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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-15 · Heft 2387 (15.10.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2387 (15.10.1925)
Date
1925-10-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M-n, SüÜM«t'»teg " ssiettec Morgenzeitung 13. OMiet IMS «t,» «Merheitsfragen auf der lntrrparlamentarischenKouferenz. Die Konferenz geschlossen. Ottawa (Kanada), 14. Oktober. Die Konferenz der Jmtevparlamentarischen Union Pt ihre Beratungen.von Washington nach Ottawa verlegt. Ans der dort abgehaltenen Tagmlg wurde unter anderem eine Entschließung angenommen, die den Grundsatz der Bildung von gemischten Kommissionen von Mehrheitstt nd Mi nderheiLsver tr e t e r n billigt, deren Ausgabe es sein solle, eine gerechte Lösung der strittigen Minoritätensragen zum Zwecke der Beilegung von Kon-. Men herbe iMihreu. Ein weiterer Teil der Entschließung spricht sich für die Verweisung der Fragen betreffend die M i n d e r h e i t e n vom Völkerbund an den Inte rnationalen Gerichtshof i >m Haag ans. Die Tagung wurde nach einigen Ansprachen, in denen den Regierungen der Vereinigten Staaten und Kanadas der Dank ausgesprochen wurde, geschlossen. Kriegswinter i« Marotte. Fes, 14. Oktober. (Havas.) Die militärisch e u Operat>ionen werden demnächst ihr Ende finden, da sowohl die Franzosen unb die Spanier alle ihre Ziele erreicht haben und die kommende Regenzeit neue Offensiven -möglich macht. Alan dürfte sich jetzt daraus beschränken, Abd el Krinr von den Aufständischen durch Errichtung einer Art von Riegelstellungen zwischen den einzelnen Teilen des Nisgebietes zu trennen. Die Beschiefrunft von Tetuan. London, 14. Oktober. (Tel.-Komp.) Nach Meldungen ans Fes hat sich in den letzten Tagen das Feuer der RPabylen auf Tetuan verstärkt und e r u st e F o lg e n gehabt. Es wurde auch der Bahnhof beschossen, wobei eine Anzahl von Menschen ums Leben kam. Disziplinierung radikaler Farzifte«. Wegen der Vorfälle in Rom «nd Florenz. Rom, 14. Oktober. Tie Agenzia Stefani veröffentlicht folgende Mitteilung: Infolge der Z w i f ch e n f ä l l o v o n Flore nzundRo m, für die die B e r a n t w o r 1 u tt g eini g e n. ex t r e m i st i f ch e n Elementen der FaszistenPartei zufällt, hat das Direktorium der Faszistenpartei auf Anordnung des Ministerpräsidenten Mussolini energische Maßnahmen gegen alle radikaleren faszistischen Formationen ergriffen. Diese sind teils aufgelöst worden, teils steht ihre Auflösung bevor. Jene Personen, die verbrecherischer Handlungen schuldig sind, sind verhaftet worden und werden gerichtlich abgeurteilt werden. Von allen Faszisten wird unbedingte Disziplin und vorbehaltloser Gehorsam verlangt. ' Die disziplinierten Faszisten haben dem Ministerpräsidenten oder dem Direktorium der Partei telegraphiert, daß sie die St rase.« nn äh m en und dem Faszisinms Treue bewahren. Ae Pogromiftenkonserenz in Budapest. Budapest, 14. Oktober. Wie „Esti Kurier" meldet, haben in der .Bett von: 3. bis 6. Oktober i nternati onfilc antiscmitische Beratungen in Budapest stattgefunden, an denen Vertreter antisemitischer Organisationen aus 14 Staaten teilgenommen haben. Abg. Fabian (Demokrat) hat heute in der Nationalversammlung eine Interpellation über die Verhandlungen der ungarischen R a s s e n s ch ü tz l e r mit den rumänischen Rassen schützlern angcmeldet. Das Rassenschützlerorgan tut Ausgleich. Das christlichsoziale Abendblatt „A N e p", das vor kurzem sein Erscheinen eingestellt hat, hat nunmehr uni Einleitung - des Z w a n g s a u s g l e i ch s v e r f a h r e n s außerhalb des Konkurses angesucht. Die Aktiven werden mit 490 Millionen, die Passiven mit 350 Millionen angegeben. Es wird ein 4llprozentiger Ausgleich ange,boten. Erdbeben. Rom, 14. Oktober. Die Erdbebenwarte voll Florenz oerzeichnete gegen 18 Uhr 30 Minuten den Beginn eines F e r n b e b e n s v o n a u ß e r o r d e n t l i ch e r S t ä r k e. Die Entfernung wird auf 6 4 0 0 K i l o m e t e r geschätzt. Die Dauer war ungewöhnlich lang. Der Herd des Erdbebens dürfte in In dien zu suchen sein. Auch die Sternwarte von Faenza hat zu derselben Zeit den Beginn eines dreistündigen Erdbebens verzeichnet, dessen Entfernung ungefähr 7800 Kilometer betragen dürste. Kabelbruch im Atlantischru Szean. Berlin, 14. Oktober. Im Atlantischen Ozean ist das M8 Sc eure i len la n ge .Atzor e n - N >e w - H o> r t - K' a b e l gerissen. Sechs' Tage lang hat das KabMM der Great Wüster!« „Eallonia" mach der Bruchstelle gesucht, eine schmierige Ausgabe auf dieser laugen Strecke.ht 3000 Faden Tiefe. Am sechsten Tage konnte endlich die schwere Arbeit bewältigt u-ntz zunächst das Kabel gefunden werden, das einen ausgedehnten Bruch aulswies, der anscheinend aus ein mächtigesa>ntMsseeiisch§s Beben zurückiznsühren lvar. Der Bruch war so ausgedehnt, daß nichts anderes übrig blieb, als ein neues Kabelende anznMeißen, das neu bi^ noch Florjo ans Fayal verlegt werden mußte. Der dritte tag der Lemberger Prozesses. (Bon unserem H.-Korrespondevten.) 'ch Lemberg, 14. Oktober. Heute um 10 Uhr vormittags wurde die gestern wegen des Todes des Geschwornen Szulakiewicz unterbrochene Verhandlung wieder ausgenommen. Für Szulakiewicz trat ein Ersatzgeschworner ein. In Fortsetzung seiner Schilderung der Ereignisse vom 5. September 1924 beschrieb der Angeklagte Stanislaus Steiger seine Verhaftung und seine Eickieferug bei der Polizei sowie das erste Verhör, das dort mit ihm angestellt wurde. Im Saal entstand große Be w egung, als Steiger schilderte, wie ihn der A Polizeikömmissär Kaj-dan beim ersten Verhör ins Gesicht schlug. Sreiger gab dann eine eingehende Darlegung des P o l i z e i v e r % ö r s, das, wie er sich ausdrückte, eur S y st e in von Provokativ n darstellte. Aus die Frage der Verteidiger, wie die Angaben der Hanpl'belastungszeugin, der Ballettänzerin Pasternak, bsi der Polder gelautet hätten, bezw. ob sie ihtt, Steiger, dezidiert beschuldigt habe, erklärte Steiger, beim ersten PölizeivM;ör habe der Polizeibeamte erklärt, die AlOsage der Pasternak laute, es scheine ihr, daß Steiger der Attentäter sei. Erst viel später sei ihm bskanntgegeben worden, daß' die Pasternak dezidiert die Beschuldigung gegen ihn ,*/*.*. ^/w4/ 4$ /f* V'<6^ Annahme der BWerLvndresoivtiov im Aationalmt. Beilegung des Konfliktes im Parlament. Die stürmischen Vorgänge iit der Dienstagsitzung des Naiionalrates fanden gestern keine Wiederholung. Die zahlreichen Galeriebesucher, die sich in der Erwarturtg neuerlicher Skandale im Parlament eingefunden hattech kamen nicht ans ihre Rechnung, mußten aber zwei Stunden geduldig warten, bis die Regisseure der österreichischen Politik den Konflikt der Sozialdemo traten mit der Regierung und dem Minister Mataja soweit eingerenkt hatten, daß die tags zuvor unterbrochene Sitzung wieder ausgenommen werden konnte. Den ganzen Dag über wurde gepacke'lt und schließlich den - Sozialdemokraten eine Antwort der Regierung emgehändigt, worin die gegen Mataja und seine Außenpolitik gerichteten Angriffe z u r ü ck g e w i e s e n, aber erklärt wird, daß -das Kabinett zwar mit der Sache, die M a t a j a vertreten habe, voll und ganz solidarisch sei, aber sich mit den einzelnen Wendungen der Stegreif r e d e des Außenministers tticht identisij ier e. Die abermalige Kritik Leuthners wiesen die Sozialdemokraten in ihrem Antwortschreiben zurück und erklärten sich wieder mit Leuthner solidarisch, nahmen aber die Mitteilung des Bundeskanzlers zur Kenntnis, daß sich die Regierung mit den Aeußerungen Matajas nicht identffiziere. Im übrigen beschloß der sozialdemokratische Verband, jeden Verkehr mit Dr. Mataja abzubrechen. Ueberdies vereinbarten die Präsidenten des Hauses eine Rüge, die zu Beginn der Sitzung allen an beit dienstägigen Vorkommnissen Beteiligten zu erteilen wäre. Um 5 Uhr na-chmittags lvurde die Nationalratssttzung mit dieser präsidialen Rüge, die sich vornehmlich gegen Dr. Mataja, den Abg. Leuthner und die diversen Zwischenruser richtete, eröffnet und die zweite Lesung der Genfer Regierungsresolution fortgesetzt. Außenminister Dr. Mataja trat der Auffassung entgegen, als ob die Forderung nach Beseitigung der Koutrolle ein Oesterreich znstehendes Recht sei. Nach de-m dritten Genfer Protokoll handle es sich vielmehr um ein diskretionäres Recht des Völkerbundes, der aus eigenem Ermesseu entscheiden kann, wann der Zeitpunkt der Beendigung der Kontrolle durch den Genemlkomlnissär gekoMlNten sei. Dr. Mataja interpretiert-e auch das Wort von der Sicherung des finanziellen Gleichgewichte's, das nicht gleichbedeutend sei .mit der Herstellung dieses Gteichgewichtes. Man müsse sich auch fragen, ob es zweckmäßig gewesen wäre, im Augenblick die Auchebung der Kontrolle durchsetzen zu wollen, und da komme .man auch zu den Gründen, welche den anderön Faktoren nur die stufenweise Aushebung der Kontrolle geboten erscheinen ließen. Es wurde tzns entgegenge-halten, daß^ bk Plötzliche Aushebung der Kontrolle möglicherweise geeignet sein könnte, den Kredit Oesterreichs zu schädigen. Daß die Kontrolle ans Politischen Gründen erhoben habe. Dieser Teil der Aussage iSteigers wirkte geradezu sensationell. Die heutige Verhandlung wurde verhältnismäßig zeitig geschlossen, hauptsächlich mit Rücksicht aus den Angeklagten Steiger. Dieser vermochte heute die Ruhe, die ihn am ersten Perhandlungstag ausgezeichnet hatte, nicht m e h r z u b e w a h r e n. Die Erinnerung an die d emütigenden Vorgänge bei seiner Verhaftung, die Steiger heute schildern mußte, übermannte ihn derart, daß er im Verlaufe des Verhörs i tu m c r u c r v ö s«r wurde; er geriet mehrfach in starke Erregung, die bald wieder D e p r e s s i o s z u st ä n d e u Platz machte. Einige Male brach Steiger während seiner VerMtwortuna in Weinen ans, das sich bei der Schilderung der Brmalitären des' mmissärs Kajdan zu einem förmlichen Weinkrampf steigerle.. Während dieser alle Anwesenden erschütternden Ähase der Verhandlung v e r l i e ß der V-erteidiger Doktor Löwen ste in in heftiger Erregung den Saal. Der Präsident und die Mitglieder des Gerichtshofes' versuchten, Steiaer m beruhigen; die Gerichtsfunktionäre gäbet! tmwieder eingeführt werden könnte, ist gänzlich ausgeschlossen. Aus nicht stichhältigen Gründen werde sich keine Dreiviertelmehrheit int VMerbündrat für die Wiedereinführung der Kontrolle finden. Die Annahme des Gegenvorschlages der Opposition hätte n e u e V e r h a n dluugen zur Boraüssetznug und der für uns wichtige Termin des 31. Dezember könnte nicht mehr eingchalten werden. Wik können uns ans ein solches Experiment nicht einlassen. Im übrigen hätte der Vorschlag der Opposttton auch beim Völkerbund keine Aussicht auf Annahme. Was vre handelspolitischen Verhandlungen anlange, so habe die österreichische Reg^ierung sich der Verpflichtung unterzogen, für die Einführung von Präferenzzöllen $it wirken. Sie habe aber daneben ihre 'Bestrebungen ^ur A u s d e h n u n g d e s H a n d e l s v e rtragssystem's fortgesetzt. Diese handelsipMischen Bestrebungen Oesterreichs wurden vor allem von der italienischen Delegation warm unterstützt. Schließlich trat der Mnister der Behauptung entgegen, daß Oesterreich isoliert sei. Wohl habe noch vor einigen Mogaten in England eine etwas trübe Stimmung gcherrscht, itt der letzten Zeit, ist aber eine bemerkctis-' werte Besserung eingetreten. Auch die Bchauptung von einer Trübung des Vcrhälltniffes zum Deutschen Reich sei unrichtig, Während der Rede Dr. Matajas hatten die Sozialdemokraten demonstrativ den Saal verlassen und erschienen erst wieder, als der nächste Redner, der Großdeutsche Dr. Dinghofer ^das Wort ergriff. Er beteuerte dell Anschlußwillen seiner Partei und sprach sich gegen die soziaGemokratischen Gegenanträge aus. Dr. B a u s r befiirchtete von der Annahme der Regierung'sresolniion, daß es nun der Völkerbund zehn Jahre lang in der Hand haben werde, Oesterreich, wenn es ihm beliebt, einen Kontrollor zu schicken. Bei Mer Entscheidung, die Oesterreich über fein Schicksal treffen werde, werde man ihm sagen: ,Iu' es nicht, sonst kommt/der Kontrollor!" Er wisse, daß die Mehrheit bereit sei, die Kapitulationsresolution anzunchmen/ die Verantwortung für di-e Folgen werde auf dev Mchchett lasten. Nachdem noch der Landbündler Dr. Schönbauer gegen die Resolution gesprochen hatte, /wurde sie mit den Stimmen der EhrisKichsozialen und Großdentschen angenommen. Wchste Sitzung^ Donnerstag den 20. d. nm^3 Uhr nachmittags. Bor dem Ende der Streiks bei-der Minen. Ein neuer Vennittlungsvorfchlag. Die Verhandlungen mit der Alpinen Moutangesells-chaft sind Mnmchr in ein a k u t e s S t a d i u m getreten. Bei neuerlichen Verhandlungen unter Vorsitz des Ministers Dr. Resch im Beisein des Laudeshauptttrannes Dr. Rmtelefl mit den Vertretern der Alpinen Montaugesellschaft- Generaldirektor A p o l d und Generalsekretär Dr. Bussen, sowie Nationälrät Domes kam es gc-- stevn zu einer Eini g u n g über die Grundlagen einer Verständigung. Diese Grundlagen wurden beiderseits als g e e i g n e t befunden, einer für heute aicke- > räumten Verhandlung, der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeltnchmer der Alpinen M-ontangesellschast als Basis zu dienen. Wenn nicht unvorhergesehene Zwischenfälle siutteten, dürfte der Fri ede n ss chl uß unmittelbar bevor stehen. Der neue Vermittlungsvorschlag akzeptiert das Anerbieten der Alpinen, bei Verdiensten bis 120 Schilling monatlich -ine A u f b e s s e r tt n g v o n 12 }

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