Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-10-16 · Heft 2388 (16.10.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2388 (16.10.1925)
Date
1925-10-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981474--24359-3011896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Poicn; 2Q gioszyt Wi,en. /umAbholen in der Expedition, 11., Taboistr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. ö Schilling Straasenverkaui in Wien durch die Kolporteure der Finna O o I d ach mied, l„ Wollzeile 11 Mit Poslversond für Wien und Oesterreich monatlich; ' 5 Schilling TbcWch o-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mpn. Din. 60. Pol en: Mon. 4 Zloty. 0 e u t s c h l a n d: Mon. Gm. 4, Frankreich, Bel gien:;Mon.; Frcs. 18 Niduahlangen bei Freit« er behänden Vorbehalten rentr lPreis 20 g| England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien Mon.IOOLews. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs.'.h Redaktion, Administration: Wien, II; Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D.uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Sir. 2188 Wien, Freitag. 16. Araber 1928 7. Jahrgang Der Ausbau der Ferufalemer Univerfität. Irr offizielle Bericht Wer die Sitzung des Kuratoriums. Die „Wiener Morgenzeitung" hat am 2. d. eingehende Mitteilungen des Kanzlers der Jerusalemer Universität, des Herrn Dr. M a g n e s, - veröffentlicht. In teilweiser Ergänzung dieser Aeutzerungen berichtet uns das Kuratorium über seine zweite Sitzung, die am 23. und 24. September in München abgehalten wurde: Die Konferenz behandelte zunächst di e'Fr age d e r zu künftigen Verwaltung der Universität. Es wurde ein Komitee unter Vorsitz Dr. Weizmanns eingesetzt, welches einen Berfassungsentwurf für die Universität ausarbeiten soll, der dann dem Kuratorium, der Jewifh Agency, dem Akademischen Rat, dem Fakultätsgremium und den verschiedenen Landeskomitees zur Begutachtung' vorgelegt werden soll. Bis zum Inkrafttreten dieser Verfassung wurde folgender provisorischer Verwaltungsplan angenommen: Die o b e r st e L e i t u n g der Universität soll in den Händen des Kuratoriums liegen, welches z w e i m a l j ä h r l i ch an Orten, die der Mehrzahl der Mitglieder als die geeignetsten erscheinen, tagen soll. Das Kuratorium bestimmt die allgemeinen Richtlinien und die Grundsätze der Verwaltung, beschließt das Budget, trägt die Verantwortung für die Aufbringung der Mittel und ernennt die Professoren und sonstigen Lehrkräfte auf Grund der Vorschläge des Akademischen Rates. An der Spitze des Kuratoriums steht ein zweigliedriges Präsidium, . das sein Zent ralbu re an in London hat. Das Präsidium ist dre Repräsenta n z d e s Kuratoriums nach außen. Es hat gemeinsam mit der Palästinaexekutive des Kuratoriums das Budget sowie die Materalien und Pläne für den weiteren .Ausbau der Universität vorzubereiten .Es fungiert ferner als Appell in stanz. Herr Pros. Einstein und Herr Dr. W e i z m a n n wurden zu Präsidenten des Kuratoriums erwählt. Herr L. Kohn, London, wurde zum Sekretär des Präsidiums ernannt. Das Kuratorium wird in -Palästina durch eine zweigliedrige Exekutive vertreten, deren Mitglieder den Titel Kanzler, beziehungsweise Vizekanzler tragen. Herr Dr. M a g n e s und Herr Norman B e n 1w i ch wurden hierzu ernannt. Aufgabe der Exekutive ist es, die Beschlüsse des Kuratoriums in Palästina durchzuführen und solche Befugnisse auszuüben, die ihr vom Kuratorium übertragen werden, insbesondere die Verwaltung des Vermögens und die Vertretung des Kuratoriums gegenüber dem Lehrkörper. Der Exekutive steht ein aus den Direktoren der einzelnen Institute zusammengesetzter wissenschaftlicher Beirat zur Seite, der von Zeit zu Zeit gemeinsame Sitzungen mit der Exekutive abhält. . Das Kuratorium wird in allen akademischen Fragen von einem Akademischen Rate beraten, der aus den Professoren der Universität und führenden jüdischen Gelehrten außerhalb Palästinas besteht. Insbesondere ist dieser Rat, der die Funktion eines Senates hat, für die Vorberatung der Ernennungen von Professoren und anderen Lehrkräften und für die Unterbreitung diesbezüglicher Vorschläge an das Kuratorium zuständig. Als Bureau des Akademischen Rates fungiert das Präsidialbureau des Kuratoriums in London. Die Konferenz beschloß ferner, das Kuratorium durch die Einladung einer Reihe führender jüdischer Persönlichkeiten der Wissenschaft und des öffentlichen Lebens zu verstärken. Sie erwählte ferner den ersten^ akademischen Rat, dessen Vorsitz Herr Pros. Dr. Einstein übernommen hat. Die Konferenz trat sodann in die Beratung des Budgets ein. Dieses enthält einen Voranschlag für die Ausgabe von 43.000 Pfund Sterling für die laufenden Unterhaltungs¬ und Verwaltungszwecke und von 36.000 Pfund Sterling für Neubauten. Das laufende Budget enthält Posten für die Erhaltung des judaistischen Instituts, den Ausbau eines o r i e n t a l i st i s ch e n und eines archäologischen Instituts, die Erhaltung und den Ausbau der Universitätsbibliothek sowie der chemischen und mikro-biologischen Institute und für die Errichtung der mathematischen und naturhistorischen Abteilungen. Die Schaffung eines pädagogischen und eines änthropologischön Instituts wurde aus Mangel an Geldern für e -i.n, Jahr äusgeschoben. Der Bau des physikalischen Instituts' soll Unv er zü gl ich in Angriff genommen werden. Das Kuratorium beschloß ferner, weitere Gelder für den Bau.der Universitätsbibliothek, zu welchem die Wolffsohn-Stiftung das Grundkapital beisteuert, aufzubringen. Zum Schluffe beriet das Kuratorium die Frage der Aufnahme des Volkshochschulplanes in das Programm der Universität. Entsprechend den Vorschlägen des Herrn Dr. Bub er erklärte sich das Kuratorium unter Wahrung des Forschungs- und höheren Fortbildungscharakters der Universität in ihrem ersten Stadium für die Herstellung einer lebendigen Zusammenarbeit zwischen der Universität und der Volkshochschule, deren Begründung von der Universität gefördert werden soll. Zu den Beratungen waren erschienen die Herren Professor Dr. Einstein, N. Svkolow, Doktor I. L. Magnes von Kuratorium der Universität, Richter I. Mack als Vertreter der amerikanischen Kuratoren, sowie die folgenden zur Beratung des Kuratoriums eingeladenen Gelehrten: die Herren Prof. Dr. E. Landau (Göttingen), Prof. Dr. L. O r n st e i n (Utrecht), Professor Dr. R. Ehrmann (Berlin), Prof. Dr. I. Horovitz (Frankfurt am Main), Dr. Martin Bub er (Heppenheim), Prof. Dr. A. Fodor (Jerusalem) und Professor Dr. O. Marburg (Tel - Awilv). Herr Doktor M. S ch l ö ß i n g e r (aus dem Haag) nahm an der Sitzung als Vertreter des Kuratoriums der Wolffsohn-Stiftung und Herr L. Kohn, London, als Sekretär teil. ~ ■ " und der Völkerbund. Tschitscheri» würde einen Beobachter entsenden. ’ Berlin, 16. Oktober. (TelMomp.) Derrussische BEskommissär für Aeußeres, TiWscherin, . erklärte einem Mitarlbeiter der „Vossischen Zeitung" gur, Frage einer Anna h er iu n g R 'U ß il a n d s an den B ö l kerb u n.d und. der Entsendung eines russischen Beobachters nach Genf unter anderem: ,/Was die erste Gventnalitcit anlangt. so. hat die Sowjetregierung während der letzten Jahre mehrmals offiziell erklärt, daß der Entsendung eines Beob achters in den Völkerbund ihrerseits nichts i >m Wege sicht. , Die Entsendung eines Beobachters der Sowsttregiernng in den Völkerbund ist absolut a n n e hin b a r, u n a n n e h urbar «st dagegen eine MitgliedschasUder Sowjetregierung in" einer Kallektivorgäitisation von Staaten, in welcher Majoritäisbeschküs,sc 'und Exekn1toncn Klotz greifen können. . .> ,! „Ich sehe nicht," schloß Dschitscherin, „wie hier sine Brücke geschlagen hwfrsn bann. Um jedes Mißverständnis auszuschbießen, möchte ich noch einmcvl betonen, daß eine Aender >u n g d e r b i s h e r i g e n Politik der Sowjetregierung dem B öl!k erbund gegenüber völlig aw s g es ch 1 os!se n ist." Kommnuistenverhastungen in England. London, 14. Oktober. (Reuter.) Die Polizei hat mehrere K o m m u n i st e n f ü h r e r verhaftet, darunter den Generalsekretär der kommunistischen Partei Jnkpin, den Redakteur des Blattes „Wbrkers Weekly" Campbell, der der. Aufreizung von Militärpersonen zum Ungehorsam beschuldigt ist, den Generalsekretär der nationalen Minoritätenbewegung P o l i t t und den kom merzielleu Direktor des Blattes;,Workers Weekly" Win t r i n g h a tit, ferner die Kommunisten G a l l a ch e r und Belli. Bei den Verhafteten wurde eine große Menge von Schriftstücken beschlagnahmt. . Nach den Blättern sind auch in der Provinz Hausdurchsuchungen bei Kommunisten und mehrere Verhaftun gen vorgenommen worden. An die Besitzer i Berliner Häuser! Berliner Grundstückspezialist in Anfechtungu. Autwertunmen , erteilt kostenlos Auskunft bei Bankhaus M. Münzer / Wien I., Hessgasse Nr. 7 Täglich von 9 bis 12 Ühr vormittags und von 3 bis 7 Uhr nachmittags. - y. W t c it, 16. Oktober. Ein Antisemitenkongreß war in der Vorwoche in Budapest beisammen. Die magyarische Hauptstadt schien dieser Ehre besonders würdig. Sie ist das Zentrum des Landes, in-welchem der Antisemitismus das regierende Prinzip ist. Dort ist die Beseitigung des Judentums durch eine Kombination von legalen und illegalen Pogrommethoden zur Staatsmaxime gemacht worden, in werktätigster Ausführung der Lehre, daß der' jüdische Einfluß aus die Gesellschaft gebrochen werden müsse, um eine Sanierung der Seelen zu 'erreichen. Dieses Streben ging von der Gewalt, vom Rechtsbruch und vom Pogrom aus und wurde von jenen, getragen, die den Staat und das Volk in den Krieg uwd in die Niederlage geführt hatten. Deshalb ist-wohl die Attacke gegen das Judentum gelungen. Wer die große Lüge ist heute wohl schon offenkundig. Die Verlotterung aller öffentlichen Zustände ist in Ungarn zu ansehnlichen Dimensionen gediehen und wenn die zu dem'Kongreß Erschienenen osfene Augen und guten Willen besäßen, so hätten sie gerade m der Hauptstadt Horthys erkennen müssen, wie diese Lüge.wirkt, die siecherbreiten.' Sie haben keine offenen Augen und keinen guten Willen. Es ist eine Sippschaft böser Narren,, betrogener. Betrüger, deren gut bezahlter Beruf der Haß ist, gegen die Juden und gegeneinander. ■ Zu diesem Kongreß waren. Vertreter aus Rumänien, aus Deutschland, Deutschböhmen und aus: Oesterreich erschienen. Die Delegation aus der Donaurepublik war besonders interessant zusammengestellt: Ein Hakenkreuz-Jugendlicher und ein paar Monarchisten der radialen Couleur, die sich : bei den Straßenkrawallm im August aus das arisch-germanische Roß gesetzt hatten und' deren.Habsburg-Legitimismus dadurch eine sehr problematische Sache ge- , worden ist. Sie waren nach Budapest gefahren, um dort, wie die Einladung verlogen anzeigte, an einem Kongreß gegen Raubvögel teilzunehmen. Es wurde auch erzählt, daß sie zum Studium der bei dem letzten Kommunistenrummel angeblich entdeckten bolschewikischen Verschwörung von der Budapester Polizei eingeladen wurden. Diese Affäre ist zu einer hübschen Blamage der Horthy-Leute geworden. Sie hatten von einem Kongreß gefabelt, der zur Zeit des Zionistenkongresses in Wien unter Leitung Bela Kuns stattgesunden haben sollte. Es wurde sogar ein zionistisches Lokal als Ort der Beratung angegeben, merkwürdigerweise mit einer nicht existierenden Wresse. Alle Mitteilungen, die der Budapester Nachrichtenapparat > in reicher Zahl und mit immer sich steigernder Sensation auswarf, waren falsch. Aber sie lieferten dem Pogromgesindel neuen Stofs zu den Angriffen aus die österreichische Regierung, die die jüdische Verschwörung geduldet habe. Am ärgsten krakeelten die Monarchisten unter dem sich Sektionsches und Baron nennenden Schager und dem aus Znaim davongejagten ersten arischen Gurkenhändler Teufel. Und just diese fuhren nach Budapest, um den geistigen Zusammenhang mit den Erwachenden des Herrn Horchy zu dokumentieren, jenes Reichsverwesers, den die von dem Hauptmann Werktnann eben jetzt mit Zustimmung der Kaiserin Zita publizierte Ausgabe der letzten Auf-. Zeichnungen des Kaisers Karl öffentlich als eidbrüchigen , und prositbedachten Patrioten an den Pranger stellt. Mau betrachte diese ganze Gesellschaft und' man braucht 4909

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.