strömung, deren Saaten reifen, je wilder es zugeht. Der Jtidenhaß ist eines der Mittel, die das Terrain vorbereiten sollen für die Entfesselung neuer blutiger Wirren, für die Erwürgung der Demokratie. Bei den Juden fängt's an und beim Weltkrieg eudet's. Das ist so das System der Raubvögel. Ser Rassenkrieg im Srient. Englische Befürchtungen« Ans London wird uns geschrieben: Auf den Debatten des Kongresses der anglikanischen Kirche, der kürzlich in Eeastbourne Lei London tagte, klang ein Alarmruf heraus, der in der ganzen zivilisierten Welt ein lebhaftes Echo erwecken sollte. Die Gefahr eines erbitterten Krieges der Rassen, der ungleich schrecklicher und verheerender zu werden droht als der große Krieg, in dem die Nationen Europas einander gegenüberstanden, wurde hier in düsteren Farben von Männern geschildert, die im innigen Verkehr mit den verschiedensten Völkern des Erdballs gelebt haben und leben, und deren Warnungsrus deshalb die größte Beachtung verdient. Insbesondere gilt dies von den Ausführungen, die Reverend Oldham, der Schriftführer des Rats des internationalen Missionswesens, gemacht hat. Oldham, der in seiner amtlichen Eigenschaft beständig von Kontinent zu Kontinent unterwegs ist, kam zu dem Schluß, daß das Verlangen nach Gleichberechtigung bei den sogenannten minderwertigen Rassen heute so übermäch 1 ig geworden ist, daß ein Beharren auf der hochmütigen Abweisung dieser elementaren Forderung mit zwingender Notwendigkeit unberechenbare Folgen zeitigen müßte. Man könne sich nicht länger verhehlen, daß der Gegensatz zwischen diesen und den europäischen Rassen sich immer schärfer ausprägt. Der erbitterte Wettbewerb um die Warenmärkte und den Zugang zu den Rohst offen verschärfte diesen Widerstreit immer mehr, vor allem zwischen den Völkern des fernen Ostens und den europäischen Westmächten. Die Beschränkung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten und in die britischen Dominions habe daher auch gelegentlich bereits zu Sanktionen und Repressalien geführt. Man dürfe dabei auch nicht außer acht lassen, daß, wenn der Bolschewism u s heute in den Ländern des Islams ständig an Boden gewinnt, der Grund hierzu darin zu suchen sei, daß die Bolschewiken die Mohammedaner auf dem Fuß voller Gleichberechtigung behandeln, während die Westvölker es stets unterlassen haben, dieses Verfahren zu üben. Viscount Willington, der frühere Gouverneur Bombays, unterstrich scharf die Wahrheit dieser Ausführungen, mit dem Hinzufügen, daß man es sich unbedingt abgewöhnen müffe, heute noch von minderwertigen oder niederen Rassen zu sprechen. Man beschwöre sonst einen Konflikt herauf, der sich zu der entsetzlichsten Tragödie entwickeln könne, die die Welt je erlebt hat. Das gelte in gleichem Maß hinsichtlich der gelben wie der schwarzen Rasse. ..Säuberung" bei Damaskus. 100 Tote. Beirut, 15. Oktober. (Havas.) Bei einer gestern in der "Jity: von Damaskus durchgeführten Säuberungsoperation sind etwa 100 Banditen gerötet worden. Ae „Aktion francoffe". Maurras' Todesdrohungen gegen Schramek. Paris, 15. Oktober. Heute -nachmittags fand die Gerichtsverhandlung gegen den Herausgeber der ,Mion fraucaife", den Obersten Maurras, statt, der wegen eines offenen Briefes angektagt war, den er an den Jimeuminister Schramek gerichtet hat und in dem T o d e s d r o H u n g c n enthalten waren. Im Juli war Maurras in contumaciam zu' zwei Jahren G e s ä n.g n i s und 2000 Franken Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte aber Einspruch erhüben. Heute erschien er, begleitet von vielen Freunden, vor Gericht und hielt selbst eine lange Verteidigungsrede. Das Ur- \ eil wird erst inacht Tagen bekannt gegeben werden. Zwischenfälle ba-ben sich nicht ereignet. , ' _ Wiener Morgenzeitung 9er erlaube Hochverrat. Berlin, 15. Oktober. (Wolfs.) Nach einer Korrespondenz ist das H o ch v c r r a j s v e r •! a h r e n, das gegen den völkischen Abgeordneten v. G r ä f e wegen des Verdachtes seiner Beteiligung am Hitler-Putsch vom Oberreichsanlvalt eingeleitet worden war, auf Grund -des Amnestieerlasses eingestellt worden. 9er Polizeichef von Liegnlh verhaktet. Wegen politischer vergehen gegen die Republik. Breslau, 15. Oktober. In Liegnitz wurde unter aufsehenerregenden Umständen der Leiter der dortigen Kriminalpolizei, Kriminalkommisiär Ernst Klein, verhaftet. Diese Maßnahme wurde von höherer Stelle aus verfügt. Es erschien in den Räumen der Kriminalpolizei eine Kommission des Staatsgerichtshofes mit einem Staatsanwalt an der Spitze und erklärte zum größten Erstaunen der Beamtenschaft den Kriminalkommissar Klein kurzerhand für verhaftet. Die Festnahme ist auf Grund einer geheimen Untersuchung erfolgt, die die Breslauer Staatsanwaltschaft im Aufträge des Staatsgerichtshofes geführt hat. Nähere Einzelheiten werden noch nicht bekannt gegeben, da angeblich im Interesse der Untersuchung strengstes Stillschweigen am Platze sei. Die Umstände der Verhaftung lassen aber erkennen, daß Kriminalkommisiär Ernst Klein unter Mißbrauch seiner Amtsbefugnisie p o l itischeVergehen zum Schade ndcrRcpublik begangen hat. Der Kongreß der nationalen Minderheiten. Die Eröffnungssitzung. — Deputierter Grttnbaum im Präsi-iurrr. Gens, 15. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die öffentlichen Verhandlungen des ersten Kongresies der nationalen Minderheiten wurden heute vormittags von dem slowenischen Abgeordneten im italienischen Parlament Doktor Wils an mit einer Begrüßungsansprache eröffnet/ An der Sitzung nahmen etwa f ü n s z i g D e l e g i e r t e von zwölf Nationalitäten teil. Dr. Wilfan betonte, daß das Ziel der Tagung sei, eine friedliche Zusammenarbeit der nationalen Minderheiten mit der Mehrheit in allen Ländern zu fördern. Als zweiter Redner wies der Vorsitzende der ungarischen Bölkerbundvereinigung in der Tschechoslowakei, Geza v. Szullo, darauf hin, daß die Minderheiten in Europa zurzeit dreißigMillionen Seelen umfassen. Er verlangte die Organisierung der Minderheit e n und die Schaffung eines internationalen Bureaus zu ihrer Verteidigung. Hieraus hob der Führer der Minderheitsgruppen im lettischen Parlament, der deutsche Abgeordnete Schiemann, hervor, daß die Proklamierung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker vielen Nationen die Erlösung, gebracht habe, wahrend anderen das Recht der freien staatlichen Selbstbestimmung vorenthalten werde. Er forderte für Millionen heute noch bedrängter Menschen eine weitgehende nationale . Befreiung und protestierte gegen alle Entnationalisierungsbestrebungen. Hierauf wurde Dr. Wilfan zum Präsidenten des Kongresies gewählt und zu Vizepräsidenten ernannt: Geza v. S z u l l o als Vertreter der ungarischen Gruppe, Doktor Schiemann für die deutschen Gruppen, Graf S i e r akowski für die polnischen Gruppen und Abgeordneter Grünbaum für die jüdischen Gruppen. Als Generalsekretär wurde der deutsche Delegierte aus Estland Dr. A m e n d e bestätigt. Der Kongreß lehnte ein Gesuch um Zulasiung zweier mazedonischer Profesioren aus Sofia zum Kongreß ab, weil das Komitee der Ansicht ist, daß nur die bevollmächtigten Vertreter der organisierten nationalen Minderheiten teilnehmen können. Der Kongreß nahm schließlich in der heutigen Sitzung e i n st i m m i g folgende Entschließung an: Die Delegierten von 33 Gruppen und zwölf Nationalitäten, die 35 Millionen Menschen umfasien, bekennen sich feierlich zu folgenden Grundsätzen: Die n a t i o n a l e, kulturelle Freiheit ist ebenso ein Gut der K u l 1 u r w e l t wie die religiöse Freiheit. Dieser Grundsatz soll als ewiges Prinzip für die Völkerbundbestrebungcn anerkannt werden und seinen Ausdruck in wirksamen Rechtsnormen finden. Dementsprechend soll jeder Staat gehalten sein, den Angehörigen seiner nationalen Minderheiten den ungekürzten und freien Genuß aller staatsbürgerlichen Rechte zu gewährleisten. Die Beratungen des Kongresses werden morgen fortgesetzt. Letzte Kurie. New-York, 15. Oktober. (Tek.-Komp.) Berlin 23.80, London Kobe! 4.877g. London Scheck 4.80'/*, Amsterdam 40.19, Paris 4.48'/,, Brüssel 4.54V2, No», 3.93, Madrid 14.34, Zürich 16 28. Stockholm 26 77. Oslo 2018 Koliendogen 24.72. Wien 14'/,. Budapest 147<, Prag 2967t, Belgrad 1777,, Athen 1.39'/,. Buenos Aires 417«, Rio de Janeiro 14.65. Bukarest 487, New-Bortt, 15 Oktober. lTel.-Komp.) Wetzen rot Winter 1427t Weizen hart Winter 1427.. Mats 94.- Hafer 457.,!»0M» W>/.. . Chikago. 15. Oktober. <Tel.-§komp.) Weizen per Dezember 1437., 'U-«i 142V2 Juli Mais ver Dezember 75- Mai 797,, Juli — —; Hafer ver Dezember 367-!, Mai 437,.. Jmi —; Roggen per Dezember 81'/,. Mai 867,, Juli —' 16. Otto'ter .Mü £Rt 9868 ---,r Das Werk von Lommo. Der Text des Sicherheitspaktes angenommene - Unterzeichnung später. — Die Ostverträtzch noch offen. Locarno, 15. Oktober. Da der aus Berlin zuvuLgekehrte Staatssekretär Kempner die Ermächtigung für die deutsche Delegation mitbrachte, dem Sicherheits- Pakt zuznstimmen, trat heute um halb 11 Uhr vormits tags die gestern verschobene Vollsitzung der Konferenz zusammen. An dieser nahmen zum erstenmal auch der tschechoslowakische Außenminister Dr. Benesch und der Polnische Außenminister Skrzynski teil. Ueber die Sitzung, die bis nach 12 Uhr dauerte, wurde folgendes Communique ausgegeben: „In der heutigen achten Vollsitzung wurde der Gesamttext des Entwurfes eines SicherheitSpaktcs angenommen. Daraus wurde die Frage der Schiedsverträge aus die Tagesordnung gesetzt. Die Vertreter Polens und der T s ch e ch o -s l o w a k c i wurden ei-ngeladcn, an der Sitzung teilzuiiehmen, um den Bericht der Rcchtssachverständigen über deren Arbeiten hinsichtlich der Entwürfe der Schiedsverträge zwischen Deutschland u, n d Frankreich, beziehungsweise Deutschland und Belgien mit anzuhören. Der Text dieser Entwürfe wurde von den beteiligten Delegationen a n g nommcn. Die Vertreter Polens und der Dschechoslotvakei machten sodann Mitteilungen über den bereits fortgeschrittenen Stand ihrer eigenen Verhandlungen mit den Vertretern der deutschen Regierung und übe-r die Entwürfe von Schiedsverträgen zwischen Deutschland u n d P ol e n, beziehungsweise Deutschlandundder Tschechoslowakei. Es wurde beschlossen, die e n d g ü l t i g e A n n a h m e der verschiedenen Verträge sowie die Erörterung der Frage des Zeitpunktes «ihrer Veröffentlichung einer späteren Sitzung vorzubehalten." Die Hauptschwierigkeit bildet noch der deutsck>- polnische Schiedsvertrag, über den heute Reichskanzler Dr. Luther eine lange Konferenz mit dem Polnischen Außenminister Skrzynski hatte. Sodann konferierten Luther und 'Dtresemann mit Chambcrlaiu. Der Schiedsvertrag Deutschlands mit der Tschechoslowakei gilt als unter Dach gebracht. Man erwartet, daß es morgen gelingen werde, auch zwischen Deutschland und Polen eine Einigung zu erzielen. Chamberlain hat diese Hoffnung schon heute bei einem Diner der Pressevertreter, dem die Chefs aller Delegationen beiwohnten, eskomptiert, indem er sagte, das Werk der Konferenz sei beendet, Europa se i vom diktierten zum vereinbarten Frieden fortgeschritten. Ms Chamberlain in seiner Bankettrede erklärte: ,Dei diesen Verhandlungen gibt es weder Sieger noch Besiegte", klatschten alle Delegationschefs einschließlich des deutschen Reichskanzlers Beifall. Sollten die Hoffnungen auf den morgigen Tag stch erfi'lllen, so würde Samstag die Schlußsitzung der Konferenz stattfinden, bei der die Unterzeichnung der in Locarno vereinbarten Vertrage erfolgen soll. Wie freilich Europapreß von alllliierter -Seite erfährt, dürfte in Locarno nur eine Art Protokoll unterzeichnet werden, während der eigentliche Pakt ür einer feierlichen Sitzung in L o n d o n nach entsprechender Vorbereitung der Veriragsstücke unterfertigt werden wird. Damit dürfte der Vertrag den Namen „Pakt von London" erhalten. In dichtgeschlosienem Automobil ist um 4 Uhr nachmittags aus Stresa (dem Sitze des russischen ^Beobachters" der KonforerH) kommend, Mussolini in Locarno eingetroffen. Chamberlain, Briand und Benef ch statteten nacheinander dem italienischen Ministerpräsidenten Besuche ab. Sodann fuhr Mussolini beim deutschen Reichskanzler und bei Stresemann vor. Mussolini wird den Westpakt im Namen Italiens unterzeichnen. Mmbör als zettmgsmachrr. Budapest, 16. Oktober. (Tel.-Komp.) Abgeordneter Julius Gömbös, der Führer der Rassenschützler, hat heute die Chefredaktion des völkischen Organs „Szozat" übernommen. Der bisherige Chefredakteur, Abgeordneter Andreas Zsilinsky, tritt einen Urlaub an, von dem er, den Blättern zusolge, nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren wird. __ * Die Drusen und die „nackten Teufelinneu". Frau Mirjam Harry, die in Syrien geborene Gattin eines bek-muten Pariser Bildhauers, führt im „Matin" bittere Klage über die Ungeschicklichkeiten, die General Sarrail, der «svanMche Obcrkommandievende in Syrien, begangen hau Sarrail so schreibt sie, ließ keine Gelegenheit' Vovübergchen,. ohne bei den Drusen Anstoß zn -erregen. So gcüb er einmal in Sueida ein großes Ballsch, a-n dem die Kauen der framösi'schen Offiziere 'n reich ausgeschnittenen Kleidern teilnchmen, wrs großes Aergernis bei den geladenen Eingeborenen erregte, un i er denen sich auch der Oberpriester der Drusen befand. Der tat fRwf der Heiligkeit sichende kirchliche Würdenträger war so erschüttert über den Anblick der, wie er sich ausdrückle, „nackten Tense- Ünnen", daß er sich drei Tage lang m eine Moschee einschloß, um dorr durch Gebet und Fasten für die umrenv'lligen Sünden zu büßen, die seine Augen begangen hatten. Frau Harry ist überzeugt, daß solche und ähnliche Vorgänge, die die D.msen in iihrm beiligsten Enwfindungen verletzen mußten, -nicht zum wenigsten dazu beigetralgen haben, den AMand su entsesiM; aMffiaaa